Kapitel 44

Es war bereits spät, als sie zurück zu ihrem Hotel kamen. Nach dem wundervollen Tag im Kindsland hatten sie in der Stadt noch eine Pizza gegessen, wobei Sam kaum ihre Augen von Nick und Joshua lassen konnte, die sich wie selbstverständlich eine Pizza teilten und dabei miteinander redeten und Spaß hatten, als hätten sie nie etwas anderes getan.
Joshua war bereits auf dem Rückweg im Auto fest eingeschlafen und so hing er jetzt auf ihrem Arm, den Kopf auf ihre Schulter gebettet und die Arme um ihren Nacken geschlungen, während sie hinter Nick ihr Zimmer betrat. Er knipste das Licht an und ging mit der großen Reisetasche und Joshs kleinem Spongebob-Koffer voraus in das Schlafzimmer hinüber.
Sie fragte sich, ob er geplant hatte Greg zu überreden, ihr Joshua auch diese Nacht zu überlassen, da sie im Gegensatz zu Nicks Zimmer eine Suite bewohnte. Doch sie war zu müde um sich darüber tatsächlich noch ernsthaft Gedanken zu machen.
Während sie Joshua vorsichtig auf das Bett legte und ihn auszog, spürte sie Nick in ihrem Rücken. Sie konnte gar nicht sagen wie sehr sie sich darüber freute, dass er so gut mit ihrem Sohn auskam und dass Joshua ihn ganz offensichtlich mochte, doch jetzt meldete sich eine kleine, egoistische Stimme in ihrem Kopf, die mit ihrem Sohn wenigstens eine halbe Stunde alleine sein wollte.
Sie richtete sich auf und drehte sich zu Nick herum. Sie konnte ihn in der Dunkelheit, die lediglich vom Licht aus dem Wohnzimmer notdürftig erhellt wurde, nur als undeutlichen Schemen ausmachen, doch sie spürte seinen Blick, der unergründlich und ernst auf ihr ruhte, so dass sie im ersten Moment nicht wußte was sie sagen sollte.
„Würde es dir etwas ausmachen drüben zu warten?“ flüsterte sie schließlich und sie sah, wie Nick langsam nickte.
„In Ordnung,“ gab er genau so leise zurück.
Für einen Moment glaubte sie, er würde trotzdem hier stehen bleiben, doch dann schien er sich einen Ruck zu geben und verschwand gleich darauf im angrenzenden Wohnzimmer.
Als sie Joshua das Oberteil seines Schlafanzugs über den Kopf zog, öffnete er blinzelnd die Lider und blickte verschlafen zu ihr auf.
„Mr. Biggles?“ nuschelte er.
„Der kommt sofort,“ lächelte sie. „Erst noch fertig anziehen.“
Widerstandslos ließ er sich die Schlafanzughose überstreifen, dann kuschelte er sich in die Kissen und Sam deckte ihn bis unter das Kinn zu. Anschließend nahm sie seinen kleinen Koffer und öffnete die winzigen Verschlüsse.
Oben auf lag ein grau-brauner Stoffetzen, den sie im ersten Moment nicht identifizieren konnte, doch als sie ihn aus dem Koffer nahm entpuppte er sich als schlabberige Giraffe, die augenscheinlich schon so einiges in ihrem kurzen Plüschtierleben mitgemacht hatte.
„Ich nehme an, das ist Mr. Biggles,“ lächelte Sam, während sie ihrem Sohn das Stofftier reichte.
Er nickte schläfrig und zog die Giraffe dann zu sich unter die Decke.
Sie wollte den Koffer bereits wieder schließen, als ihr Blick auf ein Foto fiel, das bereits leicht verknittert und abgegriffen wirkte. Sie zog es hervor und hielt es gegen das Licht.
Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen und ihre Beine begannen zu zittern. Vorsichtig ließ sie sich auf die Bettkante nieder und starrte auf das Bild in ihren Händen. Es war eine alte Aufnahme aus besseren Zeiten. Greg und sie waren noch glücklich gewesen und Joshua hatte noch beide Elternteile, die sich liebevoll um ihn kümmerten. Greg hatte ihn auf dem Foto auf dem Schoß und Sam einen Arm um die Schulter gelegt. Sie lächelten alle drei in die Kamera und Sam überkam urplötzlich das überwältigende Gefühl, zurück an diesen Punkt ihres Lebens zu wollen.
Damals, so redete sie sich ein, war ihr Leben noch perfekt gewesen. Sie hatte einen Ehemann, einen Sohn und eine Aufgabe. Sie hatte sich nicht hilflos und Fehl am Platz gefühlt. Sie war selbstsicher und stark gewesen.
Und heute? Heute war ihre Welt ein einziges Chaos und wenn auch der heutige Tag das beste war, was ihr seit langem passiert war, so war ihr doch auch bewußt, dass dieses Gefühl in ein paar Stunden vorbei sein würde, weil sie Joshua zurück zu seinem zu Hause bringen mußte und weil sie dann mit Nick wieder in den Flieger steigen und zurück in ihr eigenes Chaos fliegen würde.
Nick. Ihre Gedanken wanderten zu ihm hinüber ins Nebenzimmer. Er hatte sich den gesamten Tag unglaublich liebevoll um Josh und sie gekümmert, hatte ihnen beiden jeden Wunsch von den Augen abgelesen und dabei augenscheinlich selbst eine Menge Spaß gehabt. Doch dieser Tag gehörte nicht wirklich zur Realität.
In der Realität stritten sie sich dauernd, in der Realität mißtrauten sie sich gegenseitig, in der Realität spielten sie ein Spiel mit ungewissem Ausgang und in der Realität war er meist alles andere als liebevoll und nett.
Seufzend verstaute sie das Foto wieder in dem kleinen Koffer, schloß ihn leise und krabbelte dann neben Joshua ins Bett. Sie schloß ihre Arme um seinen schmalen Körper und drückte ihn fest an sich. Ihre Nase streichelte sein weiches Haar und sie fühlte seine kleinen Finger, die sich wie selbstverständlich um ihre Hand schlossen.
Ein Lächeln erschien auf ihren Lippen, während gleichzeitig Tränen in ihren Augen brannten. Warum mußte das Leben nur immer so kompliziert und schmerzhaft sein?

Beinahe wäre sie mit ihrem Sohn in den Armen eingeschlafen, doch sie erinnerte sich gerade noch rechtzeitig daran, dass Nick nebenan auf sie wartete. Also quälte sie sich mühsam aus dem Bett, warf noch einen letzten Blick auf ihr Kind hinunter und schlurfte dann hinüber ins Wohnzimmer.
Obwohl lediglich eine Stehlampe neben dem Sofa brannte, blinzelte sie für einen Moment gegen die ungewohnte Helligkeit an, während sie den Raum durchquerte.
Als sie die Couch beinahe erreicht hatte, hielt sie inne. Nick saß darauf und war inzwischen tief in die Polster hinunter gesunken. Er hatte die Hände auf dem Bauch gefaltet, die Augen geschlossen und sein Gesicht war im Schlaf entspannt. Sein Brustkorb hob sich langsam und gleichmäßig und Sam mußte gegen ihren Willen lächeln. Er wirkte so ungewohnt friedlich, dass sie es kaum wagte zu atmen um ihn nicht zu wecken.
Ihr Blick fiel auf einen kleinen Beistelltisch, auf dem eine Flasche Rotwein und zwei Gläser standen und sie fühlte, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. Was machte dieser Mann nur mit ihr? In einem Moment wollte sie ihn erschlagen und im nächsten an sich drücken und nie wieder gehen lassen.
