Kapitel 23
Buchanan hat uns alleine gelassen. Ob er wirklich so dringend telefonieren muß und unbedingt etwas zu essen braucht kann ich nicht sagen, aber er hat mir damit nicht wirklich einen Gefallen getan. Noch dazu hat er die Tür von außen abgeschlossen, als hätte er Angst, Alex, ich oder wir beide würden davon laufen. Nun ja ... was das betrifft liegt er gar nicht so falsch.
Ich sitze mit untergeschlagenen Beinen auf Buchanans Bett und zappe mich lustlos durch die Kanäle. Alex noch einmal anzusprechen, traue ich mich nicht und da mir die Stille langsam aber sicher zu schaffen machte, habe ich irgendwann den Fernseher eingeschaltet.
Alex hockt währenddessen mit angezogenen Knien auf dem anderen Bett und starrt vor sich hin. Er hat die Arme fest vor der Brust verschränkt und wirkt, als wäre er aus Stein gemeißelt. Selbst ob er blinzelt oder überhaupt noch atmet, kann ich von meiner Position aus nicht feststellen.
Inzwischen bin ich bei MTV angekommen und Christina Aguileras traurige Stimme erfüllt das kleine Motelzimmer. Augenblicklich muß ich schlucken und Tränen treten mir in die Augen. Ich habe das alles nicht gewollt und Alex so leiden zu sehen, tut mir unheimlich weh.
Verrate mir eins, sagt er plötzlich und vor lauter Schreck vergesse ich, daß ich eigentlich das Programm wechseln will.
Ja? frage ich unsicher und werfe einen schnellen Blick zu ihm hinüber. Er hat inzwischen die Arme locker um seine Knie geschlungen und starrt auf irgendeinen Punkt an der Wand.
Das mit uns. War das auch eine Lüge?
Ich habe dich nie angelogen, sage ich leise. Ich habe von Anfang an versucht, dir aus dem Weg zu gehen, dich auf Abstand zu halten. Aber du ... du warst so ... , ich beiße mir auf die Unterlippe, weil ich nicht weiß, wie ich ausdrücken soll, was tief in mir mein Herz schneller schlagen läßt.
Ganz langsam wendet er den Kopf und sieht zu mir hinüber. Er wirkt unsagbar müde, seine Augen scheinen sich tief in die Höhlen zurück gezogen zu haben und um seinen Mund sind Falten entstanden, die vorher nicht da waren.
Du bist einfach du, sage ich schließlich, während ich ihm fest in die Augen sehe. Du bist der tollste, aufrichtigste, sensibelste Mann, dem ich jemals begegnet bin. Da war Widerstand vollkommen zwecklos.
Warum hast du es mir nicht gesagt? fragt er weiter und ich registriere mit einer gewissen Erleichterung, daß er sich noch ein Stückchen weiter in meine Richtung dreht.
Ich konnte nicht. Selbst wenn ich gewollt hätte. Das Zeugenschutzprogramm funktioniert deshalb so gut, weil niemand weiß, wer ich wirklich bin. Abgesehen davon ... ich glaube kaum, daß du es verstanden hättest. Du kannst es ja nicht einmal jetzt.
Er schüttelt langsam den Kopf und eine steile Falte des Unmuts erscheint auf seiner Stirn.
Kannst du dir vorstellen, wie das für mich ist? fragt er und in seiner Stimme schwingt eine unausgesprochener Vorwurf mit. Ich habe dir vertraut. Ich dachte, zwischen uns ... das ist etwas besonderes. Ich dachte, dein Geheimnis bezöge sich auf ... keine Ahnung ... einen gewalttätigen Ex-Freund, Krach mit den Eltern, irgendein peinliches Erlebnis in deiner Vergangenheit. Stattdessen finde ich dich hier mit einem Agenten vom FBI! Ich hätte niemals gedacht, daß ... , er verstummt und schüttelt den Kopf.
Dass was? hake ich nach.
