Kapitel 32
Nick, Maik und A.J. saßen gemeinsam auf der Terrasse von A.J.s Haus und beobachteten den Sonnenuntergang der den Himmel in wunderschöne rot und violett Töne tauchte.
Nach einer anfänglichen, recht hitzigen Diskussion war Ruhe eingekehrt und jeder von ihnen hing seinen eigenen Gedanken nach.
Nick versuchte immer noch die Tatsache zu begreifen, dass ihn Paige einfach so weg geschickt hatte. Er rief sich immer wieder jede Sekunde ihres Gesprächs ins Gedächtnis um heraus zu finden, ob er nicht vielleicht etwas wichtiges übersehen hatte. Vielleicht war sie ja dermaßen von ihrem Vater eingeschüchtert worden, dass sie etwas sagte, das sie gar nicht so meinte.
Doch innerlich schüttelte er immer wieder den Kopf. Sie hatte zu keiner Zeit erkennen lassen, dass sie auch nur darüber nachdachte, mit ihm fort zu gehen. Er war aus ihrem Leben getilgt worden, noch bevor er richtig Zeit gefunden hatte, sich darin zu recht zu finden.
Wie hatte er sich nur so seht täuschen lassen können? An welchem Punkt hatte er ihre Zeichen falsch gedeutet? Wo hatte er einen Fehler gemacht?
Ich bin wirklich ein riesen Vollidiot, murmelte er vor sich hin und nahm einen tiefen Schluck aus seiner Bierflasche.
Bist Du nicht, widersprach ihm A.J. und sah mitfühlend zu seinem Freund hinüber.
Sind wir doch einmal ehrlich, ich habe mich von ihr sehr gekonnt aufs Kreuz legen lassen.
Das sehe ich anders, mischte sich nun auch Maik ein Du hättest sie sehen sollen, als ich sie an diesem Abend zu Dir gefahren habe. Sie war aufgeregt wie ein Teenager vor ihrem ersten Rendevouz. Sie kann jetzt sagen was sie will, aber sie war ganz eindeutig schwer in Dich verknallt.
Dann hat es ihr ihr Vater eben ausgetrieben, sagte Nick achselzuckend.
Das stinkt gewaltig, stellte A.J. fest und richtete sich in seinem Korbsessel auf. Irgendetwas läuft hier entsetzlich schief und ich könnte wetten, dass das nichts mit ihren Gefühlen für Dich zu tun hat.
Woher willst Du das denn wissen? Du hast gleich zwei Frauen die sich um Dich reißen. Disqualifiziert würde ich sagen, gab Nick missmutig zurück und leerte seine Flasche.
A.J. schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Nick warf einen Blick zu ihm hinüber. Täuschte er sich, oder wirkte A.J. plötzlich traurig?
Ich habe doch recht, oder? Ich meine ... das mit Sarah und Sam und so.
A.J. schüttelte den Kopf.
Lass uns das ein anderes Mal besprechen, gab er zurück und stand aus seinem Stuhl auf. Möchte noch jemand etwas zu trinken?
Maik warf einen Blick auf seine noch halb volle Flache Bier und schüttelte den Kopf.
Noch ein Bier Nick? fragte A.J. und war dabei schon halb im Wohnzimmer verschwunden.
Nick antwortete nicht sondern stand auf, um seinem Freund in die Küche zu folgen. Als er durch den Rundbogen trat, sah er A.J. am Fenster stehen. Die Arme hatte er auf die Arbeitsplatte gestützt und sein Blick war Gedanken verloren in die Ferne gerichtet.
Was ist los Mann? fragte Nick und lehnte sich neben A.J. an das Spülbecken.
Nichts, gab dieser, für Nicks Geschmack eindeutig zu schnell, zurück und wandte sich dem Kühlschrank zu. Sie hatten unterwegs an einer Tankstelle gehalten, da A.J. aus verständlichen Gründen kein Bier im Haus hatte. Jetzt öffnete er ein weiteres sechser Pack und reichte Nick eine Flasche, während er selbst zu einer Flasche Mineralwasser griff.
Komm mach mir doch nichts vor. Ich kennen Dich. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht.
Bist Du sicher, dass Du das gerade jetzt hören willst? gab A.J. zurück und schraubte den Verschluß von seiner Wasserflasche.
Hey, ich habe immer ein offenes Ohr für Dich, das weißt Du doch!
Im Prinzip gibt es nicht viel zu sagen. Sowohl das mit Sam als auch das mit Sarah hat sich erledigt.
Was bedeutet erledigt?
A.J. seufzte abgrundtief und lies seinen Blick erneut aus dem großen Panoramafenster schweifen.
Sarah hat mir ein Ultimatum gestellt. Entweder sie oder Sam. Ich habe mich für Sarah entschieden und Sam gesagt, dass wir uns nicht mehr sehen sollten.
