Kapitel 9
Nick fuhr die schmale Straße entlang und hielt angestrengt nach der Abfahrt Ausschau, die ihm der Typ von der Tankstelle auf den Zettel gemalt hatte. Die Bäume standen hier dicht an dicht am Straßenrand, das Blätterdach schloss sich über ihren Köpfen zu einem undurchdringlichen Teppich und nur vereinzelt erreichten die Sonnenstrahlen den Boden.
Es fiel ihm allerdings schwer sich ausreichend zu konzentrieren, da seine Gedanken immer wieder zu Lacey abschweiften, die neben ihm saß, das Blatt mit der Wegeschreibung in ihren verkrampften Händen hielt und regungslos auf die Straße hinaus blickte.
Sie saßen jetzt schon einige Stunden gemeinsam in seinem Wagen und trotzdem hatten sie nur ansatzweise so etwas wie eine Unterhaltung zustande gebracht. Er hätte ja noch verstanden wenn sie sich, was ihre eigenen Lebensgeschichte betraf, bedeckt gehalten hätte, schließlich erzählte man nicht einfach einem wildfremden Menschen seine tiefsten Geheimnisse und Erfahrungen, doch dass sie auch nichts über ihn wissen wollte, überraschte ihn dann doch. Er war sich hundertprozentig sicher, dass sie wusste, wer er war und was er tat und selbst Menschen, die tatsächlich nur sein bestes wollten und ihn akzeptierten wie er war, fragten ihn irgendwann nach seinem Job, seiner Vergangenheit, seiner Familie und nach seinen Gedanken. Doch von ihr bisher kein Ton.
Er wusste nicht so genau, ob ihn dies nun nervös machen oder er sich darüber freuen sollte. Zwar konnte er gerade jetzt ein bisschen Aufmerksamkeit von einer anderen Person gebrauchen, andererseits hatte er aber eigentlich gar keine Lust über seine Karriere und sein im Moment nicht gerade perfektes Leben zu reden.
Wahrscheinlich störte ihn einfach nur ihr so offensichtlich fehlendes Interesse an ihm und seiner Person. Er verstand nicht wirklich, was bei ihm gerade schief lief. Irgendwie hatten sich alle seine Freunde und Vertrauten aus dem Staub gemacht und das Mädchen, mit dem er seit Stunden ein Auto teilte, sprach nicht mit ihm. Er fühlte sich somit allein und das, obwohl er mit Lacey zusammen war.
Ich glaube da vorne müssen wir rechts, riss ihn ihre Stimme in diesem Moment unvermittelt aus seinen trüben Gedanken.
Angestrengt richtete er seinen Blick geradeaus und konnte in einiger Entfernung eine kleine Abzweigung ausmachen, die allerdings weder mit einem Wegweiser noch sonst irgendeinem Hinweis ausgestattet war.
Bist du dir sicher? hakte er deshalb nach und rollte langsam an die Abzweigung heran, bevor der Wagen direkt davor zum Stehen kam.
Ein gewundener, schmaler Pfad aus gestampfter Erde führte tiefer in den Sumpf hinein und lediglich einige frische Reifenspuren verrieten ihm, dass dieser Weg tatsächlich ab und zu benutzt wurde.
Nicht hundertprozentig, gab sie zu, während sie mit gerunzelter Stirn einen Blick auf das warf, was nicht mehr als ein Trampelpfad war aber laut dieser Karte hier, müsste es das sein. Siehst du? Der Typ hat extra diesen Felsen hier eingetragen.
Sie deutete auf die andere Straßenseite, wo ein Felsbrocken in der Größe eines Kleinwagens unter den herabhängenden Ästen eines Baumes hervorlugte, dann hielt sie ihm die Karte entgegen. Tatsächlich war die Abzweigung mit einem kleinen Kreis und dem Hinweis Rock gekennzeichnet.
Hoffen wir, dass es hier nicht noch mehr Felsen dieser Art gibt, bemerkte Nick, während er langsam wieder aufs Gas trat und der Jeep schwankend in den schmalen Pfad einbog.
Es ist auf jeden Fall der erste, den ich hier gesehen habe, gab Lacey zurück, während sie interessiert aus dem Seitenfenster blickte.
Was noch nichts heißen will, grinste Nick. Irgendwie kommt mir das hier nicht wie der richtige Weg vor.
