Epilog

„AJ beeil Dich, wir kommen noch zu spät,“ rief ich und warf einen verzweifelten Blick die Treppe hinauf.
„Ja, ja. Komme gleich,“ schallte es von oben zurück.
„Mein Sohn war noch nie wirklich pünktlich,“ bemerkte AJs Mom lächelnd, während sie sich Vegas’s Fläschchen an die Wange hielt um die Temperatur der Milch zu testen.
„Das ist mir auch schon aufgefallen, aber wenn ich ihn nicht wenigstens hundert Mal ermahne, fühle ich mich nicht wohl,“ grinste ich und beobachtete meine Tochter die vor den deckenhohen Fenstern saß und mit großen Augen über die bunten Lichter von Las Vegas staunte. Sie saß dort seit nunmehr fast zwanzig Minuten beinahe regungslos, was einem Wunder gleich kam, da sie normaler Weise keine Sekunde still sitzen konnte.
„Meinem Enkelkind scheint es hier zu gefallen,“ lächelte Denise, die meinen Blick gefolgt war.
„Tja, wen wundert’s? Immerhin ist das hier auch ein Teil ihrer Heimat.“
Ich machte eine ausholende Handbewegung, die das Penthouse und die gesamte Stadt mit einschlossen. Es war ein aufregendes Gefühl wieder zu Hause zu sein. Einen halben Tag hatte ich damit verbracht, die Möbel von ihren Abdeckungen zu befreien und das Apartment wieder einigermaßen wohnlich zu gestalten und stellte dabei fest, wie sehr mir diese Glitzerstadt gefehlt hatte. Über zehn Monate war es jetzt her, dass ich von hier fort gegangen war und so viel hatte sich seither in meinem Leben verändert.
Trotzdem wirkte Las Vegas, als hätte die Zeit still gestanden und hätte nur darauf gewartet, dass ich zurück kam.
Endlich hörte ich AJs Schritte auf den Treppenstufen.
„Na Gott sei Dank,“ seufzte ich verhalten.
„Alles im grünen Bereich mein Schatz. Mach Dir nicht so viele Gedanken,“ lächelte er und umarmte mich von hinten. Über meine Schulter sah er zu seiner Mutter und unserer Tochter hinüber.
„Meinst Du, ihr beide kommt zurecht Mom?“
„Mein lieber Herr Sohn,“ sagte sie vorwurfsvoll „ich habe Dich großgezogen, dagegen ist Deine Tochter, dieses reizende Geschöpf, ein wahres Engelchen.“
Sie ist ein wunderhübscher, kleiner Engel. Ich schluckte und kuschelte mich tiefer in AJs Umarmung.
„O.k. Mom. Wenn Du das sagst,“ grinste dieser und küsste dann zärtlich meine Halsbeuge.
„Und jetzt macht, dass ihr nach unten kommt, bevor sie ohne Euch anfangen!“
„Eye, eye Sir,“ lachte AJ, salutierte forsch und griff dann nach meiner Hand. „Bereit?“ fragte er an mich gewandt und ich zuckte mit den Schultern.
„Ich glaube schon.“
„Na dann los.“
AJ wirkte aufgeregt wie ein kleiner Schuljunge und er schaffte es sogar, mich mit seinem Hochgefühl anzustecken.
Den gesamten Flug über, jede Sekunde, die wir bereits hier im Hotel waren, konnte ich an nichts anderes als die bevorstehende Show denken. Auch wenn ich im Endeffekt höchstens für ein Drittel davon verantwortlich war, so stammte doch immer noch die Idee aus meiner Feder und ich konnte es kaum erwarten dass Ergebnis live und in Farbe vor mir zu sehen.
Andererseits hatte ich auch Angst, dass irgendetwas schrecklich schief gehen könnte, dass es dem Publikum nicht gefiel und die ganze Arbeit umsonst gewesen war.
Abgesehen davon war James auf den Erfolg der Show angewiesen. Er war mittlerweile von jedem Verdacht der Geldwäsche und illegalen Machenschaften freigesprochen worden, doch wie das nun einmal so ist, blieb der Skandal einfach länger in den Köpfen der Menschen haften, als eine kurze Zeitungsnotiz darüber, dass James Carlisle ein freier, unschuldiger Bürger war.
