Kapitel 37
Erzähl mir von Deiner Angst vor Gewittern, sagte Nick irgendwann und er spürte, wie sich Paige in seinen Armen anspannte.
Das ist schon so, seit ich ganz klein war, entgegnete sie leise und malte dabei Herzen auf seine Brust. Dann erzählte sie ihm, wie sie damals als kleines Mädchen im eiskalten Regen neben dem Baum stand, als dieser in Flammen aufging.
Nick konnte seine Wut über Kyle kaum im Zaum halten. Wäre er ihm jetzt gegenüber gestanden, hätte er sich sicherlich mit ihm geprügelt. Wie konnte man so etwas nur seinem Kind an tun? Ganz langsam begann er zu begreifen, was für ein Mensch Kyle Robinson tatsächlich war und warum Paige sich so lange gegen ihn gewehrt hatte. Sie hatte Angst vor ihrem Vater und wie es ihm jetzt schien nicht ganz ohne Grund.
Was denkst Du wird Dein Vater tun wenn er heraus findet, dass Du nicht mehr da bist? fragte er weiter.
Er wird alle Hebel in Bewegung setzen um heraus zu finden, wer mir geholfen hat. Und dann wird er versuchen, Dich systematisch fertig zu machen.
Paiges Stimme war beim Sprechen immer leiser geworden, bis sie schließlich ganz verstummte.
Nick nickte langsam. Das hatte sie ja nun oft genug betont, doch im Gegensatz zu sonst glaubte er ihr diesmal.
Wir müssen uns also etwas einfallen lassen, sagte er nachdenklich.
Wie meinst Du das? Paige richtete sich auf und stützte ihren Kopf in ihre Hand.
Na ja ... wir müssen ihn mit seinen eigenen Waffen schlagen. Wir müssen dafür sorgen, dass er uns ein für alle Mal in Ruhe lässt.
Wie willst Du das denn anstellen?
Keine Ahnung. Ich dachte, da könntest Du mir vielleicht weiter helfen.
Er streichelte sanft ihre Taille, beugte sich dann zu ihr hinüber und küsste sie zärtlich. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten sie niemals wieder aus diesem Bett aufstehen müssen. Es schien ihm, als wären sie auf dieser Bettinsel sicher. Niemand würde ihnen etwas anhaben können.
Wenn Du so weiter machst, murmelte sie schließlich, als sich ihre Lippen von einander lösten werde ich niemals wieder einen klaren Gedanken fassen können.
Er lachte leise. Auch kein Problem, ich denke, damit kann ich umgehen.
Sie kicherte und knuffte ihn sanft in die Seite. Dann legte sie die Stirn in nachdenkliche Falten.
Du hast gesagt, wir müssen meinen Vater mit seinen eigenen Waffen schlagen.
Ja. Wobei ich auch nicht so genau weiß, was ich damit gemeint habe, grinste er verlegen.
Aber der Gedanke ist gar nicht so schlecht, sagte sie langsam und er konnte förmlich dabei zu sehen, wie sich in ihrem Kopf die Gedanken überschlugen.
Wir müssen ihn da zu fassen bekommen, wo es ihm am meisten weh tut. Das ist zum einen seine Firma und zum anderen sein guter Ruf.
Du meinst, wir sollten an die Presse gehen?
Der Gedanke behagt Nick ganz und gar nicht. Man konnte einfach nicht kontrollieren, was die Leute schrieben. Am Ende würde sich die Geschichte nur in eine noch größere Katastrophe ausweiten.
Oh, ich denke, das wird noch nicht einmal nötig sein.
Sie setzte sich auf und nestelte Gedanken verloren am Saum der Bettdecke herum. Nick war sich sicher, das sie, wenn sie hätte aufstehen können, jetzt aufgeregt im Zimmer auf und ab gelaufen wäre.
Vor ein paar Wochen hat mein Vater plötzlich einen seiner Vertrauten fristlos entlassen. Er hieß ... uhm ... , sie runzelte angestrengt die Stirn und schloss dann die Augen, so als würde der Name so in großen Lettern vor ihr auftauchen. Richard Sowieso ... Richard Harrison ... Madison ... Radison ... CLARKSON ... genau, Richard Clarkson, sie sah Nick triumphierend an, doch er sah immer noch nicht, wie ihnen dieser Name weiter helfen sollte.
Kyle sagte etwas darüber, dass dieser Richard belastendes Material über meinen Vater gesammelt hätte. Um was es sich da genau handelte konnte er allerdings auch nicht sagen.
Warum hat man dann aber nie wieder etwas von ihm gehört?
Entweder hat ihn mein Vater gekauft, oder er hatte selbst Dreck am Stecken. Ich sag Dir, wir sollten diesen Richard Clarkson besuchen. Vielleicht kann er uns irgendwie weiter helfen.
Paige schien unglaublich aufgekratzt. Ihre Wangen waren gerötet und er konnte förmlich sehen, wie ihr Herz vor Aufregung schneller schlug.
Und wie sollen wir das anstellen?
Keine Ahnung, gab Paige zu aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Kyle uns da weiter helfen kann.
Dieser schmierige Typ? Nick war von der Idee alles andere als begeistert. Am liebsten wäre es ihm, wenn er diesen Raven nie wieder sehen musste. Paige lächelte nachsichtig.
Er ist eigentlich kein schlechter Kerl. Manchmal hört er zu sehr auf meinen Vater, das stimmt, aber ich bin mir sicher, dass er uns helfen würde. Ich meine ... nun ja ... er liebt mich ... .
Ich finde es erstens nicht besonders toll das aus zu nutzen, gab Nick zu bedenken und zweitens ist das recht gefährlich. Am Ende rennt er sofort zu Deinem Vater und wir können das alles sofort vergessen.
Ich weiß. Aber ... wir müssen das Risiko eingehen. Sonst werden wir nie in Frieden leben können.
Sie sah ihn eindringlich an und sein Herz weitete sich bei dem Blick in ihre großen, wunderschönen Augen. Er konnte ihr sowieso keinen Wunsch abschlagen, also was wehrte er sich überhaupt noch?
Ein Versuch wäre es jedenfalls wert, hakte sie nach und nachdem er immer noch nichts erwiderte schmiegte sie sich an ihn.
Biiiiiiitte, schnurrte sie und lies ihre Hand ganz langsam unter sein T-Shirt wandern. Er lachte und hielt ihre Hand fest.
Hey, was sind denn das für neue Überzeugungsmethoden?
Das sind die, die mir am besten gefallen, kicherte sie.
Er umfasste ihre Taille und rollte sich mir ihr auf den Rücken. Ihre langen Haare fielen ihm ins Gesicht und er glaubte, dass sie noch nie so schön wie in diesem Moment gewesen war.
Ich liebe Dich, sagte er mir rauer Stimme ich tue alles was Du willst.
Alles? grinste sie mit hochgezogenen Augenbrauen und küsste ihn dann sanft auf die Lippen. Wirklich alles? Ihr Mund wanderte an seinem Hals hinunter und augenblicklich stand sein gesamter Körper in Flammen.
Fast alles, brachte er noch irgendwie heraus, dann unterbrach nur noch ihr schneller Atem die Stille des Zimmers.