Kapitel 41
Ihr nächste Station war Las Vegas. Nach einem ausgedehnten Frühstück mit einem grandiosen Ausblick und weniger grandiosem Kaffe waren sie am frühen Mittag los gefahren und erreichten Vegas am späten Nachmittag.
Sie fuhren den Strip hinunter und A.J. fühlte sich sofort wie zu Hause. Nach L.A. und Orlando war Las Vegas die Stadt, in der er sich am wohlsten fühlte, auch wenn er nicht genau sagen konnte, wieso.
Vielleicht, weil in dieser Stadt, die eigentlich nur aus Hotelkomplexen, Spielhallen und Hochzeitskapellen bestand, andere Gesetze galten. Hier wurde niemand schief angeschaut, weil die Arme tätowiert waren, hier scherte sich keiner darum, wenn man ein Bier auf offener Straße trank, hier bot sich einem jeglicher Komfort und mit dem nötigen Kleingeld konnte man hier die Zeit seines Lebens verbringen.
Allerdings musste er zu geben, dass diese pulsierende Stadt, nach der Ruhe und Abgeschiedenheit des Grand Canyon, wie ein Dampfhammer auf sämtliche Sinne wirkte. Nach einem kurzen Blick zu Cassandra hinüber und in den Rückspiegel, konnte er bei seinen Mitreisenden die gleiche Verwirrung feststellen.
Er hatte am vorangegangenen Abend bei Cassandra vorsichtig angefragt, ob sie sich vorstellen konnte, diesmal in einem Hotel zu übernachten und zu seiner Überraschung hatte sie sofort genickt.
Es wird wohl langsam Zeit, mich an das Leben normaler Menschen zu gewöhnen, hatte sie mit einem Augenzwinkern gesagt und hätte er sich getraut, hätte er sie in diesem Moment in den Arm genommen.
Er hatte noch von unterwegs drei Suiten in seinem Lieblingshotel gebucht und war jetzt gespannt, wie die beiden Frauen darauf reagieren würden.
Mit einem Gefühl der Vorfreude auf ein riesiges Bett, einem ausgedehnten Schaumbad und einer eis gekühlten Flasche Perrier mit zwei anständigen Burgern hielt er schließlich vor dem Cesars Palace.
Während zwei Pagen sich um ihr Gepäck kümmerten und ein weiterer die Wagenschlüssel in Empfang nahm, fasste A.J. Cassandra an der Hand und gefolgt von Heather und LaBelle traten sie in die kühle Lobby.
Alles in Ordnung? wandte er sich leise an Cassandra und obwohl auf ihrem Gesicht ein unsicherer Ausdruck lag, nickte sie.
Geht schon. Ich denke die ganze Zeit nur an das schöne Zimmer und eine lauwarme Dusche, das hilft.
Lächelnd drehte er sich zu Heather herum. Sie musterte ihre Umgebung aufmerksam, schaute immer wieder nach, ob LaBelle auch noch in ihrer Nähe war und warf ihm dann einen fragenden Blick zu.
Kurz bevor sie die Rezeption erreicht hatten, hielt sie ihn schließlich am Arm fest.
Hör zu. Ich denke, unsere Wege sollten sich hier trennen.
WAS? fragten A.J. und Cassandra gleichzeitig.
Na ja ... schaut Euch die Hütte doch mal an. Ich kann mir das unmöglich leisten.
A.J. seufzte abgrundtief, lies Cassandras Hand los und fasste stattdessen nach Heathers.
Jetzt hör mir gut zu, denn ich werde das hier nur einmal sagen und ich will auch keinen einzigen Widerspruch hören. Diese zwei Tage bin ich der Gastgeber. Wir werden hier eine wundervolle Zeit verbringen und weder Du noch Cassandra noch LaBelle werden in diesen zwei Tagen daran denken was dieses oder jenes kostet. Ich ... ,
Als Heather den Mund öffnete und er ihrem Gesicht schon ganz genau ansehen konnte, wie sie sich innerlich bereits ereiferte, hielt er ihr kurzer Hand den Mund zu und sah ihr direkt in die Augen.
Irgendwelche Einwände? fragte er.
Lediglich undeutliches Gemurmel antwortete ihm.
Na, dann ist ja alles bestens, grinste er, nahm seine Hand von Heathers Mund, fasste erneut nach Cassandra und strebte dann der Rezeption zu.
Das kannst Du doch nicht machen, hörten sie Heathers schwachen Protest.
Oh doch er kann, lachte Cassandra, lies A.J.s Hand los und hakte sich stattdessen bei Heather unter.
Jetzt sei nicht so, hörte er sie auf Heather einreden und zufrieden lächelnd wandte er sich an den jungen Mann hinter der Rezeption.
A.J. McLean, ich habe heute Mittag drei Zimmer reserviert.
Das Leben war einfach wunderbar! Er hatte ausgiebig gebadet, danach den Fernseher eingeschaltet, sich die neusten Clips auf MTV angesehen und dabei zwei Burger und eine riesige, fettige Portion Pommes verdrückt.
