Kapitel 4

Sie saßen in der Limousine die sie zu dem Büro von Chandler.net gebracht hatte und waren auf dem Weg zurück zu ihrem Hotel. „Also mir hat sie gut gefallen,“ sagte Nick gerade. „Was, die Präsentation oder Sarah?“ fragte Brian amüsiert. „Nunja,“ Nick tat so als denke er intensiev darüber nach „Die Webseite natürlich,“ entgegnete er dann verschmitzt grinsend „und Sarahs Hintern,“ die Anderen lachten. Bis auf A.J., der war tief in seinen Sitz hineingerutscht und sah schweigend aus dem Fenster. „Sie scheint auf jeden Fall sehr professionell zu sein,“ sagte Kevin. „Oh Mann, kannst Du nicht mal aufhören so vernünftig zu sein,“ entgegnete Nick und schob schmollend die Unterlippe vor. „Du bist der Spaßvogel hier, nicht ich,“ entgegnete Kevin „und wenn ich nicht aufpasse ist alles was Dir von dieser Präsentation in Erinnerung bleibt dieses Videospiel und Sarahs Hintern.“ „Immerhin ein wohlgeformter Hintern,“ schaltete sich Howie grinsend ein. „Aber mal im Ernst, diese Idee mit dem Tourtagebuch finde ich garnicht so schlecht,“ fuhr er fort. „Stimmt,“ pflichtete Brian ihm bei „das würde den Fans sicherlich gefallen. Abgesehen davon könnte ich dann auch selbst mal nachlesen, was wir so gemacht haben. Wenn ich Leighanne alles erzählen will, wenn ich wieder zu Hause bin, dann habe ich immer schon die Hälfte vergessen.“ „Mal abgesehen davon, daß ihr sowiso täglich fünftausend Mal telefoniert und sie die ganzen Geschichten schon kennt,“ sagte Nick und erntete dafür einen Klaps auf den Oberschenkel. „Könntet ihr Euch denn vorstellen mit Sarah auf der Tour unterwegs zu sein,“ fragte David unvermittelt. „Ich sofort,“ kam von Nick wie aus der Pistole geschossen. „Warum nicht,“ sagte Brian „ich habe nichts dagegen,“ Howie nickte bekräftigend „klar, sie scheint nett zu sein,“ stimmte auch Kevin zu „und nicht zu vergessen professionell,“ fügte Nick hinzu, Kevins altklugen Tonfall nachahmend. „Was ist mit Dir,“ fragte David an A.J. gewandt, der immernoch schweigend aus dem Fenster starrte. „Was?“ A.J. schreckte aus seinen Gedanken auf. „Mann, wo bist Du denn gewesen?“ fragte Nick grinsend und rüttelte A.J. an der Schulter. „Wir stimmen gerade darüber ab, ob wir diesen perfekten Hintern mit on Tour nehmen sollen.“ A.J. erschrak ein wenig. So schnell hatte er mit einer Entscheidung nicht gerechnet. Würde er damit Probleme haben, wenn sie ständig um ihn herum war? Würde sie damit klarkommen? Er mußte sich eingestehen, daß die Vorstellung, jeden Tag in ihrer Nähe sein zu können einen gewissen Reiz hatte. Die Anziehung, die er schon gestern im Club gespürt hatte, war immernoch da. Er hatte während der gesamten Präsentation die Augen nicht von ihr abwenden können. Er hatte sie beobachtet, wie sie die Stirn runzelte wenn sie nachdachte, wie sie sich zu Nick heruntergebeugt hatte um ihm etwas auf dem Monitor zu zeigen und wenn sie lächelte, schien die Sonne aufzugehen. Keine Frage, er wollte sie wiedersehen, er wußte blos nicht, ob es so gut war, sie mit on Tour zu nehmen. Sollte irgendetwas schief laufen, konnten sie sich schlecht aus dem Weg gehen. „Was ist nun?“ fragte Nick in seine Gedanken hinein. A.J. zuckte mit den Schultern „warum nicht. Sie scheint ja ganz in Ordnung zu sein.“ „Jiphee,“ rief Nick und sprang in seinem Sitz auf und ab. „Warum freust Du Dich denn so,“ fragte A.J. argwöhnisch. „Ich finde sie einfach klasse. Sie sieht gut aus, ist nett und sie will meine Comics auf die Seite bringen.“ „Aha, daher weht also der Wind,“ entgegnete Kevin „eine Frau braucht blos Interesse für Deine Comics zu zeigen und schon hat sie einen Stein bei Dir im Brett?“ „Das ist aber einfach,“ sagte Brian und mit einer hohen Stimme fügte er hinzu „Nick, kannst Du mir Deine Comicsammlung zeigen?“ Allgemeines Gelächter begleitete Nicks Versuch, Brian in den Schwitzkasten zu nehmen. Davids Stimme brachte sie nach einer Weile wieder zur Vernunft „O.k. Jungs, genug jetzt,“ sagte er resolut und sofort kehrte wieder Ruhe in den engen Raum der Limosine ein. „Mir hat die Präsentation auch gut gefallen. Im Gegensatz zu den anderen Vorschlägen enthält sie einen frischen Wind und ich denke, daß kann der momentan etwas vernachlässigte europäische Markt gut gebrauchen. Nachdem Sarah so gut bei Euch ankommt werde ich auch darauf bestehen, daß sie uns begleiten wird und nicht irgendein anderer Mitarbeiter. Immerhin hat sie das Konzept erarbeitet und somit kennt sie sich auch am besten damit aus.“ A.J. schluckte. Somit war es also beschlossene Sache. In zwei Monaten würden sie sich also wiedersehen und dann ein halbes Jahr in Europa zusammen verbringen. Er konnte sich immernoch nicht entscheiden, ob ihm diese Vorstellung gefiel, doch bei dem Gedanken daran, begann sein Herz einige Tackte schneller zu schlagen.

