Kapitel 7

Eine Stunde später hörte die Türklingel nicht mehr auf zu läuten. Ein Gast nach dem anderen traf ein, AJ und ich begrüßten sie, nahmen Glückwünsche entgegen, führten sie hinaus und versorgten sie mit Getränken, während ich versuchte, mir die ganzen Namen zu merken.
Es war unheimlich. Ich kannte vielleicht die Hälfte der Anwesenden, wenn überhaupt, doch AJ fühlte sich sichtlich wohl. Er scherzte mit den Gästen, zog mich immer wieder liebevoll an sich und erklärte mir, woher er wen kannte.
Die Tische in den Zelten hatten sich merklich gefüllt und ich wagte zu hoffen, dass ich mich für einen Augenblick setzen und zur Ruhe kommen könnte, als es erneut klingelte.
„Haben wir wirklich so viele Leute eingeladen?“ fragte ich AJ skeptisch, während ich ihm durch das Wohnzimmer zur Haustür folgte und dabei den unzähligen Paar Schuhen auswich, die unsere Gäste hier zurück gelassen hatten nachdem ihnen klar wurde, dass man barfuß im Sand wesentlich besser voran kam.
„Ich bin mir nicht ganz sicher,“ gab er grinsend zu und bevor er die Tür öffnete zog er mich kurz an sich und küsste mich sanft. „Sie sind alle hier um meine Traumfrau kennen zu lernen.“
„Das nächste Mal machen wir das auf Etappen, ja? Ich fühle mich schon ganz schwindelig,“ lachte ich leise.
Schließlich zog AJ immer noch grinsend die Haustür auf und erstarrte für einen Augenblick mitten in der Bewegung.
„Was macht ihr denn hier?“ rief er schließlich freudig erregt aus und zog sofort die schlanke, dunkelhaarige Frau in seine Arme, die zwischen zwei jungen Männern stand, die ich zwar persönlich noch nicht kennen gelernt hatte, deren Gesichter mir aber durchaus vertraut waren.
„Hey, wir können uns doch deine Verlobungsparty nicht entgehen lassen,“ grinste der große Blonde mit den blauen Augen und einem Lächeln zum dahinschmelzen. Nick Carter, ganz eindeutig. Er schlug AJ kurz auf die Schulter, bevor sie sich in die Arme fielen.
„Außerdem wollen wir doch deine zukünftige Frau kennen lernen, wenn du sie schon so lange vor uns versteckt hältst,“ grinste Howie, dessen dunkles T-Shirt seine großen, haselnußbraunen Augen unter dem braunen Haarschopf betonten und umarmte AJ ebenfalls.
Dieser wandte sich dann mir zu, legte mir einen Arm um die Taille und zog mich an sich.
„Robin, das sind Howie und seine Freundin Leigh und natürlich Nick,“ grinste er.
„Hi, freut mich euch kennen zu lernen,“ lächelte ich und schüttelte jedem die Hand. „Kommt doch rein.“
Wir führten die Neuankömmlinge durch den Flur und das Wohnzimmer, wo sie pflichtschuldig ihre Schuhe und Strümpfe auszogen, und dann weiter hinaus auf die Terrasse. Währendessen plapperte AJ wild drauf los.
„Mein Gott ist das schön, dass ihr hier seid. Was machen denn die anderen? Habt ihr was von ihnen gehört? Es ist schade, dass sie nicht hier sind. Irgendwie vermisse ich sie. Aber wir sehen uns ja Gott sei Dank nächste Woche und natürlich zur Hochzeit. Habt ihr schon was von dem neuen Material gehört? Danny sagt ... ,“
Nick kicherte. „Was hast du denn mit ihm angestellt Robin? Der kriegt sich ja gar nicht mehr ein.“
„Ich glaube, er hat einfach nicht mit euch gerechnet,“ gab ich lächelnd zurück.
„Eben. Niemand hat mir gesagt, dass ihr kommt,“ ereiferte sich AJ, der sich nach rechts zur Bar wandte und den Barkeeper dahinter zu sich heran winkte.
„Es sollte eine Überraschung sein,“ entgegnete Howie, der ein Bier für sich und ein Glas Weißwein für seine Freundin bestellte.
„Die ist euch auf jeden Fall gelungen,“ nickte AJ glücklich.
„Kevin und Brian können leider erst nächste Woche kommen. Frag’ mich nicht. Irgendwelche unaufschiebbaren Termine in Kentucky,“ erklärte Nick, während er vom Barkeeper ebenfalls eine Flasche Bier in Empfang nahm.
