Kapitel 7

Nick tauchte langsam aus einem angenehmen Traum auf, in dem es irgendwie um das Meer und den Strand gegangen war.
Etwas lag schwer auf seinem linken Arm und blinzelnd versuchte er aus zu machen, was das war.
Zu erst erblickte er verstrubbelte, rote Haare, gleich danach eine nackte Schulter und als er seinen Blick weiter wandern lies einen wohlgeformten, ebenfalls nackten Rücken.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Miranda ... wie hatte er sie nach dieser Nacht nur vergessen können?
Sie waren nicht mehr lange auf der Party geblieben. Mit einem flüchtigen Blick hatte er festgestellt, dass Paige nicht mehr da war, zumindest konnte er sie nicht finden und er beschloss, dass sie es ihm wohl nicht übel nehmen würde, wenn er einfach verschwand.
Schließlich hatte sie ihn einfach stehen lassen und das versprochene Bier hatte er natürlich auch nicht bekommen. Aber das war schon in Ordnung so. Immerhin hatte er so diese unglaublich erregende Frau kennen gelernt.
Nachdem sie sich von Tony verabschiedet hatten, waren sie zu ihm gefahren und Miranda hielt alles, was sie mit ihren zärtlichen Küssen versprochen hatte.
Als sie beide schließlich schwer atmend nebeneinander lagen hatte sie leise gefragt, ob es in Ordnung sei, wenn sie die Nacht über blieb und er hatte nichts dagegen gehabt.
Er beugte sich zu ihr hinüber und hauchte ihr einen sanften Kuß auf die Schulter. Sie begann sich zu rühren und drehte sich mit einem Lächeln auf ihrem hübschen Gesicht auf den Rücken,.
„Guten Morgen,“ murmelte sie.
„Guten Morgen,“ erwiderte er und begann ihren Hals mit kleinen Küssen zu bedecken.
„Hm ... schon so unglaublich wach heute Morgen?“ kicherte sie und umschlang ihn mit ihren langen Armen.
„Ich bin ein Frühaufsteher, hast Du das nicht gewußt?“ lachte er leise und sein Mund wanderte dabei langsam tiefer.
„Frühaufsteher, aha ... ,“ schmunzelte sie „es ist zwei Uhr mittags.“
„Sag ich doch,“ entgegnete er, während seine Hand aufreizend über ihren Bauch strich.
„Wegen mir könntest Du mich jeden Tag so wecken,“ schnurrte sie und wand sich unter seinen zärtlichen Berührungen.
„Nun, Du weißt hoffentlich, dass das nicht geht,“ er hatte aufgehört sie zu streicheln und sah sie nun ernst an.
Sie kicherte leise „keine Panik Nick. Das war nur so daher gesagt. Ich bin dafür, dass Du beendest, was Du gerade angefangen hast und dann werde ich, Deine Erlaubnis voraus gesetzt, eine ausgiebige Dusche nehmen und aus Deinem Leben verschwinden.“
„Na ja, verschwinden mußt Du ja nicht ganz ... ,“ sagte er, lies den Rest des Satzes aber unvollendet.
„Wer weiß schon, was uns die Zukunft bringt,“ sagte sie leise, nahm seine Hand und legte sie zurück auf ihren Bauch.
Eben dachte er, während seine Lippen die weiche Stelle zwischen ihrem Hals und Schlüsselbein liebkoste wer weiß schon, was die Zukunft bringt.

