Kapitel 17

The Crawfish entpuppte sich als kleines, traditionelles Restaurant abseits des Touristentrubels, der langsam aber sicher das Nachtleben von New Orleans bevölkerte. Lacey betrat das Restaurant hinter Nick durch eine schmale Holztür in einer Seitengasse. Sie trug ein weißes Sommerkleid mit schmalen Trägern, unterhalb ihrer Brust schmiegte sich der Stoff weich an ihren Körper und wurde mit einer schmalen, roten Samtschleife zusammen gerafft, während der Rock in sanften Falten bis knapp über ihr Knie fiel.
Als sie es aus dem Seesack hervorgezogen hatte, war es vollkommen zerknittert gewesen, strahlte aber da schon so etwas wie Unschuld aus. Ganz im Gegensatz zu dem roten Kleid, in dem sie vor gerade mal vier Tagen eigentlich hatte sterben wollen und das sie keines Blickes würdigte, als sie ihr Gepäck nach der passenden Garderobe für heute Abend durchwühlte.
Ein Kellner führte sie durch das Restaurant und durch riesige Sprossen-Schiebetüren hinaus auf eine von bunten Lampions beleuchtete Terrasse. Er geleitete sie zu einem Tisch am Ende des hölzernen Podestes, das nur durch eine schmale Brüstung vom gurgelnden Wasser des Flusses getrennt wurde, und rückte Lacey gleich darauf ihren Stuhl zurecht. Eine Kerze flackerte im sanften Abendwind, der den Geruch nach Wasser vom Mississippi mit sich brachte und um sie herum saßen Menschen, die sich entspannt ihren Gesprächen und den köstlich duftenden, kreolischen Speisen widmeten. Untermalt wurde das Ganze von Musik einer vierköpfigen Band auf einer kleinen Bühne am anderen Ende der Terrasse. Auf der Tanzfläche davor hatten sich bereits einige Paare zusammen gefunden und wiegten sich unter dem samtigen Sternenhimmel zu den fröhlichen, mitreißenden Klängen.
„Also ich hätte es nicht besser aussuchen können,“ bemerkte Nick gerade, während er mit einem Lächeln in ihre Richtung die Speisekarte zu sich heran zog.
„Ja, es ist nett,“ nickte Lacey und verschanzte sich ebenfalls hinter ihrer Karte.
„Ist nett in deinem Wortschatz ein gutes Wort?“ hörte sie Nick von der anderen Seite der Karte fragen.
„Ich denke schon,“ entgegnete sie, während ihre Augen die Namen der Speisen überflogen und sie dabei feststellte, dass sie keine Ahnung hatte, was das alles sein sollte.
„Ich meine ja nur ... nett ist vielleicht der Nachbar meiner Großmutter oder vielleicht auch noch ein unerwartetes Eis an einem heißen Tag. Das hier würde ich eher in die Kategorie Wow einstufen.“
Langsam ließ sie die Karte sinken und starrte zu Nick hinüber. Er trug ein himmelblaues Poloshirt zu seinen dunklen Jeans, hatte das schwarze Jackett darüber allerdings bereits ausgezogen als er sich an den Tisch setzte. Er schien immer noch in die Speisekarte vertieft zu sein und studiert mit gerunzelter Stirn das Menü.
„In die Kategorie Wow?“ wiederholte sie skeptisch.
„Jaaa,“ er hob den Blick und lächelte sie an. „Wow ist so etwas wie ... hm ... Oh wow, hast du gesehen wie der Typ die Welle geritten ist? ... oder ... Wow, dieser Ausblick ist der Oberhammer! ... oder ... Wow, du siehst in dem Kleid heute Abend einfach unwerfend aus.“ Beim letzten Satz war seine Stimme immer weicher geworden und Lacey hob schnell wieder die Karte vor ihr Gesicht, damit er ihre glühenden Wangen nicht sah.
Die Erinnerung an ihren Vormittag bei Madam Esmeralda flammte wieder in ihrem Kopf auf. Die Worte, die sie ihr gesagt hatte, das Gefühl, dass sie eine kurzzeitige Verbindung zu Trinity gehabt hatte und die Verzweiflung, die danach jede Zelle ihres Körpers überflutete.
