Kapitel 46
A.J. und Heather bestaunten die vielen Köstlichkeiten, die ihnen ein Kellner auf einem großen Servierwagen gebracht hatte. Sogar für LaBelle stand eine große Schüssel mit exquisitem Hundefutter und eine Schüssel mit frischem Wasser bereit. Schließlich klopfte es leise an der Tür.
Das ist sie, sagte A.J. aufgeregt und flog förmlich zur Tür. Als er sie aufriss, stand Cassandra lächelnd vor ihm.
Er konnte sie gar nicht schnell genug in seine Arme ziehen und sie kicherte leise, als er sie stürmisch an sich drückte.
Hey, es ist gerade mal ein paar Stunden her, dass wir uns gesehen haben, sagte sie und lies ihre Hände über seinen Rücken streichen.
Eben, eine Ewigkeit, gab er zurück und küsste sie dann sanft auf den Mund. Seine Knie wurden sofort schwach und nur am Rande registrierte er, wie sich LaBelle an ihnen vorbei drückte und Heather sie freundlich begrüßte.
Hm ... ich lass Dich nicht mehr los, murmelte er, während seine Lippen langsam über ihre Augen streiften.
Auch wenn ich Dir sage, dass ich gerade dabei bin, vor Hunger einfach tot um zu fallen? kicherte sie und erneut küsste er sie. Als ihre Zungen sich berührten, war er kurz davor, sie einfach in das Zimmer zu ziehen, sich mit ihr auf sein Bett zu legen und nie wieder daraus auf zu stehen.
Ein Räuspern aus dem Hintergrund erinnerte ihn schließlich daran, dass sie nicht alleine waren und nur widerstrebend gab er Cassandras Lippen frei.
Wir haben Besuch, sagte er mit wehmütigem Blick, lies Cassandra endlich in das Zimmer treten und schloss hinter ihr die Tür.
Hey Cassy. Wie ich höre, habt ihr beiden einen schönen Abend verbracht?
Hm, kann man so sagen, grinste Cassandra und schnupperte neugierig in der Luft.
Oh lecker. Das riecht nach Würstchen und gebratenem Speck ... ,
... und nach Eiern und frischem Toast und frisch gepresstem Orangensaft, ergänzte Heather lachend.
Mir reichte es, wenn ich ein wenig an Dir knabbernd darf, entgegnete A.J., umfasste Cassandra von hinten und vergrub sein Gesicht in ihrer Halsbeuge.
Kichernd hob sie die Schulter und befreite sich dann unter einiger Mühe aus seiner Umarmung.
Erst Kräfte sammeln, sagte sie in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete und geschlagen setzte er sich gemeinsam mit den beiden Frauen an den runden Esstisch.
Was steht denn heute auf dem Programm, fragte Cassandra, nachdem sie sich eine riesige Portion Eier mit Speck auf den Teller gehäuft hatte.
Uhm ... nun ja ... , Heather und A.J. warfen sich einen viel sagenden Blick über den Tisch hinweg zu.
Was ist los? fragte Cassandra sofort alarmiert und blickte misstrauisch von einem zum anderen.
Also eigentlich wollte ich es Dir erst nach dem Frühstück sagen, gestand Heather.
Was denn um Himmels Willen? Cassandra sah nun wirklich besorgt aus.
Heather hat einen netten, jungen Mann kennen gelernt und wird mit ihm heute durchbrennen, informierte sie A.J.
Mit andern Worten, ich werde Euch heute verlassen, ergänzte Heather.
Cassandras Gabel fiel geräuschvoll zurück auf den Teller.
Wirklich? fragte sie mit weit aufgerissenen Augen.
Ja, wirklich. Hey, das ist doch gar nicht so schlimm. Du hast jede Menge Zeit mit Deinem Traumprinzen und wir werden uns ganz bald besuchen.
Ich ... also ... schon so bald?
A.J. sah, wie Cassandra schluckte und ganz offensichtlich mit den Tränen kämpfte. Er schob seinen Stuhl an ihren heran und legte ihr einen Arm um die Schulter.
Hey, das ist doch kein Abschied für immer.
Ich weiß, entgegnete sie leise.
Heather rückte auf der andern Seite an Cassandra heran und legte ebenfalls einen Arm um sie.
Hey Mäuschen, Du hast doch gewußt, dass das früher oder später passieren würde.
