Kapitel 17
Sie hatten gegessen und den restlichen Tag versucht, Spielkarten in einen alten, verbeulten Hut zu werfen. AJ und Rachel saßen nebeneinadner auf der Couch, hatten die Füße auf den Tisch vor sich gelegt und zielten auf den Hut, der zwei Meter entfernt auf dem Boden lag. Gerade winkelte AJ sein Handgelenk erneut an und warf die letzte Karte. Sie segelte anmutig durch den Raum und verfehlte die Krempe um zehn Zentimeter.
Gar nicht mal so schlecht, grinste Rachel neben ihm aber du wirst jetzt trotzdem aufstehen und die Karten zusammen suchen müssen.
Hey, ich bin verletzt. Ich kann gar nicht aufstehen, sagte AJ gespielt schmollend.
Ach komm schon. Deinem Bein geht es doch schon ganz gut. Das ist keine gute Ausrede. Die hast du im Übrigen heute schon ungefähr hundert Mal gebraucht. So langsam zieht das nicht mehr.
Ach, eigentlich habe ich auch gar keine Lust mehr, sagte AJ und kuschelte sich etwas tiefer in die Polster.
Schon klar, lachte Rachel und knuffte ihn freundschaftlich in die Seite. Immer wenn es ernst wird, reden die Kerle sich raus.
Denkst du das wirklich? AJ wandte sich ihr interessiert zu. Augenblicklich waren die Spielkarten vergessen. Es erschreckte ihn fast, wie sehr er an dem interessiert war, was ihr so durch den Kopf ging. Manchmal schien es ihm, als wäre sie wie eine Landkarte, die es galt nach und nach zu enthüllen, um den Schatz zu finden. Irgendwo tief in ihr lagen alle Antworten. Die Antwort darauf, was er eigentlich hier machte, warum sie mit ihm hier war und warum sie ihn aus dem verunglückten Wagen gerettet hatte. Vielleicht sogar die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, selbst das wollte er nicht ausschließen.
Ihre Augen wirkten so tief und klar, das er sich darin verlieren konnte und sie strahlte so viel Stärke und Weißheit aus, das er sich in ihrer Nähe absolut sicher und geborgen fühlte. Etwas war mit ihm in der kurzen Zeit passiert, seit sie hier waren, und er hatte aufgehört ergründen zu wollen, woran das lag, wieviel Rachel dazu beigetragen hatte und was aus ihm selbst gekommen war.
Sie wurde sichtlich unruhig unter seinem durchdringenden Blick. Auch das war ihm schon desöfteren aufgefallen. Immer wenn er versuchte in sie einzudringen, versuchte sie ihn abzublocken, lenkte meistens das Gespräch auf ihn und seine Probleme, doch heute, so schwor er sich, würde sie damit nicht durchkommen.
Nun sag schon. Sind wir Männer tatsächlich so schlimm? hakte er noch einmal nach.
Manchmal, gestand sie zögernd.
Wann?
Immer wenn ihr meint, stärker als wir Frauen zu sein. Und das kommt ziemlich oft vor.
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich stärker bin als du, widersprach AJ.
Oh doch, gab sie zurück. Du
, sie schüttelte den Kopf. Ich werde mal die Karten einsammeln, sagte sie dann und war bereits dabei, sich von der Couch zu erheben.
Hiergeblieben, sagte er grinsend, fasste nach ihrem Arm und zog sie wieder neben sich auf das Sofa. Diesmal kommst du mir nicht so einfach davon.
Bitte. Das ist doch eine Diskussion, die zu nichts führt.
Das sehe ich anders. Du glaubst also, ich bin stärker als du? Erklär mir das.
Sie seufzte und er konnte förmlich spüren, wie sie sich innerlich wandt. Er konnte sich das nicht erklären. Eigentlich konnte er sich sehr vieles nicht erklären, aber das verwirrenste für ihn war dieses Wissen um ihre Seele und Gedanken. Er spürte meist sehr genau, was sie gerade fühlte und manchmal war ihm, als könne er ihre Gedanken flüstern hören. Nicht so klar und deutlich, dass er wirklich etwas verstanden hätte, aber doch so viel, dass er genau wußte, wenn sie ihm offen die Wahrheit sagte, wann sie wichtige Dinge einfach unausgesprochen lies oder wenn sie ganz einfach log um sich einer für sie brenzlichen Situation zu entziehen.
Ich kann dir das nicht erklären, sagte sie und knetete dabei die Hände in ihrem Schoß.
Versuch es wenigstens. Sag mir
uhm
sag mir ein Wort, dass dir zu diesem Thema gerade einfällt.
Schuld, kam es wie aus der Pistole geschossen und überrascht blickte er zu ihr hinüber.
Wieso
,
Angst, fuhr sie fort, ohne ihn anzusehen. Trauer. Sehnsucht. Sie presste die Lippen zusammen, als hätte sie bereits zuviel gesagt und senkte den Blick auf ihre Hände hinunter.
