Kapitel 37
Die halbe Nacht wälzte Sam sich schlaflos hin und her. Dabei fluchte sie abwechselnd auf Nick und die Gemeinheiten, die er ihr an den Kopf geworfen hatte und ihre eigene Dummheit, die sie wirklich für eine Weile hatte glauben lassen, dass es einen Menschen gab, der sie um ihrer selbst willen mochte.
Mehrmals hatte einer der Carter Geschwister versucht mit ihr zu reden, doch sie hatte einfach die Tür abgeschlossen und auf die anhaltenden Klopfzeichen nicht reagiert. Was hätte sie ihnen auch sagen sollen? Dass Nick und sie ein Spiel spielten, von dem sie vorübergehend gedacht hatte, es würde Realität werden? Dass sie über ihren Schatten gesprungen war, sich ihm genähert hatte, obwohl sie doch wußte, wie wechselhaft und gemein er sein konnte, und dass sie dies wie zu erwarten teuer bezahlt hatte?
Schließlich hielt es sie nicht mehr unter der Decke, die ihren frierenden Körper nicht einmal ansatzweise wärmen konnte. Mitten in der Nacht begann sie ihre Koffer zu packen. Dabei sortierte sie gewissenhaft aus. Sie wollte sich nicht noch einmal vorwerfen lassen, dass sie sich an Nick bereicherte.
Im frühen Morgengrauen zog sie schließlich den Reißverschluß ihrer Reisetasche zu und setzte sich mit Joshuas Bild auf die Bettkante. Lange starrte sie darauf und versuchte die Hoffnung zu begraben, die Nick ohne Frage in ihr geweckt hatte. Es würde kein schnelles Happy End für sie und ihren Sohn geben. Sie würde weiter kämpfen, weiterhin an jeder Tür klopfen und um einen Job betteln und sie würde auch die nächsten Monate darauf verzichten müssen, ihn in ihre Arme zu schließen und an sich zu drücken.
Aber dafür habe ich wenigstens meine Selbstachtung wieder, flüsterte sie leise, rollte sich mit dem Bild ihres Sohnes auf dem Bett zusammen und schlief innerhalb von Sekunden ein.
Das Schlagen einer Tür weckte sie einige Stunden später. Verschlafen richtete sie sich auf und blinzelte auf ihre gepackten Taschen hinunter. Für einen Moment stieg die ganze Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der vergangenen Nacht wieder in ihr auf, doch sie wischte sie unwillig beiseite. Es wurde Zeit, endlich wieder zurück in die Realität zu kehren und damit dieses Chaos hinter sich zu lassen.
Doch während sie unter der Dusche stand bedauerte sie, dass sie nun auch die restlichen Bewohner dieses Hauses zurück lassen mußte. Sie waren ihr in den wenigen Wochen sehr ans Herz gewachsen und wenn es auch manchmal unerträglich gewesen war, den ganzen Streitigkeiten und Wutausbrüchen gegenüber zu stehen, so hatte sie hier doch so etwas wie ein zu Hause bei Menschen gefunden, von denen sie es am wenigsten erwartet hatte.
Wenig später öffnete sie ihre Zimmertür und erwartete eigentlich wie jeden Morgen die Hunde davor sitzen zu sehen. Doch weit und breit war keines der aufgeweckten Fellbündel zu sehen. Ein kurzer Blick zur Haustür hinüber verriet ihr, dass scheinbar jemand schneller gewesen war als sie: Die Halsbänder und Leinen fehlten.
Schulterzuckend machte sie sich auf den Weg in die Küche. Erst einmal einen Kaffee. Sie würde warten, bis die Bewohner des Hauses aufgestanden waren, sich dann verabschieden und zurück in ihr altes Leben fahren. Guter Plan.
Auf dem Weg durch das Wohnzimmer räumte sie gewohnheitsmäßig die Unordnung des vergangenen Abends auf. Die Kissen lagen verstreut auf dem Boden herum, benutzte Gläser und Teller stapelten sich auf dem Couchtisch und ein Bataillon von leeren Flaschen umstand das Sofa. Nachdem sie alles in der Küche verstaut, die Spülmaschine eingeschaltet und sich einen Kaffe gekocht hatte, ging sie hinüber ins Eßzimmer und ließ sich auf einen der Stühle sinken. Immer noch war keines der Fernsehteams aufgetaucht. Wahrscheinlich begleitete zumindest eines den Hundespaziergang, das andere war wahrscheinlich noch zu geschafft von ihrem gestrigen Ausflug und das letzte ...