Als sie schließlich wieder neben Nick im Wagen saß und sie zurück zum Hotel fuhren, hatte sie nur noch der eine Gedanke beseelt, auf schnellstem Wege ihre Sachen zu packen und von hier zu verschwinden. Als sich dann die Zimmertür hinter ihr schloss und sie wieder allein war, hatte sie die Aluminiumflasche aus ihrer Handtasche hervorgezogen und bestimmt eine viertel Stunde regungslos darauf gestarrt.
Sie hatte dabei an ihre Freunde gedacht, hörte ihre Stimmen und ihr Lachen, lächelte bei dem Gedanken an gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen und blieb am Ende bei dem Satz von Madam Esmeralda hängen: Denk an Highfields. Tu’s nicht.
Als ob sie nicht jeden einzelnen, verdammten Tag daran denken würde! Highfields, so nannten sie in Jacksonville den Güterbahnhof, der etwas oberhalb der Stadt, in Mitten von Gemüse und Getreidefeldern lag. Lacey hatte dort viel Zeit mit Michael, Aden und Trin verbracht. Er war ihr Zufluchtsort gewesen wenn sie keine Lust auf ihre dämlichen Mitschüler oder sich einer von ihnen mal wieder Ärger mit den Eltern eingehandelt hatte. Manchmal auch wenn sie einfach einmal alleine sein wollten.
Michael hatte sie dort zum ersten Mal geküsst. Sie sah noch den riesigen Eisenbahnwagon vor sich, spürte das kalte Metall in ihrem Rücken und seine Arme um ihre Taille, während er sich vorsichtig zu ihr hinunter beugte und schüchtern seine Lippen auf ihre drückte.
Trin hatte ihr auf dem Dach des kleinen Eisenbahnerhäuschens das Rauchen beigebracht und ihr von ihrem Bruder erzählt, der sie manchmal verprügelte, wenn ihm danach war. Sie hatten sich dort so viele kleine und große Geheimnisse anvertraut, hatten ein wenig über die Männer hergezogen und ihre Zukunft geplant.
Manchmal waren sie auch alle zusammen in einen der Wagons geklettert, hatten es sich darin gemütlich gemacht und darüber sinniert, wie es wohl wäre einfach ein Stück mitzufahren und zu sehen, wo sie schlussendlich landeten.
Lacey konnte heute kaum glauben, dass sie einmal so unbeschwert gewesen war und dass ihr größtes Problem darin bestanden hatte, mit einigen Bewohnern dieses Planeten nicht sonderlich viel gemein zu haben. Heute erschienen ihr diese Sorgen vollkommen lächerlich. Das, auf was es wirklich ankam, was einen glücklich und zufrieden machte, waren Freunde. Vertraute, mit denen man sich umgab, die Freud und Leid mit einem teilten und die man immer gut behandeln sollte.
Ihr war klar geworden, dass sie eine Entscheidung treffen musste. Eine wirkliche, echte Entscheidung und kein „mal sehen“ oder „vielleicht“ oder „wahrscheinlich“. Sie musste sich entscheiden, ob sie das Spiel wirklich spielen wollte oder nicht. Und diesmal musste der Entschluss endgültig sein, wenn sie nicht irgendwann wahnsinnig werden wollte, weil sie ihr Handeln jeden Tag aufs Neue in Frage stellte.
Und noch eines war ihr nach dem Besuch bei Madam Esmeralda klar geworden ... nun ja ... eigentlich wusste sie das natürlich schon immer, aber sie hatte es in letzter Zeit einfach vergessen: Sie hatte nur noch sich selbst und ihren Schmerz gesehen. Hätte sie vor vier Tagen tatsächlich den Wein getrunken, hätte sie zu diesem Zeitpunkt wenigstens noch eine einigermaßen gute Rechtfertigung dafür gehabt.
Doch jetzt waren Nick und das Game of Life in ihrem Leben aufgetaucht und ihr wurde nach und nach bewußt, dass es dafür einen guten Grund geben musste. Sie konnte diesen natürlich nicht benennen, aber irgendwie spürte sie es, wenn sie in Nicks Augen aufsah. Irgendetwas wollte, dass sie dieses Spiel bis zum bitteren Ende spielte, weil es Nick vielleicht dabei half, sein eigenes Ich zu erkennen und seine Schwierigkeiten zu meistern und weil es vielleicht auch ihrer Seele ein wenig Frieden zurückgab.