So leise wie möglich füllte sie ein Glas und blickte noch einen Moment liebevoll auf Nick hinunter, bevor sie das Zimmer durchquerte und lautlos die Schiebetür öffnete, die hinaus auf den Balkon führte. Es hatte vor einer Weile aufgehört zu regnen, die Luft war frisch und roch ganz schwach nach frisch gemähtem Gras, was sie hier, mitten in der Stadt, doch etwas verwunderte.
Sie zog sich einen Stuhl heran und ließ sich in die weichen Polster sinken. Vereinzelt funkelten Sterne über ihr, der Lärm aus Washingtons Straßen drang gedämpft zu ihr hinauf und es legte sich eine ungeheure Ruhe über sie, die sie dem anstrengenden Tag und dem guten Rotwein zuschrieb.
Sie versuchte an gar nichts zu denken, während sie dort saß und vor sich hin in die Nacht starrte, doch so wirklich gelang ihr dies nicht. Seltsamer Weise dachte sie an die Carter Geschwister, die im Moment im weit entfernten LA saßen und irgendwie alleine klar kommen mußten. Der vergangene Abend mit ihnen schien Ewigkeiten her zu sein und doch erfüllte sie alleine der Gedanke daran, wie sie zu viert um den Tisch herum saßen und sich unterhielten mit einer Art Wärme, die sie schon eine ganze Weile nicht mehr gefühlt hatte.
Sie mußte ihnen nach ihrer Rückkehr auf jeden Fall einmal sagen, wie viel sie ihnen bedeuteten und dass sie ...
„Hey, du hast dich einfach so an mir vorbei geschlichen,“ riß sie Nicks verschlafene Stimme unvermittelt aus ihren Gedanken.
Lächelnd sah sie zu ihm auf. Seine Augen wirkten ganz klein und er blinzelte dauernd um scheinbar richtig wach zu werden. Sein T-Shirt war verknittert und hatte im Laufe des Tages einige Flecken abbekommen und wie er da so in der Balkontür stand, die Hände in den Hosentaschen und die Schultern hochgezogen, hätte sie ihn am liebsten in ihre Arme gezogen und nie wieder los gelassen.
„Du sahst so friedlich aus, da wollte ich dich nicht wecken,“ gestand sie.
„Hm,“ murmelte er unbestimmt und kam dann zu ihr herüber.
Als er ihr die Hand entgegenstreckte wußte sie nicht genau, was er von ihr wollte, trotzdem legte sie ihre Hand in seine und ließ sich bereitwillig von ihm in die Höhe ziehen. Gleich darauf ließ er sich in den Stuhl fallen und zog Sam dann auf seinen Schoß.
„Ah, viel besser,“ murmelte er und zog sie noch ein Stück näher zu sich heran.
Sams Ruhe und Gelassenheit verflüchtigte sich augenblicklich und machte einer Hab-acht-Stellung platz. Sie war ihm eindeutig viel zu nahe, sie konnte jeden einzelnen Finger seiner Hand an ihrer Hüfte spüren und sein breiter Brustkorb drückte sich beunruhigend männlich gegen ihre Schulter.
Nick spürte dies entweder nicht, oder es war ihm egal. Er legte sein Kinn auf Sams Schulter und murmelte „ein schöner Tag, was?“
„Ja, ein unglaublich schöner Tag,“ nickte sie. „Ich möchte dir dafür danken. Wirklich ... vielen, vielen Dank, dass du uns das ermöglicht hast, du ... ,“
„Hey, das habe ich doch gerne gemacht,“ unterbrach sie Nick.
„Das mag ja sein. Trotzdem hast du ... einfach ... so viel Geld ausgegeben und dich bei Greg benommen und dich so wundervoll um Josh gekümmert und ...,“
„Hör auf, ich werde ja ganz rot,“ schmunzelte Nick.
