Kapitel 36

Als sie schließlich wieder an ihrem Motel ankamen, war es spät in der Nacht. A.J. hatte nicht erwartet, dass sie sich nach den ganzen Geschehnissen noch so gut amüsieren würden, doch als er nach einiger Zeit wieder zurück an ihren Tisch kam, komplett durchgefroren und immer noch leicht zitternd, unterhielten sich die beiden Frauen angeregt und freuten sich sichtlich, dass er wieder bei ihnen war.
Und so hatten sie noch eine ganze Weile zusammen gesessen. Er hatte noch ein paar Mal mit Heather getanzt, wobei sie sich augenscheinlich bemühte, genügend Abstand zwischen sich und ihm zu halten und am Ende waren sie aufgebrochen, da Cassandra schon beinahe die Augen vor Müdigkeit zu fielen.
Jetzt stellte er den Motor ab und kletterte aus dem Wagen, während Cassandra zielstrebig zu ihrer Zimmertür hinüber ging und sie auf schloss. Sofort drückte sich eine überglückliche LaBelle durch den Türspalt und wedelte dabei so aufgeregt mit dem Schwanz, dass ihr gesamtes Hinterteil in Bewegung geriet.
„Hey mein Schatz, ich bin wieder da,“ meinte Cassandra leise lachend. Die Hündin warf sich vor ihrem Frauchen auf den Boden, schmiegte sich ganz eng an ihre Beine, rollte sich dann auf den Rücken und streckte alle vier Pfoten auffordernd von sich.
„Ja, mein Schatz, ja, Du bist die beste. Natürlich. Ja, ich hab Dich auch vermisst,“ redete Cassandra leise auf LaBelle ein, während sie sich neben sie kniete und hingebungsvoll ihren Bauch kraulte. LaBelles Schwanz klopfte vor lauter Freude laut und vernehmlich auf den Bretterboden der Veranda und ab und an stieß sie einen wohligen Seufzer hervor.
„Na da hat Dich aber jemand vermisst,“ meinte Heather grinsend und zog ihre Jacke enger um sich.
„Ja, die Arme. Mußte die ganze Zeit alleine in diesem Motelzimmer bleiben,“ gab Cassandra zurück und drückte ihr Gesicht an den Hals des Tieres.
„Aber Du hast mich trotzdem noch lieb, nicht wahr?“ hörten sie sie gedämpft sagen und die Hündin antwortete mit einem leisen „Wuff“.
„Ich werde noch eine Runde mit ihr um den Block gehen,“ verkündete Cassandra und erhob sich. Sofort war LaBelle neben ihr auf den Beinen und begann in kleinen Sätzen um sie herum zu springen.
„DAS hat sie verstanden,“ kicherte Heather und lehnte sich entspannt gegen den Jeep.
Cassandra verschwand in ihrem Zimmer und knipste gleich darauf das Licht an, während LaBelle an der Türschwelle stehen blieb und ihnen ihr, nach wie vor vor Aufregung bebendes Hinterteil, entgegen streckte.
A.J. überlegte, was er jetzt tun sollte. Sollte er Cassandra begleiten? Oder noch einmal ein Gespräch mit Heather führen? Er konnte aber auch einfach in seinem Zimmer verschwinden, noch ein wenig Musik hören und bis zum nächsten Morgen entspannt durchschlafen.
Cassandra nahm ihm die Entscheidung ab, als sie das Licht löschte und wieder hinaus auf die Veranda trat. Sie hatte sich umgezogen und trug nun Jeans und Turnschuhe.
„Ich wünsche Euch eine gute Nacht. Wir sehen uns morgen, ja?“
„Klar. Schlaf gut,“ entgegnete Heather, machte aber keine Anstalten zu ihrem Zimmer hinüber zu gehen.
„Seid vorsichtig ihr zwei, ja?“ sagte A.J. und kramte in seiner Hosentasche nach dem beinahe leeren Zigarettenpäckchen.
„Ja Daddy. Wir schaffen das schon,“ gab Cassandra grinsend zurück, winkte ihnen noch einmal kurz zu und verschwand dann mit LaBelle im Schlepptau um die Ecke des Gebäudes.
„Sie ist wirklich etwas ganz Besonderes, nicht wahr?“ fragte Heather und kam langsam zu ihm herüber geschlendert.
Auf dem Zubringer über ihnen rauschten die Autos vorbei und verschluckten beinahe die Geräusche von Heathers Schritten auf dem dunklen Asphalt.
Die Wolkendecke über ihnen hatte sich mittlerweile komplett geschlossen, so dass weder der Mond noch ein einziger Stern zu sehen war.
