Kapitel 44

Lacey fühlte sich, als durchwühle sie das Schlafzimmer ihrer Eltern. Zumindest hatte sie ähnlich große Angst, dass sie gleich von dem Bewohner dieses Raumes – wenn es einen solchen denn gab - entdeckt wurden oder, was vielleicht noch schlimmer wäre, sie irgendetwas fand, dass nicht für ihre Augen bestimmt war.
Mittlerweile hatten sie und Nick auch ihre Regenmäntel ausgezogen, in der Luft hing der unverkennbare Geruch nach Staub und Moder, der unangenehm in ihrer Nase kitzelte und ihr war unglaublich warm. Sie hatte jeden Zentimeter auf dem Schrank abgetastet und hoffte, dass sie dabei nichts übersehen hatte. Wobei von „sehen“ in diesem Fall nicht die Rede sein konnte, da das Buffet so hoch war, dass noch nicht einmal ihre Nasenspitze an die obere Kante heran reichte.
Inzwischen war sie dabei, das Geschirr auszuräumen. Feinsäuberlich stapelte sie es auf dem Tisch, untersuchte jeden Teller und jedes Glas ganz genau und tastete hinterher den Regalboden ab. Dabei fragte sie sich unablässig, was dieser ganze Kram überhaupt in einem Raum tief unter der Erde zu suchen hatte. Allmählich kam sie sich wirklich wie in einem Traum vor - Einem Traum, aus dem es allerdings kein Erwachen gab.
Ihre Hände tasteten gerade den letzten Regalboden ab, als ihre Finger auf etwas weiches, nachgiebiges trafen. Aufgeregt griff sie danach und zog gleich darauf einen kleinen, braunen Lederbeutel hervor. Als sie ihn vorsichtig öffnete hörte sie bereits das vertraute Klimpern von Geld darin und so war sie nicht wirklich überrascht, als sie eine ganze Menge G-o-L Münzen vorfand.
„Nick?“ rief sie und drehte sich zu ihm herum. Er war mittlerweile bei der dritten Schublade angekommen und blickte nun missmutig zu ihr herüber.
„Hast du etwas gefunden?“ fragte er, während sich sein düsteres Gesicht aufhellte.
„Noch mehr Münzen,“ verkündete sie und schwenkte den Beutel durch die Luft.
„Ich hoffe das bedeutet nicht, dass wir noch weiter durch die Dunkelheit wandern müssen,“ stellte er fest und kam langsam zu ihr herüber.
„Wer weiß?“ entgegnete sie achselzuckend.
Nick hatte sie beinahe erreicht, als plötzlich mit einem letzten, kurzen Brummen das Licht erlosch. Augenblicklich legte sich eine erdrückende Schwärze auf sie und Lacey fühlte, wie sich in ihrem Magen ein dicker, schwerer Klumpen bildete.
„Lace?“ hörte sie auch gleich darauf Nicks gepresste Stimme.
„Ich bin hier,“ entgegnete sie sofort und tastete dabei in der Dunkelheit über die Tischplatte. „Bleib wo du bist, ich suche die Taschenlampe, okay?“
„Okay. Aber mach schnell.“
Hektisch huschten ihre Finger über Gläser, Teller und Tassen, währen sie sich immer weiter um den Tisch herum schob. Schließlich berührten ihre Hände das harte Plastik des Schutzhelmes und gleich darauf den beruhigend kühlen Schaft der Taschenlampe.
„Ich hab sie,“ verkündete sie triumphierend, bevor sie die Lampe einschaltete und damit direkt in Nicks blasses Gesicht mit den riesigen Augen leuchtete.
„Fuck,“ fluchte er sofort und hob eine Hand vor die Augen.
„Tut mir leid,“ entschuldigte sie sich und beeilte sich dann an die gegenüberliegende Wand mit dem kleinen Kästchen zu kommen. Ihre Hände zitterten so sehr, dass sie die Münze beinahe nicht in den Schlitz bekommen hätte, doch schließlich fiel sie klappernd in das Kästchen. Augenblicklich erstrahlte das Licht wieder über dem Tisch und hob damit auch Nicks Gestalt aus der Dunkelheit, der in diesem Moment wie ein kleiner Junge wirkte, den seine Mutter auf dem Spielplatz vergessen hatte.
