Kapitel 59

Als Nicks Augen sich blinzelnd öffneten, konnte er sich seine übliche Frage „Wo bin?“ nur mit einem hilflosen „Keine Ahnung“ beantworten. Nicht, dass das nicht schon des öfteren vorgekommen wäre, aber diesmal leuchtete bei diesem Gedanken in seinem vernebelten Gehirn augenblicklich ein rotes Alarmlämpchen auf. Es pulsierte im Takt seines Herzschlages und schmerzte in seinem Kopf und er benötigte einige Sekunden bis er sich soweit gesammelt hatte um sich einen Reim darauf zu machen.
Sam!
Als ihm dieser Gedanke durch den Kopf schoß, richtete er sich sofort ruckartig im Bett auf und fiel gleich darauf mit einem verhaltenen Stöhnen zurück in die Kissen. Meine Güte, was für ein Kater! Aber er mußte hier raus. Nach Hause. Zu Sam. Und ihr alles erklären.
Moment ... erklären? Was eigentlich erklären? Schnell nahm er eine Bestandsaufnahme vor.
Er war noch vollständig bekleidet, bis auf seine Schuhe, die er bei einem kurzen Blick über die Bettkante auf dem Boden liegen sah - Gut.
Er lag in einem fremden Bett, das außer ihm leer zu sein schien - Auch gut.
Das Schlafzimmer hatte er noch nie gesehen, aber wenn er nach der Einrichtung, den aprikotfarbenen Wänden und den weichen Stoffbahnen an den Bettpfosten ging, handelte es sich hier um die Wohnung eines weiblichen Wesens - Nicht gut.
Er konnte sich noch daran erinnern, dass er mit den Jungs im Club gefeiert hatte und dass er irgendwann auf die Suche nach den Toiletten gegangen war. Danach kam nur noch kompakte, undurchdringliche Schwärze - Gar nicht gut.
Vorsichtig richtete er sich wieder auf, schwang langsam die Beine über die Bettkante und blieb so einen Moment mit hängendem Kopf sitzen. Vor seinen Augen drehte sich alles, sein Schädel schien kurz vor der Explosion zu stehen und er hatte wahnsinnigen Durst.
Sein Blick fiel auf sein Handy, das unter einem bunten Kissen auf dem Boden hervor lugte. Ächzend und stöhnend beugte er sich so weit vor, dass er es zu fassen bekam, benötigte dafür allerdings drei Anläufe, da seine Feinmotorik sich noch nicht wieder zurück gemeldet hatte. Schließlich starrte er auf das Telefon hinunter und fragte sich, warum nichts passierte wenn er auf die Tasten drückte. Hatte er es ausgeschaltet? Scheinbar, denn als er den Einschaltknopf eine Weile gedrückt hielt, erwachte das Display strahlend zum Leben.
Er wartete einen Moment, bis sich die Netzverbindung aufgebaut hatte und zuckte dann zusammen, als ihm ein lauter Piepston verkündete, dass sich vier neue Nachrichten auf seiner Mailbox angesammelt hatten.
„Wahrscheinlich willst du das gar nicht hören,“ murmelte er zu sich selbst, wählte aber trotzdem die Nummer seines Anrufbeantworters und drückte sich gleich darauf das Handy ans Ohr.
Die erste Nachricht war von Sam und sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als er ihre besorgte Stimme hörte.
Hey Nick. Ich weiß, es ist wahrscheinlich albern, aber ich mache mir Sorgen. Bitte melde dich so bald du kannst, ja? Bitte ...
Verdammt. Dieser Anruf lag bereits gute sieben Stunden zurück und er wollte sich lieber gar nicht vorstellen, in welcher Verfassung sie inzwischen war.
Der Gedanke schoß ihm durch den Kopf, dass es ihm ganz schön schwer fallen würde zu erklären, warum er nicht nach Hause gekommen war und wo er statt dessen die Nacht verbracht hatte. Vielleicht würde er ihr einfach sagen er hätte bei Chris ...
