Kapitel 1

Sarah schloß die Augen und bewegte sich im Takt der dröhnenden Musik. Es war Samstagnacht und der Club war brechend voll. Lauthals sang sie den Song mit, bei der Lautstärke konnten nichteinmal die Leute die unmittelbar neben ihr tanzten sie verstehen. Wie immer wenn sie sich von der Musik eingehüllt fühlte, war sie glücklich. Hier gab es nur sie und sonst niemanden. Als sie die Augen wieder öffnete, hauptsächlich um ihr Gleichgewicht wieder zu finden, blickte sie direkt in ein paar braune Augen mit unheimlich dichten, langen Wimpern. Der Junge Mann tanzte etwa fünf Meter von ihr entfernt. Immerwieder schoben sich andere Köpfe in ihr Blickfeld, doch immer wenn eine Lücke zwischen ihnen entstand, waren die Augen des Mannes wieder da. Sarah war wie elektrisiert von diesem Blick und dem wirklich gutaussehenden Rest, der zu diesen faszinierenden Augen gehörte. Ihr Nacken begann zu prickeln, ein untrügliches Zeichen dafür, das der Abend eventuell doch noch zu zweit enden könnte. Sarah hielt nicht viel davon, sich fest zu binden. Das führte nur zu Komplikationen. Warum sich auf einen Mann festlegen, wenn man alle haben konnte? Die meisten Leute schüttelten missbilligend den Kopf bei dem Gedanken an einen One-night-Stand, doch Sarah genoß dieses aufregende Kribbeln. Für sie war es ein Spiel, das seinen eigenen Regeln folgte. Es war nicht so, daß sie mit dem Ziel loszog, sich einen Mann für diese Nacht zu suchen. Es mußte schon der Richtige sein, soetwas konnte man nicht planen. Jemand wie dieser gutaussehende Fremde zum Beispiel, der jetzt zielstrebig auf sie zukam. Er war etwa einen Kopf größer als sie und bewegte sich geschmeidig durch die tanzende Menge. Als er sie erreicht hatte, legte er ihr wortlos die Arme um die Hüften und begann eng mit ihr zu tanzen. Mühelos passte sie sich seinem Rhytmus an, die Arme um seinen Nacken geschlungen. Dabei sahen sie sich tief in die Augen und stillschweigend kamen sie darüber überein, wie dieser Abend enden sollte. Sarah fühlte unter ihren Händen seine festen Muskeln. Sanft fuhr sie mit den Fingern die Linien seines Schlüsselbeins entlang. Der Fremde lächelte und beugte sich dann zu ihr hinunter. Sanft berührten seine Lippen die ihren. Als sich seine Zunge forschend in ihren Mund schob, wanderte seine Hand hinunter zu ihrem Po. „Laß uns woanders hingehen,“ flüsterte er ihr mit rauher Stimme ins Ohr. Sarah nickte zustimmend und er faßte sie bei der Hand und führte sie in Richtung Ausgang. Als sie an der Garderobe vorbei kamen ließ er ihre Hand los und zog seine Brieftasche aus der Gesäßtasche seiner Jeans. „Ich hole nur schnell meine Jacke,“ sagte er und küßte sie nocheinmal leidenschaftlich auf den Mund. Sarah wußte nicht warum, aber sie folgte ihm hinüber zu der kleinen Theke, hinter der eine junge Frau stand. Der Fremde zog einen kleinen Zettel, auf der eine Nummer stand, aus seiner Brieftasche hervor und reichte ihn der Frau. Als Sarah ihm über die Schulter blickte, lächelte sie ein gutaussehendes Mädchen aus seiner Brieftasche heraus an. „Deine Freundin?“ fragte sie interessiert. Der Fremde sah auf das Bild hinunter „soetwas ähnliches,“ antwortete er und klang dabei etwas verwirrt. Gerade so, als sei ihm dieses Mädchen eben erst wieder eingefallen. Sarah war ein wenig enttäuscht, doch sie lächelte tapfer. Sie beugte sich zu ihm hinüber und gab ihm einen sanften Kuß. „Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend,“ sagte sie, drehte sich um und verließ den Club. Der Fremde starrte ihr nach, versuchte aber nicht sie zurück zu halten. Draußen angekommen, winkte Sarah ein Taxi herbei und als der Fremde den Club verließ, war sie schon damit um die nächste Ecke verschwunden.

Kapitel 2