Epilog

Nick beobachtete Lacey, die im hinteren Teil des großen Hotelzimmers mit seinen Bandkollegen Howie und AJ zusammen stand und gerade über einen Scherz der beiden lachte. Wie immer, wenn er sie so fröhlich sah, schob sich für einen kurzen Moment das Bild in seinem Kopf, wie sie ihm im Paradise Motel die Tür geöffnet hatte: So offensichtlich verzweifelt, einsam und unendlich traurig.
Heute, ein knappes Jahr nachdem sie sich getroffen hatten, ähnelte weder sein noch ihr Leben dem Scherbenhaufen, der es einmal gewesen war. Das Spiel hatte sie nicht nur zusammen geführt, sondern sie in vielen Dingen auch zu einem besseren Menschen gemacht.
Vor ein paar Monaten hatte Nick für sie beide ein Haus am Strand von Miami gekauft. Es war nicht zu groß, da Lacey darauf hingewiesen hatte, dass er dann auch weniger Unordnung machen konnte, aber auch nicht zu klein, damit sie sich nicht eingesperrt fühlten.
Lacey hatte die Uni gewechselt und studierte nun Psychologie an der Universität von Miami, was den Vorteil hatte, dass sie es nicht weit zum Campus hatte und sie somit nicht tagelang getrennt waren. Immer noch fiel es ihm schwer zu begreifen, wie einfach und unproblematisch sich ihre Beziehung gestaltete. Er vermutete, dass das daran lag, dass sie sich uneingeschränkt vertrauten. Zumindest konnte er sich nicht daran erinnern, wann er überhaupt schon einmal einen Menschen so nahe an sich heran gelassen hatte, ohne dabei einen Anflug von Panik zu verspüren. Und ihr ging es dabei ähnlich.
Sie hatten in den letzten Monaten viele Gespräche über Michael, Aden und Trin geführt. Ein Foto von den Dreien hing sogar in ihrem Wohnzimmer, neben den Erinnerungen ihres ersten, gemeinsamen Urlaubs, den Gesichtern seiner Freunde und Bandkollegen und den Gruppenfotos ihrer Familien. Lacey hatte ihm zugehört, als er von seiner mehr als verkorksten Familiengeschichte sprach, sie hatte ihn dazu ermutigt, wieder Kontakt zu seinen Eltern und seinen Geschwistern zu suchen und sein eigenes Handeln neu zu überdenken.
Als dann schließlich Geromes Anruf kam, entschieden sie sich beide gemeinsam und in neuer Rekordzeit von nur fünf Sekunden dazu, ein neues Game of Life anzustoßen und damit einem weiteren Mitspieler die Chance zu geben, sein Glück zu finden.
Gerome hatte ihnen beiden die Entscheidung überlassen, ob sie einen geeigneten Kandidaten auswählen mochten, oder ob das Komitee dies für sie übernehmen sollte. Doch auch hier entschieden Nick und Lacey gemeinsam, dass sie selbst einen neuen Mitspieler festlegen wollten. Die Suche gestaltete sich unerwartet schwierig, da ihnen auf den ersten Blick niemand einfiel, der für das Spiel geeignet sein könnte. Freunde, Nachbarn, Bekannte und Familie wollten sie nicht vorschlagen. Es sollte jemand sein, den sie noch nicht kannten und bei dem sie unvoreingenommen an die Sache heran gehen konnten.
Eines Tages schließlich, erhielt Nick wieder einmal eine Mail von einem seiner Fans. Meist befasste der Inhalt sich damit, wie dankbar er oder sie Nick für seine Arbeit, seine Musik und überhaupt für alles war, was er in der Vergangenheit für ihn oder sie getan hatte. Auch gut gemeinte Ratschläge in Bezug auf seine Beziehung, sein Verhalten, sein Auftreten in der Öffentlichkeit und die Songs des letzten Albums erreichten ihn des öfteren.
Diesmal war allerdings alles anders.
Das Mädchen Celina berichtete davon, wie einsam sie sich meist fühlte und wie schwer es ihr fiel, sich in der normalen Gesellschaft zu bewegen. Sie fühlte sich ungeliebt und nutzlos, hatte kein Ziel vor Augen und flüchtete sich in die Musik und die Präsenz eines Popstars, den sie noch nie persönlich kennen gelernt hatte, der aber trotzdem in ihrer Gedankenwelt ständig anwesend war.