„Alles in Ordnung?“ fragte sie deshalb sanft und trat an ihn heran.
„Geht so,“ nickte er, während sein Blick unstet im Raum hin und her huschte.
„Hey,“ sagte sie und strich ihm zärtlich über den Arm. „Es ist alles gut. Wir müssen einfach darauf achten, dass wir rechtzeitig eine Münze einwerfen.“
„Und was machen wir, wenn uns die Münzen ausgehen, bevor wir den verdammten Schlüssel gefunden haben?“ gab Nick zurück und blickte nun auf sie hinunter.
„Darüber denken wir nach, wenn es so weit ist,“ entgegnete sie bestimmt, stellte sich dann auf die Zehenspitzen und hauchte ihm einen Kuß auf die Lippen. Sie spürte, wie sich seine Arme dabei um sie schlossen und sie fest an sich drückten.
„Was würde ich nur ohne dich machen, hm?“ hörte sie ihn nahe an ihrem Ohr murmeln.
„Wahrscheinlich irgendwo gemütlich bei dir zu Hause sitzen und dir keine Gedanken über dieses dämliche Spiel machen,“ lächelte Lacey.
„Da könntest du sogar Recht haben,“ hörte sie ihn schnauben.
„Sollen wir weiter suchen, was meinst du?“
„Ja, sollten wir wohl,“ nickte er, schob sie ein Stück von sich und brachte dann sogar ein halbherziges Lächeln zustande. Erneut küssten sie sich flüchtig, bevor sich jeder wieder seiner Ecke zuwandte um weiter nach dem Schlüssel zu suchen.
Eine halbe Ewigkeit verbrachten sie damit, sämtliche Schränke zu durchsuchen. Hinter jeder Tür, die sie öffneten und in jeder Schublade, die sie aufzogen, fand sich noch mehr Krimskrams und langsam aber sicher fühlte Lacey, wie ihre Energie und ihr Enthusiasmus schwanden. Sie konnten bis morgen früh weitersuchen und hätten wahrscheinlich immer noch nicht alles durchgesehen.
Frustriert ließ sie sich auf einen der Stühle fallen und sah Nick für einen Moment dabei zu, wie er mehrere Blumenvasen aus der Vitrine hervor holte, einen prüfenden Blick hinein warf, sie zum Schluß umdrehte, kurz schüttelte und sie dann enttäuscht auf dem Boden abstellte. Sie fragte sich, ob sie irgendetwas übersehen hatten. Vielleicht war der Schlüssel gar nicht hier versteckt sondern sie hätten ihn schon vorher irgendwo aufsammeln müssen. Doch in der tiefen Dunkelheit hätten sie ihn wahrscheinlich nicht einmal gesehen, wenn er direkt vor ihnen auf dem Weg gelegen hätte.
Und dieser Raum hier? Gab es ein logisches Versteck für den Schlüssel? Dachten sie vielleicht viel zu kompliziert in dem sie sämtliche Schränke ausräumten? Allerdings hatten sie auf diesem Wege auch den Beutel mit den Münzen gefunden und diese waren für ihre Suche unerlässlich. Bereits fünf Mal hatte Lacey das Kästchen mit Nachschub gefüttert und es waren immer noch jede Menge Münzen übrig. Demnach hatte das Komitee eine langwierige Suche vorausgesehen, was nicht unbedingt bedeuten musste, dass der Schlüssel tatsächlich irgendwo in den Tiefen und der Unordnung der Schränke versteckt war.
Entschlossen stand sie auf, streckte sich ausgiebig und starrte dann für einen Moment zur Deckenlampe hinauf. Warum eigentlich nicht dachte sie sich, während sie einen Fuß auf den Stuhl setzte und von dort weiter auf die Tischplatte hinauf stieg. Der Schlüssel konnte genau so gut hier oben sein und sie hatte einfach keine Lust mehr, weiterhin systematisch in irgendwelchen Schränken herum zu wühlen.