Ich bin in meinem Leben immer an die falschen Frauen geraten. Ich dachte, daß das mit dir anders ist. Du wolltest nie etwas von mir. Weder mein Geld, noch meine Kontakte. Du schienst einfach nur froh zu sein, wenn du mit mir zusammen sein konntest. Doch jetzt ... ich frage mich, wie ich in dieses ganze Szenario hinein passe. War ich so etwas wie eine Versicherung? Wenn es zu heiß wird, kommst du mit meiner Hilfe schon irgendwie aus der Nummer wieder heraus? Der gutgläubige, nette Alex wird schon dafür sorgen, daß du notfalls ein Flugticket auf die Bahamas in Händen hast?
Glaubst du das wirklich? frage ich ihn nachsichtig. Nach allem, was du hier gesehen und gehört hast ... glaubst du wirklich, es ging mir lediglich darum, abgesichert zu sein? Im Übrigen ... alles Geld dieser Welt kann mich nicht vor Steiner beschützen. Er wird mich überall finden. Es sei denn, ich verhalte mich unauffällig und ruhig. Das ist diesmal leider ziemlich daneben gegangen und das, das gebe ich zu, war ganz alleine meine Schuld.
Diesmal? fragt Alex und sieht mich fragend an.
Buchanan sagt, ich bekomme noch eine Chance. Er wird mir eine neue Identität verschaffen und dann bin ich weg. Wieder jemand anderes. Wieder ein neues Leben. Mit den gleichen, beschissenen Schwierigkeiten.
Alex läßt seinen Blick wieder an die gegenüberliegende Wand wandern. Sein Kopf kippt nach hinten und schlägt in langsamen Rhythmus immer wieder gegen die Wand.
Vorsichtig stehe ich auf, überwinde die Distanz zwischen den Betten mit einem Schritt und lasse mich langsam zu ihm auf die Bettkante sinken.
Nicht, sage ich leise und lege eine Hand auf seinen Arm.
Er zuckt kurz zusammen, hört aber endlich damit auf, seinen Kopf zu malträtieren.
Sein Blick sucht meinen und mit leiser, rauher Stimme sagt er erzähl mir die ganze Geschichte. Bitte.
Ich seufze. Sie wird dir nicht gefallen.
Das ist mir egal. Ich muß es wissen, wenn ich überhaupt irgendwann wieder ruhig schlafen möchte.
Ich nicke langsam. In Ordnung.
Ich sammle mich einen Moment, nehme meine Hand von seinem Arm und verstaue sie in meinem Schoß. Mein Herz klopft wie rasend in meiner Brust und meine Füße fühlen sich eiskalt an. Doch er hat die Wahrheit wohl verdient.
Mit einiger Anstrengung angele ich nach der Fernbedienung und stelle den Ton am Fernseher aus. Dann falte ich erneut die Hände im Schoß und wappne mich innerlich gegen seine Wut, die mir sicherlich gleich entgegen schlagen wird.
In meinem früheren Leben war ich ein Callgirl, würge ich hervor. Die schlimmsten Tatsachen am besten immer zu erst.
Ich höre, wie Alex einen entsetzten Laut von sich gibt und traue mich nicht, zu ihm aufzusehen. Meine Augen fixieren einen roten Fussel, der an der Bettkante klebt. Er scheint im Moment das einzige zu sein, das mich noch hier an diesem Ort hält.
Steiner war mein Boss. Ganze vier Jahre lang habe ich für ihn gearbeitet und je tiefer ich in diese ganze Geschichte hinein gerutscht bin, um so schwieriger wurde es, da irgendwie wieder heraus zu kommen.
Auf eine gewisse Art habe ich das was ich tat sogar gerne gemacht. Es war schnell verdientes Geld, wir waren weg von der Straße und hatten ziemlich viele Annehmlichkeiten. Ich war damals wohl der Meinung, daß es das wert ist. Aber im Grunde ... war es das natürlich nicht. Doch es ist erstaunlich, wie lange und wie gut man sich selbst etwas vormachen kann. Wie oft man in den Spiegel blickt und glaubt, daß das Lächeln, das man darin sieht, wirklich echt ist.
Ich hole zitternd Luft. Die Wahrheit zu kennen ist etwas anderes, als sie auch wirklich auszusprechen.
Ich wohnte mit meiner Freundin Flicka zusammen. Das ... Bild in meiner Wohnung, du erinnerst dich?
