Kapitel 13
Nick saß zu Hause und versuchte sich mit seiner Playstation ab zu lenken. Es war bereits Donnerstag und er hatte immer noch nicht den Mut gefunden Paige in der Surfschule auf zu suchen. Er fragte sich immer wieder was ihn davon abhielt, aber er kam zu keinem wirklich befriedigenden Ergebnis.
Draußen wurde es langsam dunkel und sein Magen begann zu knurren. Missmutig warf er sein Gamepad in die Ecke und trottete zu seinem Kühlschrank. Die erste Packung war noch von einer seinen letzten Lieferung vom Chinesen übrig, aber als er sie öffnete, sah der Inhalt nicht mehr wirklich vertrauen erweckend aus.
Mit einem gekonnten Wurf beförderte er die Schachtel in den Abfalleimer und kramte weiter in den mickrigen Resten, die sein Kühlschrank zu bieten hatte. Enttäuscht gab er schließlich auf und ging zur Pinwand neben seinem Computer. Während er noch überlegte ob er lieber chinesisch, italienisch oder gar indisch bestellen sollte, klopfte es an der Tür.
Dankbar für die Ablenkung riss er sie mit Schwung auf und staunte nicht schlecht, als er den Mann davor erkannte.
A.J.? Was machst Du denn hier?
Es ist auch schön Dich zu sehen, lächelte A.J. ironisch. Darf ich rein kommen?
Aber klar doch.
Nick trat zur Seite und lies seinen Freund eintreten.
Ist etwas passiert? fragte er alarmiert, da es absolut unüblich war, dass A.J. hier einfach so ohne Voranmeldung auftauchte.
Muß immer erst etwas passieren, damit wir beide uns mal sehen? fragte A.J. zurück und lies sich auf die Couch fallen.
Nick beeilte sich die Tür zu schließen und setzte sich dann seinem Freund gegenüber auf den Boden.
Na komm schon. Du weißt genau so gut wie ich dass es nicht Deine Art ist hier einfach so auf zu tauchen. Außerdem siehst Du mir ... na ja ... etwas mitgenommen aus.
Mitgenommen?
Yep, mitgenommen.
A.J. starrte Nick für einen Moment aus dunklen Augen an und fuhr sich dann müde mit den Händen über das Gesicht.
Ich habe ein Problem, fing er an.
Ich wußte es! rief Nick triumphierend, was ihm nur einen finsteren Blick von seinem Gegenüber einbrachte.
Wie wäre es, wenn Du Deinem Gast erst einmal etwas zu trinken anbieten würdest? fragte A.J. und sah sich dabei interessiert in dem Apartment um.
No Problem.
Nick erhob sich und verschwand im Schlafzimmer.
Ich kann Dir abgestandenes Wasser oder eine noch etwas frischere Cola anbieten, rief er zurück ins Wohnzimmer.
Dann Cola bitte ... was auch immer bei Dir frischer bedeutet.
Zumindest kann man sie in dem Zustand noch trinken, lachte Nick und kam mit der Flasche unter dem Arm zurück.
Er stellte sie vor A.J. auf den Tisch und ging in die Küche um ein Glas zu holen.
Macht es Dir etwas aus, wenn ich mir ein Bier genehmige?
Tu Dir keine Zwang an.
Nick kam mit dem Glas und einer Flasche Bier zurück und setze sich seinem Freund mit untergeschlagenen Beinen wieder gegenüber.
Und jetzt erzähl. Ärger mit Sarah?
Nein, A.J. schüttelte den Kopf und goss sich dabei etwas Cola in sein Glas.
Ich bin heute bei Sam ausgezogen.
Oh .. habt ... Ihr Euch gestritten?
Nicht direkt.
Nick erkannte seinen Freund kaum wieder. Normalerweise kam man kaum dazu in seiner Gegenwart überhaupt einen Ton heraus zu bringen und jetzt schien man jedes Wort einzeln aus ihm heraus locken zu müssen.
Geduld war noch nie Nicks Stärke gewesen. Nachdem A.J. auch weiterhin nichts sagte ging er also zum Angriff über.
Du hast Dich in sie verknallt.
A.J. zuckte zusammen und etwas von der Cola schwappte auf den Glastisch.
Wie kommst Du denn bitte schön darauf? Ich bin gerade mal zwei Wochen von Sarah getrennt!
Na und?
Die Zeiten wo ich von einer Frau zur anderen gehüpft bin sind vorbei.
Sagst Du.
Ja, sage ich.
Warum bist Du dann hier?
A.J. schwieg und starrte vor sich auf den Tisch.
Komm schon Bone, spuck es aus bevor Du daran erstickst.
A.J. schüttelte den Kopf ehrlich gesagt weiß ich eigentlich nicht so genau was los ist. Sie ... sie hat sich in einen Mann verliebt ... Max,
Das ist doch toll!
Uhm ... ja und nein ... er liebt sie nicht, was ich persönlich ja überhaupt nicht verstehen kann ... und ... jedenfalls ... ach ... das ist nicht so einfach.