Das alles änderte natürlich nichts daran, dass sie den Zeitpunkt ihres Todes selbst bestimmen wollte und musste. Dies hier war ein Aufschub. Genau so lange, wie das Spiel dauerte. Danach würde sie sich von Nick verabschieden, sich ein neues Motel suchen und endlich das zu Ende bringen, was so abrupt beim Klopfen an ihre Zimmertür geendet hatte.
Erwartungsgemäß hatte sie sich, nachdem sie das alles erst einmal für sich geklärt hatte, so gut wie schon lange nicht mehr gefühlt und sie war sofort in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen, aus dem sie schließlich immer noch müde, aber wesentlich klarer als in den letzten Tagen, erwachte.
Und jetzt waren sie hier. In diesem netten Restaurant, bei angenehmer Musik, einer Flasche Rotwein, die Nick bereits geordert hatte, und in einem weiteren Spielzug des Game of Life.
„Ist es nicht komisch, dass mir gerade dieser Abend am bizarrsten erscheint, seit wir das Spiel spielen?“ fragte Lacey und nippte vorsichtig an dem schweren Rotwein, der wie Tinte ihre Zunge umschmeichelte und ihr Blut sofort etwas schneller durch die Venen pumpte.
„Bizarr?“ hakte Nick nach und zog die Augenbrauen hoch, dann wandte er den Kopf und sah zu den tanzenden Paaren hinüber, deren Gesichter im Schein der bunten Lampions glücklich leuchteten.
„Ja! Ich weiß auch nicht, ich warte eigentlich jeden Moment darauf, dass ein Mann mit einer Machete angestürmt kommt und uns auffordert ihm zu folgen ... oder so ähnlich zumindest.“
Nick lächelte und schüttelte den Kopf. „Du erwartest immer das schlimmste.“
„Und im Fall des Game of Life habe ich damit durchaus Recht,“ verteidigte sie sich.
„Okay ... anderes Beispiel,“ sagte Nick und deutete zu den tanzenden Paaren hinüber. „Sag mir, was du bei diesem Anblick denkst.“
„Was ich ... ,“ Lacey runzelte die Stirn und warf einen Blick zur Tanzfläche hinüber. „Ich denke ... ,“ murmelte sie dann vollkommen gefangen von dem friedlichen Anblick „ ... ich denke, dass es schade ist, das die Hälfte von den Menschen da drüben wahrscheinlich gar nicht zu schätzen weiß, wie viel Glück sie eigentlich haben.“
Sie schwiegen eine Weile, dann durchdrang Nicks sanfte Stimme erneut die Stille zwischen ihnen. „Was hat Madam Esmeralda zu dir gesagt?“
Sie zuckte leicht zusammen und griff automatisch nach ihrem Glas, um etwas zu haben, an dem sie sich festhalten konnte.
„Sie ... hat gesagt, dass ... dass ich ... näher an der Dunkelheit als am Licht bin,“ quetschte sie dann schließlich hervor.
„Das hätte ich dir auch so sagen können,“ schnaubte Nick gutmütig.
„Tatsächlich?“ fragte Lacey überrascht, während sie gleichzeitig der Gedanke durchfuhr, dass ihm Madam Esmeralda ganz bestimmt erzählt hatte, was damals vorgefallen war. Augenblicklich wurde ihr übel.
„Na, das ist ja wohl offensichtlich. Ich weiß nur noch nicht, warum das so ist,“ stellte er fest und musterte sie dabei aus seinen blauen Augen, die im Schein der Kerzenflammen zu leuchten schienen.
Die Erleichterung, die sie bei seinen Worten überkam, war wie Balsam für ihre Seele.
Um so schnell wie möglich von sich abzulenken fragte sie nun ihrerseits „und was hat sie zu dir gesagt?“
„Bevor, während oder nachdem sie mir den Kopf gewaschen hat?“ grinste er, doch es wirkte angespannt und unecht.
„Du darfst dir etwas aussuchen,“ entgegnete Lacey und brachte dabei tatsächlich so etwas wie ein Lächeln zustande.