Ja ... nur ... schon so bald? Es ist einfach ... , die erste Träne rollte nun doch über ihre Wange.
Wisst ihr ... ich hatte eben noch nie wirklich Freunde ... ich meine ... ich habe mich so wohl gefühlt und ... na ja ... irgendwie haben wir doch zusammen gehört und jetzt ... na ja ... , sie schluckte und sprach nicht weiter.
A.J. schlang auch den anderen Arm um sie und zog sie an sich.
Für eine Weile kuschelte sie sich an ihn, dann schob sie ihn sanft aber bestimmt von sich.
Ist schon in Ordnung, schniefte sie tut mir leid. Irgendwie gehen wohl die Hormone mit mir durch.
Macht nichts, entgegnete Heather und wischte sich ebenfalls ein paar Tränen von der Wange.
Hey, wer ist hier denn die Heulsuse? fragte Cassandra schmunzelnd und angelte nach ihrer Serviette.
Ich befürchte, wir schenken uns da alle nicht viel, meinte Heather grinsend und nickte mit dem Kopf in A.J.s Richtung.
Cassandras Blick richtete sich auf ihn und mit einem mitfühlendem Blick strich sie ihm zärtlich über die Wange. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er ebenfalls begonnen hatte zu weinen und er schämte sich ein wenig dafür.
Schließlich seufzten sie alle drei abgrundtief und begannen im selben Moment zu lachen.
Oh Gott, wenn uns jetzt jemand sehen könnte, kicherte Heather und schüttele den Kopf.
Die Lachnummer in ganz Vegas, stieß Cassandra hervor und wischte sich erneut über die Augen.
Vielleicht sollten wir einfach unser letztes, gemeinsames Frühstück genießen, sagte A.J. und steckte sich eine Gabel voller Rührei in den Mund. Irgendwie schien die gelbe Masse vollkommen geschmacksneutral zu sein, doch er versuchte diesen Umstand zu ignorieren. Irgendwie mussten sie da durch und ihm war dabei durchaus bewußt, dass es ihn selten so geschmerzt hatte, sich von jemandem zu verabschieden. Mit einem eisigen Schaudern dachte er daran, wie es ihm wohl gehen würde, wenn er sich von Cassandra trennen mußte.
Ihr Gepäck war bereits im Wagen verstaut und der schwarze Jeep wartete ein Stück entfernt darauf, dass sie endlich einstiegen und er sie weiter Richtung Westen bringen konnte.
Unbehaglich sah sich Cassandra um wo bleibt sie nur?
Sie wird sicherlich gleich kommen, entgegnete A.J. und genoss das Gefühl von Cassandras Körper, der sich wie selbstverständlich an ihn lehnte. LaBelle saß neben ihnen und sah sich aufmerksam nach allen Seiten um, so als wolle sie sich alles ganz genau einprägen.
Ich werde sie schrecklich vermissen. Sagte Cassandra.
Geht mir genau so. Ich hoffe, dieser Andy ist ein netter Typ. Wenn er ihr weh tut, werde ich ihm wohl einen kleinen Besuch abstatten müssen.
Alex, der Rächer der verschmähten Liebenden, kicherte Cassandra.
Und Freund aller Hoffnungslosen, ergänzte er schmunzelnd.
In diesem Moment glitt die gläserne Eingangstür des Hotels auf und Heather trat, mit einem jungen Mann an der Hand, zu ihnen hinaus ins Sonnenlicht. In der Hand trugen Sie ihr Gepäck und alleine der Anblick von Heathers Seesack schnürte A.J. die Kehle zu.
Hey ihr zwei, begrüßte Heather sie das ist Andy. Andy das sind die beiden Verrückten, von denen ich Dir erzählt habe.
Das mit den Verrückten will ich aber überhört haben, grinste A.J. und schüttelte Andys ausgestreckte Hand, während LaBelle neugierig am Hosenbein des Neuankömmlings schnupperte.
Ich hoffe, Ihr seid nicht sauer, dass ich Euch Heather entführe, lächelte Andy und A.J. entschied, dass er ihn zumindest sympathisch fand. Andy war ungefähr einen halben Kopf größer als er, muskolös, allerdings mit dem Ansatz eines kleinen Bierbauches. Zu seinen Jeans trug er ein Poloshirt und seine blauen Augen konnten sich kaum zwei Sekunden von Heather losreißen. Ein gutes Zeichen, wie A.J. fand.
