Kapitel 13
Sie waren nacheinander wieder in den Bus geklettert, doch anstatt Kevin zu folgen blieb A.J. bei Harold stehen.
Im nächsten Ort gibt es ein Cafe. Das Village Cafe. Können wir dort anhalten? Ich möchte ... ich ... uhm ... könnte was zu Essen vertragen ... ich meine ... geht das?
Harold sah ihn verständnislos an wir haben doch genug hier. Der Kühlschrank ist voll und ... ,
Ich weiß, unterbrach ihn A.J. und er konnte dabei förmlich die Blicke der Anderen in seinem Rücken spüren. Können wir einfach dort anhalten, ja?
Harold drehte sich ein Stückchen weiter in seinem Sitz herum und schaut über A.J.s Schulter. Als dieser seinem Blick folgte, sah er direkt in die dunklen Augen von Nicole, ihrer Tourmanagerin. In diesem Moment wünschte er sich, dass seine Mutter hier wäre. Sie hätte ihn sicherlich verstanden und diese kleine Verzögerung in Kauf genommen, doch sie hatte einige Termine zu Hause war zu nehmen und würde erst in ca. einer Woche zu ihnen stoßen.
Bis dahin hatte Nicole ihren Job übernommen und man sah ihr ganz deutlich an, dass sie absolut gar nichts von der Idee hielt in irgendeinem Kaff an zu halten.
Bitte Nickie, sagte er deshalb bevor sie etwas sagen konnte. Ich weiß, dass alles muß Euch sehr merkwürdig vorkommen, aber ich ... ich muß da einfach hin. Ich ... werde es Euch erklären. Versprochen.
Einen Moment wirkte Nicole noch unschlüssig, dann wanderte ihr Blick zu Kevin hinüber und dieser nickte unmerklich.
In Ordnung, sagte sie schließlich und A.J. fiel ein riesiger Stein vom Herzen aber wehe das ist wieder eine von Deinen idiotische Schnapsideen, dann ... ,
Ist es nicht, beeilte er sich zu sagen, wandte sich dann wieder zu Harold um, der seufzend den Zündschlüssel herum drehte und etwas von Popstars! murmelte.
Er klopfte ihm auf die Schulter und ging dann den Gang hinunter, vorbei an fragenden Gesichtern und gefolgt von Kevin, Nick, Howie, Brian und Nicole.
Sie setzten sich in den hinteren Teil des Busses, Nicole schloss hinter ihnen die Tür und lies sich dann neben Nick auf einer der Bänke nieder. A.J. setzte sich in die Mitte des Us mit untergeschlagenen Beinen auf den Boden.
Also ... , begann er.
Er erzählte ihnen, wie er das Tagebuch in der Schublade des Hotelzimmers gefunden hatte, berichtete ein wenig von den Eintragungen ohne dabei zu persönliche Dinge über Cassandra preis zu geben, erklärte, was es mit diesem Ort und dem Cafe auf sich hatte und versuchte zum Schluß in Worte zu fassen, warum es so wichtig für ihn war, sie zu treffen.
Ich weiß nicht, ob das ein normaler Mensch verstehen kann. Es ist ... wie soll ich sagen? Irgendetwas verbindet mich mit ihr. Ich kenne so viele Details aus ihrem Leben und manchmal kann ich sogar sagen, wie sie in gewissen Situationen reagieren wird, noch bevor ich darüber lese. Sie hat mir in den letzten Wochen, ohne es zu wissen, sehr geholfen. Sie hat mich abgelenkt, mich aufgebaut, mir die Freude am Leben zurück gegeben ... ich weiß auch nicht. Ich bin es ihr einfach schuldig, versteht ihr?
Als er in die Runde sah, merkte er, dass er noch lange nicht alle überzeugt hatte.
Du hast tatsächlich das ganze Buch gelesen? fragte Brian und sah ihn dabei nicht gerade freundlich an.
Ja das habe ich, gab A.J. zu.
Du weißt, dass man so etwas nicht tut, oder? Ich meine ... sie hat es bestimmt nicht dort gelassen, damit Du darin liest.