„Hm,“ machte Nick, musterte sie einen endlos scheinenden Moment regungslos und wandte dann den Kopf wieder in Richtung Tanzfläche. Auf seinem kantigen Profil tanzten Schatten während er mehr zu sich selbst sagte. „Sie hat mir vor Augen geführt, wie allein ich eigentlich bin. Und sie hat gesagt, dass es so aussieht, als suche ich mir das bewusst aus.“
Er wandte wieder den Kopf und der Blick seiner Augen bohrte sich in ihre. „Seitdem denke ich darüber nach. Ich meine ... warum tue ich etwas, das ich eigentlich gar nicht will?“
Lacey schluckte. So viel Offenheit hatte sie von ihm nicht erwartet. „Ich befürchte,“ entgegnete sie. „Das halbe Leben besteht aus Dingen, die wir tun müssen, ohne dass wir sie wirklich wollen.“
„Wenn das so etwas wie Aufräumen oder Duschen betrifft, gebe ich dir sogar Recht,“ nickt er. „Aber wie kann ich mir das Alleinsein aussuchen, wenn ich ... ,“ er verstummte unvermittelt und bis sich auf die Unterlippe. Es folgte ein verständnisloses Kopfschütteln, bevor er sein Weinglas anhob und einen tiefen Schluck daraus nahm.
„Wenn man alleine ist,“ sagte Lacey leise. „Braucht man sich keine Gedanken darüber zu machen, was andere wohl von einem denken. Das hat durchaus was für sich.“
„Aber ich bin jeden Tag von unglaublich vielen Leuten umgeben,“ widersprach er, nur um sich gleich darauf zu korrigieren. „Nun ja ... vielleicht nicht im Moment, aber normaler Weise schon. Ich war sieben Monate auf Tour und glaub mir, da hast du schon Glück, wenn du alleine aufs Klo gehen kannst.“
„Vielleicht hast du deshalb das Alleinsein gebraucht,“ vermutete Lacey.
„Du meinst, meine Freundin hat nur aus diesem Grund mit mir Schluss gemacht? Und mein Bruder hat sich nur deswegen mit mir gestritten? Und mein bester Freund hat sich gleich mal vorsorglich aus dem Staub gemacht?“ entgegnete er bitter.
„Das ... wusste ich nicht,“ stammelte Lacey, die überhaupt nicht wusste, was sie darauf jetzt sagen sollte.
„Wie solltest du auch. Und weißt du, was wirklich seltsam daran ist?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich kenne nun wirklich unglaublich viele Menschen. Ich habe Bekannte, Freunde, Familie und unzählige Fans, die mir alle liebend gerne zuhören würden. Stattdessen sitze ich aber hier mit dir. Mit einer wildfremden Person in New Orleans. Wenn das nicht bizarr ist, dann weiß ich aber auch nicht.“
Scheinbar fiel ihm erst jetzt ihr düsteres Gesicht auf, denn er hob sofort entschuldigend die Hände und stieß ein „das sollte keine Beleidigung sein,“ hervor.
„Hm, schon klar,“ nickte Lacey sarkastisch und schüttelte dann den Kopf.
„Im Ernst Lace, es ist einfach seltsam. Warum habe ich niemanden angerufen, anstatt mit dem Boot raus zu fahren? Warum bin ich mit der Flaschenpost nicht zu Aaron gegangen und habe ihn gefragt, ob er mit mir kommt? Da stimmt doch irgendetwas nicht.“
Sie schwieg. Was hätte sie auch darauf sagen sollen? Ihr kam ein anderer Gedanke und bevor sie ihn aufhalten konnte, sprudelte er auch schon über ihre Lippen. „Wenn dich das alles so sehr beschäftigt und belastet, warum hast du dich dann so gut gefühlt, als du aus dem Zimmer raus kamst?“
„Das ist eine wirklich sehr gute Frage,“ nickte er und deutete dabei mit dem Zeigefinger in ihre Richtung.
„Und die Antwort?“ hakte sie nach.
„Die ist etwas schwierig,“ gestand er, verschränkte die Unterarme auf dem weißen Tischtuch und lehnte sich ein Stück in ihre Richtung. „Madam Esmeralda hat gesagt, dass ich bald gebraucht werde und dass ich dann eine sehr wichtige Entscheidung treffen muß. Also ... das war nicht der genaue Wortlaut, aber so habe ich das verstanden. Und irgendwie hat es mit diesem Spiel und mit uns beiden zu tun.“
Lacey schnappte hörbar nach Luft und ihre Augen wurden riesengroß. Madam Esmeraldas Worte hallten in ihrem Kopf wieder: Die Entscheidung wird kommen und ER wird das einzige sein, das zwischen ihnen und dem sicheren Tod steht. Konnte sie damit Nick ... also ... nein, das war ganz bestimmt ... also ... unwahrscheinlich. Ja, genau. Absolut unwahrscheinlich.