„Ernsthaft Nick. Du warst wirklich großartig.“
„Danke,“ sagte er leise und dann fügte er hinzu. „Joshua ist ein tolles Kind. Eins muß man seinem Vater wirklich lassen, er hat ihn tatsächlich gut erzogen.“
„Greg hatte nie ein Problem mit ihm sondern immer nur mit mir,“ entgegnete Sam und nippte an ihrem Wein, nur um sich nicht anmerken zu lassen, wie unangenehm ihr dieses Thema war.
„Um so erstaunlicher, dass er ... wie soll ich sagen ... eure Meinungsverschiedenheiten nicht auf seinem Rücken ausgetragen hat.“
„Naja ... zumindest meistens,“ nickte Sam.
Sie schwiegen beide und Sam hätte zu gerne gewußt, was in Nicks Kopf vor sich ging.
„Ich wünschte ... ,“ setzte er schließlich an, verstummte dann aber wieder.
„Du wünschtest ... ?“
Nick seufzte tief und anhaltend. „Ich sollte meine Eltern mal in einen Kurs bei euch vorbei schicken.“
Sam schwieg, während sich ihre Finger wie von selbst auf seine Hand an ihrer Hüfte legten.
„Sie haben so viel kaputt gemacht,“ sprach er leise weiter. „Und das Ergebnis kannst du dir zu Hause live und in Farbe ansehen. Irgendwie haben wir alle nen Knacks und ... schaffen es irgendwie nicht, den wieder zu kitten.“
„Ich befürchte, das kann jeder von euch nur für sich alleine regeln. Du kannst nicht ... wie soll ich das sagen ... du kannst nicht erwarten, dass du sie zu dir in dein Haus holst und damit alles wieder gut wird.“
„Diesen Anspruch hatte ich noch nicht mal,“ sagte Nick.
„Oh doch, den hattest du,“ widersprach Sam. „Du hast gedacht, wenn du sie alle um dich herum hast und ihr ein bißchen redet, werdet ihr euch wieder annähern und die Vergangenheit irgendwie hinter euch lassen. Aber so funktioniert das leider nicht. Die Vergangenheit wird immer ein Teil von euch bleiben und so lange ihr das nicht akzeptieren könnt, werdet ihr nie ... einen Weg finden miteinander umzugehen.“
„Klingt, als hätten wir nie ne Chance gehabt,“ murmelte Nick.
„Doch. Ihr habt sogar sehr große Chancen. Es erfordert nur ein bißchen Arbeit und ... hm ... Verständnis und ... vielleicht manchmal auch einfach nur ein Auf-die-Zunge-beißen und ... Akzeptanz.“
„Ich sag doch, wir haben keine Chance,“ schmunzelte Nick leise.
Wieder schwiegen sie und Sam begann sich ganz langsam ein wenig zu entspannen. Was war schon dabei? Sie saß auf seinem Schoß. Sie redeten über seine Familie. Das war alles. Dachte sie.
„Haben wir eine Chance?“ fragte er plötzlich und vor Schreck wäre sie beinahe von seinem Schoß gesprungen.
„Wen meinst du mit „wir“ ?“ hakte Sam vorsichtig nach.
„Dich und mich.“
Sie wußte nicht was sie sagen sollte. Zum einen, weil sie keine Antwort auf seine Frage hatte und zum anderen, weil sie nicht bereit war in seiner Gegenwart irgendwelche Zugeständnisse zu machen. Was würde denn dabei heraus kommen? Vielleicht würde sein Sinneswandel noch bis zu Hause anhalten und dann würde irgendwann unausweichlich der Moment kommen, in dem er ihr wieder bewies, dass sie dumm war wenn sie glaubte, er hätte sie wirklich gern.
„Wenn du nichts sagst, klingt das in meinen Ohren wie ein nein,“ hörte sie ihn sagen.
„Vielleicht ist es das auch,“ gab sie leise zurück.
„Das kann ich nicht akzeptieren,“ entgegnete er bestimmt.