Ich werfe ihm einen schnellen Blick zu. Sein Gesicht ist bleich, seine Lippen sind fest aufeinander gepresst und seine Augen wirken wie zwei kleine, dunkle Knöpfe. Tief und leer.
Trotzdem nickt er langsam.
Eines Tages bekamen wir sozusagen Zuwachs. Ein junges Mädchen. Manu. Sie war damals siebzehn, vor kurzem von zu Hause ausgerissen und bildschön. Die Männer haben sich ... förmlich überschlagen, um an sie heran zu kommen. Steiner wollte, daß wir sie unter unsere Fittiche nehmen, ihr beibringen, was man in unserem Geschäft so wissen muß und darauf achten, daß ihr niemand zu nahe kommt.
Manchmal glaube ich, er hatte einen echten Narren an ihr gefressen. Wenn sie nicht gerade arbeitete, hing sie oft mit ihm in seiner Villa herum. Er kaufte ihr teure Kleider und nahm sie mit zu Partys. Allerdings hat er sie, soweit ich gehört habe, nie selbst angefaßt.
Sie war ... ein wenig schüchtern am Anfang. Sie war zwar keine Jungfrau mehr, aber es gehört schon einiges dazu einfach mit einem wildfremden Mann in die Kiste zu steigen und dann auch noch so zu tun, als hätte man unbändigen Spaß dabei.
Ich mache eine kurze Pause, damit das Gesagte bei Alex sacken kann und um mich auf das vorzubreiten, was jetzt kommt.
Eines schönen Tages jedenfalls, kam Manu von einem Kunden nicht mehr nach Hause. Manche vermuteten, sie wäre vielleicht zurück zu ihren Eltern gegangen, aber Flicka und ich hielten das für ausgeschlossen. Manu hatte immer den Eindruck erweckt, als würde ihr dieses neue Leben ziemlich gut gefallen. Sie mochte das viele Geld, die Dinge, die sie sich plötzlich leisten konnte und die Freiheit, die sie im Gegensatz zu früher genoss.
Wir wußten sofort, daß etwas faul war und etwa eine Woche später hörten wir, daß sie sich angeblich unsterblich in ihren Freier verliebt hätte und mit ihm auf und davon gelaufen sei.
Steiner kochte vor Wut. Sein bestes Pferd im Stall war einfach so durchgebrannt. Und die ersten, die seine Wut zu spüren bekamen, waren Flicka und ich, weil wir angeblich nicht gut genug auf sie acht gegeben hatten.
Ich schlucke hart bei dem Gedanken an diese Zeit. Die blauen Flecken an unseren Körpern, die Entzugserscheinungen, weil Steiner nicht mehr bereit war, mir meinen Stoff zu geben, den ich zu diesem Zeitpunkt schon brauchte wie die Luft zum Atmen und die widerlichen Typen, zu denen er uns ab da schickte und die nicht gerade zimperlich mit uns umsprangen.
Flicka und ich sprachen immer häufiger darüber, einfach abzuhauen und alles hinter uns zu lassen. Aber im Endeffekt waren das nur leere Träume. Das begriffen wir spätestens, als Steiner Manu und ihren Liebhaber in Brasilien aufspürte.
Ich meine ... das muß man sich mal vorstellen ... er scheucht seine Handlanger um den halben Erdball, nur um eine kleine, entlaufene Nutte zu finden. Ich glaube, daß in diesem Moment jeder begriffen hat, wie viel sie ihm bedeutete. Nicht nur finanziell. Und das alleine war eigentlich schon unheimlich genug.
Und dann haben sie sie tatsächlich geschnappt. In irgendeinem noblen Hotel, mitten im Nirgendwo.
Was er mit ihm gemacht hat, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, aber sie ließ er nach Hause bringen, hat sie ein paar Wochen bei Wasser und Brot eingesperrt und jeden über sie drüber steigen lassen, der gerade in der Nähe war. Ich kann ... mir ... nur ansatzweise vorstellen, was ... was sie durchgemacht hat. Ich meine ... sie wollte doch nur ... glücklich sein.
