Kapitel 4
Als ich in die Auffahrt unseres Hauses einbog, wurde bereits die Tür geöffnet und AJ trat heraus.
Ah, das Empfangskommitte steht auch schon bereit, meinte Lenny grinsend. So liebe ich das.
Der Wagen stand noch nicht richtig, da hatte er bereits die Tür geöffnet und ging mit ausgreifenden Schritten auf AJ zu. Gleich darauf lagen sie sich in den Armen.
Während ich langsam näher kam, hörte ich AJ sagen Hey Kumpel. Schön dich zu sehen.
Gleichfalls. Auch wenn ich mich noch nicht entschieden habe, ob ich sauer auf dich sein soll, weil du mir Robin vor der Nase weggeschnappt hast.
Da hat Robin aber auch noch ein Wörtchen mitzureden, grinste ich.
Ja, das hat sie wohl, nickte Lenny, legte mir einen Arm um die Schulter und warf dann einen ausgiebigen Blick auf die strahlendweiße Hausfassade. Links und rechts der Eingangstür ragten zwei stattliche Bambusbüsche in die Höhe, zwei Palmen malten bizarre Schatten auf den Rasen im Vorgarten und vom Dach der Veranda hingen bunte Blumenampeln herab.
Wow. Ihr lasst es euch ja gut gehen, stellte Lenny fest.
Alles mit Stil Simson, das weißt du doch, grinste AJ, zog mich an sich und hauchte mir einen Kuß auf die Lippen. Sag deinem Freund wenn er sich nicht benimmt, schicke ich ihn postwendend wieder nach Hause, scherzte er.
Hier wird niemand nach Hause geschickt, dass das klar ist, lachte ich, fasste dann nach seiner Hand und schob Lenny vor uns her ins Haus hinein.
Es dauerte fast eine halbe Stunde, um seine Neugier zu befriedigen. Er lies sich jeden Winkel des Hauses zeigen und kommentierte jedes Möbelstück und jeden Raum mit der ihm eigenen Art.
Das Bett gefällt mir, es scheint einiges auszuhalten, sagte er grinsend, während er auf der Matratze herum hüpfte. Oder wo habt ihr nur diesen hässlichen Schrank her? Also ehrlich, da hätte ich euch aber mehr Geschmack zugetraut. Und so weiter und so fort.
Schließlich kamen wir wieder in der Küche an und während ich uns allen ein Glas Eistee einschenkte, holten AJ und Lenny das Gepäck aus dem Auto und verstauten es in dem eigens für Lenny hergerichteten Gästezimmer.
Wenig später saßen wir gemeinsam auf der Terrasse und ließen entspannt den Blick über den Strand und das Meer schweifen.
Gott, wie schön es hier ist, bemerkte Lenny, während er sich ausgiebig streckte und gegen die Sonne anblinzelte.
Ja, das fanden wir auch, nickte ich.
Zu Hause hat es gerade mal fünf Grad über Null, alles hat ein gleichmäßiges Schlammbraun angenommen und die Zeit scheint still zu stehen. Aber hier ... , er schüttelte den Kopf und lächelte dann zu uns hinüber. Ihr macht das schon richtig, nickte er.
Da bin ich aber erleichtert, grinste AJ und fasste sich theadralisch an sein Herz.
Das solltest du auch, lachte Lenny und drohte ihm scherzhaft mit dem Finger. Für meine Prinzessin nur das beste.
Worauf du dich verlassen kannst, grinste AJ und warf mir einen liebevollen Blick zu.
Und, erzählt mal. Ich war noch nie auf einer richtigen Verlobungsparty. Gibt es da irgendetwas, was ich unbedingt wissen sollte?
Unbedingt wissen? Nein, ich schüttelte den Kopf. Wir wollten es eher klein halten. Wir feiern hier, ich machte eine ausholende Handbewegung, die den Strand und das Haus mit einschlossen.
Das klingt, als hättest du an dem Tag mehr Arbeit als Spaß, stellte Lenny fest.
Genau das habe ich ihr auch schon gesagt, nickte AJ aber hört sie auf mich?
Nein, stellte Lenny grinsend fest.
Eben, nickte AJ.
Aber ich mache es doch gerne! protestierte ich. Ich habe etwas sinnvolles zu tun, Denise freut sich auch schon riesig, ein bißchen hier herum wuseln zu können und ihrem Goldschatz von Sohn jeden Wunsch von den Augen abzulesen und außerdem ist es so viel ... schöner. Die Hochzeit wird riesig genug.
