Kapitel 15

Nachdem Nick und A.J. ihr Gespräch beendet hatten, waren sie noch gemeinsam auf einen Drink in ein nahe gelegenes Strandcafe gegangen. A.J. hatte nur Cola getrunken. Nick war unglaublich stolz auf ihn, was er seinem Freund auch immer wieder sagen musste bis dieser gutmütig bemerkte, dass es keine große Leistung sei eine Cola nach der anderen zu trinken und Nick solle doch mal der Dame am Nachbartisch zu ihrem Orangensaft gratulieren.
Schließlich war dies zum „Running Gag“ ausgeartet und Nick war tatsächlich beim Verlassen des Lokals auf einen Mann zu getreten, der genüsslich an einem Eistee nippte, hatte dem völlig verdutzten Mann die Hand geschüttelt und gesagt „ich beglückwünsche Sie zu der äußerst raffinierten Wahl ihres Getränks. Weiter So!“ hatte ihm auf die Schulter geklopft und immer noch prustend erreichten sie schließlich sein Apartment.
Sie kamen darüber überein, dass es nicht nötig war, dass A.J. die Strecke zu seinem Haus am anderen Ende der Stadt im Dunkeln zurück fuhr und so hatte er die Nacht auf Nicks Couch verbracht.
Als sie am nächsten Morgen beim Frühstück auf Nicks Balkon saßen und den diversen Schönheiten im Bikini unter ihnen Noten auf einer Skala von 1-10 gaben, mußte Nick erneut an Paige denken. Sie hätte ganz locker eine 12 verdient und er fragte sich, ob sie ihn schon längst vergessen hatte oder ob sie sich wunderte, dass er immer noch nicht bei ihr aufgetaucht war.
„Woran denkst Du?“ fragte A.J. in seine Gedanken hinein und er zuckte zusammen. Würde sein Freund ihn auslachen wenn er ihm gestand, dass er sich nicht traute Paige erneut an zu sprechen?
„Na komm’ schon,“ hakte A.J. nach als Nick nichts sagte „irgendetwas ist doch los. Das habe ich schon gemerkt, als Du mit Sam und mir Essen warst.“
„Wirklich?“ Nicks schlimmste Befürchtungen schienen sich bestätigt zu haben.
„Na hör mal, Du lässt normalerweise keine Party aus. Müde? Schon klar.“
„Hm ... ,“ gab Nick unbestimmt zurück und nippte an seinem Kaffe um etwas Zeit zu gewinnen.
„Jetzt rück’ schon raus mit der Sprache. Ich wette es geht um eine Frau.“
„Geht es das nicht immer?“
„Aber noch nie hat Dich das so sehr beschäftigt.“
Nick mußte A.J. leider recht geben. Das war alles so verwirrend. Nach langer Zeit konnte er sich nicht mehr hinter seiner Jugend, hinter seiner Clownsmaske oder hinter Unwissenheit verstecken. Das „erwachsen sein“ machte ihm Angst.
„Na gut, probieren wir es anders,“ sagte A.J. schließlich, drehte seinen Stuhl aus der Sonne um Nick direkt an sehen zu können und faltete die Hände auf dem Tisch.
„Ich stelle Fragen und Du brauchst nur mit ja oder nein zu antworten, o.k.?“
Nick nickte und sah dann unbehaglich zu A.J. hinüber.
„Es geht um eine Frau,“ begann A.J..
„Ja.“
„Und sie ist nicht eines dieser üblichen Partyhäschen.“
„Ja.“
„Du hast ihre Telefonnummer?“
„Nein.“
„Nicht? Oh ... o.k. ... aber Du weißt wo Du sie finden kannst?“
„Ja.“
„Aber Du hast sie noch nicht aufgesucht.“
„Nein,“ Nick wurde immer kleiner auf seinem Stuhl.
„Ist das das Problem? Du traust Dich nicht sie an zu sprechen?“
Nick zuckte mit den Schultern, konnte A.J. dabei aber nicht ansehen. Es war manchmal sehr unheimlich, wie leicht sein Freund in ihn hinein sehen konnte.