„Hauptsache, ihr seid hier,“ grinste AJ. Er reichte mir ein Glas Eistee und nahm sich ebenfalls ein Glas. Dann stießen wir mit seinen Freunden an.
„Auf euch,“ sagte Leigh.
„Und auf das neue Album,“ sagte AJ.
Ach ja, das Album. Das hatte ich über die ganzen Hochzeitsvorbereitungen fast vergessen. Ich freute mich für AJ, dass er endlich wieder mit seinen Bandkollegen arbeiten konnte. Er hatte sie alle vier schwer vermisst, auch wenn er zugegeben hatte, dass es ganz angenehm gewesen war, eine Weile für sich zu sein. Doch inzwischen wünschte er sich nichts sehnlicher, als mit seinen Freunden zurück ins Studio zu gehen und die Erfahrungen, die sie alle im letzten Jahr gemacht hatten auszutauschen und in Musik umzusetzen.
Allerdings bedeutete das für mich, dass ich, was die letzten Vorbereitungen für die Hochzeit betraf, weitgehend auf ihn verzichten mußte. Wir hatten lange darüber diskutiert und uns das erste Mal in unserer Beziehung wirklich gestritten.
Ich war der Meinung, dass sie die Aufnahmen auch ruhig noch um diese zwei Monate hätten verschieben können. AJ und ich hätten gemeinsam die Hochzeit vorbereitet und danach wäre genug Zeit für ihn gewesen, sich wieder mit seiner Musik und der Band zu beschäftigten.
Doch er hatte mir erklärt, dass der Markt eben keine Rücksicht auf private Planungen nahm und dass es wichtig war, dass sie bereits jetzt anfingen, zusammen zu arbeiten. Die anderen vier hatten sich von allen Verpflichtungen frei gemacht und würden für die Dauer der Studioarbeiten hier nach LA ziehen. Das Studio war gebucht, die Produzenten reisten an, da war es unmöglich, dass er die Aufnahmen um zwei Monate verschob.
Schließlich hatte ich eingelenkt. Nicht nur, weil scheinbar an den Terminen nichts mehr zu ändern war, sondern auch, weil ich in seinen Augen lesen konnte, wie sehr er sich darauf freute und wie wichtig es ihm war, endlich wieder eine richtige Aufgabe zu haben.
„Hey Baby, woran denkst du,“ grinste AJ und holte mich damit wieder in die Gegenwart zurück.
„Ich? Nichts. Alles bestens,“ lächelte ich und schmiegte mich etwas enger an ihn.
„Nun denn,“ grinste Nick und rieb sich die Hände. „Wo sind die Frauen?“
AJ lachte. „Du lernst es nie Nick, was?“
„Hey,“ Nick breitete entschuldigend die Arme aus. „Wenn ich schon die nächsten Monate in LA verbringen soll, brauche ich dafür auch die passende Begleitung.“
„Wer will schon deine Begleitung sein?“ witzelte Howie und bekam für diese Bemerkung einen Klaps von Nick auf den Oberarm verpasst.
„Vielleicht sollten wir einfach nach unten gehen und ich stelle euch ein paar Leuten vor,“ schlug AJ vor und gemeinsam stiegen wir die Stufen zum Strand hinunter.
Denise kam angelaufen und strahlte über das ganze Gesicht. „Nick! Howie! Ach wie schön. Und Leigh ist auch da. Hallo!“
Während die vier sich lautstark begrüßten, lies ich meinen Blick über die Anwesenden schweifen. Irgendwie kam ich mir etwas verloren vor.
Mein Blick traf auf Lenny, der mit Tammy in einer Gruppe von Leuten stand und zu uns herüber blickte. Er winkte kurz und ich winkte zurück. Nun gut, vielleicht war ich doch nicht ganz alleine und ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.

Es wurde bereits dunkel, die untergehende Sonne tauchte den Strand in ein unwirkliches, orangenes Licht und jemand ging von Fackel zu Fackel und entzündete sie. Ich saß zwischen Leigh und Lenny an einem der Tische, hatte meine nackten Füße in den Sand darunter vergraben und genoss den ersten Moment der Ruhe. Die ganze Zeit war ich von einem Gast zum anderen gewandert, hatte mich hier und da unterhalten, zwischendurch ein paar Fragen des Serviecpersonals geklärt und gemeinsam mit AJ eine ganze Horde von Neugierigen durch unser Haus geführt.
Die Musik, für die wir einen der angesagtesten DJs in ganz LA engagiert hatten, wurde nun lauter und die ersten Gäste versammelten sich zum Tanzen auf der freien Fläche zwischen den Zelten.