„Was machst du denn da?“ hörte sie Nick schmunzeln.
„Ich genieße die Aussicht,“ grinste sie zurück und tatsächlich wirkte das Zimmer von hier oben seltsam verändert.
Im Grunde sahen ihre Augen nicht wirklich etwas anderes als die ganze Zeit schon, aber die veränderte Perspektive vermittelte ihr ein seltsames Gefühl von Befriedigung. Ihre Augen suchten auf den Schränken nach irgendeinem Hinweis, doch von hier war nichts weiter als Staub zu erkennen. Mit klopfendem Herzen wandte sie sich schließlich dem Lampenschirm zu. Von ihrem Aussichtsposten konnte sie ihn gut erreichen und so drehte sie ihn gleich darauf nach oben, versuchte an der gleißenden Glühbirne vorbei zu sehen und untersuchte das Innere des Schirms etwas genauer. Doch auch hier Fehlanzeige.
Vor Enttäuschung entwich ihr ein missmutiges Schnauben, bevor sie sich herum drehte um wieder von dem Tisch herunter zu klettern. Im ersten Moment, als das leise Funkeln ihre Augen traf, war sie der Meinung, dass ihr ihr Gehirn jetzt schon Streiche spielte. Der Schlüssel konnte doch unmöglich einfach so oben auf dem Türrahmen liegen. Vollkommen schutzlos, nicht wirklich versteckt oder getarnt. Aber genau so war es.
„Ich hab ihn gefunden,“ flüsterte sie immer noch ungläubig.
„Was hast du gesagt?“ kam es von Nick.
„I-Ich ... also ... ich habe den Schlüssel gefunden,“ stotterte sie und schlug im selben Moment eine Hand vor den Mund, um nicht einfach haltlos drauflos zu kichern. Jetzt hatte sie endgültig den Verstand verloren, so viel war sicher.
„WAAAS?“ kam es sofort von Nick und schneller als der Wind kam er zu ihr herüber gelaufen. „Wo? Wo ist er?“ stieß er aufgeregt hervor, während Lacey immer noch bewegungsunfähig auf dem Tisch stand und zur Tür neben dem Buffet hinüber starrte.
Statt einer Antwort streckte sie einfach den Arm aus und deutete auf den oberen Türrahmen, was Nick dazu veranlasste zu der Tür hinüber zu hasten, sich zu strecken und dann mit den Fingerspitzen den massiven Balken abzutasten. Keine zwei Sekunden später reckte er triumphierend den Arm in die Luft und stieß ein lautes Freudengeheul aus.
„Wir haben’s geschaaaaafft!! Seht ihr das, ihr blöden G-o-L Mistkerle? Wir haben ihn tatsächlich gefunden!“ schrie er und hüpfte dann unter merkwürdigen Verrenkungen einmal quer durchs Zimmer.
Lacey konnte gar nicht anders. Sie begann zu lachen und schüttelte immer wieder den Kopf. Sie konnte Nicks Freude nur zu gut nachvollziehen und wenn ihr jemand noch vor ein paar Tagen gesagt hätte, dass sie sich mal über den Fund eines Schlüssels so sehr freuen würde, hätte sie ihn für verrückt erklärt.
„Komm da runter meine Heldin,“ grinste Nick gleich darauf und streckte ihr die Arme entgegen. Bereitwillig ließ sie sich von ihm herunter heben und landete gleich darauf sanft vor ihm.
„Du bist die Größte, habe ich das schon mal erwähnt?“ strahlte er sie an.
„Hm, du kannst das auf jeden Fall ruhig noch ein paar Mal sagen,“ grinste sie zurück
Sie umarmten sich fest und lange, während sich Laceys Herzschlag gar nicht mehr beruhigen wollte. Sie fühlte sich in diesem Moment so unglaublich lebendig und beinahe wieder vollkommen. Und dass sie dafür erst hatte unter die Erde kriechen zu müssen, verlieh dem ganzen auch noch einen äußerst symbolischen Charakter.
