Kapitel 19
Paige hatte geduscht und sich umgezogen. Jetzt schaute sie unentschlossen auf Nicks Visitenkarte hinunter. Mit Hilfe eines Stadtplans hatte sie fest gestellt, dass er gar nicht so weit von ihr entfernt wohnte. Sie könnte mit dem Bus fahren und den Rest laufen. In spätestens einer Stunde konnte sie ihm persönlich gegenüber stehen.
Andererseits wußte sie nicht, ob es ihm recht wäre wenn sie so einfach bei ihm zu Hause auftauchte.
Während sie noch unentschlossen neben dem Telefon im Flur hockte, schaute Mike um die Ecke.
Na, keinen Mut den Traumprinzen an zu rufen?
Nein ... ich überlege ob ich ihn gleich persönlich aufsuchen sollte.
Wow, Du gehst ja ran, stellte Maik schmunzelnd fest und setzte sich dann neben sie auf den Boden.
Eben. Ich weiß einfach nicht, ob ihm das recht ist.
Also ehrlich gesagt glaube ich, dass er begeistert wäre.
Wie kommst Du darauf?
Du hättest sein Gesicht sehen sollen als ich ihm sagte, dass ich Dich nicht kenne. Er war am Boden zerstört.
Ehrlich? Paiges Herz begann vor Aufregung schneller zu schlagen.
Ja, ganz ehrlich. Also, wie sieht es aus? Soll ich Dich in die Stadt fahren?
Das brauchst Du doch nicht, ich kann auch den Bus nehmen und ... ,
Kommt nicht in Frage. Ich fahre Dich. Du bist doch sonst eine Ewigkeit unterwegs. Und falls der Typ keine Manieren hat und Dich nicht nach Hause fährt, dann rufst Du an, ja? Ich möchte Dich nicht bei Nacht auf der Straße mit all diesen Verrückten wissen.
Du bist wirklich süß, sagte Paige gerührt und drückte Mike einen Kuß auf die Wange.
Ich weiß, lachte dieser und stand auf.
In zehn Minuten ist Abfahrt, sagte er und verschwand dann in der Küche.
Für einen Moment krampfte sich Paiges Magen zusammen. Sie würde ihm also tatsächlich gleich gegenüber stehen und diesmal gab es keine Möglichkeit, dass sie sich aus dem Weg gingen. Vielleicht hatte sie ihre Selbstsicherheit doch ein wenig überschätzt.
Maik lugte erneut um die Ecke Du machst das schon mein Schatz. Nur keine Panik. Er ist auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut.
Hm ... , antwortete Paige ausweichend und erhob sich mit weichen Knien. Maik lachte.
Das ich das noch einmal erleben darf. Die selbstbewußte Paige hat Lampenfieber.
Hör auf! Sie versuchte vorwurfsvoll aus zu sehen, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. Nun gut, dann fuhr sie eben zu ihm. Was konnte ihr denn schon passieren?
Als es schließlich dunkel wurde und Nick nur noch sein Spiegelbild in der Fensterscheibe erkennen konnte, hatte er sich schließlich umgewandt und angefangen, sein Apartment auf zu räumen. Wirklich systematisch ging er dabei nicht vor und im Endeffekt räumte er alles nur von einer Seite auf die andere, aber immerhin hatte er so das Gefühl, wenigstens irgendetwas zu tun.
Das leise Klopfen an seiner Haustür hätte er dabei beinahe überhört. Stirnrunzelnd warf er einen Berg Kleider, die er gerade im Arm hielt, in sein Schlafzimmer und schloß die Tür.
Dann öffnete er die Apartmenttür und starrte schließlich mit offenem Mund auf Paige hinunter, die mit einem breiten Lächeln vor ihm stand.
Hallo, sagte sie.
Hallo, gab er zurück, nicht fähig auch nur einen Muskel zu bewegen.
Ich ... also ... ich dachte mir ... ich schaue einmal vorbei ... aber wenn Dir das nicht recht ist ... , sie wirkte plötzlich unsicher und Nick stellte fest, dass sie immer noch vor seiner Haustür im Dunkeln stand.
Oh nein ... also ... komm doch bitte rein.
Er öffnete die Tür ein Stück weiter und sie trat hindurch. Verstohlen kniff er sich in den Arm um auch ganz sicher zu gehen, dass das hier nicht nur ein Traum war, sondern Paige tatsächlich jetzt in seinem Wohnzimmer stand.
Ich dachte, Du wärst nicht da ... also ... na ja ... dieser Maik sagte er kenne Dich nicht ... , er stockte und hätte am liebsten die ganze Szene noch einmal zurück gespult um besser auf dieses Gespräch und vor allen Dingen ihre Anwesenheit vorbereitet zu sein. Vielleicht hätte er es bei einem erneuten Versuch geschafft, nicht wie der letzte Vollidiot da zu stehen.
Doch Paige lächelte freundlich.
Normaler Weise mag ich es nicht, wenn mich Menschen einfach so besuchen, sagte sie Maik ist so zu sagen mein großer Beschützer. Aber er meinte wohl, ich hätte vor Dir nichts zu befüchten.
Brauchst Du denn Schutz? fragte Nick interessiert und bedeutete Paige auf der Couch Platz zu nehmen.
Manchmal, gab sie vage zurück und setzte sich.
Möchtest Du etwas trinken? fragte er und versenkte nervös seine Hände in den Hosentaschen.
Sehr gerne. Vielleicht ein Glas Wasser?
Kommt sofort.
Wie ein Wirbelwind sauste er in die Küche und erinnerte sich dann geschockt daran, dass das Bisschen Mineralwasser, dass sich noch in seinem Besitz befand, seit gestern Abend nicht besser geworden war, als er versucht hatte, es A.J. an zu drehen.
Kurz entschlossen ging er zurück ins Wohnzimmer.
Ehrlich gesagt bin ich nicht besonders gut darauf vorbereitet Gäste zu versorgen, sagte er zerknirscht. Hättest Du etwas dagegen wenn wir in eine kleine Bar gehen? Sie ist ungefähr fünf Minuten von hier und die haben ganz sicher frischeres Wasser als ich es Dir anbieten könnte.
Klar, kein Problem, entgegnete Paige und erhob sich wieder von der Couch.
Nick hatte das unangenehme Gefühl noch etwas sagen zu müssen es tut mir leid. Ich glaube, es muß einfach immer in einer Katastrophe enden wenn wir uns sehen.
Sie lachte leise Katastrophe? Ich kann mich an nichts erinnern. Ich finde es schön Dich wieder zu sehen. Darum bin ich hier. Und da ist es mir ziemlich egal ob Du Wasser im Haus hast oder nicht.
Er seufzte erleichtert Du bist in Ordnung, sagte er mit einem liebevollen Lächeln und registrierte befriedigt, wie eine sanfte Röte ihr Gesicht überzog. Wenigstens war er hier nicht der Einzige, der sich unsicher fühlte.
Er schnappte sich seine Jacke und trat dann hinter Paige in die laue Sommernacht hinaus.
Kapitel 20