Er mußte wohl erneut eingedöst sein, als ihn das Klingeln des Telefons aus dem Schlaf riss.
Am Rande nahm er wahr, dass die Dusche im Bad rauschte und das Bett neben ihm leer war.
Für einen Moment versuchte er sich krampfhaft daran zu erinnern, wo er den Hörer des schnurlosen Telefons zu letzt gesehen hatte. Irgendwie klang das Klingeln so, als käme es von irgendwo unter seinem Bett.
Er legte sich auf den Bauch und tastete suchend mit der Hand auf dem Boden herum, bis er schließlich den Hörer zu fassen bekam.
„Wer stört?“ meldete er sich, immer noch bemüht richtig wach zu werden.
„Nick altes Haus. Rate wer dran ist.“
„A.J.?“
„Hey, nicht schlecht für diese Uhrzeit.“ Die raue Stimme seines Freundes lachte in seinem Ohr und Nick war schlagartig hell wach.
„Ist etwas passiert?“ Natürlich hatte er die Gerüchte gehört. A.J. und Sarah sollten sich angeblich getrennt haben.
„Wieso sollte etwas passiert sein?“ fragte A.J. unschuldig.
„Nun ja, ich habe da so komische Gerüchte gehört ... „
„Seit wann gibst Du denn etwas auf Gerüchte?“
„Hey, komm schon. Du weißt genau was ich meine.“
Am anderen Ende blieb es für einen Moment still.
„Es ist wahr,“ sagte A.J. schließlich „Sarah hat mich verlassen.“
„Ohje ... ,“ Nick wußte nicht genau was er sagen sollte „das ... tut mir leid.“
„Ist schon o.k. ... irgendwie ... ich meine ... ich habe es verdient, weißt Du?“
„Bist Du sicher, dass alles in Ordnung ist?“ fragte Nick wieder, der das Gefühl hatte, einen völlig anderen Menschen am Apparat zu haben.
„Es ist wirklich alles in Ordnung ... na ja ... fast. Jedenfalls ... warum ich eigentlich anrufe. Hast Du heute schon etwas vor?“
„Heute ... Du meinst ... jetzt?“ Nick lauschte angestrengt in Richtung Badezimmer. Das Rauschen der Dusche war verstummt, es konnte also nicht mehr lange dauern bis Miranda zurück kam.
A.J. lachte „nicht gleich und sofort aber vielleicht heute Abend? Wir könnten irgendwo eine Kleinigkeit essen und ich stelle Dir meine Lebensretterin vor.“
„Sag bloß Du hast schon wieder eine Neue?“
„Nein, nicht direkt. Erinnerst Du Dich an Samantha?“
„Samantha wer?“
„Samantha Lambert. Sie war in unserer Anfangszeit ne Weile mit uns unterwegs.“
„Du meinst die Samantha, die damals immer das Zeug bei McDonalds besorgt hat und die diese umwerfende Stimme hatte?“
„Hey, Dein Gedächtnis ist gar nicht mal schlecht.“
Nick lachte „wie könnte ich sie vergessen? Sie war cool.“
„Nun ja, das ist sie immer noch.“
„Du hast sie wieder getroffen?“
„Genau genommen haben wir uns nie wirklich aus den Augen verloren. Sie ... war für mich da ... nachdem Sarah weg war und ... nun ja ... sie tut mir einfach gut. Wir sind Freunde, wirklich gute Freunde und ich dachte ... na ja ... zusammen ausgehen wäre bestimmt ganz nett.“
„Klingt toll. Wie wäre es so um acht bei diesem Italiener am Strand. Wie hieß der noch gleich ... T – T – irgendwas mit T jedenfalls,“ Nick kicherte.
„Du meinst La Taverna?“
„Yep. Klingt als könnte das stimmen.“
„Gut, also um acht dort?“
„In Ordnung.“
„Du kannst ruhig jemanden mitbringen wenn Du möchtest. Wie hieß sie doch gleich ... uhm ... ,“
„Sie ist nicht mehr aktuell,“ sagte Nick schnell bevor A.J. Candices Namen aussprechen konnte.
„Oh, tut mir leid. Schon lange?“
„Nicht wirklich ... lass uns das heute Abend besprechen, ja? Ich muß Schluß machen.“
Die Badtür hatte sich geöffnet und Miranda trat, in ein Handtuch gewickelt zurück ins Schlafzimmer.
„Alles klar, dann bis später.“
„Ja bis später.“
Und schon hatte A.J. aufgelegt.
Miranda wickelte sich wortlos aus ihrem Handtuch und begann sich mit aufreizender Langsamkeit an zu ziehen.
„Es war schön Dich kenne zu lernen,“ sagte Nick, da ihm nichts besseres einfiel. Miranda kicherte leise.
„Was man eben so kennen lernen nennt,“ entgegnete sie grinsend und zog den Reisverschluß ihres Kleides zu. Sie schlüpfte in ihre Schuhe, nahm das Handtuch vom Kopf und fuhr sich mit den Fingern nachlässig durch die Haare.
„Ich verschwinde jetzt jedenfalls.“
„Uhm ... ja ... wie Du möchtest.“
Miranda lächelte sanft.
„Du machst so etwas nicht sehr oft, was?“
„Was meinst Du?“
„Ach, vergiss es.“
Sie trat zu ihm ans Bett und hauchte ihm einen Kuß auf die Lippen.
„Es war schön mit Dir Nick Carter,“ sagte sie, drehte sich um und zog gleich darauf die Appartmenttür hinter sich zu.
Seufzend lehnte sich Nick zurück in die Kissen. So unkompliziert sollte es eigentlich immer sein.
Seine Gedanken wanderten ungewollt zurück zu dem eben geführten Telefongespräch. A.J. hatte tatsächlich verändert geklungen. So ernsthaft und ... er konnte es nicht genau sagen.
Den Gerüchten nach hatte er Sarah betrogen, was, das mußte er leider zu geben, irgendwie zu A.J. passte. Er hatte so ein Talent in den entscheidenden Situationen immer genau das Falsche zu tun. Immerhin hatte er Sarah in ein paar Wochen heiraten wollen. Eigentlich war Nick davon ausgegangen, dass bei den beiden alles zum Besten stand. Er hatte sich eine Traumehe wie bei Brian und Kevin vorgestellt. Endlich keine Skandale mehr, keine Weibergeschichten und das mit dem Alkohol hatte er ja schließlich auch in den Griff bekommen.
Doch A.J. wäre nicht A.J. wenn er nicht auch das verbocken würde.
Nick seufzte erneut. Er war sehr gespannt darauf, Samantha wieder zu sehen. Damals war ihm nicht entgangen, wie sie A.J. angeschmachtet hatte. Ob das heute immer noch so war? Wahrscheinlich nicht. Sonst wäre sie wohl kaum noch so eng mit ihm befreundet, oder etwa doch?

Kapitel 8