Kapitel 15

Als sich AJs Radiowecker am nächsten Morgen einschaltete, hatte ich das Gefühl, keine einzige Sekunde wirklich geschlafen zu haben. Ich fühlte mich wie gerädert, war in der Nacht immer wieder aufgewacht, hatte beinahe stündlich auf die Uhr gesehen und war danach zurück in einen leichten, nicht wirklich erholsamen Schlaf gefallen.
AJ hingegen wirkte einigermaßen fit. Das Radio dudelte, er kuschelte sich noch einmal an mich und nuschelte ein undeutliches „Guten Morgen“, dass ich mit einem ähnlichen Brummeln erwiderte.
Seine Lippen streiften meine Stirn, während er wohlig seufzte.
„Wir könnten für ewig hier in diesem Bett bleiben, was meinst du?“ murmelte er.
„Ich bin sofort dabei,“ lächelte ich.
„Das würde dir gefallen, hm?“ grinste er, während er sich mit mir auf die Seite rollte und noch etwas verschlafen auf mich hinunter blinzelte.
„Ja, das würde es,“ nickte ich.
„Okay ... ,“ er warf einen kurzen Blick auf seinen Wecker. „Wie wäre es mit ... Zähneputzen und dann hemmungslosem Sex?“
„Auch da bin ich dabei,“ lachte ich.
Schneller als ich gucken konnte war er aus dem Bett gesprungen und verschwand im Bad. Ich folgte ihm wesentlich langsamer, streckte mich dabei ausgiebig und gähnte. Seltsame Welt in der ich lebte.
Ich stellte mich neben ihn an eines der Waschbecken, versuchte meine Haare einigermaßen zu bändigen und putzte mir dann die Zähne. Ich hatte mir noch nicht richtig den Mund ausgespült, da fühlte ich schon seine Arme, die mich von hinten umschlangen.
„Und nun Baby,“ verkündete er, während seine Lippen ganz langsam über meinen Hals auf meine Schulter hinab wanderten und damit ein aufgeregtes Kribbeln durch meinen gesamten Körper schickte „wird sich der böse AJ ordentlich bei seiner Verlobten für sein unverzeiliches Benehmen von gestern entschuldigen.“
„Na, da wirst du dich aber anstrengen müssen,“ grinste ich.
Ich fühlte, wie seine Hände unter meinem Nachthemd verschwanden und ich hob die Arme, damit er es mir über den Kopf streifen konnte. Ohne ein weiteres Wort hob er mich hoch und trug mich wieder hinüber ins Schlafzimmer, wo er mich sanft auf das Bett gleiten lies.
Ich streckte die Arme aus, wollte ihn zu mir hinunter ziehen, doch er schüttelte grinsend den Kopf. „Ich sagte, ich werde mich ordentlich entschuldigen,“ und mit diesen Worten ging er vor dem Bett auf die Knie und versenkte ohne Vorwarnung seinen Kopf in meinem Schoß.

Eine ganze Weile später betraten wir entspannt und Hand in Hand die Küche. Lenny und Tammy schienen noch zu schlafen, was ich gerade in diesem Moment als äußerst wohltuend empfand.
„Eigentlich müssten wir die beiden doch aufgeweckt haben, so laut wie wir waren, oder?“ grinste AJ und zog mich an sich.
„Sie haben eben einen guten Schlaf,“ entgegnete ich lächelnd und genoss seine weichen Lippen auf meinen.
„Hm, wahrscheinlich,“ murmelte AJ, der schon wieder dabei war seine Hände auf Wanderschaft gehen zu lassen.
„Keine Lust auf Frühstück?“ kicherte ich, während es in meiner Bauchgegend schon wieder zu kribbeln begann.
„Uhm ... du bist mein Frühstück ...,“ entgegnete er und biss mir verführerisch sanft in den Hals „ ... und mein Mittagessen,“ er küsste mich auf den Mund „ ... und mein Abendessen,“ seine Zunge schob sich zwischen meine Lippen, während sich meine Hände haltsuchend in seinen Rücken krallten. „Und ich nehme auch immer gerne eine Zwischenmahlzeit,“ lachte er.
„Oh Gott, und das schon am frühen Morgen,“ hörten wir plötzlich Tammys Stimme hinter uns und AJ drehte sich langsam zu ihr herum.
„Neidisch?“ fragte er grinsend.
„Nein. Mir vergeht bei so viel Sex nur der Appettit. Wie kann man nur so laut sein? Ihr habt das halbe Haus zusammen gebrüllt.“
„Ja, wer da noch schlafen kann muß echt taub sein.“ Lenny kam ebenfalls in die Küche geschlurft und lies sich müde auf einen der Stühle sinken.
„Tja, ihr könnt euch immer noch eine andere Unterkunft suchen wenn es euch nicht passt,“ gab ich spitz zurück und entwandt mich dann aus AJs Umarmung um Kaffee aufzusetzen. Eine leichte Röte hatte mein Gesicht überzogen und ich spürte die Blicke von Tammy, die sich förmlich in meinen Rücken zu bohren schienen. Nun ja, eins zu null für mich würde ich sagen.