Der Geländewagen holperte mittlerweile über die unebene Strecke, die Äste der Bäume schrammten mit einem kratzenden Geräusch über das Wagendach und die Büsche an der Seite schienen immer näher zu kriechen.
Auf jeden Fall ist Chapwick der abgelegenste Ort, der mir jemals untergekommen ist, bemerkte Lacey.
Davon kannst du ausgehen. Wahrscheinlich will das Komitee unsere Motivation testen. Wer hier her findet, meint es wirklich ernst mit dem Spiel.
Könnte gut sein, nickte sie, während sie wieder einen Blick auf die Karte in ihrem Schoß warf. Demnächst müsste eine weitere Abzweigung auftauchen.
Und tatsächlich lichtet sich nach der nächsten Wegbiegung die Vegetation um sie herum und machte einer schmalen Kreuzung platz. Geradeaus machte die Straße einen sanften Bogen nach rechts und verschwand zwischen den dichten Bäumen. Zu ihrer Linken wurde der Pfad bereits von der Natur zurück erobert. Gras, kleinere Büsche und Dornenranken wucherten auf dem schmalen Pfad und machten ein Durchkommen beinahe unmöglich. Zu ihrer Rechten führte ein zwar ebenfalls schmaler, aber doch wesentlich einladender wirkender Weg weiter in das Dickicht hinein.
Also folgten sie weiter der Karte, die sie immer tiefer in die Sümpfe hineinführte. Sie fuhren bestimmt eine Stunde, das Navigationsgerät hatte sich bereits vor einer ganzen Weile verabschiedet, der Weg wurde zwar nicht schmaler, machte aber das Vorwärtskommen auch nicht gerade leichter und Nick begann sich zu fragen, ob sie wohl jemals irgendwo ankommen würden und wenn ja, wo das dann sein sollte. Niemand lebte doch wohl in einem Ort, den man nur mit einer Machete erreichen konnte.
Als sich schließlich das Blätterdach über ihnen lichtete und der Weg etwas breiter wurde, hatten ihn die paar Meilen mehr erschöpft, als die gesamten sechs Stunden Fahrt davor.
Ich fasse es nicht, hörte er Lacey neben sich murmeln, bevor sie auf ein altes, verwittertes Schild deutete, das windschief am Straßenrand stand und dessen Schriftzug Chapwick kaum noch unter der dichten Moosschicht zu erkennen war.
Willkommen in Chapwick, grinste Nick. Der Ort am Arsch der Welt.
Er benötigte einen Moment bis ihm aufging, dass das plötzlich aufgeflammte, ungewöhnliche Geräusch im Wagen Laceys Kichern war und er kam sich ziemlich doof dabei vor, dass er sich freute, dass ausgerechnet er dafür verantwortlich war.
Sie fuhren noch etwa eine halbe Meile, bevor der schmale Pfad sich schließlich zu einer Lichtung ausweitete. Nick trat vorsichtig auf die Bremse, bis der Wagen schließlich mitten auf dem beinahe kreisrunden Platz zum Stehen kam. Lediglich das Summen der Klimaanlage durchdrang die Stille, während sie sich beide mit großen Augen umsahen.
Direkt vor ihnen standen drei niedrige, windschiefe Blockhütten an die sich, lediglich getrennt durch einen schmalen Pfad, der Sumpf nahtlos anschloss. Das Unterholz war hier so dicht, dass sie nicht einmal einen Meter in das dunkle, grüne Dickicht hinein sehen konnten. Zu ihrer Linken schimmerte das Wasser. Eine kleine Bootsanlegestelle, an der ein einziges, winziges Boot mit Außenbordmotor lag, ragte etwa zwei Meter in die beinahe dunklen Fluten hinein.
Ein Wunder, dass diese drei Baracken überhaupt einen Namen haben, bemerkte Lacey leise.
Manche mögen es eben abgeschieden, gab Nick achselzuckend zurück.
Wie können hier denn bitteschön fünf Frauen verschwunden sein? fragte Lacey weiter und deutete in einer unbestimmten Geste nach draußen. Ich meine ... hier gibts garantiert nicht einmal so viele Einwohner.
Aber, grinste Nick und deutete auf die mittlere der drei Hütten. Flicks Taverne gibt es tatsächlich.