Ich hielt in der Menge nach AJ Ausschau. Vor einer ganzen Weile hatte ich ihn aus den Augen verloren und während ich hier so saß, wünschte ich ihn mir beinahe schmerzhaft an meine Seite. Ich wollte meinen Kopf an seine Schulter lehnen, seiner dunklen, rauen Stimme lauschen und seinen Arm um mich spüren. Er fehlte mir.
Doch ich konnte ihn nirgends entdecken.
„Weiß jemand, wo AJ abgeblieben ist?“ fragte ich deshalb in die Runde. Die Anwesenden schüttelten den Kopf.
„Vorhin ist er glaube ich mit Nick und Howie im Haus verschwunden,“ erklärte Leigh lächelnd.
„Echt, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, da haben sich drei Klatschweiber wieder gefunden,“ kommentierte Lenny grinsend.
„Sie haben sich eben lange nicht mehr gesehen,“ erklärte ich.
„Außerdem ist so viel passiert seit dem,“ fügte Leigh hinzu.
„Nehmen sie denn bald wieder ein neues Album auf?“ fragte eine junge Frau, die uns gegenüber saß.
„Nächste Woche geht es los,“ antwortete ich.
„Ohje. Und du mußt die Hochzeitsvorbereitungen ganz alleine zu Ende bringen?“ fragte sie weiter.
„Ja, aber das ist nicht so schlimm,“ winkte ich ab, wohl wissend, dass das nicht ganz der Wahrheit entsprach.
„Bei meiner ersten Hochzeit habe ich mich auch um alles alleine gekümmert,“ erklärte die Frau, während ich krampfhaft versuchte, mich an ihren Namen zu erinnern. „Eine Wahnsinnsaufwand wenn du mich fragst. Bei der zweiten habe ich dann ein paar gute Freunde mit eingespannt, was zwar vieles erleichtert hat, aber auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei war. Bei meiner dritten und letzten schließlich ... ,“ sie grinste breit, als sie mein entgeistertes Gesicht sah. Diese Frau konnte nicht älter als fünfundzwanzig sein. Wie konnte man da schon drei Mal verheiratet sein? „ ... bei der dritten hatten wir genug Geld um uns einen Weddingplanner zu leisten und ich sage euch: Nie wieder etwas anderes.“
„Wow,“ bemerkte Lenny. „Drei Mal? Du stehst auf Hochzeiten Lucie, kann das sein?“
Sie lachte und warf dabei den Kopf in den Nacken, so dass die Flammen der Fackeln goldene Strähnen in ihr rotes Haar zauberten. „Sagen wir es mal so ... ich denke, dass ich mir zu schade dafür bin in einer Ehe zu bleiben, die ich eigentlich nicht mehr will. Die meisten Kerle entpuppen sich doch erst hinterher als die selbstgefälligen Arschlöcher, die sie nunmal sind.“
„Na, das macht Mut,“ stellte ich ironisch fest.
„Ach was,“ sie winkte ab, während sie in ihrer Handtasche kramte und eine Visitenkarte hervorzog, die sie mir gleich darauf über den Tisch schob. Amanda Fields, Weddingplannerin – Wir lassen ihre Traumhochzeit Wirklichkeit werden.
„Vielen Dank,“ nickte ich, auch wenn ich mir nicht sicher war, was ich mit der Karte anfangen sollte.
„Keine Ursache. AJ ist wirklich ein Goldschatz. Leider wollte er mich nicht heiraten,“ sie lachte erneut und ich fragte mich gerade, ob das ernst gemeint war oder nur ein Scherz sein sollte. Mir hatte er jedenfalls nie erzählt, dass er mit einer Lucie zusammen gewesen wäre.
„Wie lange wart ihr zusammen?“ fragte Leigh neben mir interessiert und ich wartete leicht unbehaglich auf Lucies Antwort.
„Wir waren nie wirklich zusammen. Leider,“ setzte sie grinsend hinzu und nippte an ihrem Wein.
Innerlich atmete ich erleichtert auf. Also keine Geheimnisse, die AJ für sich behielt. Gleich darauf schüttele ich den Kopf. Wie kam ich überhaupt auf den Gedanken? AJ und ich erzählten uns immer alles.
„Da ist er übrigens,“ sagte Lenny und deutete über die Tanzfläche hinunter zum Strand, wo AJ und Tammy langsam nebeneinander in unsere Richtung schlenderten. „Scheint, als hätten sie sich ausgesprochen.“
„Ja, scheint so,“ gab ich lächelnd zurück. Es war einfach wunderbar Tammy zu sehen. Sie war tatsächlich hier, hatte uns vergeben und AJ und sie hatten scheinbar noch ein paar andere Dinge aus der Welt geschafft. Leider hatte ich bisher noch keine Gelegenheit gehabt, mich mit ihr ausführlich zu unterhalten und ich hoffte, dass sie mir das nicht übel nahm.
