Kapitel 21

Nick konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal so viel Zeit vor dem Spiegel verbracht hatte. Unzählige Male hatte er sich umgezogen und zwischendurch sogar erneut geduscht, da er von dem ganzen hin und her und dem an- und ausziehen ganz verschwitzt war.
Schließlich blieb ihm keine Zeit mehr um sich erneut um zu ziehen wenn er pünktlich bei Paige sein wollte. Also zwinkerte er seinem Spiegelbild ein letztes Mal zu, sagte „wünsch mir Glück,“ und während er aus dem Schlafzimmer trat sagte er zu sich selbst „viel Glück.“
Er stieg in seinen Wagen und legte die Strecke zur Surfschule in Rekordzeit zurück. Sein Herz klopfte wie wild vor Vorfreude sie wieder zu sehen. Der Abend gestern hätte besser nicht laufen können. Vielleicht abgesehen von dem kurzen Moment, als er ihre Familie erwähnte. Im Nachhinein ärgerte er sich ein wenig, dass er so schnell aufgegeben hatte. Er hätte ihr klar machen müssen, dass nichts was sie über sich erzählte, seine Meinung über sie ändern konnte.
Wenigstens hatten sie noch mehr als genug Zeit um diesen Punkt zu klären und er hoffte, dass er mit diesem Abend einen weiteren Schritt in ihre Richtung machen würde. Sie konnte ihm vertrauen und das würde er ihr beweisen!
Er parkte auf einem kleinen, asphaltierten Platz, auf dem nur noch ein alter, klappriger VW Bus stand, stieg aus und kontrollierte noch einmal seine Frisur im Außenspiegel.
Dann straffte er sich und lief den schmalen Pfad die Dünen hinunter. Gleich darauf hatte er die Haustür erreicht und nachdem er vergeblich nach einer Klingel gesucht hatte, klopfte er einfach an.
Beinahe im selben Moment wurde die Tür mit Schwung aufgerissen und Maik begrüßte ihn mit einem breiten, freundlichen Lächeln.
„Hallo Nick, so sieht man sich wieder.“
„Hallo Mike. Eigentlich müsste ich ja immer noch auf Dich sauer sein,“ gab Nick zurück, während er über die Schwelle trat.
Maik sah schuldbewußt zu ihm hinüber „es tut mir leid, aber ich habe nur auf Anweisung von Paige gehandelt und was die Prinzessin sagt ist mir Gesetz.“
„Sie scheint Dich ja fest im Griff zu haben,“ schmunzelte Nick und sah sich unauffällig in dem geräumigen Wohnzimmer um, in das Maik ihn geführt hatte.
Die Wände waren auch innen nicht verkleidet, so dass die dicken Holzbalken gut zu sehen waren. Eine breite Glasfront führte hinaus ins Freie, allerdings konnte Nick in der Dunkelheit dahinter nicht viel erkennen. Die Decke befand sich fast vier Meter über ihm und verlieh dem Raum eine unglaubliche Größe. Trotzdem wirkte er äußerst behaglich.
„Wo wir schon dabei sind. Meinst Du Prinzessin ist bereit mich zu empfangen?“ fragte er und Maik nickte.
„Sie kommt sicherlich gleich. Sie ist so aufgeregt, als ginge es hier um ihren Abschlußball.“
„Wer hat Dir erlaubt in meiner Abwesenheit so über mich zu sprechen?“ vernahmen Nick eine weibliche Stimme hinter sich und er fuhr herum.
Paiges Augen funkelten spöttisch in Maiks Richtung und in einer unbewußten Geste strich sie sich einige widerspenstige Locken aus dem Gesicht.
Nicks Knie wurden augenblicklich weich und sein Herz schlug wild und heftig. Sie trug ein flaschengrünes Kleid, das knapp über dem Knie endete und dessen Ausschnitt wenig verbarg. Die hohen Sandalen verliehen ihren Beinen eine Grazie, die ihn heftig schlucken lies und ihre nackten Arme, mit denen sie sich jetzt bei ihm unterhakte, waren durch die viele Zeit auf dem Wasser dunkel gebräunt.
„Glaub’ ihm kein Wort,“ sagte sie vertraulich und lächelte ihn an „er übertreibt gerne maßlos.“
„Ich glaube ihr beide geht jetzt besser, bevor ich Dich noch über’s Knie lege,“ lachte Maik und dirigierte sie in Richtung Haustür.
Fast erwartete Nick noch eine Ermahnung, dass er Paige pünktlich nach Hause bringen und nicht so rasen sollte, stattdessen wünschte Maik ihnen viel Spaß und schon waren sie auf dem Weg zu seinem Auto.
„Woher kennt ihr Euch?“ fragte Nick, als er Paige galant die Wagentür öffnete.
„Ohje, das ist eine seeehr lange Geschichte,“ grinste Paige und nachdem er vom Parkplatz gefahren war fuhr sie fort.
„Wir haben uns beim Surfen kennen gelernt. Er hat mir fast alles beigebracht, was ich heute weiß. Er ist wirklich ein Gott auf dem Brett.“
„Im Gegensatz zu mir,“ stellte Nick fest und Paige lachte.
„Das mag sein, dafür hast Du andere Qualitäten.“
„Die da wären?“
„Ich dachte Du wolltest wissen, wie ich Maik kennen gelernt habe?“
„Ihr habt Euch beim Surfen kennen gelernt,“ erinnerte Nick.
„Genau und dann hatten wir eine sehr heftige Affäre.“
„Eine ... was?“ Für einen Moment sah er entsetzt zu ihr hinüber. Konnte es sein, dass seine Bemühungen ganz umsonst waren? Vielleicht war sie ja mit diesem Maik ...
„Das ist lange vorbei,“ lächelte sie.
„Aha,“ war alles was er dazu sagen konnte.
„Er ist ein guter Freund, mehr nicht.“
Bei diesen Worten mußte er an A.J. denken. Nur Freunde ... ob Maik das auch so sah?
„Sieht er das denn auch so? Ich meine ... er ist ja schwer besorgt um Dich.“
„Er hat seine Traumfrau gefunden und glaub mir, mit Moisha kann ich es in keiner Beziehung aufnehmen.“
„Du kannst es mit jedem aufnehmen,“ sagte Nick überzeugt und hörte Paige kichern.
„Nicht bei ihm. Er steht leider auf etwas ... hm ... sagen wir mal ... dunkelhäutigere Frauen.“
„Oh ... verstehe. Ich bin wirklich glücklich, dass er das tut.“
Paige lachte „so? Das mußt Du mir genauer erklären.“
„Ich glaube wir sind da,“ gab Nick statt einer Antwort zurück und war froh, dem engen Innenraum seines Wagens zu entkommen. Paige hatte ihn mühelos in die Ecke gedrängt. Er sollte in Zukunft besser aufpassen was er sagte. Es war noch zu früh um einfach mit der Tür ins Haus zu fallen.

Kapitel 22