Er hatte das Schild eben erst gesehen. So wie es aussah, hatte man lediglich zwei Bretter an die Überdachung der Veranda genagelt und den Namen des fragwürdigen Etablissements mit schwarzer Farbe darauf gepinselt. Alles in allem sah das hier alles wenig einladend aus. Auch, dass immer noch keine Menschenseele zu sehen war, machte ihm zu schaffen. Dieser Ort wirkte beinahe wie eine Geisterstadt und ihn fröstelte es leicht. Gleich darauf schämte er sich dafür. Er war ein erwachsener Mann, Herr Gott noch mal. So etwas wie Gespenster gab es nicht.
Na dann ... wollen wir aussteigen? fragte Lacey und warf ihm dabei einen auffordernden Blick zu.
Klar, nickte er und hoffte, dass man ihm seine Unsicherheit nicht all zu deutlich anmerkte.
Lacey schien mit dieser unwirklichen Gegend allerdings keinerlei Probleme zu haben. Entschlossen öffnete sie die Beifahrertür und schob sich aus dem Wagen. Während er ihr folgte, warf sie die Tür wieder zu und streckte sich ausgiebig. Kaum hatte er einen Fuß auf den Boden gesetzt, hüllte ihn erneut die feuchte, heiße Luft des Südens ein. Er kam sich vor wie in einer Waschküche, nur dass es hier nicht so angenehm roch. Der faulige Geruch des Wassers schien hier noch stärker als in Everglades City zu sein und um seinen Kopf schwirrte augenblicklich das Summen von einem Dutzend Insekten. Ansonsten war es hier allerdings beunruhigend ruhig. Lediglich die Geräusche des Sumpfes durchdrangen ab und an die Stille.
Während er also mit seinen Händen herumwedelte um die Mücken zu verscheuchen, warf er noch einmal einen Blick in die Runde. Das linke Gebäude schien so etwas wie ein kleiner Gemischtwarenladen zu sein. Er konnte zumindest von seinem Platz aus hinter den Fenstern voll gestellte Regale erkennen. Doch auch dort war kein menschliches Wesen zu entdecken. Das Haus ganz rechts war womöglich ein Wohnhaus sein. Wer auch immer hier leben wollte.
Gemeinsam überquerten sie den kleinen Platz und stiegen gleich darauf die Stufen zur Veranda von Flicks Taverne hinauf.
Jetzt wird es spannend, hörte er Lacey sagen und zu seiner Verwunderung klang sie dabei richtig aufgeregt und aufgekratzt.
Dir macht das Spaß, stellte er ungläubig fest.
Was hast du denn gedacht? schmunzelte sie. Und du? Angst? hakte sie dann nach und zog grinsend die Augenbrauen hoch.
Quatsch, werte er sofort ab, machte noch einen weiteren, entschlossenen Schritt auf die Eingangstür zu und zog sie dann mit Schwung auf.
Abgestandene, nach Zigarettenqualm und Bier stinkende Luft schlug ihnen entgegen, zusammen mit einem Stimmengemurmel, das allerdings augenblicklich verstummte, als er gefolgt von Lacey den Schankraum betrat.
Hier drinnen war es, im Gegensatz zu draußen, ziemlich dunkel und Nick benötigte einen Moment, bis sich seine Augen an das dämmrige Licht gewöhnt hatten. Nach und nach tauchte somit ein kleiner Raum vor ihm auf. Zu seiner Linken befand sich eine Theke, hinter der ein riesiger, dicker Mann in einem verschwitztem Motörhead T-Shirt stand und ihnen entgegen starrte. Etwa zehn runde Tische mit alten, abgewetzten Stühlen darum herum verteilten sich ohne erkennbares Muster im Raum. Die Augen der handvoll Gestalten, die daran saßen, waren auf sie gerichtet und musterten sie misstrauisch. Eher unbewusst stellte Nick fest, dass sich keine einzige Frau unter ihnen befand und mit einem kleinen Schritt zur Seite schob er sich näher an Lacey heran.
Vielleicht solltest du lieber im Wagen warten, murmelte er.
Glaubst du, ich lasse mir diesen Spaß tatsächlich entgehen? fragte sie kopfschüttelnd und marschierte dann einfach an ihm vorbei, direkt auf den Tresen zu.
Mit klopfendem Herzen und unstet herum huschenden Blick folgte er ihr. Am liebsten hätte er sämtliche Männer in diesem Raum gleichzeitig im Auge behalten, doch das war leider nicht so einfach.