Sie konnte diesen Gedanken nicht zu ende denken, da sich ungefragt die Bilder des vergangenen Tages vor ihr geistiges Auge schoben. Das Eisessen mit Nick, seine kalten Lippen auf ihren und seine Zunge in ihrem Mund. Später dann seine warme Stimme, sein Kopf in ihrem Schoß, seine Finger auf ihrer Wange. Sie schluckte. Sie mußte unbedingt aufhören daran zu denken. Er hatte nur Theater gespielt, nichts davon war wirklich echt gewesen.
Vorsichtig bließ sie in ihren heißen Kaffe und nippte dann zaghaft daran. Der letzte Morgen in diesem Haus. So etwas wie Wehmut stieg in ihr auf und sie versuchte dieses Gefühl mit einem Kopfschütteln zu verscheuchen. Sie hatte hier nichts mehr zu suchen, das sollte sie besser schnell verinnerlichen, bevor noch einer er Carter Kids auf die Idee kam sie umzustimmen. Sie wollte auf gar keinen Fall ihre Taschen wieder auspacken und Nick damit eine weitere Genugtuung liefern.
Lustlos zog sie ein vergessenes Modemagazin zu sich heran und hielt dann verwirrt inne. Am anderen Ende des Tisches kam ein Blatt Papier und ein Briefumschlag zum Vorschein, adressiert an Samantha Fields.
Sie streckte sich, zog das Blatt und den darauf liegenden Brief zu sich heran und stellte ihre Kaffeetasse beiseite. Ihr Blick viel auf das Blatt und seufzend schüttelte sie den Kopf. Sie hielt die Buchungsbestätigung für zwei Flugtickets nach Washington in den Händen. Ausgestellt für den nächsten Tag, der Rückflug für den darauf folgenden. Nick schien scheinbar keine Zeit verloren zu haben.
Es hat ihn getroffen, murmelte sie mehr zu sich selbst und war selbst überrascht über diese Erkenntnis.
Dann griff sie nach dem Umschlag und als sie den leicht verwischten Absender neben dem Poststempel entdeckte wurde ihr abwechselnd heiß und kalt.
Bitte nicht, flüsterte sie, als könne sie damit das unausweichliche abwenden.
Mit dem Finger riß sie den Umschlag auf und zog das einzelne Blatt hervor.
VORLADUNG stand in großen Lettern oben drüber.
Darunter Familiensache Greg Fields gegen Samantha Fields Aktenzeichen AZ653
Samanthas Hände begannen so sehr zu zittern, dass sie den restlichen Text kaum entziffern konnte. Er hatte es wahr gemacht! Greg hatte tatsächlich das alleinige Sorgerecht beantragt und die Verhandlung sollte in drei Wochen in Washington stattfinden.
Und was hatte sie vorzuweisen? Keinen Job, kein Geld und keinen Mann. Stattdessen einige mehr als turbulente Wochen in einem Haus, das von einem Haufen kaputter Kids bewohnt wurde und rund um die Uhr unter Kamerabewachung stand. Es brauchte nicht viel Fantasie um sich auszurechnen, wie diese Verhandlung ausgehen würde.
Verzweifelt schlug sie die Hände vors Gesicht und versuchte die Tränen zurückzuhalten, die unaufhaltsam und mit der Macht einer Springflut auf sie zurollten. Sie hatte es vermasselt. Sie hatte alles auf eine Karte gesetzt und haushoch verloren. Ihre Ehre, ihre Integrität und nicht zu letzt ihren Sohn.
Ihre Schultern bebten, die Tränen rannen in Sturzbächen über ihre Wangen und sie hatte das Gefühl, als würde ihr das Herz herausgerissen.
Sam?
Nicks Stimme lies sie zu Tode erschrocken zusammenfahren. Er stand neben ihr, auf seinem Gesicht war pure Besorgnis zu lesen und neben ihm auf den Boden saßen alle fünf Hunde, immer noch angeleint und starrten hechelnd zu ihr auf.
Ist etwas passiert? fragte er vorsichtig.