Er rückte ein Stück näher an sie heran, so dass er ihr einen Arm um die Schulter legen konnte. Was verbindet uns? fragte er leise.
Er spürte, wie sie zusammen zuckte und augenblicklich fuhr ihr Kopf zu ihm herum. Wie meinst du das? fragte sie und starrte ihn dabei mit weit aufgerissenen Augen an.
Ich weiß nicht
, er schüttelte den Kopf. Manchmal habe ich das Gefühl
, er stockte erneut, weil er nicht beschreiben konnte, was er fühlte und dachte. Manchmal danke ich, wir
wir kennen uns aus einem früheren Leben oder so. Es ist total verrückt. Absolut abwegig
aber trotzdem
Ich denke nicht, dass das so abwegig ist, sagte sie neben ihm beinahe flüsternd und nun war es an ihm überrascht zu ihr hinüber zu sehen.
Wieso nicht?
Was
was weißt du über Engel? fragte sie, inzwischen kaum hörbar.
Uhm
ich glaube nicht daran, dass es sie gibt, aber im allgemeinen sind sie wohl die, die auf uns aufpassen, die das Gute verkörpern. Wenn man stirbt und man in seinem Leben schön brav gewesen ist, wird man ein Engel. Nun ja
was das betrifft, habe ich da wohl schlechte Karten, grinste er.
Hm, mumelte sie abwesend.
Wie sind wir jetzt eigentlich auf das Thema gekommen? fragte er amüsiert.
Was würdest du sagen wenn
wenn ich dir sage, dass
dass ich einer bin.
Ein Engel? fragte er überrascht zurück. Sie nickte.
Ich würde mich fragen, ob ich oder du einen Unfall gehabt haben und dich schnellstmöglich zu einem guten Therapeuten schicken.
Dachte ich mir, nickte sie.
Wieso? Denkst du, du bist ein Engel? Dieses Gespräch verlief überhaupt nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Ganz im Gegenteil. Im Moment hatte er das Gefühl, dass Rachel neben ihm gerade den Sinn für die Realität verlor.
Sie seufzte und schüttelte dann den Kopf. Nein, natürlich nicht.
Warum glaube ich dir nicht? fragte er.
Keine Ahnung. Du mußt doch selbst wissen, was in deinem verkorksten Schädel vor sich geht, entgegnete sie und auf ihren Lippen lag dabei ein angedeutetes Grinsen.
Hm, er musterte sie noch einen Moment misstrauisch und je länger er dies tat, um so verwirrter wurde er. Über was hatten sie gerade gesprochen? Diese Augen machten ihn noch wahnsinnig. Und ihre Lippen ließen ihn an verbotene Dinge denken.
Ohne sein Zutun näherte er sich ihrem Gesicht. Jeder Zentimeter Raum, den er dabei überwandt, schien die glimmende Leidenschaft in ihm weiter zu entfachen und für einen winzigen Moment fragte er sich, was er hier eigentlich tat. Doch dann berührten seine Lippen die ihren und in seinem Kopf explodierte ein Kalaidoskop von bunten, warmen Farben.
Vorsichtig nahm er ihr Gesicht in seine Hände, fuhr langsam mit seinen Lippen die Konturen ihres Mundes nach und atmete dabei tief ihren süßen Duft ein, der sein Herz noch etwas schneller schlagen lies.
Was tust du da? fragte sie leise.
Dich küssen? gab er genau so leise zurück.
Hm, machte sie nur und hielt ansonsten ganz still.
Seine Lippen wanderten weiter, küssten sanft ihre Wange, ihre Augen, wanderten dann wieder hinunter über ihren Mund zu ihrem Hals. Sanft fuhr seine Zunge über die Erhebung ihrer Schlagader und er hatte das Gefühl, dass sich ihr Herzschlag mit seinem vermischte.
Plötzlich spürte er ihre Hände, die langsam über seine Taille wanderten, bevor sie ihn noch näher zu sich heran zogen. Er erschauerte. Noch nie hatte ihn eine einzige Berührung so sehr erregt.
Vorsichtig legte er die Arme um sie und zog sie auf seinen Schoß, bis sie rittlings auf ihm saß. Sanft drückte er sie an sich, genoss das Gefühl ihrer Brüste, die sich dabei an seinen Oberkörper schmiegten und während seine Hände ihren Rücken hinunter nach dem Saum ihres Pullovers tasteten, legten sich ihre Hände auf seine Schultern.
Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, sagte sie leise, wirkte dabei aber vollkommen atemlos, so als müsse sie im Moment ihre gesamte Beherrschung zusammen nehmen, um nicht über ihn herzufallen.
Das ist mir im Moment sowas von egal, murmelte er, während er ihr den Pullover über den Kopf streifte.
Aber
,
Bevor sie noch weitere Bedenken äußern konnte, verschloss er ihren Mund mit einem leidenschaftlichen Kuß. Er lies seine Zunge auf Wanderschaft gehen und als er mit der Zungenspitze die ihre berührte, stöhnte er leise auf.