Hi, sagte Lacey gerade zu dem Wirt und lehnte sich mit den Unterarmen auf die Theke.
Haben sie sich verfahren? fragte der Wirt, während er seine massige Gestalt ebenfalls auf den Tresen stützte und Lacey mit einem anzüglichen Grinsen musterte.
Eigentlich nicht, gab diese unbeeindruckt zurück. Wir suchen die Hütte von Boon Finley. Könnten sie uns dabei helfen?
Nick stöhnte innerlich auf. Er hielt es eigentlich nicht für ratsam, sofort mit der Tür ins Haus zu fallen.
Boon Finleys Hütte, ja? fragte der Wirt amüsiert, richtete sich wieder auf und verschränkte die Arme vor seiner beeindruckend breiten Brust. Und wer sind sie, wenn ich fragen darf?
Mein Name ist Lacey Jenkins und das hier ist Nick Carter, stellte Lacey sie beide vor.
Die Augen des Wirts zuckten in Nicks Richtung und sofort verdüsterte sich sein Blick. Ich denke nicht, dass ich ihnen dabei helfen kann.
Wirklich nicht? hakte Lacey noch einmal nach und brachte einen beeindruckenden Schmollmund zustande.
Wir brauchen wirklich nur eine kurze Beschreibung, wie wir die Hütte finden können, mischte sich nun auch Nick in das Gespräch der beiden ein. Mehr nicht.
Mehr nicht? So, so, nickte der Wirt, dann wanderte sein Blick an Nick vorbei und fixierte einen Punkt direkt über seiner rechten Schulter.
Als Nick sich herum drehte, blickte er direkt in die dunklen Augen eines schmächtigen Mannes, der sich gerade aus dem düsteren Schatten im hinteren Teil der Bar löste und auf sie zugeschlendert kam. Sein kariertes Flanellhemd wirkte abgewetzt und hing ihm an einer Seite aus seinen schmutzigen Jeans, seine schweren Arbeitsstiefel waren staubig und auf seinem Kopf thronte ein verbeulter Cowboyhut, unter dem einige Strähnen fettigen, dunklen Haars hervorlugte.
Hast du gehört Hank? fragte der Wirt gerade. Die beiden wollen zu Finleys Hütte.
Hab ich gehört, nickte der Angesprochene, während er sich dicht neben Lacey an die Theke lehnte. Was will denn ein so hübsches Mädchen in dieser Einöde?
Nick trat an Lacey heran und legte ihr besitzergreifend einen Arm um die Taille. Er spürte, wie sie sich unter dieser Berührung anspannte, doch er wollte auch nicht, dass sich irgendeiner der hier anwesenden, gehirnlosen Hinterwäldler einbildete, Lacey auch nur mit dem kleinen Finger berühren zu können.
Wir haben von dem Mordfall damals gelesen, plapperte Lacey weiter und schien sich in der Gesellschaft dieser finsteren Gestalten keineswegs unwohl zu fühlen. Und wir wollten uns den Ort des Geschehens einfach mal live und in Farbe ansehen.
Wir haben aber keine Lust auf sensationsgierige Touristen, informierte sie Hank und seine Stimme klang dabei mehr als eisig, was Nicks Pulsschlag weiter in die Höhe trieb.
Komm Lacey. Lass uns hier verschwinden, murmelte er deshalb und versuchte, sie mit sich wieder zurück zum Eingang zu ziehen. Er wollte nur noch hier weg. Scheiß auf das Game of Life. Sein Leben war ihm einfach zu wichtig, als dass er es verspielen wollte.
Warte noch einen Moment Nick, gab sie lediglich zurück ohne ihn dabei anzusehen und bewegte sich ansonsten keinen Millimeter.
Er biss die Zähne zusammen und verstärkte den Druck seiner Finger auf ihre Hüfte. Was sie hier taten war mehr als unvernünftig, wenn nicht sogar äußerst dämlich.
Hank, ich darf sie doch so nennen? Ich kann verstehen, wenn ihnen die Touristen auf die Nerven gehen. Ich mag sie selbst nicht besonders. Ich verspreche ihnen, wir werden nichts beschädigen oder unseren Müll durch die Gegend werfen. Wir möchten uns einfach nur diese Hütte ansehen, mehr nicht.
