Kapitel 29

Sie stellten den Wagen auf dem großen Parkplatz vor dem Krankenhausgebäude ab und betraten wenig später zu dritt den Empfangsbereich.
Das St. Maries Hospital war eines der größten Krankenhäuser der Stadt, ausgestattet mit einer riesigen Kinderkrankenstation, die den besten Ruf an der Westküste genoss, einer Forschungseinrichtung für alle Arten von Krebserkrankungen und einem eigenen Flügel in dem kosmetische Operationen durchgeführt wurden. Unter den vermögenden Privatpatienten nannte man die Klinik auch das Krankenparadies. Keine Frage, Kyle Robinson hatte sich die Unterbringung seiner Tochter einiges kosten lassen.
Dementsprechend hoch waren auch die Sicherheitsvorkehrungen. Sie sahen auf den ersten Blick mehrere Überwachungskameras und ein uniformierter Wachmann stand gleich hinter der großen, gläsernen Eingangstür.
Als Nick gefolgt von Mike und A.J. an den Empfangstresen heran trat, lächelte ihm eine freundliche Krankenschwester in adretter, weißer Uniform und Häubchen auf dem Kopf entgegen.
„Guten Tag Mr. Carter. Was kann ich für sie tun?“
Nick setzte sein freundlichstes Lächeln auf. Vielleicht öffnete ihm sein Name heute ausnahmsweise auch einmal die Krankenhaustüren und nicht nur, wie sonst, die Türen gewisser Clubs.
„Guten Tag. Ich möchte zu Paige Robinson,“ sagte er also und lehnte sich äußerlich völlig entspannt an den Tresen.
„Einen Moment bitte.“ Die Krankenschwester lächelte immer noch und tippte etwas in ihren Computer ein. Nick beobachtete sie gespannt. Wenn Kyle Robinson Anweisung gegeben hatte niemanden zu ihr zu lassen, und davon ging er aus, dann würde ihre Mission bereits hier zu ende.
„Es tut mir leid,“ sagte die Krankenschwester schließlich „bei uns ist niemand mit diesem Namen verzeichnet.“
„Aber .... ,“ mit fragendem Blick wandte er sich zu A.J. um. Konnte es sein, dass JoJo sich geirrt hatte?
„Vielleicht ist sie nicht mit ihrem richtigen Namen angemeldet,“ gab Maik zu bedenken und beugte sich ein wenig zu der Krankenschwester hinüber.
„Sie kennen doch bestimmt die Robinson Familie ... ich meine ... diese Computerfirma?“
„Natürlich,“ die Krankenschwester lächelte unverbindlich und lies damit nicht erkennen, ob sie wußte, ob Paige nun in diesem Krankenhaus lag oder nicht.
„Nun ja, vielleicht haben sie ja einen von ihnen in letzter Zeit hier gesehen. Wissen sie, wir sind gute Freunde von Paige und machen uns etwas Sorgen seit wir gehört haben, dass sie ... ,“ Maik sah sich einen Moment um, beugte sich noch etwas weiter zu der Krankenschwester hinüber und sagte leise „aus dem dritten Stock gesprungen ist.“
„Verstehen sie,“ schaltete sich jetzt auch A.J. ein und schenkte dem jungen Mädchen sein herzlichstes Lächeln „wir möchten jetzt für sie da sein und ihr das Gefühl geben, dass wir sie sehr gerne haben.“
„Das ist wirklich eine sehr rührende Geschichte, aber leider muß ich ihnen sagen, dass sie laut meinem Computer nicht in diesem Krankenhaus liegt,“
gab die Krankenschwester unbeirrt zurück.
„Vielleicht ist sie ja wirklich unter einem anderen Namen registriert,“ gab Nick erneut zu bedenken.
„Wenn dem so sein sollte, habe ich davon keine Kenntnis. Und jetzt entschuldigen sie mich bitte,“ die Krankenschwester sah nun demonstrativ an ihnen vorbei und als Nick sich umdrehte, sah er bereits den nächsten Besucher hinter ihnen warten.
„Trotzdem vielen Dank für ihre Mühe,“ sagte A.J. immer noch lächelnd, fasste Nick am Arm und zog ihn mit sanfter Gewalt von dem Empfangstresen weg.
„Na wunderbar. Jetzt sind wir wieder kurz vor dem Ziel gescheitert,“ sagte Nick und fuhr sich enttäuscht durch das Haar.
„Wir setzen uns jetzt hier hin,“ sagte A.J. und steuerte eine der gepolsterten Sitzgruppen an „trinken in aller Ruhe einen Kaffee oder auch zwei und warten bis einer von diesen Robinsons hier auftaucht,“ und damit lies er sich auf die Bank fallen.
„Und wenn heute keiner mehr kommt?“ gab Nick zu bedenken und setzte sich neben seinen Freund.
„Tja, dann kommen wir morgen wieder, oder?“ gab A.J. zurück.
„Uhm ... sieht wohl so aus,“ entgegnete Nick und sah zu Maik auf, der immer noch stand und sich aufmerksam in der Empfangshalle umsah.
„Der Plan klingt ja ganz nett,“ gab dieser zu „aber wie ich das hier so einschätze, schmeißen sie uns in spätestens einer Stunde raus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die hier gerne drei Typen herumlungern lassen.“
„Sei nicht so pessimistisch,“ sagt A.J. und klopfte neben sich auf einen freien Stuhl „setz’ Dich, entspann’ Dich und lass uns abwarten was passiert. Mehr können wir einfach nicht tun.“
„Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich es hasse zu warten?“ fragte Nick und seufzte laut.
„Wenn Du eine bessere Idee hast nur heraus damit,“ sagte A.J. und griff nach einer Illustrierten, die vor ihm auf einem niedrigen Tisch lag.
„Ich glaube, ich sehe mich hier mal ein bißchen um,“ sagte Maik „wer weiß wie viele Eingänge es hier gibt. Es ist überhaupt nicht gesagt, dass die Robinsons hier herein kommen werden.“
„Da hast Du allerdings recht,“ gab A.J. zu und man merkte ihm an, dass er plötzlich nicht mehr all zu sehr von seinem Plan überzeugt war.
„Ich komme mit Dir,“ sagte Nick und stand auf „alles ist besser als hier herum zu sitzen.“
„Und ich warte hier, falls doch noch einer auftauchen sollte,“ sagte A.J. „allerdings ... na ja ... ich hoffe, dass ich sie dann auch erkennen werde.“
„Du hast die Bilder von ihren Eltern bei mir zu Hause gesehen,“ sagte Nick „das muß Dir reichen.“
A.J. nickte und winkte ihnen noch einmal zu, während Nick und Maik in Richtung der Aufzüge verschwanden.

Kapitel 30