A.J. blies eine Rauchwolke in die Luft und starrte nachdenklich auf die Stelle, an der Cassandra eben verschwunden war.
„Ja, das ist sie,“ gab er schließlich zurück und wandte seine Aufmerksamkeit wieder Heather zu. Sie stemmte sich gerade auf die Motorhaube hinauf und lies dann entspannt die Beine baumeln.
„Liebst Du sie?“ fragte sie unumwunden und A.J. schluckte.
„Wir sind nur Freunde,“ entgegnete er, wohl wissend, dass das keine Antwort auf ihre Frage war.
„Wie habt ihr Euch eigentlich kennen gelernt? Irgendwie ... na ja ... ihr seid ziemlich verschieden.“
„Das ist eine lange Geschichte, die ich Dir vielleicht irgendwann einmal erzählen werde,“ gab er vage zurück.
„Hey, normaler Weise bist Du nicht so sparsam mit Informationen,“ neckte sie ihn und ein breites Grinsen erhellte ihr Gesicht.
„Aber Du bist immer genau so neugierig,“ gab er ebenfalls grinsend zurück, was sie zum Lachen brachte.
„Also gut, reden wir nicht von Dir und ihr sondern von Dir und mir.“
Sein Grinsen verschwand augenblicklich und unbehaglich nahm er einen erneuten Zug von seiner Zigarette.
„Hör’ zu,“ sie stemmte sich in die Höhe und sprang von der Motorhaube, dann kam sie langsam auf ihn zu.
„Ich rede hier ja nicht von einer gemeinsamen Zukunft, Heiraten und Kinder kriegen, o.k.? Ich rede von „Spaß haben“, mehr nicht.“
Je näher sie kam, desto weiter wich er vor ihr zurück, bis er schließlich mit dem Rücken an das Geländer der Veranda stieß.
Sein Herz hämmerte in seiner Brust und verwirrt stellte er fest, dass sie ihn durchaus reizte. Sie war hübsch, hatte die richtigen Kurven an den richtigen Stellen und strahlte eine gehörige Portion Sexappeal aus. Sie wußte was sie wollte und wie sie das bekam und im Moment wollte sie eindeutig ihn.
„Wir müssen es ihr ja nicht verraten, wenn Dir das so wichtig ist,“ flüsterte Heather, die ihn mittlerweile erreicht hatte und sich aufreizend an ihn schmiegte.
„Einfach ... ,“ ihre Lippen streiften unglaublich erregend seinen Hals „ ... nur ...“ ihre Zunge fuhr sanft über sein Ohrläppchen „ ... ein bißchen ...“ ihre Hände glitten unter seine Jacke „ ... Spaß haben.“ Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und federleicht strichen ihre Lippen über seinen rechten Mundwinkel.
„Nur Spaß haben, ja?“ fragte er mit rauer Stimme und seine Arme legten sich von ganz alleine um ihre Taille. Seine Zigarette lag mittlerweile unbeachtete auf dem Boden und seine Atmung ging schnell und abgehackt.
„Genau,“ hauchte sie „einfach nur ein bißchen Spaß haben.“
Ihre Lippen senkten sich auf seinen Mund und gleich darauf fuhr ihre Zungenspitze aufreizend über seine Lippen. Bereitwillig öffnete er sie und erwiderte den leidenschaftlichen Kuß. Er spürte, wie sie sich sanft begann, an ihm zu reiben, ihre Hände seinen Rücken hinauf glitten und dort zärtlich Kreise mit ihren Fingernägeln malte.
Jede Gegenwehr war mittlerweile aus seinem vernebelten Gehirn gewichen, alles was er wollte war mit ihr in einem der Zimmer zu verschwinden und sich das zu nehmen, was sie ihm so bereitwillig anbot.
Plötzlich zerriss das helle Licht eines Scheinwerferpaares die Dunkelheit und ein Auto bog um die Ecke des Gebäudes. Erschrocken zuckte er zurück, schob Heather unter Aufbietung seiner letzten, kümmerlichen Reste von Verstand ein wenig von sich und versuchte, sich zwischen Geländer und diesem geschmeidigen Frauenkörper hervor zu schieben.
„I-Ich sollte jetzt ... besser ... gehen,“ stammelte er und tastete sich weiter an dem Geländer entlang.
Heather stemmte die Hände in die Hüften und schüttelte den Kopf.
„Ich verstehe Dich wirklich nicht.“
„Das macht nichts, ich tu’s es auch nicht,“ gab er zurück, drehte sich dann herum und verschwand so schnell er konnte in seinem Motelzimmer.

Kapitel 37