Hey Nick. Hier Chris. Sorry Alter, aber dein Herzblatt hat mich gerade aus dem Bett geklingelt. Sie weiß Bescheid. Angel hat mich ganz schön zur Schnecke gemacht und ... na ja ... wie auch immer. Du sitzt echt in der Scheiße Buddy, das sage ich dir. Melde dich, falls du den Tag heute überlebst.
In Nick stieg Übelkeit auf. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass er einen entscheidenden Teil seines Lebens in einer Art Parallelwelt verbracht hatte und jetzt nach Jahren nach Hause zurück kehrte nur um festzustellen, dass sich alles komplett verändert hatte. Die nächste Nachricht bestätigte ihm dies sehr plastisch.
Verdammte Scheiße Nick. Schwing deinen Hinter gefälligst so schnell wie möglich nach Hause. Sam ist weg. Hast du gehört? WEG! Und du schwanzgesteuertes Arschloch bist daran schuld. Ich hoffe du bist stolz auf dich!
Angels Worte dröhnten wie Hammerschläge in seinem Kopf. Sam war weg? Weg?? Nein ... das konnte nicht sein. Er war doch ... er hatte doch nicht ... er wollte doch nur ...
Nick, hier Henry. Wir haben ein echtes Problem. Irgend so ein beschissener Anwalt kam heute morgen in den Sender spaziert und hat Kopien von sämtlichen Bändern mitgenommen. Ich habe keine Ahnung, was bei dir und dieser Fields gerade abgeht, aber wir haben mächtigen Ärger am Hacken. Also ruf mich an. Sofort!!
Nicks Hand, die das Handy hielt, sackte kraftlos in seinen Schoß hinunter und benommen starrte er vor sich hin. In seinem Gehirn hatte sich eine gähnende Leere breit gemacht und sein Herzschlag fand ein dröhnendes Echo in diesem Vakuum. Was hatte er nur getan?
„Ach, auch schon wach?“ hörte er plötzlich eine weibliche Stimme und wie in Trance hob er langsam den Kopf.
Ein blondes Mädchen stand in der Tür. Sie trug Jogginghosen, ein enges Top und hatte ihre unglaublich lange, blonde Mähne zu einem Pferdeschwanz gebunden. Unter Eid hätte er geschworen, dass er sie noch nie zuvor gesehen hatte, aber sie kannte wohl eindeutig ihn.
„Du bist mir ja ein feiner Rockstar,“ bemerkte sie grummelnd, während sie um das Bett herum ging und die Vorhänge aufzog. Gleißendes Sonnenlicht flutete augenblicklich in den Raum und stach ihm schmerzhaft in die Augen.
„Wenn ich gleich gewußt hätte, dass du nur einen Platz suchst um deinen Rausch auszuschlafen, hätte ich dich garantiert nicht mitgenommen. Im Übrigen bekomme ich noch zwanzig Dollar fürs Taxi von dir.“
Sie stand wieder vor ihm und hatte die Hände in die Hüften gestemmt, doch er fühlte sich immer noch nicht in der Lage irgend etwas zu sagen. Sämtliche Gliedmaßen schienen eingefroren zu sein, einzig sein Herzschlag raste und sein Magen fühlte sich an, als sei er mit Salzsäure gefüllt.
„Hey. Erde an Nick ... ,“ sagte das Mädchen und wedelte einen Moment mit ihrer Hand vor seinem Gesicht herum.
„Hm?“ brummelte er. „Tut mir leid. Ich ... ,“ stammelte er und wußte dann nicht, was er noch sagen sollte.
Sam ist weg. Hast du gehört? Weg!! Hörte er Angels Stimme immer wieder in sein Ohr brüllen und ganz langsam sickerten diese Worte in sein Hirn ein. Das gesamte Ausmaß dieser Information überschwemmte plötzlich und mit ungeheurer Kraft seine Nervenbahnen und wie von der Tarantel gestochen fuhr er in die Höhe. Während das unbekannte Mädchen erschrocken einen Schritt zurück machte, versuchte er sich schwankend aufrecht zu halten.
„Ich muß gehen,“ presste er hervor, während er auf seine Schuhe hinunter starrte und sich fragte, wie verdammt noch mal er an sie heran kommen sollte, ohne der Länge nach auf dem Boden aufzuschlagen.
