Kapitel 14

„Halte Dich gerade ... ja genau so ... beide Füße fest auf das Brett ... zieh das Segel nahe an Dich heran, sonst kippst Du um.“
Das war jetzt schon der vierte Tag an dem sie mit ihrem Schüler hinaus auf das Meer segelte und er schien immer noch nichts von dem begriffen zu haben, was sie ihm versuchte bei zu bringen.
Inzwischen wußte sie was Maik damit gemeint hatte als er sagte er hasse ihn.
Patric war 15 Jahre alt, lang aufgeschossen, dabei unglaublich dünn und natürlich der Meinung, immer Recht zu haben.
Die ersten zwei Tage waren ein einziger Kampf gewesen, bis es Paige schließlich zu viel geworden war. Sie hatte zu Patric gesagt „wenn Du glaubst Du kannst schon alles, dann bitte. Stell’ Dich auf das verdammte Brett und mach’ was Du willst.“
Er hatte triumphierend das Surfbrett ins Wasser gebracht und war tatsächlich mit einiger Geschwindigkeit hinaus gesegelt. Dann allerdings hatte er festgestellt, dass er keine Ahnung hatte, wie er wieder zurück ans Ufer kommen sollte. Schließlich war er im Wasser gelandet und Paige hatte ihn eine Weile zappeln lassen.
Als sie dann endlich auf ihrem eigenen Brett bei ihm ankam, war er den Tränen nahe. Sie hatte es gemerkt, auch wenn er versuchte es durch großspurige Kommentare zu verbergen. Ab da tat er immerhin, was sie ihm sagte, auch wenn es bis jetzt noch keine wirklichen Früchte getragen hatte.
Paige fragte sich ab und zu, ob es an ihr liegen könnte. Manchmal war sie mit ihren Gedanken einfach nicht ganz da. Es war bereits Freitag und Nick war noch nicht aufgetaucht.
Die ersten Tage nach ihrer Begegnung hatte sie aufmerksam nach ihm Ausschau gehalten. Als er nicht kam, fragte sie sich, ob er die Surfschule vielleicht nicht gefunden hatte, aber im Umkreis von 20 Meilen gab es keine andere Schule mehr.
Dann fragte sie sich, ob er vielleicht durch ihren schnellen Abgang verärgert gewesen war. Sie mußte zugeben dass sie sehr kurz angebunden gewesen war und er das ganz sicher nicht als Ermutigung aufgefasst hatte. Wenn nur dieses verdammte Gewitter nicht gewesen wäre ...
„Patric pass auf!“ rief sie, als sie ihren Schützling in voller Fahrt auf sich zukommen sah. Mit einem halsbrecherischen Manöver brachte sie sich gerade noch aus der Schußlinie und versuchte dann Patric auf seinem davon rasenden Surfbrett ein zu holen.
Sie mußte aufhören die ganze Zeit an Nick zu denken. Sonst würde ihr Kurs hier noch in einer Katastrophe enden. Es reichte wenn sie nachts kaum schlafen konnte, weil ihr sein Gesicht nicht aus dem Kopf ging.

Kapitel 15