Plötzlich spüre ich eine sanfte Hand, die über meine Wange streicht und zu meiner Verwunderung stelle ich fest, daß heiße Tränen in meinen Schoß tropfen.
Als ich Alex ansehe, kann ich ihn nur undeutlich hinter dem Tränenschleier erkennen, aber sein Gesicht scheint weicher geworden zu sein und er hört nicht auf, mich sanft zu streicheln.
Er hat sie vor unseren Augen getötet, flüstere ich leise. Er hat ... mit einer Eisenstange so lange auf ihren mageren Körper eingedroschen, bis sie sich nicht mehr gerührt hat. Und selbst dann ... , ich schüttle den Kopf, schniefe leise und versuche mich zusammen zu reißen. Doch die Bilder wollen einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden. Ich habe eine Tür aufgestoßen, die ich bis jetzt sehr gut verschlossen hatte.
Ich sehe Manu auf dem harten Kellerboden liegen, um sie herum stehen Steiners Männer und in der hintersten Ecke sein Sohn Matthew, dessen Augen die ganze Zeit glitzern, als sehe er einen besonders interessanten und mitreißenden Film, der ihm ausnehmend gut gefällt.
Ihre Schreie gehen mir durch Mark und Bein und verursachen noch heute eine wahnsinnige Übelkeit in meinem Magen. Ich sehe ihr Blut, daß nach allen Seiten spritzt, höre das laute Brechen ihrer Knochen und sehe ganz langsam dabei zu, wie aus einem wunderhübschen, unschuldigen Mädchen ein widerlicher Klumpen rohes Fleisch wird.
Irgendwie haben Flicka und ich danach versucht, einfach weiter zumachen. Doch wenn ich in ihre Augen sah, war da die gleiche, tiefe, schwarze Leere, wie ich sie auch in mir fühlte. Ich glaube, uns ist in dieser Zeit das erste Mal wirklich aufgegangen, wie beschissen unser Leben eigentlich ist. Welche Lüge wir lebten.
Ich war in dieser Zeit eigentlich nur noch high, gleichzeitig mußte ich aufpassen, daß Steiner nicht all zu viel davon mitbekam, denn wenn er herausgefunden hätte, daß ich bei der Konkurrenz einkaufen ging, hätte er mich sicherlich, genau wie Manu, einfach kalt gestellt. Ich weiß, daß das feige klingt, aber ich wollte nicht wie sie enden.
Ich atme erneut zitternd die abgestanden Luft des Motelzimmers ein und habe dabei das Gefühl, daß mein Körper gleich wie Glas zerspringen wird. Ich werde in tausend Einzelteile zerbersten und nie wieder gezwungen sein, diesen Schmerz zu fühlen, diese Angst zu erleben und diese Demütigung zu ertragen.
Ich spüre plötzlich Alex Hände, die nach meinen Armen greifen und so lange an mir ziehen, bis ich zu ihm hinüber rutsche und meinen Kopf schließlich an seine beruhigend männliche Brust bette. Seine Arme schließen sich fest um mich, seine Lippen streifen meine Schläfe und ich höre seine schnellen, hektischen Atemzüge.
Eines schönen Tages wurde ich wieder zu einem Kunden gerufen. In eine der teuersten Suiten in Downtown. Er hatte ausdrücklich nach mir verlangt, obwohl er keiner meiner Stammkunden war. Wir waren damals alle mit Begleitschutz unterwegs, weil es immer mal wieder vorkam, daß einer unserer Kunden handgreiflich wurde oder nicht bezahlen wollte.
Dieser Kunde schickte Eddy nach draußen vor die Tür, was an sich erst einmal nichts ungewöhnliches war, weil schließlich nicht jeder darauf steht, von einem zwei mal zwei Meter großen Hünen beim Sex beobachtete zu werden.
Kaum hatte Eddy allerdings die Hotelzimmertür hinter sich zu gemacht, zückte der Typ seinen Ausweis und stellte sich als Agent vom FBI vor. Sie boten mir Straffreiheit an, wenn ich gegen Steiner aussage. Wahrscheinlich hätten sie mir noch nicht einmal groß was anhängen können, aber ... ich weiß auch nicht ... sie wußten von Manu und ... ich dachte, wenn schon nicht für mich, dann sollte ich es für sie tun.