Sie war nicht in der Lage auch nur einen Ton heraus zu bringen, also reichte sie ihm mit zitternden Fingern die richterliche Vorladung und bemühte sich dann, sich irgendwie wieder in den Griff zu kriegen. Er sollte sie nicht so sehen. Was machte er überhaupt hier? Er sollte im Studio sein und wenn er zurück kam nur noch ihr leeres Zimmer vorfinden.
Fuck, murmelte er leise, während er das Schriftstück überflog.
Nicht mehr dein Problem, flüsterte sie, erhob sich auf wackligen Beinen und entwand ihm das Blatt Papier aus den Händen.
Wie meinst du das? fragte er und Sam mußte über so viel Unverfrorenheit den Kopf schütteln.
Es ist vorbei Nick. Das wars. Du bist mich endlich los, und mit diesen Worten drehte sie sich auf dem Absatz herum und schlurfte durch das Wohnzimmer zurück in ihr Zimmer.
Doch bevor sie die Tür schließen konnte, drückte er sich hindurch und lehnte sich gleich darauf mit dem Rücken dagegen. Sam hatte augenblicklich das Gefühl, dass ihr Fluchtweg abgeschnitten worden war und sie begann sich mehr als unwohl zu fühlen.
Verschwinde, presste sie hervor. Ich habe keine Lust mehr auf dieses Hin und Her. Ich ... kann das im Moment ... einfach nicht mehr, okay?
Nein, nicht okay, gab er zurück und schüttelte zur Bekräftigung auch noch den Kopf.
Sam seufzte abgrundtief und versuchte die Tränen von ihren Wangen zu wischen, doch für jede Träne, die sie damit beseitigte, folgten zwei weitere nach.
Was willst du denn noch? fragte sie mit zitternder Stimme. Du hast doch schon alles zerstört. Es ist nichts mehr übrig auf dem du herumtrampeln kannst.
Es tut mir leid, hörte sie ihn leise sagen und sie schüttelte den Kopf.
Wie du mir gestern sehr deutlich klar gemacht hast, bin ich dir egal. Also ... was sollte dir leid tun?
Alles. Dass ich dich angelogen habe ... dass ich gestern gesagt habe, dass ich dich nicht gern hätte ... dass du Gefahr läufst Josh zu verlieren ... alles einfach.
Erneut schüttelte sie den Kopf. Nick. Das Spiel ist beendet, verstehst du das denn nicht? Du mußt nicht mehr nett zu mir sein. Du mußt nicht mehr so tun als ob dir etwas an mir liegt.
Aber ich ... , er stieß sich von der Tür ab und kam einige Schritte auf sie zu, was sie immer weiter zurückweichen ließ, bis ihre Kniekehlen die Bettkante berührten. Mit erhobenen Händen blieb er schließlich in der Mitte des Zimmers stehen.
Ich habe mich gestern wie das letzte Arschloch benommen, okay? Du hattest recht ... es ... fällt mir schwer, fair zu bleiben, wenn ich ... angegriffen werde. Aber du hast dich vollkommen geirrt wenn du denkst, dass das gestern ... nur ... Show war.
Wie meinst du das? fragte sie mißtrauisch und vergaß sogar für einen Moment zu weinen. Irgend etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Das war nicht Nick der da vor ihr stand.
Ich habe die Wahrheit gesagt als ich sagte, dass ich den Tag sehr schön fand. Und ich habe gelogen als ich sagte, dass ich dich nicht gern hätte. Mir hat niemand gesagt, dass ich dir Geschenke machen soll oder ... mit dir am Strand sitzen muß oder ... keine Ahnung ... besonders nett zu dir sein soll. Ich habe das gestern wirklich sehr genossen und ich habe dich gern. Auch wenn du mir das jetzt vielleicht nicht mehr glaubst.
Du hast recht, ich glaube dir kein Wort, stieß sie hervor, während sie spürte, dass sich ihr Herz genau das wünschte: Sie wollte jedes Wort für bare Münze nehmen. Sie wollte ihm so gerne glauben, was er sagte. Aber sie konnte nicht. Nicht nach dem, was er ihr gestern Abend an den Kopf geworfen hatte.
Das ... verstehe ich sogar ... , gab er zu, versenkte die Hände in den Hosentaschen und ließ die Schultern hängen. Sein Blick wanderte im Zimmer umher und registrierte scheinbar erst jetzt den Kleiderberg auf dem Bett und die gepackten Koffer daneben, denn er fragte erschrocken du willst weg?