Der Kellner, der plötzlich wie aus dem Boden gewachsen mit dampfenden Tellern in den Händen neben ihrem Tisch auftauchte, rettete Lacey vor einer unbedachten Aussage.
Nick lehnte sich wieder zurück, damit der Kellner den Teller vor ihm abstellen konnte und Lacey griff hektisch nach ihrer Serviette. Noch bevor sie sie allerdings auseinander falten und auf ihren Schoß legen konnte, fiel etwas zwischen den gestärkten Stofflagen heraus und landete mit leisem Klappern auf den Holzdielen zu ihren Füßen.
„Was war das?“ fragte Nick alarmiert und verschwand sofort mit dem Kopf unter dem Tisch.
Lacey hob ebenfalls die Tischdecke an und gesellte sich zu Nick, der bereits aufgeregt zu ihrem rechten Schuh hinüber deutete. „Da liegt was. Kommst du da dran?“
„Dafür habe ich Arme, weißt du?“ entgegnete sie kopfschüttelnd und klaubte dann den kleinen Gegenstand vom Boden auf. Gerade als sie sich wieder aufrichten wollte, flatterte ein weißes Stück Papier von ihrem Schoß hinunter auf den Boden.
„Sehr praktisch solche Arme,“ grinste Nick, immer noch mit dem Kopf unter der Tischplatte.
„Ja, und man kann sie sogar mehrmals verwenden,“ schmunzelte Lacey und hob nun auch noch das Stück Papier auf.
Gleich darauf saßen sie sich wieder am Tisch gegenüber und Nick hielt es ganz offensichtlich nur noch mit äußerster Willenskraft auf seinem Sitz.
„Hier,“ sagte sie also, reichte ihm das Blatt und den kleinen Gegenstand, der sich bei näherer Betrachtung als Münze herausstellte, und griff dann nach ihrem Besteck.
„Du kannst jetzt essen?“ fragte Nick entgeistert.
„Ich habe Hunger und außerdem wirst du mir sicherlich gleich sagen, was da drauf steht.“
„Vielleicht überlege ich mir das noch,“ grinste er.
„Wenn du nicht gleich ganz alleine hier sitzen möchtest, solltest du wirklich gut darüber nachdenken,“ konterte sie.
Sein Lächeln verschwand und sie ärgerte sich augenblicklich über ihr loses Mundwerk, das mal wieder geplappert hatte, bevor ihr Hirn die Freigabe dafür erteilt hatte. „Tut mir leid,“ sagte sie also schnell.
„Schon in Ordnung,“ winkte er ab, während er die Münze zwischen seinen Fingern hin und her drehte. „Das ist genau so eine, wie wir sie von Madam Esmeralda bekommen haben,“ stellte er fest.
„Was steht auf dem Zettel?“ fragte Lacey neugierig, während das köstliche Krabbenfleisch förmlich auf ihrer Zunge schmolz und die scharfen, kreolischen Gewürze ihr Blut in Wallungen brachten.
Nick faltete das Blatt mit einer Hand auseinander, während er mit der anderen nach der Gabel tastete. Nachdem ein großes Stück Catfish in seinem Mund verschwunden war, las er nuschelnd vor „Daf Komiphee hofft, daf ihnen daf Effen schmeckt.“ Dann schluckte er angestrengt, stieß ein „wow, das ist aber lecker,“ hervor und wandte sich dann wieder dem Zettel in seiner Hand zu. „Zur besseren Verdauung schlagen wir einen kurzen Spaziergang vor. Begeben Sie sich zur Lasseure-Road. Jimie Hendrix wird Ihnen den nächsten Hinweis übergeben. Ihr G-o-L Komitee.“
„Jimie Hendrix?“ hakte Lacey nach und verschluckte sich dabei beinahe an ihrem Essen.
„Das steht ihr jedenfalls ... ,“ nickte Nick.
„Hey cool, wir werden mit den Toten sprechen,“ scherzte sie.
„Er dürfte nicht mehr viel zu sagen haben, oder?“
„Abwarten,“ entgegnete Lacey und erwiderte dabei Nicks breites Grinsen.

Kapitel 18