Nick leitete die eMail an Gerome weiter und dieser organisierte alles Weitere. Die Einladung zum Game of Life fand Celina schließlich einige Wochen später in einem Buch vor, das sie sich aus der Stadtbibliothek ausgeliehen hatte. Gerome und Madam Esmeralda hielten Nick und Lacey ab da ständig auf dem Laufenden. Tatsächlich ließ sich Celina auf das Spiel ein und machte sich auf den Weg zur ersten Spielstation, ein Gemeindehaus, das einen Basar für das kommende Wochenende organisiert und für den noch helfende Hände gesucht wurden. Sie lernte bei ihrer Arbeit David kennen, ein verschüchterter, junger Mann mit Akne im Gesicht und steifem Knie, und die beiden beschlossen, das Game of Life gemeinsam zu spielen.
Heute war nun der große Tag gekommen, an dem Nick und Lacey die neuen Mitspieler kennen lernen sollten. Das G-o-L Komitee hatte dafür gesorgt, dass Celina ein imaginäres Preisausschreiben gewann, dessen Preis ein Treffen mit ihrer Lieblingsband beinhaltete.
Erneut zuckte Nicks Blick zu Lacey hinüber und traf dort unvermittelt auf ihre leuchtenden Augen. Gott, er wünschte Celina von ganzem Herzen, dass sie durch das Game of Life ähnlich viel Glück wie er selbst erfuhr.
Unvermittelt löste sich Lacey von der kleinen Gesprächsrunde und kam zu ihm herüber geschlendert. Als sie ihn erreichte, schlang sie ihm ihre Arme um den Nacken und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen.
„Na, schon aufgeregt?“ fragte sie und schmiegte sich an ihn.
„Ein bisschen,“ gestand er und ließ seine Hände über ihren wohlgeformten Po gleiten, bevor er fortfuhr. „Ich glaube, ich werde mir ganz schön auf die Zunge beißen müssen, damit ich nicht irgendetwas verrate. Die Versuchung ist doch schon ziemlich groß ihr zu sagen, dass ihr nichts Schlimmes passieren kann und sie das Spiel genießen soll.“
„Aber wenn sie weiß, dass ihr nichts zustoßen kann, wird sie auch nicht anfangen zu kämpfen,“ gab Lacey zu bedenken.
„Eben, das ist ja das Problem,“ schmunzelte Nick und löste sich wieder ein Stück von ihr, um sie erneut zu küssen.
„Howie und AJ haben schon gefragt, was wir hier die ganze Zeit zu tuscheln hätten,“ informierte ihn Lacey, während sie ihre Nase an seiner Brust rieb.
„Und was hast du gesagt?“ fragte Nick grinsend zurück.
„Ich habe angedeutet, dass wir die Weltherrschaft anstreben und uns noch in der Planungsphase befinden,“ gluckste sie.
„Und das haben sie dir natürlich sofort abgekauft,“ nickte Nick wissend.
„Sie hatten ja keine andere Wahl,“ kicherte Lacey und küsste ihn erneut.
„Herrschaften,“ dröhnte es in diesem Moment durch den Raum, was Nicks und Laceys Aufmerksamkeit auf die junge Frau lenkte, die gerade den Raum betreten hatte. „Die Gewinner des Wettbewerbs sind im Anmarsch. Jungs, bitte kommt hier rüber ... ,“ sie deutete dabei auf eine Couchgarnitur, die nahe beim Fenster stand.
„Na, Kahie ist ja wieder in Hochform heute,“ stellte Nick schmunzelnd fest.
„Sie muß euch vier ja auch ständig im Auge behalten, von daher ist ihr ihr Feldwebelton ganz sicher nicht zu verübeln,“ stellte Lacey fest.
„Tut mir übrigens leid, dass du wahrscheinlich nicht mit Celina reden kannst,“ flüsterte Nick, während sich Howie und AJ an ihm vorbei schoben und Brian aus dem angrenzenden Raum zu ihnen stieß, wo er mit seinem Sohn eine Runde Domino gespielt hatte.
„Das ist schon in Ordnung,“ lächelte Lacey. „Sie bekommt genau das was sie braucht, das ist das Wichtigste.“
„Ich liebe dich, habe ich das schon mal erwähnt,“ lächelte Nick und küsste Lacey erneut.
„Ich glaube, da war mal was,“ nickt sie gleich darauf grinsend. „Und ich liebe dich auch und jetzt geh zu den anderen, sonst wird Kathi bestimmt ganz schlimme Dinge mit dir anstellen.“
„Eye, eye Captain,“ grinste Nick, salutierte, drückte Lacey noch einen Kuss auf die Nasenspitze und gesellte sich dann zu seinen Bandkollegen, die bereits auf den beiden Sofas, die den niedrigen Glastisch umstanden, Platz genommen hatten.
Noch einmal warf er einen Blick zu Lacey hinüber, die sich im Hintergrund gegen ein Sideboard gelehnt hatte und die Tür nicht aus den Augen ließ. Vielleicht würde er es doch irgendwie hinbekommen, dass sie wenigstens ein paar Worte mit Celina wechseln konnte. Irgendwie empfand er den persönlichen Kontakt mit den neuen Mitspielern wie eine zusätzliche Belohnung des Game of Life Komitees und das wollte er Lacey um keinen Preis der Welt vorenthalten.

THE END

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