So weit und so schnell wie möglich, bestätigte sie mit einem Nicken.
Tu das nicht! sagte er und machte nun doch noch einen Schritt auf sie zu.
Sam wich weiter zurück, doch die Bettkante bohrte sich unnachgiebig in ihre Kniekehlen, was sie wenig elegant auf das Bett plumpsen ließ.
Jetzt stand Nick wie ein Riese vor ihr und wenn es nicht zu lächerlich gewirkt hätte, wäre sie über das Bett gekrabbelt und hätte sich in das Badezimmer geflüchtet. Warum konnte er nicht einfach gehen und sie in Ruhe lassen?
Ganz langsam ging Nick vor ihr in die Hocke, als hätte er ihr Unbehagen gespürt.
Er seufzte leise, fuhr sich einmal kurz durchs Haar und richtete dann den Blick seiner blauen Augen wieder auf sie.
Ich weiß, dass ich nicht das Recht habe, dich hier festzuhalten. Es ist nur ... wir sind so nah dran. Ich verspreche, ich werde mich benehmen. Ich werde dich nicht mehr angreifen, wir werden unseren Plan durchziehen, Josh besuchen und bis zur Verhandlung werde ich alles dafür tun, dass die Welt denkt wir wären ein Traumpaar.
Und wenn das hier alles vorbei ist, die Serie abgedreht und ich endlich wieder frei sein kann, dann möchte ich ... dann würde ich gerne ... ich würde dich und Josh gerne ab und zu sehen. Ich möchte ... dich besser kennen lernen, ohne, dass Kameras oder die halbe Welt dabei zugucken und ich möchte dir beweisen, dass ich auch anders sein kann.
Ich habe keine Ahnung, ob mir das gelingt. Ich bin eben ... schwierig. Aber manchmal glaube ich ... dass du ... dass ... ich weiß auch nicht ... du bringst gleichzeitig meine besten und meine schlimmsten Seiten zum Vorschein und ich will ... , er verstummte, schluckte heftig und senkte den Blick. Tut mir leid, murmelte er.
Sam starrte auf ihn hinunter und versuchte das eben gehörte irgendwie in einen Kontext zu bringen. Fieberhaft überlegte sie, was er jetzt schon wieder vorhaben könnte. Welchen miesen Plan verfolgte er mit seinen Worten? Wieso saß er zu ihren Füßen und versuchte ihr ernsthaft begreiflich zu machen, dass er sie ... wiedersehen wollte? Wieso war er plötzlich so ehrlich? Aber war er das wirklich? Vielleicht war dies nur eine weitere Stufe dieses seltsamen Spiels, das sie von Anfang an nicht durchschaut hatte. Mittlerweile traute sie ihm alles zu.
Gib mir noch eine Chance. Bitte! Laß uns morgen nach D.C. fliegen. Laß es uns wenigstens noch dieses eine Mal versuchen.
Was versprichst du dir davon? fragte Sam und war selbst über die Kälte in ihrer Stimme überrascht.
Es geht hier nicht um mich, gab er zu ihrer Verblüffung zurück. Es geht um dich und deinen Sohn. Ich möchte wenigstens ein bißchen von dem gut machen, was ich angerichtet habe und wenn es nur ist, dass du ihn sehen und in die Arme schließen kannst.
Ihr Herzschlag schien davon zu galoppieren, sie zitterte wie Espenlaub und sie wußte nicht wohin mit ihren widersprüchlichen Gefühlen, die drohten, sie in der Mitte auseinander zu sprengen.
Da war Hass, Wut und grenzenloses Misstrauen gegenüber Nick.
Da war Aufregung, Freude und Hoffnung weil sie vielleicht ihren Sohn sehen konnte.
Und da war Liebe für beide. Fest und unerschütterlich was Josh anging, aber so dünn wie Papier und an einem seidenen Faden baumelnd, wenn sie an Nick dachte.
War es mit dieser Mischung überhaupt möglich ihrem Sohn und damit auch Greg und Viola gegenüber zu treten? Von vorne die Bedrohung ihrer ehemaligen Beziehung und hinter ihr ein Mann, dem sie zutraute ihr im entscheidenden Moment den Dolch so tief in den Rücken zu rammen, dass sie sich nie wieder davon erholte?
Ich weiß nicht ... , sagte sie zweifelnd.
In diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und Angel stand im Zimmer.
Oh ..., sagte sie. Ich komme wohl unge .... Sie verstummte, als ihr Blick auf Sams gepackte Reisetaschen fiel.
Ihr Blick huschte zwischen Nick und Sam hin und her, dann holte sie tief Luft, trat noch ein paar Schritte weiter in den Raum hinein und baute sich vor Sam auf.
Egal was er getan hat, dabei zeigte sie mit anklagend ausgestrecktem Zeigefinger auf Nick hinunter, der immer noch vor dem Bett hockte und stumm vor sich hin starrte. Du kannst nicht gehen. Wir lieben dich. Und wir brauchen dich. Und wenn es sein muß, setzen wir Nick vor die Tür und behalten dich hier.
Vielen dank, murmelte Nick und schüttelte den Kopf.
Ist doch wahr! Sieh sie dir an. Sam hat noch nie jemandem irgend etwas getan und trotzdem hast du sie zum Weinen gebracht. Was hast du bloß wieder mit ihr angestellt?
Nick holte Luft um irgend etwas zu sagen, doch Sam war schneller. Nichts. Es ist ... nichts. Ich ... es hat ... sich nur ... etwas ergeben, dass ich wohl mal ... mit euch ... besprechen muß.
Du bist schwanger! platzte es aus Angel heraus und der strafende Blick, den sie Nick dabei zuwarf, ließ Sams Mundwinkel nun doch in die Höhe zucken.
Nein, bin ich nicht. Ich habe bereits ... einen Sohn.
Nicks Kopf fuhr in die Höhe und er starrte sie entgeistert an.
Also stimmt es doch! rief Angel triumphierend. Wir haben uns seit deinem Auftritt in dem Restaurant die Köpfe heißgeredet, ob das wirklich dein Ernst war. Oh Mann. Das ist ja ... und ... jetzt? Wo ist er? Was ... ?
Langsam, bremste Sam den Enthusiasmus ihrer Freundin. Das Ganze ist ziemlich kompliziert und ich möchte das ungern besprechen, wenn sämtliche Kameras auf uns gerichtet sind. Also ... ,
Weiberabend, stellte Angel grinsend fest.
Bitte?
Wir schleichen uns zusammen raus, fahren in die Stadt und werden uns einen ausgiebigen Drink genehmigen, während du uns aufklärst. Mein Bruderherz kann die Kameras so lange mit seinem langweiligen Leben beglücken.
Nick stützte die Hände auf die Knie und stemmte sich leise ächzend in die Höhe.
Wenn Sam dann noch da ist, sagte er und sah Samantha dabei fest in die Augen.
Sie wird nicht gehen, sagte Angel mit Bestimmtheit.
Woher willst du das wissen, ich ... , setzte Sam an, doch in diesem Moment schob sich das erste Kamerateam durch die Tür und sie verstummte augenblicklich. Was nun?
Also dann bis heute Abend, grinste Angel, faßte Nick an der Hand und zog ihn einfach hinter sich her aus dem Raum, während sie das Kamerateam damit gleichzeitig vor sich her in den Flur trieb. Dann schloß sich die Tür hinter ihnen und Sam blieb wie versteinert auf dem Bett sitzen. Sie hatte das Gefühl, als sei sie gerade mitten durch einen Tornado gestolpert und ängstlich fragte sie sich, ob sie sich gerade im ruhigen Auge des Sturms befand, oder sie tatsächlich mit dem Leben davon gekommen war.
Sie hatte es doch gleich gewußt. Wenn sie erst einmal eines der Carter Geschwister in der Mangel hatte, würde ihr Entschluß zu gehen ins Wanken geraten und in diesem Fall hatten sich gleich zwei der schwersten Kaliber auf sie gestürzt und ihr genau das gesagt, was sie hören wollte: Wir haben dich gern. Wir brauchen dich. Wir wollen nicht, dass du gehst.
Was zwischen gestern Abend und heute Morgen dazu geführt hatte, war ihr allerdings vollkommen schleierhaft.
Ihr Blick fiel auf Joshuas Bild, das noch auf ihrem Nachtisch stand.
Ich tue es für dich versuchte sie sich einzureden, doch in diesem Punkt konnte sie sich nicht mehr belügen. Sie würde bleiben, einfach weil die Hoffnung immer zu letzt starb.