„Schön für dich,“ gab das Mädchen sarkastisch zurück, drehte sich auf dem Absatz herum und verließ mit einem lauten Türknallen das Zimmer, das sich mit glühendem Schmerz in seinen Kopf bohrte.
„Verdammte Scheiße,“ krächzte er, während er sich wieder auf das Bett sinken ließ, nach seinen Schuhen angelte und versuchte den Schwindel zu ignorieren, der seinen Magen hob und die Welt unangenehm auf die Seite kippen ließ.
Er hatte wohl noch nie so lange gebraucht, um in seine Turnschuhe zu schlüpfen, doch schließlich torkelte er benommen durch das Schlafzimmer, stützte sich dabei immer wieder an der Wand ab und bekam schließlich irgendwie den Türknauf zu fassen. Gleich darauf trat er in einen hellen Flur und wohlriechenden Kaffeeduft hinaus.
Er versuchte sich zu orientieren. Wo war der Ausgang?
Zu seiner Rechten trat das Mädchen aus einem Zimmer zu ihm in den Flur hinaus.
„Du bist ja immer noch da,“ stellte sie spitz fest.
„Wirklich. Es tut mir leid,“ versuchte er sich erneut zu entschuldigen. „Ich hatte gestern wohl eindeutig ein paar Tequila zu viel. Ich muß nach Hause zu meiner Freundin. Sie macht sich große Sorgen und ... ,“ er schluckte.
Sam ist weg! Weg!!
„Zu deiner Freundin?“ fragte das Mädchen mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Ja. Bitte keinen Kommentar dazu, okay?“ gab er mit abwehrend erhobener Hand zurück und blickte den Flur hinauf und hinunter. Wo war der verfickte Ausgang?
„Ich rufe dir ein Taxi,“ stellte das Mädchen fest. „Und bis es hier ist wirst du einen Kaffee trinken und ne Aspirin einwerfen. Meine Güte ... du siehst aus wie das wandelnde Elend und wenn sie dich nicht schon längst verlassen hat, wird sie es ganz sicher bei deinem Anblick tun.“
Er konnte nur nicken, während ihm jedes Wort ins Herz schnitt. Er hatte Sam bereits verloren. Eigentlich brauchte er sich darüber keine Illusionen machen. Sie konnte ja nicht wissen, dass mit dieser Frau nichts gelaufen war.
Gleich nach diesem Gedanken schüttelte er den Kopf. Es war unerheblich ob er mit ihr geschlafen hatte oder nicht. Er hatte die Nacht hier verbracht, das alleine war schlimm genug.
„Jetzt komm’ schon,“ sagte das Mädchen erneut und folgsam trottete er ihr hinterher in eine geräumige, ordentliche Küche.
„Kaffee,“ sagte sie und stellte eine Tasse auf den Tisch.
Dankbar ließ er sich auf einen der Stühle fallen und zog das heiße Gebräu zu sich heran.
Sie verschwand für kurze Zeit und kam dann mit zwei Brausetabletten wieder.
„Aspirin,“ sagte sie, während sie eine der Tabletten in ein gefülltes Wasserglas fallen ließ und es ebenfalls vor ihn auf den Tisch stellte.
„Und jetzt noch das Taxi und dann habe ich für heute meine guten Pfadfindertaten erfüllt.“
Bevor sie den Raum abermals verlassen konnte, bekam er ihr Handgelenk zu fassen.
„Hey,“ sagte er. „Danke.“
„Ich würde ja jetzt eigentlich sagen „gern geschehen“ aber ich tue das hier nicht gern. Und das hat nichts damit zu tun, dass ich auf heißen Sex verzichten mußte, sondern dass du deine Freundin betrügen wolltest und das auch noch mit mir.“
„Ich weiß ... ich bin ein Arsch, okay?“
„Selbsterkenntnis und so weiter und so weiter,“ nickte sie, entwand ihm ihre Hand und verschwand im Flur.
Er hörte, wie sie telefoniert, während er das Glas mit der Kopfschmerztablette einmal kurz schwenkte und es dann in einem Zug hinunter stürzte.
Wieder einmal hatte er es vermasselt. Diesmal aber auf einer Skala von 1 –10 mit vollen zwanzig Punkten. Er war so ein dämlicher Vollidiot!