Lady, mischte sich der Wirt nun wieder ein und beugte sich dabei ein Stück in Laceys Richtung. Sie haben keine Ahnung, auf was sie sich hier einlassen. Hören sie auf ihren Aufreißer-Freund und verschwinden sie von hier.
Was hat es denn mit der Hütte auf sich? fragte Lacey weiter. Ist es dort denn gefährlich?
Für einen Moment blieb es still in der Kneipe, so dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können und Nick wurden die Knie weich.
Gefährlich? wiederholte Hank und schien angestrengt darüber nachzudenken. Vielleicht. Es spukt dort, wissen sie?
Tatsächlich? stieß Lacey hervor. Ein Grund mehr, dass wir uns die Hütte unbedingt ansehen sollten. Meinst du nicht Nick? fragte sie und wandte sich dabei zu ihm um.
Ihre Augen leuchteten, ihre Wangen hatten eine sanfte Röte angenommen und er war sich sicher, dass er sie noch nie so lebendig erlebt hatte. Er schluckte trocken und nickte dann langsam. Auf jeden Fall.
Bitte, wandte sich Lacey nun wieder an Hank. Können sie uns nicht sagen, wie wir dort hinkommen? Wir ... wir ... könnten sie auch dafür bezahlen.
Lacey, mahnte Nick, doch es war schon zu spät.
So? Wie viel ist ihnen das denn wert? fragte Hank interessiert und rückte noch ein Stück näher an Lacey heran, so dass sich ihre Schultern berührten. Nicks Magen drehte augenblicklich eine schmerzhafte Piourette. Am liebsten hätte er sich Lacey über die Schulter geworfen und wäre davon gestürmt.
Nennen sie mir einen Preis, gab Lacey zurück und richtete sich ein Stück auf, um mit Hank auf Augenhöhe zu sein.
Zweihundert, kam es wie aus der Pistole geschossen und Nick hustete trocken. Das war ja wohl nicht sein Ernst! Dafür bringe ich sie hin und wieder zurück.
Hundert und keinen Cent mehr, entgegnete Lacey ungerührt.
Nick holte bereist Luft um diesem verrückten Spiel ein Ende zu setzen, doch da streckte Hank ihr bereits seine schwielige, nicht gerade saubere Hand entgegen.
Abgemachte, grinste er.
Abgemacht, grinste Lacey zurück und schlug ein.
Ich hoffe sie sind seetauglich, sagte Hank, stieß sich vom Tresen ab und versenkte seine Hände in den Hosentaschen.
Seetauglich? fragte Lacey verständnislos.
Finleys Hütte erreicht man nur über den Sumpf. Ich sagte doch, ich bringe sie hin und wieder zurück.
Oh, okay, nickte Lacey und das erste Mal, seit sie diesen Laden betreten hatten, hörte Nick einen Anflug von Unsicherheit in ihrer Stimme.
Hank ging an ihnen vorbei direkt auf den Ausgang zu. Ich zahle später Mike.
Geht klar, gab der Wirt zurück.
Na komm schon, sagte Lacey in diesem Moment an ihn gewandt. Wir fahren zu Boon Finleys Hütte.
Sie strahlte dabei, als hätte sie ihm gerade verkündet, auf ihn warte eine Weltreise auf einem Luxusdampfer. Stattdessen begaben sie sich auf eine Bootstour durch die Sümpfe der Everglades, höchstwahrscheinlich mit diesem alten, morschen Holzboot, dass er draußen an der Anlegestelle bereits gesehen hatte, und in der Begleitung eines mehr als zwielichtigen Typen, dem es zuzutrauen war, dass er sie unterwegs ihres Bargeldes beraubte und sie dann ohne Umschweife in den Sumpf zu den Alligatoren warf. Großartige Aussichten also.
Die Tür hatte sich hinter Nick und Lacey kaum geschlossen, da griff der Wirt bereits zum Hörer eines Telefons, das hinter der Bar an der Wand hing. Er wählte eine Nummer und wartete einen Moment.
Ja, ich bins ... Das Spiel hat wieder begonnen ..., er lauschte einen Moment und nickte dann. Ja, habe ich. Nick Carter und Lacey Jenkins ... ich schicke euch gleich die Bilder von der Überwachungskamera ... Gut ... Ja, ganz hervorragend, finde ich auch.