A.J. betrat sein Hotelzimmer, immernoch in Gedanken versunken. Plötzlich sprang ihn etwas von der Seite an und brüllte „Überraschung.“ „Ah,“ schrie er vor Schreck „mein Gott Amanda, Du hast mich zu Tode erschreckt,“ rief er und legte dabei die Hand auf seine Brust. Sein Herz begann seine Arbeit wiederwillig wieder aufzunehmen, doch nun im doppelten Tempo. „Tut mir leid Baby,“ entgegenete Amanda lächelnd und küßte ihn zärtlich auf den Mund. A.J. versuchte sich unauffällig von ihr zu lösen. ging hinüber zu dem kleinen Kühlschrank und holte eine kleine Flasche Wasser hervor. „Was machst Du denn hier?“ fragte er und war selbst überrascht über seinen groben Ton. „Ich dachte, Du freust Dich, wenn ich dich besuchen komme,“ entgegnete Amanda kleinlaut. Als A.J. zu ihr hinüber blickte, wurde sein Herz weich. Ihre Unterlippe bebte und Tränen begannen sich in ihren Augen zu sammeln. „Tut mir leid Schatz,“ er ging zu ihr hinüber und nahm sie in den Arm „ich habe mich einfach nur erschreckt. Tut mir wirklich leid.“ „Ist schon in Ordnung,“ entgegnete Amanda schniefend und schmiegte sich an ihn. Wie immer, wenn er ihr so nahe war, gab sein Hirn den Geist auf und ein anderes Körperteil begann für ihn zu denken. Er stellte die Wasserflasche ab und zog sie mit sich, bis sie gemeinsam auf das große Bett fielen. „Habe ich Dir gefehlt?“ flüsterte Amanda, während ihre Hände langsam unter sein T-Shirt wanderten „Ja,“ entgegnete A.J. atemlos, während er schon dabei war, ihre Jeans aufzuknöpfen.

Später lagen sie nebeneinander im Bett, ihr Kopf ruhte auf seiner Schulter und sein Arm war gerade dabei einzuschlafen. „Wie ist das nunwieder passiert?“ fragte er sich. „Habe ich nicht beschlossen, daß sie nicht gut für mich ist? Das ich sie nicht mehr liebe?“ Er wante den Kopf und betrachtete ihr Profil im sanften Licht der Nachttischlampe. Sie war immernoch so schön, wie an dem Tag, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Sie war damals ein Fan gewesen und stand mit einem großen Buch unter dem Arm in der Schlange von kreischenden Teenagern, die alle darauf warteten ihre Idole endlich kennenzulernen. Im Gegensatz zu allen Anderen war sie ganz vernünftig und ruhig auf ihn zugekommen und hatte ihn gebeten, ihr Backstreet Boys Fanbook zu signieren, was er auch getan hatte. Unter seine Unterschrift hatte er spontan noch seine Telefonnummer gekritzelt und sie hatte wenig später bei ihm angerufen. So hatte alles angefangen und eine Zeit lang konnte er sich ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Doch irgendwann begann sich das zu ändern. Vielleicht lag es daran, daß sie ihren Job aufgegeben hatte und jetzt auf seine Kosten lebte. Vielleicht auch, weil sie ihn bei ihren Freunden immer als „A.J. von den Backstreet Boys, ihr wißt schon,“ vorstellte. Doch trotz allem hatten sie eine schöne Zeit gehabt. Sie war immer für ihn da gewesen, hatte ihn zum Lachen gebracht. Vorsichtig zog er seinen Arm unter ihrem Kopf hervor. Sie bewegte sich nicht, sie schlief tief und fest. Leise erhob er sich, zog sich seine Boxershorts und ein T-Shirt über und öffnete dann vorsichtig die Balkontür. Drausen setzte er sich auf einen Stuhl, zündete sich eine Zigarette an und starrte in die Nacht hinaus. So hatte er das nicht geplant. Eigentlich wollte er ihr klipp und klar sagen, daß sie nicht länger zusammen bleiben konnten. Doch jetzt wo sie hier war, wußte er nicht mehr so genau, warum er sie eigentlich verlassen wollte. Er hatte sie sehr gerne und Sex war mit ihr das Beste, was er jemals erlebt hatte. Er seufzte laut. Vielleicht sollte er sich und ihr einfach noch etwas Zeit geben. Vielleicht war ja alles garnicht so schlimm wie er gedacht hatte. Immerhin hatten sie sich jetzt etwa sechs Wochen nicht mehr gesehen. Eine lange Zeit. Er beschloß, ihrer Beziehung noch eine Chance zu geben. Sie hatten es verdient. Für einen kurzen Moment tauchten Sarahs grüne Augen vor ihm auf, doch mit einem Kopfschütteln verscheuchte er das Bild aus seinen Gedanken. Es war nicht wirklich etwas passiert, Amanda brauchte davon nichts zu erfahren. Es war einfach ein kurzer schwacher Moment gewesen, aber jetzt war Amanda hier und er liebte sie. „Glaube ich wenigstens,“ murmelte er, drückte seine Zigarette aus und ging zurück in sein Hotelzimmer, um sich neben Amanada ins Bett zu kuscheln.

Kapitel 5