„Du hast eine scheiß Angst weil sie Dir gefährlich werden könnte“ stellte A.J. fest und Nick sah erstaunt zu ihm hinüber.
„Jetzt sieh mich nicht so an. Wenn mich nicht jedes Mal die Panik überkommen würde wenn ich Sam sehe, wäre ich vielleicht auch schon etwas weiter ... was auch immer „etwas weiter“ in diesem Fall bedeutet.“
„Das ist aber nicht das Selbe,“ entgegnete Nick und sein Blick schweifte hinaus auf das Meer.
„Inwiefern?“
„Du kennst Sam in- und auswendig. Du weißt was sie denkt, wie sie auf gewisse Dinge reagiert und das sie Dich wirklich mag.“
„Bis hier hin kann ich Dir folgen,“ gab A.J. zu.
„Aber bei Paige ist das etwas ganz anderes. Ich habe sie jetzt drei Mal ganz zufällig getroffen und Du weißt wie unwahrscheinlich so etwas ist.“
„Glaubst Du, sie hat das arrangiert?“ fragte A.J..
„Nein, nein ... wie gesagt, das war ganz zufällig ... glaube ich.“
Er dachte noch einen Moment darüber nach und entschied dann, dass es tatsächlich jedes Mal ein Zufall gewesen war. Ein sehr bemerkenswerter sicherlich, aber alles andere lag außerhalb der Realität.
„Ich habe Angst es zu vermasseln,“ fuhr er schließlich fort „und noch viel mehr Angst habe ich davor, dass sie mich genau so benutzt wie die Anderen vor ihr. Ich könnte es nicht ertragen. Nicht bei ihr ... nicht noch einmal.“
Jetzt war es heraus, doch er fühlte sich keinen Deut besser.
„Was kann denn schlimmsten Falls passieren wenn Du sie besuchst und einfach einen netten Tag mit ihr verbringst?“
Nick zuckte mit den Schultern „vielleicht, das ich mich in sie verliebe und dann wieder genau so blind bin wie die anderen Male?“
„Und da denkst Du es ist die bessere Lösung sie erst gar nicht wieder zu sehen?“
„Ich weiß es nicht.“
Nick sah gequält zu seinem Freund hinüber.
„Hinter allem was sie sagt vermute ich eine Doppeldeutigkeit. Ich bin schon so verbohrt, dass ich die Wahrheit nicht mehr sehe. Wie soll ich denn da heraus finden, was sie wirklich über mich denkt?“
„Das wirst Du jedenfalls nie wenn Du es nicht wenigstens versuchst.“
Der Rat klang einleuchtend und war trotzdem nicht das, was Nick hören wollte.
„Ich könnte ja mit kommen,“ schlug A.J. vor „so zu sagen als neutraler Beobachter.“
„Ich weiß nicht,“ Nick zog die Schultern hoch und nestelte nervös an dem Saum seines T-Shirts.
„Hey, Du sollst ihr doch nicht gleich einen Heiratsantrag machen. Lass’ es locker angehen. Unterhaltet Euch ein bißchen, geht zusammen aus. Ich könnte Sam fragen und wir machen etwas zu viert. Ganz unverfänglich.“
Nick schwieg. Bei dem Gedanken Paige wieder zu sehen krampfte sich sein Magen zusammen. Sie war eine so starke Persönlichkeit, so sehr mit sich im Reinen, dass sie ihm unerreichbar schien.
„Sie ist ein Mensch aus Fleisch und Blut,“ sagte A.J. als hätte er seine Gedanken mit angehört „sie wird Dich nicht gleich auffressen.“
„Wer weiß? Wahrscheinlich ist sie tatsächlich ein Männer mordendes Monster und wartet nur auf mich.“
„Klar, gerade auf so eine Schwachkopf wie Dich,“ lachte A.J. und Nick mußte gegen seinen Willen grinsen. Sei es drum. Er würde seine Angst überwinden und zu dieser Surfschule gehen. Eine andere Wahl hatte er sowieso nicht wenn er sich nicht den Rest seines Leben fragen wollte was hätte sein können.

Kapitel 16