Nachdem Tammy und AJ aus dem Haus waren und ich ihnen mit einigem Unbehagen nachgesehen hatte bis AJs Wagen um die nächste Biegung verschwand, gesellte ich mich wieder zu Lenny, der bereits dabei war den Frühstückstisch abzuräumen.
„Na?“ fragte er grinsend.
„Ebenfalls na,“ entgegnete ich.
„Scheint, als hättet ihr euch wieder vertragen.“
„Wir haben uns nie wirklich gestritten,“ korrigierte ich ihn.
„Wie auch immer, ich bin froh, dass bei euch alles okay ist.“
„Ja, das bin ich auch,“ nickte ich und goss mir noch ein Glas Saft ein.
„Und Tam und du?“
„Was sollte da sein?“
„Ich weiß nicht ... kommst du damit klar, dass sie schon wieder mit AJ im Studio verschwunden ist?“
„Es bleibt mir ja wohl nichts anderes übrig. Es ist wichtig für seine Arbeit. Sie macht wohl irgendeine Reportage über das neue Album.“
„Aha,“ meinte Lenny und setzte sich wieder zu mir zurück an den Tisch. „Ob sie das so geplant hatte?“
„Wahrscheinlich. Ich weiß es nicht. Ich versuche einfach ... ich streiche sie einfach aus meinem Gedächtnis und hoffe, dass die nächsten zwei Monate einigermaßen glimpflich über die Bühne gehen.“
„Hast du mit AJ noch einmal gesprochen?“
„Ja, habe ich. Aber ... sind wir mal ehrlich. Was soll er denn schon groß tun? Er braucht sie ... also ... für seine Arbeit. Und nur, weil ich ein Problem damit habe, heißt das noch lange nicht, dass ich irgendwelche Recht hätte, ihm den Umgang mit ihr zu verbieten.“
„Was so ein bißchen Sex alles ändern kann,“ sinnierte Lenny grinsend.
„Nun jaaaa,“ schmunzelte ich. „Als ein bißchen würde ich das nun nicht gerade bezeichnen.“
Lenny lachte. „Ja, das hat man gehört.“
„Tut mir leid.“ Ich wurde schon wieder rot, diesmal allerdings aus Verlegenheit.
„Macht nichts,“ winkte Lenny ab.
„Ich werde dann mal rauf gehen und meinen Laptop anwerfen. Mal sehen, ob ich überhaupt noch tippen kann.“
„Na das klingt doch herrvorragend!“
„Und du? Ich meine ... ich habe schon ein ganz schlechtes Gewissen, dass wir dich immer alleine lassen.“
„Ach, mach dir mal um mich keine Gedanken. Ich kann mich sehr gut mit mir alleine beschäftigen. Außerdem ist es mir viel wichtiger, dass du endlich wieder schreibst und aufhörst Trübsal zu blasen.“
„Danke,“ sagte ich mit einem warmen Lächeln.
„Für was auch immer,“ grinste Lenny und stand auf. „Und jetzt mach, dass du nach oben kommst.“
„Eye, eye, Sir,“ gab ich grinsend zurück, salutierte und erhob mich ebenfalls. Aus einem Impuls heraus schlang ich die Arme um seine Taille und drückte ihn an mich.
„Uhm, Schmusestunde, da steh ich drauf,“ lachte Lenny und schlang seine langen Arme um mich.
„Ich brauche das ab und zu, weißt du?“
„Und ich dachte, davon hättest du heute schon mehr als genug bekommen,“ kicherte Lenny.
„Davon kann man nie genug bekommen,“ erwiderte ich, lies ihn los und grinste zu ihm auf.
„Das macht mir Angst,“ sagte er mit ernstem Gesichtsausdruck und brachte mich damit zum Lachen.
„Keine Sorge. Ich tobe mich bei AJ aus.“
„Das beruhigt mich,“ entgegnete er und fasste sich theadralisch an sein Herz. „Und jetzt Abmarsch!“
„Bin schon weg.“
Und leichtfüßig hüpfte ich die Stufen hinauf in den ersten Stock, ging den kurzen Flur bis ans Ende und verharrte dann einen Moment. Es war Ewigkeiten her, dass ich mein Arbeitszimmer betreten hatte und obwohl es absolut lächerlich war, fühlte ich so etwas wie Nervosität. Jetzt würde sich zeigen, ob ich wirklich noch in der Lage war vernünftige Sätze zu schreiben, oder ob mein gesamtes Talent in einem einzigen Buch verschwunden war.

