Prolog
Auch eine Boyband zu sein ist keine Garantie für Erfolg
Von Sidney Collum
In Zeiten, in denen so genannte Boygroups wie Unkraut aus dem Nährboden der Plattenindustrie schießen, mutet es befremdlich an, wenn ein solches Konzept nicht von Erfolg gekrönt wird.
Bands wie New Kids on the Block oder auch NSync haben es vorgemacht: Man nehme fünf gut aussehende, junge Herren, verpasse ihnen jeweils ein eigenes Image und schreibe ihnen herzzerreißende Liebesschnulzen auf den Leib. Schon klingeln die Kassen.
Dass es auch weniger erfolgreich laufen kann, beweisen dieser Tage die Backstreet Boys. Hochdekoriert, überhäuft mit Preisen und mit einem Nummer 1 Album im Gepäck, kehrten Brian Littrell, Kevin Richardson, Howie Dorough, Nick Carter und AJ McLean aus Europa zurück. Der amerikanische Markt - so die irrige Annahme - lechze geradezu nach Musik aus der Retorte, die alle Merkmale für schnellen Erfolg trägt.
Doch weit gefehlt. Verkaufte sich das Debutalbum Backstreet Boys in Europa noch wie von selbst, fand es in den amerikanischen CD-Playern keinerlei Resonanz. Ein zweites Album musste her, diesmal - so die ebenfalls falsche Annahme - abgestimmt auf den amerikanischen Hörer, der schnörkellose Melodien und eingängige Refrains bevorzugt.
Doch auch Backstreets Back entpuppte sich als Ladenhüter. Selbst die Europäer, die noch vor einem halben Jahr vor den Residenzen der Bandmitglieder campierten, wandten sich von ihnen ab. Vielleicht konnten sie ihnen nicht verzeihen, dass von heute auf morgen Europa hinter dem Heimatland zurück fiel.
Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich das Konzept der Boyband im Falle der Backstreet Boys totgelaufen hat. Die mündigen Hörer haben erkannte, dass Musik aus der Retorte niemals eine Seele haben kann, dass sich die gleichen, platten Melodien immer wieder wiederholen und auch, dass eine Liebeschnulze nicht dadurch besser wird, dass man ihr ab und an einen neuen Anstrich verpasst, das Grundgerüst aber immer das selbe bleibt.
Nach wie vor scheint also - zumindest in Amerika - der Grundsatz zu herrschen, dass Musik Qualität haben muss, um sich verkaufen zu können. Ein Umstand, den alle Musikliebhaber beruhigen und freuen sollte.