Ich denke, wir können Dir großmütig verzeihen, wenn Du sie gut behandelst, antwortete Cassandra und versuchte dabei finster aus zu sehen, was durch ihr aufkommende Lächeln allerdings sofort wieder zu Nichte gemacht wurde.
Ich gebe Dir mein Wort, dass keine Klagen kommen werden, schmunzelte Andy und wandte sich dann an Heather. Mein Wagen steht hier um die Ecke. Ich gehe schon mal vor und verstaue unser Gepäck, in Ordnung?
Heather nickte und sie küssten sich flüchtig, dann nickte Andy ihnen kurz zu dann wünsche ich Euch dreien mal eine gute Fahrt und ihr müsst uns unbedingt bald in San Francisco besuchen kommen, ja?
Machen wir, entgegnete Cassandra, dann warf sich Andy Heather Seesack über die Schulter, nahm seine Reisetasche und ging davon.
Heather seufzte ist er nicht großartig? fragte sie und sah ihrem Angebeteten hinterher, bis er um die Ecke des Casinos verschwunden war.
Ja, er scheint nett zu sein, pflichtete Cassandra ihr bei.
Trotzdem, wenn er sich nicht anständig verhält, ruf mich an. Ich komme dann und werde ihm mal ein paar Takte erzählen, sagte A.J. und Heather lachte.
Oh ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen, kicherte Heather. Der Arme. Ich sollte ihm vielleicht vorher sagen, auf was er sich da eingelassen hat.
Die drei lachten etwas gezwungen, dann legte sich Stille über sie.
Jetzt ist es wohl so weit, was? fragte Heather und vergrub angestrengt lächelnd die Hände in ihren Hosentaschen.
Am liebsten würde ich Dich nicht gehen lassen, sagte Cassandra leise aber da ich weiß, dass sämtliches Betteln ja sowieso keine Sinn hat, sollten wir es schnell hinter uns bringen.
Du hast recht, wer mag schon lange Abschiede? fragte Heather, nahm die Hände aus den Hosentaschen und umarmte Cassandra.
Machs gut Süße. Behandel mir A.J. gut und melde Dich so oft wie möglich, ja?
Werde ich machen, murmelte Cassandra an ihrer Schulter, drückte sie noch einmal an sich und lies sie dann los.
Und Du, wandte sich Heather an A.J. und lies sich von ihm in die Arme ziehen pass gut auf unsere kleine Prinzessin auf, ja?
Worauf Du Dich verlassen kannst. Ich wünsche Dir alles Gute mit Andy. Er scheint nett zu sein.
Ja, das ist er, pflichtete sie ihm bei, wand sich dann sanft aus seiner Umarmung und beugte sie sich zu LaBelle hinunter.
Machs gut Pelzgesicht, sagte sie leise und kraulte den Hund zwischen den Ohren. LaBelle stupste Heather mit der Schnauze leicht gegen die Brust, dann erhob sich Heather.
Ich danke Euch beiden für alles, sagte sie leise und A.J. sah, wie sie schluckte.
Wir haben zu danken, entgegnete Cassandra eben so leise und wischte sich verstohlen über die Wange.
Na dann ... ähm ... macht es gut. Heather winkte noch einmal kurz, dann drehte sie sich auf dem Absatz herum und strebte dem Parkplatz zu.
Gott, sie wird mir fehlen, sagte Cassandra und schmiegte sich an ihn.
Mir auch, gab er zu und drückte sie tröstend an sich.
Ein letztes Mal erhaschte er einen Blick auf Heather, die gerade um die Ecke des Hotels verschwand, dann küsste er Cassandra sanft auf die Stirn und schob sie ein Stück von sich.
Bereit? fragte er und sie nickte langsam.
Ja. Bereit für ein neues Leben.
Ich liebe Dich, sagte er leise und ganz langsam hoben sich ihre Mundwinkel zu einem schüchternen Lächeln.
Ich liebe Dich auch.
Hatte er eben noch gedacht, er würde den Rest des Tages traurig sein, weil ihm Heather fehlte, so korrigierte er seine Sichtweise in diesem Moment. Er würde den Rest des Tages einfach vor sich hin schweben und versuchen, den Blick ab und zu von Cassandra ab zu wenden um die Straße im Auge behalten zu können. Sie liebte ihn!! Das war alles, was im Moment zählte.