Kapitel 18

„Ich werde mich dann mal langsam auf den Weg machen,“ meinte A.J. und fischte seine Jacke vom Sofa.
„Hm ... klar,“ sagte Nick geistesabwesend und starrte aus dem Fenster hinunter auf den Strand. Warum war Paige nicht da gewesen? Hatte sie ihm absichtlich eine falsche Information gegeben oder war ihr etwas dazwischen gekommen? Aber dann hätte doch dieser Mike etwas wissen müssen. Wie er es drehte und wendete, er kam immer wieder zu dem gleichen Ergebnis. Sie hatte ihn gekonnt und mit dem ältesten Trick der Welt abserviert.
„Mach’ Dir nicht mehr so viele Gedanken,“ sagte A.J. und legte ihm mitfühlend eine Hand auf die Schulter „das kann den Besten passieren.“
„Es geht hier nicht um gekränkte Eitelkeit,“ gab Nick heftig zurück „es geht darum, dass ich womöglich die Frau fürs Leben verpasst habe.“
„Findest Du nicht, dass Du jetzt ein bißchen zu weit gehst? Du kennst sie doch nicht einmal richtig. Ihr habt einen netten Tag am Strand verbracht, das war es auch schon. Was bitte schön ist an ihr so besonders?“
„Ist Dir das noch nie passiert? Ich meine ... Du triffst eine Frau und irgendetwas an ihr sagt Dir, dass sie es sein könnte?“
A.J. schien einen Moment zu überlegen „vielleicht,“ gab er schließlich widerstrebend zu „aber es bringt Dir auch nichts Dir jetzt darüber Gedanken zu machen. Wenn Du Glück hast meldet sie sich, wenn nicht muß das Leben weiter gehen.“
„Na vielen Dank für Dein Mitgefühl!“
„Ich wollte doch nur ... ,“ das Klingeln des Telefons unterbrach die beiden.
„Wetten dass sie das ist?“ sagte A.J. mit einem breiten Grinsen und war schon halb auf dem Weg zur Tür.
Nick nahm den Hörer ab und meldete sich mit klopfendem Herzen.
„Hallo?“
„Hallo Nick. Hier ist Miranda.“
„Miranda?“ Für einen Moment hielt er das Ganze für einen schlechten Scherz. Was wollte Miranda von ihm?
Er sah zu A.J. hinüber, der mit fragend hochgezogenen Augenbrauen mit der Hand an der Türklinke stand. Er bedeutete ihm noch einen Moment zu warten und versuchte sich dann auf die weibliche Stimme zu konzentrieren, die aufgeregt jede Menge für ihn unverständliche Worte hervor sprudelte.
„Miranda ... stop ... mal ganz langsam. Ich verstehe nur Bahnhof. Kannst Du das bitte noch einmal wiederholen?“
Er hörte einen abgrundtiefen Seufzer am anderen Ende der Leitung und dann sagte sie ruhig und langsam „es geht um Sam.“
„Sam? Was ist mir ihr?“ ein schneller Blick verriet ihm, dass A.J. langsam näher kam und äußerst angespannt wirkte.
„Sam ist eine Kollegin von mir, wir arbeiten an der selben Schule. Sie hatte dort heute wohl ziemlichen Ärger. Normaler Weise würde ich Dich damit wirklich nicht belästigen, aber ich mache mir Sorgen. Sie wirkte heute Morgen schon so dermaßen neben der Spur und dann ist sie mir nach dem Gespräch mit Harrison den restlichen Tag aus dem Weg gegangen. Zu Hause ist sie nicht zu erreichen und ich habe keine Ahnung was sie macht.“
A.J. stupste ihn an und bedeutet ihm, dass er wissen wollte was los sei.
„Bleib einen Moment dran Miranda, ja?“
„Klar.“
Er legte die Hand über die Sprechmuschel und wandte sich A.J. zu.
„Das ist Miranda, eine Kollegin von Sam. Sie sagt, dass Sam heute morgen ziemlich ... uhm ... neben der Spur war, wie sie es ausdrückt, und dann wohl ziemlichen Ärger mit dem Direx hatte. Sie macht sich Sorgen, weil sie sie zu Hause nicht erreichen kann.“
A.J. Blick verdunkelte sich augenblicklich.
„Ich weiß wo sie ist. Ich werde mal nach ihr sehen.“
Bei seinen letzten Worten hatte er sich schon herum gedreht und strebte der Haustür zu.
„Ruf mich an, wenn Du etwas weißt, ja?“ rief ihm Nick hinterher. Er sah gerade noch, wie A.J. eine Hand zum Abschied hob, dann schloß sich die Tür hinter ihm.
Nick wandte sich wieder dem Hörer in seiner Hand zu.
„O.k., die Kavallerie ist bereits unterwegs.“
Er hörte Miranda erleichtert seufzen.
„Vielen Dank, wirklich. Ich werde hier noch wahnsinnig.“
Dann entstand eine lange, unangenehme Pause.
„Wie ... geht es Dir ... sonst so?“ fragte Nick stockend und lies seinen Blick erneut gedankenverloren aus dem Fenster wandern.
„Mir geht es gut,“ antwortete Miranda langsam „ich habe mich nur gefragt ... ob wir vielleicht mal wieder ... ausgehen könnten.“
„Ich halte das für keine so gute Idee,“ sagte er ehrlich und es tat ihm leid sie enttäuschen zu müssen. Doch sie wirkte ganz entspannt als sie antwortete „auch kein Problem. Dann mach es mal gut und noch einmal danke, dass Du Dich um Sam kümmerst.“
„Kein Problem. Es ... tut mir leid ... ich ... ,“ er fühlte sich mies. Vielleicht hatte er Miranda doch mehr Hoffnungen gemacht, als er beabsichtigt hatte.
„Mach’ Dir mal keine Gedanken um mich,“ entgegnete Miranda „eigentlich bist Du sowieso nicht mein Typ.“
„Oh,“ er wußte nicht, was er darauf antworten sollte und er hörte Miranda am anderen Ende der Leitung leise lachen „Du bist wirklich ein toller Mann, aber wohl nicht für mich. Also ... mach’s mal gut.“
„Du auch.“
Er legte den Hörer auf und schüttelte den Kopf. Es waren immer die falschen Frauen die sich für ihn interessierten. Bei diesem Gedanken angelangt wandte er sich seufzend wieder dem Fenster zu. Irgendwie war es angenehm hier einfach zu stehen, seinen Blick schweifen zu lassen und möglichst dafür zu sorgen, dass sich sein Gehirn ausschaltete.

Kapitel 19