Kapitel 24
Raven?
Paige konnte nicht glauben dass er tatsächlich vor ihr stand. Mit allem hatte sie gerechnet: jemand von der Uni, vielleicht sogar ein Angestellter ihres Vaters, aber nicht mit dem Mann, den ihr Vater als ihren Bräutigam ausgesucht hatte. Seine fast schwarzen Haare waren wie immer akkurat geschnitten, seine hellen, grauen Augen starrten sie missbilligend an und unter seinem Polohemd zeichneten sich die Muskeln ab, die er im hauseigenen Fitnessstudio täglich trainierte. Jede Frau hätte sich sicherlich alle zehn Finger nach ihm geleckt, aber für Paige war er der Teufel in Person.
Was tust Du hier? Wo warst Du? Weißt Du, dass alle wegen Dir in heller Aufregung sind? stieß er nun hervor und würdigte Nick dabei keines Blickes.
Paige wußte nicht was sie sagen oder tun sollte. Am Rande spürte sie, dass Nick immer noch den Arm um ihre Schulter gelegt hatte und dass er sie jetzt noch ein Stückchen näher zu sich heran zog. Am liebsten wäre sie in diesem Moment einfach tot umgefallen.
Und wer ist der da? endlich schien Raven von Nick Notiz zu nehmen.
Der da, gab Nick aufgebracht zurück, lies ihre Schulter los und stellte sich schützend zwischen sie und Raven wird Dir gleich eine verpassen wenn Du sie nicht sofort in Ruhe lässt.
Raven grinste höhnisch und richtete sich zu seiner vollen Größe auf.
Junge, Du hast keine Ahnung wer vor Dir steht. Du solltest also besser die Klappe halten und Dich verziehen.
Ich denke ja gar nicht daran. Verschwinde!
Was hat sie Dir erzählt? Dass sie das arme Kind von armen Eltern ist und nichts mehr liebt als das Meer und ihr Surfbrett?
Paige spürte mehr als dass sie sah wie sich Nick versteifte. Raven hatte sofort seinen wunden Punkt gefunden, wenn wohl auch unbeabsichtigt. Ihr war klar, dass Nick, entgegen dem was er sagte, noch nicht ganz davon überzeugt war, dass sie sich um seinetwillen mit ihm eingelassen hatte und nicht einfach weil er einen großen Namen und viel Geld hatte.
Entschlossen trat sie also vor und funkelte Raven böse an.
Lass uns in Ruhe. Es ist vorbei. Richte meinem Vater aus, dass ich ganz sicher nicht zurück kommen werde.
Raven reagierte anders, als sie es erwartet hatte. Statt sie wütend an zu fahren warf er den Kopf in den Nacken und lachte schallend.
Du glaubst doch nicht etwa, dass Du damit irgendetwas erreichst? fragte er immer noch kichernd. Hast Du Dir wirklich eingebildet, Du könntest einfach so davon laufen? Vor Kyle Robinson? Paige, Du bist wirklich naiv.
Ich ... , doch weiter kam sie nicht. Nick fasst sie am Arm und drehte sie zu sich herum.
Sag mir auf der Stelle was hier vor sich geht, sagte er und konnte seine Wut kaum noch verbergen. Ob diese gegen sie oder Raven gerichtet war, konnte sie nicht sagen.
Ich erkläre es Dir ... später ... ich ... ,
Später? Wer ist dieser Typ verdammt noch mal? Soll ich ihn umbringen oder eher Dich? Was für ein Spielchen spielt ihr hier?
Keine Spielchen, ich bin ... , doch Kyle fuhr ihr ins Wort.
Sie ist Paige Robinson. Schon einmal von der Robinson Familie gehört? Die zweit größte Computerfirma nach Microsoft?
Nick sah Paige verständnislos an.
Und ich bin ihr Verlobter. Raven McKinley und wenn Du nicht sofort Deine Finger von meiner zukünftigen Frau nimmst, wirst Du nicht mehr viel Freude am Leben haben.
Ist das wahr? fragte Nick leise ohne Raven eines Blickes zu würdigen.
Ich ... es ist so schwer zu erklären ... ,
IST DAS WAHR? fuhr er sie an und sie zuckte zurück.
J-Ja.
Es war die Wahrheit und trotzdem eine Lüge. Sie wollte Raven nicht heiraten, sie wollte nichts von der Firma und schon gar nichts von ihrem Vater. Aber wie hätte sie das Nick erklären sollen? Das Misstrauen war sofort in seine Augen zurück gekehrt als Raven den Namen Robinson erwähnt hatte und hatte sich noch verstärkt, als Raven von der Verlobung sprach. Er hätte ihr höchstwahrscheinlich noch nicht einmal richtig zu gehört.
Nick richtete sich auf und lies ihren Arm los. Als sie in seine Augen aufsah, war da nichts mehr von der Wut zu lesen. Stattdessen grenzenlose Enttäuschung und Trauer.
Es ist nicht so wie Du denkst ... , versuchte sie ihm klar zu machen, doch Nick hob abwehrend die Hände und schüttelte den Kopf. Er quetschte sich an Raven vorbei, nahm seine Jacke vom Sofa und verschwand dann in der Menge, ohne Paige auch nur noch eines Blickes zu würdigen.
Nick! rief sie verzweifelt hinter ihm her, doch er war bereits verschwunden.
Hol Deine Jacke, wir fahren jetzt nach Hause, sagte Raven kalt und packte sie am Arm.
Widerstandslos trottete sie zum Sofa hinüber, nahm ihre Jacke auf und lies sich dann von Raven aus dem Club führen. Sie fühlte ... gar nichts. Sie war wie betäubt und nahm um sicher herum nichts mehr wahr. Innerhalb von 10 Minuten hatte sie alles verloren, was ihr wichtig gewesen war: Ihre Freiheit und den Mann den sie liebte. Welchen Grund hatte sie jetzt noch zu kämpfen?
Kapitel 25