Ich weiß Brian. Am Anfang habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht, das gebe ich zu und als dann die ersten Zweifel auftauchten ... uhm ... war es zu spät. Das alles hat ... nun ja ... eine gewisse Faszination.
Darf ich es auch mal lesen? fragte Nick, doch sein Grinsen verriet ihm, dass er nicht wirklich mit einer positiven Antwort rechnete und so schüttelte A.J. einfach nur den Kopf.
Bist Du Dir sicher, dass sie überhaupt noch in dem Cafe ist? Ich meine ... immerhin hast Du das Buch tausende von Meilen von hier entfernt gefunden, gab Kevin zu bedenken.
Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Es ist einfach der einzige Anhaltspunkt den ich habe und wenn ich mich nicht sehr irre, dann muß sie einfach noch dort sein.
Einmal angenommen wir finden dieses Cafe tatsächlich und sie ist auch noch dort ... was wirst Du tun? Ich meine ... willst Du mit dem Bus vorfahren, aussteigen, da rein spazieren und sagen Hallo da bin ich. Ich habe Deine privaten Gedanken gelesen oder wie stellst Du Dir das vor?
A.J. sah Howie einen Moment verdutzt an. In Gedanken hatte er schon einige Gesprächssituationen durchgespielt, aber niemals war darin ein Tourbus mit neugierigen Crewmitgliedern, die ihre Nasen an den Scheiben platt drückten, vorgekommen.
Ich glaube nicht, dass es so eine gute Idee wäre, mit dem Bus vor zu fahren, stimmte Nicole Howie zu.
Ihr habt recht, nickte A.J. also, was meint ihr. Was soll ich tun?
Für einen Moment blieb es still. Dann sagte Nicole wir sind die nächsten drei Tage in Camden. Das sind ungefähr 40 Meilen von hier. Ich denke, wir können Dir morgen ein wenig Luft verschaffen. Warum fährst Du also nicht morgen dort hin? Ich organisiere Dir einen Leihwagen und Du bringst das ganze ohne neugierige Blicke über die Bühne.
Sein erster Impuls war, zu widersprechen. Er war seinem Ziel so verdammt nahe, so dass er jetzt nicht kurz davor aufgeben wollte. Andererseits hatte Nicole recht. Es hatte keinen Sinn in das Cafe zu gehen wenn er erstens dabei von mindestens 12 Augenpaaren beobachtet wurde und zweitens nicht genug Zeit hatte.
Also nickte er langsam.
Der Vorschlag klingt vernünftig ... ,
Sein Blick schweifte zum Fenster hinaus. Von seinem Platz auf dem Boden konnte er nur den Himmel sehen, der mit einigen weißen Fetzen von Wolken durchzogen war.
Konnte er noch einen Tag warten? Hatte er eine andere Wahl?
Wir könnten ja jetzt einfach mal schnell gucken gehen. Ich meine ... , Nick fuhr sich Gedanken verloren durch das Haar wir stellen den Bus ein paar Meter entfernt ab und holen uns einen Kaffee oder so.
Wir? A.J. hob die Augenbrauen.
Hey, wenn schon denn schon. Ich will mir die Lady auch mal anschauen. Wer weiß, wahrscheinlich wiegt sie zwei Tonnen und ist potthässlich. Wer sonst würde unter solchen Bedingungen sein Leben verbringen?
Und selbst wenn dem so wäre ... , A.J. spürte, wie so etwas wie Wut in ihm aufstieg. Nick war sein Freund, aber selbst er durfte niemanden beleidigen, der ihm so wichtig war ich muß mit ihr reden. Das ist ... eine Sache die ich unbedingt machen muß, versteht ihr das?
Nicht wirklich, gab Nick zu aber trotzdem werden wir Dich unterstützen, ist doch klar.
A.J.s Wut war genau so schnell verraucht, wie sie aufgetaucht war und dankbar lächelte er zu Nick hinüber.
Willst Du trotzdem heute noch dort hin? fragte Nicole und er schüttelte automatisch den Kopf. Er wollte alleine mit Cassandra sein, auch wenn das bedeutete, dass er noch einen ganzen Tag warten mußte.