„Dann wollen wir mal die nächste Tür öffnen, was?“ sagte Nick schließlich und löste sich von ihr.
„Ich bin dabei. Ich hoffe nur, wir müssen nicht noch einmal nach etwas suchen.“
„Dein Wort in Gottes Ohr,“ nickte Nick, zog sie hinter sich her auf die Tür zu und steckte dann ohne weitere Verzögerung und mit leicht zitternden Fingern den Schlüssel ins Schloss. Er ließ sich mühelos drehen und als schließlich das leise Klicken des Schließmechanismus an ihr Ohr drang, hätte Lacey am liebsten vor Erleichterung losgeheult.
Wie zu erwarten war es auch hinter dieser Tür undurchdringlich dunkel, so dass Lacey die Taschenlampe aus dem Bund ihrer Jeans zog und sie einschaltete. Vorsichtig machte sie einen Schritt über die Schwelle, während der Strahl der Lampe hektisch über den Boden huschte. Im selben Moment erwachten über ihnen erneut einige Neonröhren flackernd zum Leben.
Laceys Augen wurden immer größer, als sie nach und nach erkannte, was sich in diesem Raum befand. Ihre Eingeweide zogen sich schmerzhaft zusammen, ihr gesamter Körper schien augenblicklich zu Eis zu erstarren und in ihren Augen stiegen heiße Tränen auf. Die Taschenlampe rutschte aus ihren zitternden Fingern und fiel mit einem dumpfen Schlag zu Boden. Gleich darauf fühlte sie undeutlich, wie Nick ihr einen Arm um die Schulter legte und sie dann dicht an sich zog.
Der Raum war nicht sehr groß. In der Mitte stand eine dunkelrote Ledercouch mit dem Rücken zu ihnen, davor, auf einem niedrigen Tisch, befand sich ein Fernseher und darauf blinkte die LCD-Anzeige eines DVD-Spielers. Doch das wirklich erschreckende, das, was Lacey nun die Luft zum Atmen raubte, waren die Bilder.
Alle vier Wände schienen damit zugepflastert zu sein. Nahtlos reihte sich eine Fotografie an die nächste. Großformatige Porträts wechselten sich mit kleineren Schnappschüssen ab, dazwischen klebten ab und an kleinere Bilder, die scheinbar aus Zeitschriften und Zeitungen ausgeschnitten worden waren. Und ein Großteil zeigte ihr Gesichter, die sie schon lange nicht mehr gesehen hatte.
Direkt vor ihr über dem Fernseher prangte ein Bild von Michael. Er lächelte in die Kamera, während seine Augen wie magisch zu leuchten schienen. Selbst von hier neben der Tür konnte sie die kleinen Fältchen in seinen Augenwinkeln und den vollendeten Schwung seiner Lippen erkennen. Wie waren nur all diese Bilder hier her gelangt?
Auf den ersten Blick erkannte sie mindestens fünf Fotos, die aus ihrem privaten Fundus stammten. Bilder, die sie eigenhändig bei Partys, Ausflügen und Unternehmungen von ihren Freunden geschossen hatte. Da war Trin, die auf Adens Schoß hockte und ihn verliebt ansah, Aden, wie er auf dem Basketballfeld hinter der Schule zu einem Korbwurf ansetzte, Trin und Lacey, die sich die Arme um die Schultern gelegt hatten und mit zwei Bierflaschen in die Kamera prosteten und zu guter Letzt Michael und sie, wie sie eng umschlungen an einem Eisenbahnwaggon lehnten, während in ihrem Rücken die Sonne blutrot am Horizont verschwand.
„Ich fasse es nicht,“ hörte sie Nick neben sich murmeln.
Lacey fühlte sich nicht in der Lage auch nur einen Ton herauszubringen, also schwieg sie und fühlte dabei, wie ihr die Tränen über die Wangen liefen und von ihrem Kinn zu Boden tropften.