„Warum nicht?“
„Weil ich dich gern habe. Und weil ich gerne mit dir zusammen bin. Und weil ich finde, dass der heutige Tag doch ziemlich gut gelaufen ist. Und weil ich Josh mag und weil ... ,“
„Und morgen,“ unterbrach ihn Sam „wird dir plötzlich wieder einfallen, dass es doch nicht so toll ist mich und Josh gern zu haben und dass das nur Probleme mit sich bringt, die du nicht gebrauchen kannst und dass es dir alleine doch so viel besser geht und ...,“
„Nein,“ widersprach er und schüttelte auch noch den Kopf. „Ich weiß, dass ich schwierig bin, okay? Aber das ändert nichts daran, dass ich dich mag.“
„Nick,“ seufzte Sam und versuchte ein Stück von ihm abzurücken, doch er hielt sie an Ort und Stelle. „Überleg doch mal ... wir sind so grundverschieden. Das könnte im Leben nicht gut gehen. Wir würden uns nur streiten und irgendwann sind wir beide so verbittert, dass es keinen Weg zurück mehr gibt. Das habe ich bereits einmal mit gemacht, ich brauche das nicht noch mal.“
„Greg ist ein Armleuchter weil er dich einfach so hat gehen lassen. Er hatte das beste auf der ganze Welt: Er hatte dich und Josh und gibt das einfach auf für eine doofe Schlampe die nicht bis drei zählen kann. Ich .. .,“
„Du vergißt,“ fuhr ihm Sam ins Wort „dass er Josh immer noch bei sich hat und augenscheinlich liebt er Viola, wenn wir wohl auch nicht verstehen werden warum. In seinen Augen hat er alles richtig gemacht.“
„In meinen Augen hat er den größten Fehler seines Lebens gemacht,“ widersprach Nick. „Aber das kann mir nur recht sein.“
„Aber ...,“
„Nein!“ Nick rückte ein Stück von ihr ab und sah ihr fest in die Augen. Er hatte die Stirn in mißbilligende Falten gelegt und er wirkte, als stehe er am Rande eines Wutausbruches. „Du hast etwas besseres verdient, verstehst du das nicht? Du hast Liebe und Zuneigung und Loyalität verdient und ich bin bereit, dir das alles zu geben.“
„Nick, hör dir doch mal selbst zu,“ begehrte Sam auf. „Liebe, Zuneigung, Loyalität ... in deinem Leben herrscht so viel Chaos, dass du gar nicht bereit sein kannst so etwas zu zu lassen. Vielleicht wünschst du dir das und das so sehnlich, dass du die Realität nicht mehr siehst. Ich bin dafür nicht die Richtige.“
„Weißt du was dein Problem ist?“ sagte er und sie hörte ihm an, wie viel Mühe es ihn kostete dabei ruhig zu bleiben. „DU bist der Meinung, das alles nicht verdient zu haben. Deshalb ist Josh immer noch bei seinem Vater, deshalb findest du keinen Job und deshalb würdest du Liebe noch nicht einmal erkennen, wenn sie vor deiner Nase auf einem Silbertablett liegt.“
Aufgebracht fuhr sie in die Höhe, verschüttete dabei die Hälfte ihres Weines und machte drei Schritte rückwärts.
„Und da ist er wieder,“ stieß sie sarkastisch hervor. „Der Mann der glaubt alles zu wissen, der Mann der denkt, er hätte das Patentrezept für die ganze Welt in seiner Tasche. Du willst über mich urteilen? Fang lieber mal bei dir selbst an!“
„Sam, bitte. So war das doch nicht ...,“
„Ja, ja, schon klar,“ winkte sie ab. „Ich gehe jetzt ins Bett. Zu meinem Sohn, der mich braucht und um den ich kämpfen werde. Auch wenn ich deiner Ansicht nach der Meinung bin, das nicht verdient zu haben.“ Und mit diesen Worten fuhr sie herum und stürmte zurück ins Zimmer.
Doch sehr weit kam sie nicht. Auf der Hälfte des Weges stoppte sie seine Hand an ihrem Arm.
