Kapitel 17

Paige verstaute das letzte Segel im Schuppen inter dem Büro und setzte sich dann für einen Moment mit untergeschlagenen Beinen auf den langen Holzsteg. Sie schloß die Augen und genoss die letzten wärmenden Strahlen der Sonne und die angenehme Ruhe die sich die letzte halbe Stunde über die Surfschule gelegt hatte. Abgesehen von Patric hatte sie bei allen ihren Schülern heute deutliche Fortschritte festgestellt und war einigermaßen stolz auf sich. Nie hätte sie gedacht dass sie dieses einfache Leben so sehr genießen würde.
Sie liebte es sich keinen festen Regeln beugen zu müssen und niemandem Rechenschaft schuldig zu sein. Sie mußte nicht mit verknöcherten und versnobten Menschen zu Abend essen, sie brauchte keine todlangweiligen Wohltätigkeitsveranstaltungen zu besuchen und sie brauchte sich nicht der festen Hand ihres Vaters beugen.
Für einen Moment überkam sie so etwas wie Sehnsucht, als sie an ihre Mutter dachte. Wie es ihr wohl ging? Mehrere Mal war sie kurz davor gewesen im Krankenhaus an zu rufen und sich nach ihr zu erkundigen, doch sie hatte sich jedes Mal dagegen entschieden.
Sie wollte den Gefolgsleuten ihres Vaters nicht den kleinsten Hinweis dafür geben, ob sie überhaupt noch lebte.
Sie spürte, wie die Dielen unter ihr leicht vibrierten und gleich darauf setzte sich Maik neben sie.
„Und, wie ist es heute gelaufen?“ fragte er.
„Bis auf unser Sorgenkind ganz gut denke ich,“ lächelte Paige.
„Ja, ich habe auch den Eindruck, dass Du gut zurecht kommst. Wenn das so weiter geht muß ich noch Dein Gehalt erhöhen.“
„Oh nein,“ wehrte Paige ab „Du und Moisha, ihr tut schon so viel für mich. Keine Sorge, ich komme ganz gut klar.“
„Wenn Du meinst,“ er warf ihr einen liebevollen Blick zu und zog dann eine kleine Karte hervor, die er bisher in seiner Handfläche versteckt gehalten hatte.
„Ich habe Neuigkeiten, weiß aber nicht, ob sie gut oder schlecht sind,“ begann er und blickte dabei nachdenklich auf das Meer hinaus.
„Heute war jemand hier und hat nach Dir gefragt.“
Paige erstarrte und hatte das Gefühl mit einem Schwall eiskalten Wassers übergossen worden zu sein. Das Atmen fiel ihr plötzlich schwer und unbewußt verkrampfte sie ihre Hände in einander. Sollten sie sie so schnell gefunden haben? Mußte sie diesen Ort, der ihr in dieser kurzen Zeit so sehr ans Herz gewachsen war, schon wieder verlassen?
„Ehrlich gesagt,“ fuhr Maik fort als Paige schwieg „sah er mir nicht so aus als wäre er irgendwie gefährlich für Dich, aber man weiß ja nie,“ damit reichte er Paige die Karte.
Beinahe wäre sie ihr durch die zitternden Finger gerutscht, doch sie hielt sie im letzten Moment fest und sah sofort den Namen darauf.
„Nick? Nick war hier?“ sie hatte plötzlich das Gefühl leichter als Luft zu sein. Er war doch noch gekommen! Sie mußte nicht von hier fort ...
„Ich nehme mal an der junge Mann hat Dir schwer den Kopf verdreht, was?“ lachte Maik und legte ihr eine Arm um die Schulter.
„Wie kommst du denn darauf?“ fragte Paige unschuldig und legte ihren Kopf auf seine Schulter.
„Dein Strahlen könnte eine halbe Kleinstadt mit Strom versorgen,“ grinste Maik und rieb sein Kinn an ihrem Haar.
„Du weißt sicherlich dass es nicht besonders hilfreich ist mit einem Popstar an seiner Seite von der Bildfläche zu verschwinden, oder?“
Paige nickte langsam.
„Ich weiß. Das Problem ist nur ... na ja ... er ist irgendwie ... sehr außergewöhnlich. Er ist ... ,“ sie suchte nach Worten und fand sie nicht. Er war eben Nick. Dieser zu groß geratene, kleine Junge mit dem umwerfenden Lächeln und den vielen Geheimnissen in seiner Seele. Mehr als alles andere schien sie dieser Umstand an zu ziehen.
„Du bist verliebt,“ stellte Maik nüchtern fest, was Paige dazu veranlasste sich ruckartig auf zu setzten und ihn mit großen Augen an zu sehen.
„So weit ist es hoffentlich noch lange nicht. Ich finde ihn interessant, das ist alles.“
„Hm ... deswegen strahlen Deine Augen auch so und deswegen hast Du diesen verklärten Blick ... nur weil er interessant ist. Alles klar.“
„Maik! Bitte!“ ereiferte sich Paige doch er schüttelte nur leise lachend den Kopf.
„Schon gut, er ist interessant, mehr nicht. Ich gehe jetzt hinein zu meiner wunderhübschen Freundin, die ich im übrigen auch nur interessant finde. Du weißt ja wo das Telefon steht.“
Mit einem Satz brachte er sich aus Paiges Reichweite, die versucht hatte ihm einen Klaps auf den Arm zu verpassen und verschwand immer noch lachend im Haus.
Nick ... er hatte sie also doch nicht vergessen.

Kapitel 18