Also habe ich gegen Steiner ausgesagt. Kronzeugin. Es hat sich sonst niemand gefunden. Selbst Flicka weigerte sich. Sie hatte einfach zu viel Angst und das kann ich durchaus verstehen. Man muß sich ja nur ansehen, was er mit Manu anstellte, einfach nur, weil sie sich aus dem Staub gemacht hatte. Was würde er dann wohl mit jemandem tun, der ihn an das FBI verriet?
Erneut stocke ich und durchlebe noch einmal die Wochen voller Angst. Ich mußte noch eine ganze Weile so tun, als sei alles ganz normal. Ich fuhr weiterhin zu meinen Kunden, traf mich dazwischen immer wieder mit den Leuten vom FBI und hatte während der ganzen Zeit Panik, daß Steiner herausfinden könnte, was da hinter seinem Rücken ablief.
Am ersten Verhandlungstag sah ich das erste Mal nach fünf Jahren meine Familie wieder, erzähle ich schließlich leise weiter. Ich kann ... das ... gar nicht richtig beschreiben. Es war ... als würdest du nach einer langen, langen Safari durch die Wildnis, nach jahrelangen Entbehrungen und Schwierigkeiten wieder nach Hause kommen. Du kannst deinen Kopf auf dein eigenes, duftendes Kopfkissen betten und da sind Arme, die dich festhalten und dir die Sicherheit geben, nach der du schon dein ganzes Leben lang gesucht hast. So ungefähr hat es sich angefühlt, als meine Mom mich heulend und schluchzend umarmte.
Ich hatte das nicht erwartet. Immerhin war ihre jüngste Tochter ein mißratenes Gör, das die letzten Jahre damit verbracht hatte, sich den Kopf mit verbotenen Substanzen zuzudröhnen und mit unzähligen, fremden Männern für Geld zu schlafen. Nicht gerade ein Musterexemplar an Tochter wenn du mich fragst.
Ich warte auf eine Reaktion von Alex. Er muß doch irgend etwas sagen. Mich anbrüllen, mir Vorwürfe machen, mir mitteilen, daß ich das mieseste Stück Mensch bin, das er jemals kennen gelernt hat, doch er schwiegt weiterhin.
Ich zog mir die letzte Line Koks am Tag meiner Aussage rein. Danach habe ich nie wieder etwas von dem Zeug angerührt. Eine Woche lang war es die Hölle ... aber ich wußte plötzlich wieder, wofür es sich zu leben lohnte und ich begann zu begreifen, daß mein bisheriges Leben vielleicht versaut war, aber daß ich noch einige gute Jahre vor mir hatte, wenn ich dies zuließ.
Ich spüre, wie Alex beinahe unmerklich mit dem Kopf nickt und diese kleine Geste drückt für mich so viel mehr als pure Zustimmung aus, daß ich schon wieder heftig schlucken muß. Also spreche ich schnell weiter.
Am Ende wurde Steiner verurteilt. Lebenslänglich. Und ich ... bekam die gleiche Strafe, nur mit dem Unterschied, daß ich hinter unsichtbaren Gittern sitze. Ich darf nicht ... auffallen, nicht vertrauen, nicht lieben, nicht glücklich sein.
Und dann ... warst du plötzlich da. Hartnäckig und mit einem Lächeln zum Sterben und ... ich weiß auch nicht. Du hast es geschafft, mein Herz zu erreichen. Keine Ahnung, wie du das gemacht hast, aber das ziemlich effektiv.
Seine Umarmung wird fester. Er zieht mich ganz dicht an sich, drückt seine Lippen auf meine Stirn und ich höre seinen hektischen Herzschlag ganz deutlich in meinem Ohr.
So bleiben wir eine ganze Weile sitzen, verlieren uns in der Nähe und der Stille, die das kleine Motelzimmer auszufüllen scheint.
Ich liebe dich, murmelt er schließlich kaum hörbar. Und ich will nicht, daß du gehst.
Ich liebe dich auch, sage ich ebenso leise. Aber ich muß gehen.
Eine kurze Pause entsteht, dann höre ich ihn flüstern. Ich weiß.