Ich ging hinüber zu meiner Tochter und als ich mich zu ihr hinunter beugte, streckte sie mir bereits ihre dünnen Ärmchen entgegen. Ich hob sie hoch und drückte sie für einen Moment an mich.
„Ga, ga?“ fragte sie und ich mußte grinsen.
„Nein mein Engelchen,“ hörte ich AJ hinter mir sagen „Du kannst leider nicht mitkommen. Bei den vielen attraktiven Männern da unten wäre das nicht sicher für Dich.“
Ich mußte lachen. „Meinst Du nicht, Du übertreibst ein bißchen? Sie ist gerade mal sieben Monate alt.“
„Na und? Man kann nie früh genug mit der Vorbereitung auf die Pubertät anfangen,“ grinste er und strich Vegas liebevoll über das Haar.
Denise tauchte in meinem Blickfeld auf. „Jetzt macht schon, dass ihr los kommt. Es wird Zeit.“
„Sicher,“ ich nickte und küsste Vegas sanft auf die Stirn. „Schlaf gut mein Schatz und träum was schönes, ja? Und sei lieb zu Deiner Granny, hörst Du?“
Die kleinen Ärmchen umschlangen meinen Hals und das kleine Gesichtchen drückte sich in meine Wange.
„Ich werte das mal als klares „Ja“,“ kicherte AJ, beugte sich dann über meine Schulter und küsste Vegas auf die Wange.
„O.k. Prinzessin. Wir sind bald wieder da, ja?“ seine Stimme hatte einen sanften Tonfall angenommen, wie immer wenn er mit seiner Tochter sprach. Egal was sie anstellte, er konnte ihr nie wirklich böse sein.
Denise nahm mir Vegas ab und scheuchte uns dann mit einer ungeduldigen Handbewegung vor sich her.
„Jetzt aber Abmarsch,“ lachte sie und Hand in Hand gingen AJ und ich zum Fahrstuhl. Ein letztes Mal winkten wir ihnen zu, dann schlossen sich die Türen und die Kabine sauste hinunter ins Voyer.
„Bist Du glücklich?“ fragte AJ neben mir leise, während er begann an meinem Ohrläppchen zu knabbern.
„Mehr als glücklich,“ flüsterte ich lächelnd und schloss genüsslich die Augen.
Plötzlich machte der Fahrstuhl einen Satz und kam dann ruckartig zum Stehen. Erschrocken riss ich die Augen auf und sah AJ mit einem breiten Grinsen neben mir stehen, die Hand noch auf dem Notausknopf des Fahrstuhls gelegt.
„Ist Dir klar, dass wir seit sieben Monaten das erste Mal ohne Kind sind?“ fragte er.
„Uhm ... ja?“ entgegnete ich verständnislos.
„Und ist Dir auch klar, dass Du heute so unglaublich verführerisch aussiehst, dass ich gleich nicht mehr an mich halten kann?“
Ich mußte lachen, drehte mich ganz zu ihm herum und schmiegte mich an ihn.
„Tatsächlich?“
„Ganz eindeutig,“ nickte er, nahm endlich die Hand von den Etagenknöpfen und zog mich an sich.
„Ein bißchen Zeit bleibt uns noch, oder?“ fragte er grinsend, während seine Hände bereits über meinen Körper wanderten.
„Dafür ist immer Zeit,“ murmelte ich atemlos, während er mich gegen die Fahrstuhlwand drückte und sich seine Hände unter mein Kleid schoben.
„Ich liebe Dich Misses McLean,“ flüsterte er mit rauer Stimme.
„Ich liebe Dich auch Mister McLean,“ gab ich leise zurück, dann hörte ich auf zu denken und lies mich einfach fallen: In ein neues Leben, in dem ein Mann meine Erinnerungen aus den Schatten befreit hatte um sie ans Licht ziehen, und mir damit zu beweisen, dass man alles schaffen und überwinden konnte, wenn man nur an sich und seine Liebe glaubte.

The End

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