„Das sind Angel und BJ,“ sagte er vollkommen geschockt, löste sich von ihr und trat an die Wand zu seiner rechten heran. „Und da ... Brian und Kev ... und ... ach du Schande, da sind Mel und Chris und ... Scheiße, wo kommen die Fotos nur alle her?“
Scheinbar erwartete er keine Antwort auf diese Frage, denn er schritt nun langsam die Wand entlang und besah sich jedes Foto ganz genau.
„Die hier kenne ich, die hab ich selbst gemacht,“ sagte er. „Aber die hier ... die Leute kenne ich nicht,“ stellte er fest, während er sich in die Hocke sinken ließ um ein Bild von Michael und Aden genauer zu betrachten.
Scheinbar fiel ihm nun endlich auf, dass sie immer noch stumm blieb, denn er blickte zu ihr auf und wirkte augenblicklich bestürzt.
„Lace, hey. Was ist denn ... ,“ setzte er an, stemmte sich in die Höhe und kam mit schnellen Schritten auf sie zu.
„I-Ich ... ,“ krächzte Lacey und schüttelte dann den Kopf, weil sie nicht in Worte fassen konnte, was gerade mit ihr passierte.
Seit dem Tod ihrer Freunde hatte sie sich keine einzige Aufnahme von ihnen mehr angesehen. Ein Mal hatte sie es versucht, doch der Schmerz darüber, dass ihre Gesicht auf den Fotos so überaus lebendig wirkten, während sie selbst es offensichtlich nicht mehr waren, hatte sie mit solcher Wucht getroffen, dass sie nie wieder einen Versuch unternommen hatte.
Und jetzt? Jetzt waren ihre lebendigen Gesichter wieder da, doch ihre Körper lagen immer noch tot und begraben auf dem Friedhof.
Und trotzdem war da auch ein Gefühl von ... nun ja ... Freude? Glück? Erinnerungen überschwemmten sie, glückliche Tage, die sie gemeinsam verbracht hatten und die den Schmerz über ihren Tod wenigstens ein bisschen lindern konnten. Ihre Freunde hatten ein erfülltes, ereignisreiches Leben geführt. Sie waren glücklich gewesen, zumindest im Rahmen ihrer Möglichkeiten, und auch wenn der Tod niemals fair war und sie viel zu früh aus ihrer Mitte gerissen hatte, so waren doch nun die leuchtenden Beispiele für ihr irdisches Glück direkt vor Laceys Augen eine seltsame Art von Trost.
„Sind das Michael und ... ,“ setzte Nick an, während sein Gesicht noch eine Spur blasser wurde.
Lacey nickte langsam, während ihre Augen von einem Bild zum nächsten huschten.
„Oh mein Gott Lacey. Das wusste ich nicht, dass ist ja ... ,“ scheinbar gingen ihm die Worte aus, denn er verstummte und blickte sie stattdessen mit großen Augen an.
„Es ist ... komisch,“ würgte Lacey schließlich hervor, während sie erfolglos versuchte, ihre Tränen hinunter zu schlucken. „Irgendwie sind diese Fotos ... seltsam ... tröstlich.“
Nick folgte ihrem Blick. Sie fragte sich, was er wohl sah. Konnte er die Präsenz ihrer Freunde auch so intensiv fühlen wie sie, oder waren dies für ihn lediglich unbekannte Gesichter die jedem gehören konnten?
„Sie haben unsere Erinnerungen an die Wand gehängt,“ hörte sie ihn unvermittelt flüstern und ein Lächeln legte sich ohne ihr Zutun auf ihre Lippen.
„Ja,“ hauchte sie.
Seine Augen hefteten sich wieder auf ihr Gesicht und auch auf seinen Lippen prangte dabei ein zaghaftes Lächeln. Ohne ein weiteres Wort streckte er schließlich die Arme aus und sie ließ sich nur zu gerne in eine feste Umarmung ziehen. So standen sie eine ganze Weile vor den Aufnahmen ihres Lebens. Bisher hatten sie dieses unabhängig von einander geführt, doch jetzt schienen ihre Lebenswege durch die Bilder an den Wänden miteinander verbunden worden zu sein. Ein schöner Gedanke, wie Lacey fand.

Kapitel 45