Eine halbe Stunde saß ich nun schon vor dem eingeschalteten Laptop, doch mein Kopf war wie leergefegt. Immer wieder hatte ich die Hände auf die Tastur gelegt, lediglich ein kurzes „Hallo“ an mich selbst verfasst und es sofort wieder gelöscht. Verdammt, früher hatte das doch auch immer wunderbar funktioniert!
Okay, keine Panik. Ich brauchte eine Idee, ein Konzept oder wenigstens ein Grundgefühl, das ich ausdrücken wollte.
Für einen Moment schloss ich die Augen. Menschen und Begebenheiten aus meinem Leben rasten in hoher Geschwindigkeit an mir vorbei, ohne dass ich irgendetwas hätte greifen können. Nichts schien wirklich auf diese leere Seite vor mir zu passen.
Meine Hände zuckten und ich legte sie auf die Tastatur. Mit großen Augen betrachtete ich die Worte, die sie tippten:

I love you
I love you
I love you

Na wunderbar, mehr hatte ich also nicht zu bieten? Erneut schloss ich die Augen. Ich sah AJ vor mir. Den Moment, in dem wir uns kennenlernten, damals in der Küche unseres Hauses. Ich - tanzend zu Linkin Park, Er - der Freund meiner Schwester und damit unerreichbar.
Meine Finger begannen erneut wie von selbst über die Tasten zu fliegen.

Baby I love you, you are my life
My happiest moments weren’t complete if you weren’t by my side

Plötzlich war die Magie wieder da. Ich brauchte nicht denken, nicht grübeln, nicht überlegen, nicht suchen. Ich überlies mich einer weit höheren Kraft, die meine Finger so lenkte, dass sie die Gedanken, die tief in mir schlummerten, zu Papier brachten.
Bis in den frühen Nachmittag saß ich vor meinem Laptop. Feilte hier an den Worten, überlegte es mir dort noch ein wenig anders und starrte schließlich auf das Ergebnis meiner Arbeit:

I love you
I love you
I love you

Baby I love you, you are my life
My happiest moments weren’t complete if you weren’t by my side
You’re my relation and connection to the sun
Sit next to me, there’s no darkness I can’t overcome
You are my raindrops, I am the sea
You are my guy who’s my sunlight
I’m bloomin’ oh so beautifully
Baby I’m proud, proud to be your girl
You make the confusion go all the way from this cold in me

I am in love with you
You set me free
Can’t do this thing called life without you here with me
‘Cause I’m dangerously in love with you
I’ll never leave
Just keep loving me the way I love you lovin’ me

And I know you love me
Love me for who I am
‘Cause years before I became who I am
Baby, you were my man
I know it ain’t easy, easy lovin’ me
I appreciate the love and dedication from you to me
Later on in my destiny, I see myself having your child
I see myself being your wife and I see my whole future in your eyes
Thought all of all my love for you
Sometimes makes me wanna cry
Realized my blessings
And grateful to have you by my side

I am in love with you
You set me free
Can’t do this thing called life without you here with me
‘Cause I’m dangerously in love with you
I’ll never leave
Just keep loving me the way I love you lovin’ me

Every time I see your face, my heart smiles
Every time it feels so good it hurts sometimes
Created in this world to love, to hold, to feel, to live you
Dangerously in love

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