Erneut nahm er einen Schluck von seinem Getränk und sah Nick dann direkt an.
Sie hat mir heute einen kleinen Vortrag gehalten über die Liebe. Wie schlimm es ist jemanden zu lieben und nicht haben zu können und dabei hat sie so ... so ... so verdammt unglücklich ausgesehen. Ich weiß auch nicht ... es tut mir weh sie so zu sehen ... und ... irgendwie ... ,
Ja? hakte Nick sanft nach, nachdem A.J. nicht weiter sprach.
Das mit diesem Max gefällt mir nicht ... so ... jetzt weißt Dus, sagte A.J., verschränkte die Arme vor der Brust und lies sich nach hinten in die Polster fallen.
Es gefällt Dir nicht, dass er ihr weh tut oder es gefällt Dir nicht, dass sie in ihn verliebt ist?
Wenn ich das wüßte, sagte A.J. leise.
Du weißt es, sagte Nick bestimmt und lies seinen Freund dabei nicht aus den Augen.
Vielleicht.
Du WEISST es!! beharrte Nick und er sah, wie A.J. sich geschlagen gab.
JA, verdammt noch mal. Sie ist mir nicht egal, o.k.? Ich kenne sie schon so lange und ... na ja ... sie war immer für mich da ... das war ganz selbstverständlich. Aber heute ... , er schüttelte den Kopf. Du hättest sie hören sollen. Sie war total hin und weg von dem Kerl und dabei habe ich noch nicht einmal eine Ahnung wer der Typ eigentlich ist. Sie sagt kein Sterbenswörtchen.
Hast Du ... ich meine ... ihr etwas von Deinen Gefühlen ... ,
NEIN! A.J. lehnte sich aufgebracht nach vorne und stützte sich dabei mit den Händen auf der Tischplatte ab und wenn ich mitbekomme, dass Du ihr auch nur ein Sterbenswörtchen von dem erzählst, was ich Dir gerade gesagt habe, dann schwöre ich Dir, bringe ich Dich eigenhändig um. Vorher zerhacke ich vielleicht noch Deine Playstation und zersteche die Reifen von Deinem Auto und ... ,
Danke, danke, ich habe verstanden, wehrte Nick ab und schüttelte den Kopf. Wer war dieser fremde Mensch da vor ihm?
Du wirst ihr noch nicht einmal erzählen dass ich hier war, verstanden?
Ich bin nicht blöd!
Da wäre ich mir nicht so sicher.
Wenn Du nur gekommen bist um mich fertig zu machen dann kannst Du ja jetzt wieder gehen, sagte Nick trocken und nahm einen Schluck von seinem Bier.
A.J. lies sich zurück auf die Couch fallen und fuhr sich erneut mit den Händen über das Gesicht tut mir leid Nick ... ich bin momentan etwas ... aus der Fassung.
Das merkt man.
Für einen Moment schwiegen sie, dann nahm Nick den Faden wieder auf.
Du hast gesagt ihr kennt Euch schon so lange ... was hat sich verändert?
A.J. schien einen Moment nach zu denken.
Ich weiß nicht ... irgendwie ... sie ist erwachsen geworden und ich auch. Lach nicht! warnte er, doch Nick wehrte nur mit einem Schwenk seiner Flasche ab. Sie hat so eine Art ... uhm ... einen Raum zum Strahlen zu bringen, verstehst Du was ich meine? Sie hört mir zu, sie bringt mich zum Lachen auch wenn es mir noch so mies geht, ich kann mich auf sie verlassen ... sie ... , er schüttelte den Kopf und suchte offensichtlich nach Worten.
Das klingt aber sehr ernst, sagte Nick vorsichtig und lies seinen Freund dabei nicht aus den Augen. Dieser schien ganz weit weg mit seinen Gedanken zu sein.
Ich weiß. Deswegen konnte ich auch nicht länger dort bleiben. Ich fange an mich daran zu gewöhnen, dass sie ständig da ist. Ich ertappe mich dabei, dass ich nachts wach im Bett liege und mir überlege wie es wäre einfach zwei Türen weiter zu gehen und zu ihr unter die Bettdecke zu krabbeln.
Aha.
Nicht was Du jetzt denkst! Ich will einfach in ihrer Nähe sein, verstehst Du? Ihr einfach nur nahe sein, ihrer Stimme lauschen, ihrem Lachen ... , wieder schüttelte er den Kopf und verbarg sein Gesicht in den Händen.
Sag mir bitte, dass ich nicht verrückt bin, bat er ohne auf zu sehen.
Du bist nicht verrückt. Du bist einfach nur schwer verliebt.
Oh biiiiiiiiiitte! heulte A.J. und sah gequält zu Nick hinüber das darf nicht passieren.
Das ist es schon längst Bruder, tut mir leid.
A.J. seufzte und wandte sich wieder seiner Cola zu.
Und was mache ich jetzt?