Was bedeutet riesig in deinem neuen, kalifornischen Wortschatz? fragte Lenny amüsiert.
Wir haben ein Weingut gemietet, erklärte ich.
Das mußt du sehen, sagte AJ aufgeregt und beugte sich ein wenig in seinem Stuhl nach vorne. Das Gebäude ist uralt und steht mitten in den Weinbergen. Von da oben hast du einen atemberaubenden Blick über die Stadt. Es ist ... einfach perfekt. Er strahlte über das ganze Gesicht und ich mußte Lächeln. Er hatte sich gefreut wie ein kleines Kind, als wir dieses Kleinod hoch in den Hügeln von Hollywood entdeckten. Ab da waren alle anderen Ideen und Vorschläge von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Die kleine Strandhochzeit, die für eine Weile in unseren Köpfen herum geschwirrt war, war ebenso vergessen wie der Vorschlag, das Ganze in einem der großen und noblen Hotels in LA zu feiern. Er wollte unbedingt und ausschließlich dort hin und mittlerweile konnte ich mir auch keinen besseren Ort dafür vorstellen.
Lenny schwieg einen Moment und musterte uns ausgiebig. Ich freue mich wirklich, euch so glücklich zu sehen, stellte er dann fest. Ich gebe zu, dass ich einige Bedenken hatte, aber jetzt ... , er lies den Satz unvollendet und lächelte uns an.
Was für Bedenken denn? fragte ich stirnrunzelnd und erinnerte mich an unser Gespräch im Auto.
Ich weiß auch nicht, Lenny schüttelte den Kopf. Das alles ging so schnell. Und dann ist da ja auch noch die Sache mit Tammy. Ich hatte gehofft, dass ihr so lange wartet, bis sie sich wieder einigermaßen beruhigt hat.
Bei der Erwähnung von Tammys Namen verkrampfte sich mein Magen. Vielleicht hätten wir wirklich warten sollen. Etwas unsicher geworden schaute ich zu AJ hinüber.
Weißt du Lenny, sagte AJ, griff nach der Zigarettenschachtel, die auf dem Tisch lag und zündete sich eine Zigarette an. Wir haben lange darüber nachgedacht. Mir wäre es auch tausend Mal lieber, wenn Tammy jetzt hier wäre und wir gemeinsam, als Freunde feiern könnten. Aber ... wer weiß, ob sie jemals darüber hinwegkommen wird? Wir haben ihr so verdammt weh getan und ich kann verstehen, wenn sie den Rest ihres Lebens nichts mehr mit uns zu tun haben will. Aber ich liebe Robin nun mal und nun ja ... , er breitete die Arme aus. Ich konnte nicht länger warten.
Lenny nickte langsam. Das verstehe ich jetzt auch.
Das ist gut, nickte AJ und lächelte.
Nun gut, wenden wir uns den wichtigen Dingen im Leben zu, sagte Lenny schließlich, rieb sich die Hände und grinse breit. Wann gibt es etwas zu essen?
Lachend schüttelte ich den Kopf. Ich verschwinde schon in die Küche. Ich könnte doch niemals verantworten, dass mein bester Freund und Trauzeuge vom Fleisch fällt.
Trauzeuge? Lenny verschluckte sich beinahe an seinem Eistee.
Ja na klar. Was hast du denn gedacht? entgegnete ich lächelnd, während ich aufstand.
Vielleicht, dass du mich vorher wenigstens anstandshalber fragst?
Vergiss es. Ich will dich und sonst niemanden und ein nein akzeptiere ich sowieso nicht, gab ich schlicht zurück.
Und AJ fügte hinzu. Nimm es einfach so hin Kumpel. Robin bekommt immer was sie will.
Lenny schwieg einen Moment und ich fragte mich, warum er so überrascht war. Wen hätte ich denn sonst nehmen sollen? Niemand, außer AJ natürlich, stand mir so nahe. Ohne ihn wäre unsere Hochzeit einfach unvorstellbar.
Also? hakte ich schließlich nach und legte ihm sanft die Hände auf die Schultern. Würdest du das für mich tun?
Er sah zu mir auf und ein breites, liebevolles Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Es gibt nichts, was ich lieber täte Prinzessin.
Ist das ein ja? hakte ich noch einmal nach.
Das ist das eindeutigste ja, das du jemals bekommen hast, grinste er.
Wunderbar, lachte ich, drückte ihm einen Kuß auf die Stirn und machte mich dann auf den Weg nach drinnen um für Lenny ein Sandwich zu richten. Gott, es tat so gut, dass er wieder bei mir war.