„Ich gehe mal zu ihnen hinüber,“ sagte ich, erhob mich und umrundete langsam die Tanzfläche.
Kurz bevor ich die beiden allerdings erreicht hatte, nahm Tammy AJ an der Hand und zog ihn hinter sich her in die Mitte der tanzenden Gäste. Er zog sie lächelnd an sich und gemeinsam begannen sie sich im Takt der Musik zu bewegen.
Etwas unschlüssig blieb ich stehen. Vielleicht sollte ich sie jetzt lieber nicht stören. Es konnte ihnen sicherlich nicht schaden, ein bißchen Zeit miteinander zu verbringen, um sich wieder anzunähern.
„Hey, so alleine hier?“ fragte plötzlich eine Stimme hinter mir und als ich herum fuhr, stand Nick grinsend vor mir.
„Ich bin doch nicht alleine.“
„Stimmt, ich bin ja da,“ gab Nick zurück. „Na komm, schenk mir einen Tanz. AJ kann dich noch sein ganzes Leben an sich drücken.“
Ich mußte lachen. „Aber gerne doch.“
Es fühlte sich ungewohnt an, Nicks Arme um mich zu fühlen. Er war einen Kopf größer als AJ und ich konnte gerade so über seine Schulter schauen. Wenn ich meinen Kopf an AJs Schulter legte, konnte ich meine Nase in seiner Halsbeuge vergraben und fühlte mich ihm damit näher.
Doch Nick wirbelte mich herum und wir lachten beide, als wir mit unseren Füßen im Sand hängen blieben und durch die Gegend stolperten.
„Wir sind DAS Traumpaar,“ lachte Nick, während er mich davor bewahrte, über meine eigenen Füße zu stolpern.
„Oh ja, und jeder hier lacht sich sicherlich über uns kaputt,“ kommentierte ich.
„Na und? Dann haben sie wenigstens Spaß auf eurer Party.“
„Auch wieder wahr,“ nickte ich und legte dann den Kopf in den Nacken. Die ersten Sterne erschienen am Himmel, der sich immer dunkler färbte. Tief sog ich die kühle Briese ein, die vom Meer herauf wehte. Ja, mein Leben war perfekt. Wenn jetzt nur noch ...
„Hey Nick, lass die Finger von meiner zukünftigen Frau, sonst muß ich sie dir abschneiden!“ AJ stand plötzlich grinsend vor uns, von Tammy war keine Spur zu sehen.
„Ach Bone, du weißt doch wie das ist: Drum prüfe, wer sich ewig bindet ... ,“
Nick brachte sich geschickt aus AJs Reichweite, der mit seiner Hand auf Nicks Arm gezielt hatte und lachte, während er sich langsam rückwärts gehend entfernte. „Ich will dem jungen Glück ja nicht im Weg stehen!“
„Das will ich dir auch geraten haben,“ lachte AJ, wandte sich dann mir zu und zog mich in seine Arme.
„Uhm,“ schnurrte er, als ich meinen Kopf an seine Schulter bettete. „Das hat mir gefehlt.“
„Mir auch,“ gab ich zu, während ich das Gefühl seiner Muskeln unter meinen Fingern genoss.
Wir tanzten eine Weile engumschlungen und ich spürte, wie ich mich ganz langsam und das erste Mal an diesem Abend entspannte.
„Du hast mit Tammy geredet?“ fragte ich leise.
„Hm. Es waren wohl noch einige Dinge zu klären.“
„Zum Beispiel?“
„Ich habe sie gefragt, wie es ihr geht, was sie in den letzten Monaten so gemacht hat und ob es für sie wirklich okay ist, dass wir heiraten. So Sachen eben.“
„Und? Was hat sie gesagt?“ Ich richtete mich auf und sah in seine Augen auf.
Er wiegte den Kopf hin und her. „Sie hat viel über ihren Job geredet und gesagt, dass sie mit der Hochzeit schon irgendwie fertig wird.“
„Klingt nicht so, als ... wäre das alles für sei einfach.“
„Nein, aber das konnten wir wohl auch nicht erwarten, oder?“
Ich nickte. „Das stimmt. Ich finde es einfach großartig, dass sie hier ist. Irgendwie ... ich glaube, sie war das fehlende Puzzleteil.“
„Ich weiß was du meinst,“ nickte AJ lächelnd, dann beugte er sich zu mir hinunter und küsste mich zärtlich. „Ich lieb dich,“ hauchte er.