„Laß mich,“ fuhr sie ihn an und versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, doch es nützte recht wenig.
„Weiß du was wirklich unser Problem ist?“ fragte Nick ganz ruhig, während er ihr das Weinglas abnahm und es auf ein kleines Sideboard abstellte.
„Nein, aber wie ich Mr. Oberschlau kenne, hat er auch dafür eine passende Erklärung parat,“ giftete sie und hatte keine Ahnung, was da gerade mit ihr passierte und warum sie plötzlich so wütend auf ihn war.
„Immer wenn es ernst wird fahren wir die Krallen aus und laufen danach davon.“ Stellte er fest und dieser Satz traf sie wie ein Dampfhammer mitten ins Herz.
Mit großen Augen starrte sie zu ihm auf und sie war auch nicht in der Lage sich zu rühren, als sie erkannte, was er vorhatte.
Seine Lippen senkten sich auf ihre, seine Arme schlossen sich unnachgiebig um ihre Taille und zogen sie so dicht an sich heran, dass sie seinen Körper überall an ihrem eigenen spüren konnte.
„Vielleicht,“ murmelte er zwischen zwei kurzen, zärtlichen Küssen „habe ich mich,“ seine Lippen wanderten über ihre Wange „nicht deutlich genug“ er drückte seine Lippen auf die Stelle, wo ihr Puls an ihrem Hals heftig klopfte „ausgedrückt.“
„Was ...?“
Er verschloß ihren Mund mit seinen Lippen, bevor sie noch irgend etwas sagen konnte. Dann spürte sie plötzlich seine Zunge, die über ihre Oberlippe strich und um Einlaß bettelte und Sam hatte augenblicklich das Gefühl in seinen Armen zu schmelzen. Ihr Kopf war plötzlich wie leer gefegt, ihr Widerstand verpuffte einfach so und in ihren Lenden stieg eine Gier auf, wie sie sie noch nie gefühlt hatte.
Nicks Zunge teilte ihre Lippen, ohne dass sie sich dagegen wehren konnte und als er sie schließlich vorsichtig in ihren Mund schob raste eine heiße Feuerwelle durch ihren gesamten Körper.
Der Kuß schien Ewigkeiten zu dauern. Sie fühlte überdeutlich seine Lippen, seine Zunge, seine Hände, seinen warmen, hektischen Atem und schließlich seine Erregung, die sich fest gegen ihre Hüfte presste.
„Nicht,“ murmelte sie zaghaft, während sie versuchte ihre Hände gegen seine Brust zu drücken.
„Sag mir ich soll aufhören,“ hörte sie seine rauhe Stimme nahe an ihrem Ohr, während seine Zunge eine heiße Spur ihren Hals hinunter malte und sich seine Hände tiefer auf ihren Allerwertesten schoben.
„Nick ... bitte ... ich ...,“
„Sag „bitte hör auf“, dann gehe ich. Sofort.“
„Bitte ... hör ... auf ...,“ flüsterte sie.
Nick erstarrte, sie fühlte wie seine Muskeln unter ihren Fingern hart wie Stein wurden und für einen Moment glaubte sie, er würde sein Versprechen nicht halten. Doch schließlich hob er die Hände und trat einen Schritt zurück. Ihre Hände glitten dabei von seinen Hüften und sie hatte das Gefühl, dass ihr gerade die gesamte Wärme aus ihrem Körper entzogen wurde und sie plötzlich frierend und schutzlos einem eisigen Wind ausgesetzt war.
„Gute Nacht,“ presste er hervor, schob sich dann an ihr vorbei und strebte der Zimmertür zu.
Sie wollte ihn aufhalten, sie wollte ihm sagen, dass er nicht gehen sollte, sie wollte ...
Die Zimmertür fiel ins Schloß und immer noch schweratmend blieb sie mitten im Raum stehen. Was ... ? Wieso ... ? Warum ... ? Verdammt!!

Kapitel 45