Die Fahrt nach Hause schien Ewigkeiten zu dauern und er mußte sich beherrschen um den Fahrer nicht alle zehn Sekunden anzuschnauzen, doch gefälligst etwas schneller zu fahren. Schließlich bogen sie dann aber doch in die Auffahrt zum Haus ein, beschrieben einen Bogen und hielten gleich darauf vor der Eingangstür. Während er das Taxi bezahlte, wurde die Tür unvermittelt aufgerissen und seine Geschwister erschienen geschlossen dahinter.
Er sah dem Taxi nach wie es die Auffahrt hinunter brauste und wandte sich dann, mit dem schlimmsten rechnend, zu den vier äußerst angespannten und wütenden Gesichtern um.
„Es ... ,“ setzte er an, doch Angel unterbrach ihn.
„Halt die Klappe oder ich vergesse mich,“ giftete sie, trat dann von der Tür zurück und bedeutete ihm einzutreten.
Er fühlte sich, als würde er zur Schlachtbank geführt, während gleichzeitig eine ganze Menge Adrenalin in seine Blutbahnen gepumpt wurde. Langsam schlurfte er an den vieren vorbei ins Haus hinein, wo ihn bereits die komplette Armada der Kamerateams erwartete. Er wollte etwas sagen, sie wegschicken oder sie dazu bringen, dass sie ihre Kameras ausschalteten, doch Angels fester Griff um seinen Oberarm, mit dem sie ihn hinter sich her ins Wohnzimmer schleifte, lenkte ihn von diesem Gedanken ab.
„Du bist so ein Arschloch,“ giftete BJ, während Angel ihn unsanft in die Polster der Couch beförderte.
„Ja, ich weiß,“ nickte Nick, verschränkte die Arme vor der Brust und versuchte sich auf die Gardinenpredigt einzustellen, die jetzt garantiert folgen würde.
„Was hast du dir dabei nur gedacht?“ fragte ihn ausgerechnet Aaron und Nick fühlte, wie sein Blut in Wallungen geriet.
Was wollten sie von ihm? Ja, er hatte Scheiße gebaut, aber das ging nur ihn und Sam etwas an. Verdammt ... seine Geschwister waren allesamt keine Unschuldsengel und von daher nicht berechtigt, ihm irgendwelche Vorwürfe zu machen.
„Ihr haltet euch da besser raus,“ sagte er gefährlich leise.
„Uns raus halten?“ fuhr Angel ungläubig auf. „Sag mal hast du sie noch alle? Wir haben live und in Farbe mitgekriegt, wie du Sams Herz ohne mit der Wimper zu zucken in klitzekleine Stücke gehauen hast und da sagst du UNS, wir sollen uns da raus halten?“
„Das ist immer noch meine Sache!“ fuhr er auf und stemmte sich unter einiger Anstrengung von der Couch in die Höhe.
„Verdammte Scheiße Nick,“ ergriff nun Leslie das Wort und das gerade sie sich in das Geschehen einmischte, machte ihm mehr als alles andere deutlich, wie tief er sich tatsächlich rein geritten hatte. „Das geht uns alle etwas an. Du bist unser Bruder und sie ist unsere Freundin. Unabhängig davon, ob ihr nun zusammen seid oder nicht. Sie war vollkommen außer sich! Du hättest sie mal sehen sollen.“
„Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe, okay?“ stieß er also hervor und fühlte, wie seine Stimme lauter wurde und sein Herz einen wütenden Takt zu schlagen begann. „Und falls es irgend jemanden interessiert ... ja, mir geht es echt beschissen und nein, ich habe Sam nicht betrogen.“
„Es interessiert niemanden,“ gab BJ schneidend zurück. „Du hast dir die Birne zugesoffen und die Nacht bei irgend einer Tussi verbracht, ohne auch nur einen Moment an Sam zu denken. Das ist auch eine Art von Betrug und wehe du leugnest das!“
„Ich leugne gar nichts. Aber vielleicht solltest du dich mal an deiner eigenen Nase fassen, wenn es um das Thema Alkohol geht,“ gab Nick schneidend zurück.