„Ich liebe dich noch viel mehr,“ gab ich grinsend zurück.
„Uhm ... das glaube ich nicht,“ lachte er und zog mich noch etwas enger an sich.
„Doch, ganz bestimmt.“
„Immer das letzte Wort, was?“ bemerkte er gutmütig.
„Sowieso.“
„Stimmt, hatte ich beinahe vergessen.“
„Deswegen liebst du mich doch auch so.“
„Deswegen und wegen tausend anderer Dinge,“ nickte er.
„Das ist gut.“
„Ja, das ist es. Ich hätte nie gedacht, dass ich tatsächlich irgendwann die Frau finden würde, mit der ich alt werden möchte.“
„Warte es ab. Ich habe vorhin Lucie kennen gelernt. Wenn es nach ihr ginge, werden wir niemals gemeinsam alt, sondern lassen uns vorher scheiden, damit wir beim nächsten Mal einen Weddingplanner engagieren können.“
AJ lachte. „Lucie ist ... ein verrücktes Huhn, aber sehr liebenswert. So hart wie sie tut ist sie gar nicht. Sie hat ganz schön unter den Trennungen gelitten und dass sie jetzt endlich den Richtigen gefunden hat, freut mich ungemein für sie.“
„Ist ihr Mann hier? Ich glaube, ich habe ihn noch nicht kennen gelernt.“
„Nein, er ist irgendwo in Dubai unterwegs. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie sich immer noch so gut verstehen. Sie braucht ihre Freiheit.“
„Hm, dann könnte sie aber auch gleich Single bleiben. Wenn ich mir vorstelle, du würdest dauernd durch die Gegend reisen ... ich würde dich schrecklich vermissen.“
„Nun ... ,“ er hielt einen Moment inne. „Genau das wird aber passieren. Ich meine ... dir ist schon klar, dass sich an das Album eine Tour anschließt, oder?“
„Ähm ... ,“ ich fühlte mich wie ein kleines Kind, das an der Tafel stand und keine Ahnung hatte, wie es die Aufgabe daran lösen sollte. Wie hatte ich nur so blöd sein können und die Tour vergessen? Nur weil wir das letzte Jahr mehr oder weniger gemeinsam verbracht hatten, hieß das noch lange nicht, dass es auch so bleiben würde. Er hatte einen Job und die Pause hatte in seinen Augen schon viel zu lange gedauert.
„Das weißt du doch, oder?“ hakte AJ noch einmal nach.
„Ja. Sicher.“ Beeilte ich mich zu sagen.
Er musterte mich noch einen Moment nachdenklich. „Du wirst mich doch immer noch lieben, wenn ich mal eine Weile nicht bei dir sein kann, oder?“ So etwas wie Angst flackerte in seinen Augen auf.
„Aber natürlich.“ Ich zog ihn sofort wieder eng an mich. „Ich wollte doch nur sagen, dass ich dich ganz schrecklich vermissen werde. Lucie wirkt ja beinahe glücklich, dass ihr Mann nicht da ist.“
AJ schwieg und küsste stattdessen mein Haar.
„Hab keine Angst,“ flüsterte ich nahe an seinem Ohr. „Nichts und niemand kann uns trennen. Und wenn du am anderen Ende der Welt bist, bin ich immer noch bei dir. In deinem Herzen. Immer da.“
„Ja Hexlein,“ flüsterte er. „Immer da. Bis ans Ende meines Lebens, nicht wahr?“
„Ganz genau.“
„Gott sei Dank.“ Er seufzte tief und streichelte sanft meinen Rücken. „Ich könnte es nicht ertragen dich zu verlieren.“
„Das wirst du nicht.“
Ich spürte, wie er langsam nickte. Für einen flüchtigen Moment schoss mir die Frage durch den Kopf, warum er plötzlich so unsicher geworden war. So kannte ich ihn überhaupt nicht. Doch als plötzlich „From this Moment on“ aus den Lautsprechern klang, wurden diese Gedanken von dem Bild in meinem Kopf hinweg gespült, wie wir uns auf dem Rückweg von der Preisverleihung im dunklen Innenraum der Limousine geliebt hatten. Damals. In einem anderen Leben.
„Ich liebe dich,“ hauchte er und drückte mich fest an sich.
„Ich liebe dich viel mehr,“ entgegnete ich leise und gemeinsam bewegten wir uns geschmeidig im Takt „unseres“ Liedes. Ich würde ihn niemals aufgeben. So viel war sicher.

Kapitel 8