Sie drückte sich noch etwas enger an ihn und lies ihre Hände durch sein Haar gleiten. Sanft liebkosten seine Fingerspitzen ihren nackten Rücken und er fühlte, wie sie unter seinen Berührungen erzitterte.
Ohne Umschweife stand er auf und trug sie hinüber ins Schlafzimmer. Dabei verließen seine Lippen keine einzige Sekunde die ihren. Sanft lies er sie hinunter auf das Bett gleiten und entledigte sich dann in Windeseile seines Holzfällerhemdes und der Jeans.
Als er neben sie auf das Bett krabbelte, hatte sie ebenfalls bereits ihre Hosen und den lästigen BH ausgezogen und als er sie nun wieder an sich zog, fühlte er ihre Haut überall an seiner eigenen. Er schnappte nach Luft, zog sie noch etwas enger an sich und begann damit, erst ihr Gesicht, danach ihren Hals und dann ihre Brüste mit kleinen Küssen zu bedecken.
Seine Zunge malte die Konturen ihrer Brustwarze nach, was Rachel dazu veranlasste einen erstickten Laut von sich zu geben.
Das gefällt dir, hm? fragte er mit rauer Stimme und registrierte befriedigt ihr leichtes Nicken.
Er wandte sich nun ihrer anderen Brust zu, spielte sanft mir ihrer Brustwarze, biss spielerisch hinein, während sich ihm Rachel immer weiter entgegenbog. Sanft malten seine Finger kleine Kreise auf ihren Bauch und wanderten dabei immer tiefer. Sie öffnete ihren Schoß von ganz alleine und zärtlich streichelte er die Innenseite ihrer Schenkel. Ihre Finger krallten sich dabei in seinen Rücken und als er in ihr Gesicht aufsah, hatte sie die Augen genüsslich geschlossen. Rote Flecken waren auf ihren Wangen erschienen und er konnte gar nicht anders, als sie sanft zu küssen.
Seine Hand wanderte weiter, suchte sich federleicht den Weg in ihren Schoß und als er sie dort sanft berührte, stöhnte sie auf. Mit einem Lächeln auf den Lippen streifte er ihr Höschen nach unten und als sie sich endlich mit ein paar hektischen, strampelten Bewegungen von diesem lästigen Kleidungsstück befreit hatte, gab es auch für ihn kein Halten mehr. Mit einer einzigen, schnellen Bewegung streifte auch er seine Shorts ab, rollte sich dann auf den Rücken und zog sie dabei mit sich.
Ihre Hand wanderte in ihren Schoß und danach weiter, bis sie seine Männlichkeit mit ihren feingliedrigen Fingern umschloss. Keuchend entwich die Luft aus seinen Lungen und er mußte sich beherrschen um nicht sofort hier und in diesem Moment in ihrer Hand zu kommen.
Sanft führte sie ihn an die richtige Stelle, richtete sich ein Stück auf und lies sich dann aufreitzend langsam auf ihn hinab sinken. Der Moment in dem er in ihr heißes und freuchtes Inneres eindrang war zugleich der letzte Moment, an dem er noch zu einem klaren Gedanken fähig gewesen wäre. Alles um ihn herum verblasste, wurde von den rythmischen Bewegungen aufgesogen, mit denen sich Rachel auf ihm bewegte. Langsam lies sie ihre Hüften kreisen und machte ihn damit beinahe rasend.
Er umfasste ihre Taille, zog sie zu sich hinunter, bis ein Vorhang aus dunklem Haar seine Brust und Gesicht bedeckte. Hungrig bemächtigten sich seine Lippen der ihren, während er mit einigen schnellen Stößen seiner Lenden immer tiefer in sie eindrang.
Ihr lautes Atmen, das leise Stöhnen und das Rascheln der Laken waren die einzigen Geräusche, die das Zimmer erfüllten. Gleichzeitig hatte er das Gefühl, dass die Luft schwerer wurde und dass sich sein gesamtes Denken nur auf einen einzigen Punkt in seinem Körper konzentrierte.
Mit rauer, kehliger Stimme flüsterte er ihren Namen. Lillian.
Aprubt richtete sie sich auf und den Ausdruck in ihren Augen konnte er erst gar nicht deuten.
Was?
Was war passiert?
Was hatte er
Noch bevor er diesen Satz zu ende denken konnte, war sie bereits von ihm herunter, raffte hektisch ihre Kleider zusammen und stürmte aus dem Zimmer.
In diesem Moment erst ging ihm auf, was er gerade eben gesagt hatte und wie vom Donner gerührt und schwer atmend blieb er noch einige Sekunden liegen. Wie hatte ihm das nur passieren können? Warum hatte er das getan? Er hatte doch überhaupt nicht an Lillian gedacht. Oder?
Endlich fuhr er selbst in die Höhe, schwang hektisch die Beine über die Bettkante und ignorierte dabei den Schmerz, der blitzartig bis hinauf in seine Lenden schoss. Er mußte sie aufhalten. Mußte ihr sagen, dass es ein Versehen gewesen war. Verdammt. Verdammt. Verdammt!