Du bist verrückt, hauchte Nick, der die Flasche Bier in seiner Hand komplett vergessen hatte und A.J. jetzt fassungslos anstarrte. Das kannst Du doch nicht machen ... ich meine ... mein Gott ... Sam hätte alles für Dich getan. Warum ... hast Du das gemacht?
Ich weiß es nicht, gestand sein Freund und schüttelte dabei den Kopf.
Und willst Du etwas witziges hören? Das mit Sarah hat auch nicht geklappt und im Prinzip wußte ich das schon, als ich mit Sam geredet habe. Es hat mit Sarah das erste mal nicht funktioniert, warum sollte es also das zweite mal klappen? Sarah hat sich nicht verändert, im Gegenteil, sie ist nur noch Besitz ergreifender geworden, was ich ihr noch nicht einmal verübeln kann. Immerhin habe ich sie betrogen. Aber das ist nicht die Art von Beziehung die ich führen möchte.
Erneut schüttelte er den Kopf, so als könne er das alles selbst noch nicht begreifen.
Und jetzt? Hast Du mit Sam geredet?
Nein. Ich ... traue mich nicht so recht. Mal ganz abgesehen davon, dass ich jedes Recht mit ihr zu sprechen verwirkt habe. Ich kann sie doch nicht einfach so aus meinem Leben verbannen und ein paar Tage später kommen und ihr sagen, ich hätte mich geirrt.
Da hast Du allerdings recht, gab Nick zu.
Ich weiß noch nicht, was ich tun werde. Das Schlimme ist nur, dass ich durch die ganze Sache mit Sarah endlich begriffen habe, wie viel Sam mir bedeutet. Wir ... nun ja ... haben an dem Abend, als wir zusammen im Club waren ... nun ja ... , A.J. stockte und malte kleine Muster auf die Oberfläche der Arbeitsplatte.
Ihr habt doch nicht etwa ... also ... nicht wirklich ... ,
Nein, wir haben nicht miteinander geschlafen, falls Du das meinst, entgegnete A.J. aber es hätte, glaube ich, nicht sehr viel dazu gefehlt. Wir haben uns geküsst und glaub mir, so etwas habe ich vorher noch nie ... erlebt.
Und dann gehst Du ohne mit der Wimper zu zucken zurück zu Sarah?
Ja. Ich sag ja, was Frauen betrifft, habe ich einfach kein glückliches Händchen. Ich tue ganz sicher in der richtigen Situation genau das Falsche. Ich glaube, ich sollte das einfach aufgeben.
Was? Die Frauen?
Ja, sagte A.J. schlicht und ein gequältes Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Lass uns einen Klosterorden gründen. Ich glaube, da passen wir im Moment am besten hin.
Ich weiß nicht, Nick schüttelte den Kopf ich bin wohl noch nicht bereit die Liebe auf zu geben.
Normaler Weise würde ich Dir jetzt gratulieren aber ... ,
Das Klingeln von Nicks Handy unterbrach ihn. Stirnrunzelnd zog Nick das kleine Telefon aus seiner Hosentasche und schaute auf das Display.
Unbekannter Anrufer. Wer das wohl wieder ist? Ich glaube nicht, dass ich da ran gehen sollte.
Sein Daumen schwebte schon über der Taste mit dem kleinen roten Hörer, der den ankommen Anruf sofort unterbrechen würde, doch A.J. legte ihm eine warme Hand auf den Arm.
Geh lieber ran. Wer weiß, vielleicht hat es Paige sich ja anders überlegt.
Nie im Leben, sagte Nick überzeugt, drückte sich jedoch gleich darauf das kleine Gerät ans Ohr.
Hallo? meldete er sich und hörte im ersten Moment nur ein monotones Rauschen.
Hallo Nick. Hier ... ist ... Paige.
Er fühlte, wie ihm jede Farbe aus dem Gesicht wich und schnell lies er sich auf einen Stuhl fallen. Er fing A.J.s fragenden Blick auf und er formte mit dem Mund lautlos das Wort Paige, was A.J. triumphierend grinsen lies.
Mit Deinem Anruf hätte ich jetzt am aller wenigsten gerechnet, gab er ehrlich zu.
Ich weiß. Nick, es tut mir leid. Ich ... glaubst Du wirklich, er wird mich in eine Privatklinik bringen?
So stand es zumindest in der Zeitung.
Hm, am anderen Ende blieb es für einen Moment still und er hatte schon Angst, dass die Verbindung unterbrochen worden war, als er erneut ihre Stimme hörte.
Ich weiß, ich habe wahrscheinlich kein Recht Dich das jetzt noch zu fragen, aber ich wußte nicht an wen ich mich wenden sollte, also Du kannst natürlich auch nein sagen und ich könnte das auch durchaus verstehen und ... ,
Ich tue alles was Du willst, unterbrach Nick Paiges Redefluß mit sanfter Stimme und er vernahm so etwas wie einen leisen Schluchzer am anderen Ende der Leitung.
Würdest Du ... mich ... hier irgendwie raus holen?
Er schloß für einen Moment die Augen, dann sagte er ich bin schon unterwegs.