Du willst von MIR Beziehungstips?
Du bist der Einzige, der sie kennt. Ich dachte, Du könntest das eventuell besser beurteilen.
Was ist denn mit Sarah? Ich meine ... ich dachte immer, sie wäre die Frau Deines Lebens.
Das dachte ich auch. Es ... hm ... sie fehlt mir nach wie vor ... aber da gibt es wohl kein Weg zurück und ich glaube auch nicht, dass ich das jetzt noch wollte.
Aber ihr seid gerade mal zwei Wochen getrennt.
Ich weiß. Warum glaubst Du, habe ich sie betrogen?
Es ist doch weithin bekannt, dass Mr. McLean gerne mal sein Gehirn ausschaltet und nur mit seinem besten Freund denkt.
Eine Scheußlichkeit nett verpackt, das muß man Dir lassen.
Hey ... ich bin nur ehrlich.
Danke, entgegnete A.J. sarkastisch.
Was denkst Du also. Warum hast Du sie betrogen?
Vielleicht habe ich mir etwas geholt, dass ich zu Hause nicht haben konnte?
Sex? fragt Nick skeptisch.
Nein, das nun nicht. Aber das Gefühl ... DER eine Mann zu sein ... verstehst Du das?
Etwas, gab Nick zu und hatte im Grunde keine Ahnung.
Sam wußte, was ich damit meine.
Samantha, die Wunderfrau, danke, ich habe es kapiert.
Nein Nick, Du verstehst es nicht. Etwas hat gefehlt. Etwas an Sarah, mir und unserer Beziehung hat einfach nicht gestimmt.
A.J.s Blick wanderte zum Fenster hinaus und hinunter an den Strand.
Weißt Du, dass Sarah Sams Einladung zur Hochzeit unterschlagen hat? sagte er unvermittelt und sah wieder hinüber zu Nick.
Was? Hat sie nicht.
Doch, hat sie. Und weißt Du warum?
Warum?
Ich habe im Schlaf geredet. Von Sam.
Was? in Nicks Kehle machte sich ein Kichern breit, das er aber angesichts der ernsten Situation mit Erfolg herunter schluckte.
Das hast Du nicht getan. Nick konnte es immer noch nicht glauben.
Sarah behauptet das zumindest steif und fest. Gott war sie wütend. Die nächsten Nächte habe ich im Gästezimmer verbracht. Ich sag Dir, das war kein Spaß!
Aber ich dachte, Sam war so weit weg ... also ... gedanklich gesehen. Wie kamst Du nur auf sie ... und das auch noch im Schlaf?
Das ist das Problem. Sam war nie weit weg ... gedanklich gesehen.
Ihr habt Euch höchstens einmal im Jahr gesehen.
Na und?
Warum hast Du sie nicht öfter angerufen? Den Kontakt gesucht? Und das alles bevor das mit Sarah angefangen hat?
Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich Angst hatte.
Angst vor ihr?
Nein. Angst davor, dass genau das passiert, was jetzt passiert ist. Ich wollte mich nicht in sie verlieben. Ich will es auch heute nicht.
Aber warum?
Ist das nicht offensichtlich? Sie liebt mich nicht und wird mich auch nie lieben. Wir sind eben nur gute Freunde, mehr nicht. Aus. Schluß. Basta.
Nick dachte einen Moment darüber nach. Waren die beiden wirklich nur Freunde? Er dachte an die Anfangszeit der Backstreet Boys zurück. Damals war er noch mehr als grün hinter den Ohren gewesen, aber selbst ein Blinder hätte gemerkt, was mit Sam los gewesen war. Außer A.J. natürlich.
Weißt Du eigentlich, dass Sam damals schwer in Dich verknallt war? sagte er deshalb.
Was heißt damals?
In den Anfängen. Als sie uns noch mit diesem Monstrum von Videokamera begeleitet hat und uns jeden Abend damit in den Ohren lag, dass sie tatsächlich den Anfang einer neuen Ära mit bekommt ... oder so ähnlich zumindest.
Ehrlich? Ich habe davon nichts gemerkt.
Ich weiß. Ich befürchte, Du warst tatsächlich der Einzige.
A.J. schüttelte den Kopf.
Es macht keinen Unterschied. Sie liebt diesen Max.
Na und? Du dachtest auch einmal, dass Du Sarah liebst und hast von Sam gesprochen ... und das auch noch im Schlaf, diesmal konnte er das Kichern nicht mehr zurück halten.
Na wunderbar. Mach Dich ruhig über mich lustig. Wahrscheinlich habe ich es sogar verdient.
Also eines muß man Sam lassen. Irgendwie hat sie Dich weich gekriegt. Noch vor ein paar Monaten wärst Du mir über den Tisch entgegen gesprungen und auf mich los gegangen.
Dinge ändern sich, sagte A.J. leise.
Ja, da hast Du recht. Dinge ändern sich, gab Nick zurück und dachte dabei an Paige.
Kapitel 14