Augenblicklich explodierte die aufgeladene Stimmung um ihn herum in lautem Geschrei.
„Du mieses, kleines Arschloch,“ fuhr BJ auf.
„Wie kannst du nur!“ brüllte Angel.
„Du hast sie doch nicht mehr alle!“ ereiferte sich Leslie und dann fühlte er nur noch, wie Hände plötzlich nach seinem Shirt griffen und er von den Füßen gerissen wurde.
„Du Mistkerl! Schwein!“ brüllte Aaron, während er versuchte, ihm mit der flachen Hand ins Gesicht zu schlagen. „Wie konntest du ihr das antun!“ brüllte er weiter, während Nick schützend die Arme vor das Gesicht hob und mit grenzenlosem Entsetzen die Tränen in den Augen seines Bruders sah. „Sie ist das beste, was uns jemals passiert ist und du trittst das einfach so für eine Nacht mit irgendeinem Flittchen in die Tonne.“
„Aaron, hör auf,“ hörte Nick eine seiner Schwester rufen. Arme und Hände mischten sich in ihr Gerangel ein, er hatte das Gefühl nicht mehr atmen zu können und grenzenloses Entsetzen hatte sich in ihm breit gemacht.
Plötzlich wurde Aaron über ihm in die Höhe gerissen und er hörte, wie sich dieser heftig wehrte und dabei immer weiter schrie „dir werde ich es zeigen. Du verdammter Egoist! Du willst uns irgend etwas über Zusammenhalt, Vertrauen und Familiensinn erzählen?? Du weißt doch gar nicht, was das ist!! Du ... ,“
„Aaron! Aaron, komm schon. Es ist genug ... ,“ hörte er Angel brüllen, während er auf dem Rücken lag und mit rasendem Herzklopfen und hektischen Atemzügen an die Decke starrte.
Was passierte hier? Was hatte er nur getan? Warum ... wieso ... wie konnte er nur ... ?
„Es tut mir leid,“ flüsterte er und einmal damit angefangen, konnte er nicht wieder damit aufhören. „Estutmirleid, estutmirleid, estutmirleid, es ... ,“
Plötzlich sank Angel neben ihm auf die Knie, ihr Gesicht war feucht von Tränen und in ihren dunklen Augen konnte er ihren Schmerz lesen.
„Es tut mir leid,“ wiederholte er.
Sie biß sich einen Moment auf die Unterlippe, dann nickte sie langsam, beute sich zu ihm hinunter und versuchte ihn irgendwie zu umarmen, während sie ihren Kopf an seine Brust bettete.
„Jetzt verbrüdere dich auch noch mit dem Wichser!“ hörte er Aaron rufen.
„Es ist genug jetzt,“ fuhr sie auf und drehte sich zu ihrem Zwillingsbruder herum. „Nick hat Scheiße gebaut und ist ein Arschloch. Das wissen wir alle. Aber das bringt uns Sam auch nicht wieder, okay?“
Es trat ein Moment des Schweigens ein, während in Nicks Ohren das Blut rauschte.
„Angel hat recht,“ hörte er Leslie schließlich leise sagen.
„Ja,“ stimmte auch BJ zu. „Wir sollten uns wirklich überlegen, wie wir Sam dazu bringen wieder zurück zu kommen.“
„Ihr kapiert es nicht, oder?“ stöhnte Aaron. „Sie ist weg. Und sie wird auch nicht wieder kommen und Schuld daran ist der Wichser da unten.“
Dann drehte er sich auf dem Absatz herum, rannte dabei beinahe in eines der Kamerateams hinein und bahnte sich dann wenig sanft einen Weg an ihnen vorbei und hinaus in den Flur. Gleich darauf verkündete das laute Schlagen seiner Zimmertür, dass er sich auf unbestimmte Zeit zurück gezogen hatte.
„Das ist ein Albtraum,“ hörte Nick sich flüstern.
„Ja, ein Albtraum den du angezettelt hast,“ sagte Angel, während sie ihm die Hand entgegen streckte und ihm aufhalf.
Sie hatte recht. Aaron hatte recht. Alle hatten recht. Nur er lag meilenweit neben allem, was sich Realität nannte.

Kapitel 60