Jetzt stand er pfeifend vor dem Spiegel, kontrollierte noch einmal sein Outfit, das heute zur Feier des Tages aus einem dunklen Hemd mit Nadelstreifen und dunkelblauen Jeans bestand, fuhr sich noch einmal mit gespreizten Fingern durchs Haar und machte sich dann auf den Weg hinunter in die Lobby.
Heather hatte ihn vor einer halben Stunde angerufen. Sie bestand darauf, dass er und Cassandra diesen Abend alleine verbrachten.
Wenn aus Euch noch einmal etwas werden soll, dann braucht ihr dringend ein wenig Zeit für Euch. Ich habe mich breitschlagen lassen, diese zwei Tage auf Deine Kosten zu verbringen, was ich im Übrigen immer noch nicht gut heißen kann, also will ich jetzt nichts hören. Wenn Dir so viel daran liegt den großzügigen Spender zu spielen, dann schick mich mit ein wenig Geld an einen Black Jack Tisch und mach Dir mit Cassandra einen schönen Abend.
Er hatte lahm protestiert, musste aber zum Schluß zu geben, dass die Aussicht, einen ganzen Abend alleine mit Cassandra zu verbringen, zu verlocken war, als dass er sich länger hätte mit Heather streiten können. Im Übrigen hatte sie sowieso keinen seiner Einwände gelten lassen.
Als sich nun die Fahrstuhltüren öffneten und er hinaus in die Empfangshalle trat, erblickte er die beiden Frauen in eine angeregte Unterhaltung vertieft, auf einem der ausladenden Sofas sitzen.
Als sie ihn bemerkten standen sie lächelnd auf und bei Cassandras Anblick wäre er beinahe zur Salzsäule erstarrt. Es schien ihm, als wäre sie niemals schöner gewesen, als in diesem Moment.
Sie trug eine weite, schwarze Hose, hochhackige Schuhe und dazu ein rotes Top, ihre dunklen Haare fielen ihr offen über die Schultern und ihre Augen leuchteten, als hätte sie gerade das Paradies entdeckt.
Wow, war alles was er heraus brachte, als er sie erreicht hatte.
Gleichfalls wow, gab sie lächelnd zurück.
Heather stupste ihn heimlich mit dem Ellenbogen an und irritiert blickte er zu ihr hinüber.
Ähm ... du siehst auch großartig aus, stammelte er, was sie zum Lachen brachte.
Danke, das ist nett, aber ehrlich gesagt kribbelt es in meinen Fingern. Ich bin dafür, dass wir uns aufteilen. Ich brauche meine volle Konzentration wenn es um Karten geht, da kann ich Euch Turteltauben ganz und gar nicht gebrauchen.
Turteltauben? fragte A.J mit hochgezogenen Augenbrauen.
Nicht gebrauchen? ergänzte Cassandra.
Oh Gott! Heather verdrehte die Augen. Ihr solltet echt zusammen auftreten. Fragt doch mal Siegfried und Roy, die können sicherlich aus Euch noch etwas Brauchbares machen.
A.J. zückte kopfschüttelnd seine Brieftasche und fischte einige Scheine heraus.
Wird das reichen? fragte er, während Heather große Augen bekam.
Du bist vollkommen verrückt, weißt Du das? Das ist viel zu viel.
Nimm es einfach und sorge dafür, dass es hinterher doppelt so viel ist.
Ich werde mein Bestes geben, versprach sie und steckte sichtlich widerwillig das Geld in ihre Tasche.
Du wirst also wirklich den Abend alleine verbringen? fragte Cassandra ungläubig.
Hey, so wie ich Dich kenne, willst Du Dir doch erst einmal sämtliche Sehenswürdigkeiten ansehen, verträumt von einer Leuchtreklame zur nächsten schlendern und zwischendurch vielleicht noch irgendeine Show ansehen.
Nun ja ... , Cassandra wirkte sichtlich verlegen.
Na also. Ich kenne das alles schon. Mach Dir keine Sorgen. Ich habe ein aufregendes Rendevouz mit Mr. Black Jack und glaub mir, es gibt kaum etwas erotischeres.
Bist Du Dir wirklich sicher? hakte Cassandra noch einmal nach.
Und wie ich das bin. Und jetzt geht schon. Ist ja nicht auszuhalten mit Euch zwei.
Cassandra sah fragend zu A.J. auf.
Wenn sie es so will, gab er zurück und zuckte dann mit den Schultern.
Ich wünsche Euch einen schönen Abend, sagte Heather, drehte sich auf dem Absatz herum und strebte dem Eingang des Casinos zu.
Und weg ist sie, kommentierte A.J. und Cassandra schüttelte den Kopf.
Manchmal verstehe ich sie einfach nicht.
Das macht nichts ... oder ist es Dir so unangenehm, den Abend mit mir alleine zu verbringen?
Ich ... was? ... nein ... also ... natürlich nicht ... ich ... , stammelte Cassandra und bekam einen knallroten Kopf.
Na siehst Du, entgegnete A.J. lächelnd, fasste nach ihrer Hand und zog sie hinaus durch das große Eingangsportal in die warme Nacht hinaus.