Kapitel 1

Heute ist ein guter Tag dachte Alexander McLean lächelnd, während er im Fahrstuhl hinunter in die Hotellobby glitt. Aus der verspiegelten Rückwand der Kabine blickte ihm sein Konterfei entgegen. Seine dunkelbraunen Augen wirkten wach und ausgeruht, seine Haut war von der Sonne leicht gebräunt und verlieh den unzähligen Tättowierungen auf seinen Armen und am Hals einen matten Schimmer, sein Bart, der sich modisch um seine für seinen Geschmack etwas zu schmal geratenen Lippen rankte, war frisch gestutzt und verpasste ihm damit genau den richtigen Tick Männlichkeit und seine schlanke, muskulöse Gestalt steckte in einem altrosa T-Shirt und Jeans.
Ja, rosa konnte nicht jeder Mann tragen, aber so etwas hatte ihn noch nie gestört. Er verfügte über seinen eigenen Kopf und hatte in den vergangenen Jahren gelernt, diesen auch dann noch hoch zu halten, wenn man über ihn lachte oder hinter seinem Rücken - manchmal auch öffentlich - über ihn herzog.
Ein guter Tag. Ja, das konnte er heute ohne bitteren Beigeschmack sagen. Im Leben eines berühmten Popstars gab es gute und schlechte Tage, wie in jedem anderen Leben auch, allerdings war der Maßstab für gewöhnlich ein anderer.
Ein guter Tag bedeutete in seinem Fall, dass er heute hatte ausschlafen können, was auf einer Tournee, die gerade mal seit drei Wochen lief, keineswegs selbstverständlich war. Er hatte gestern Abend ein bisschen gefeiert und dabei nur einmal und ganz kurz daran gedacht, wie schön es jetzt wäre, ein richtiges, ordentliches Bier trinken zu können. Doch als trockener Alkoholiker, der er nun mal war, kam dies natürlich nicht in Frage.
Es war also bereits später Vormittag, er fühlte sich wach und ausgeruht, vor ihm lag ein Tag mit verhältnismäßig wenig Terminen, einer Show am Abend, die sich nach drei Wochen immer noch nicht nach Routine und Langeweile anfühlte und er war auf dem Weg in die Empfangshalle des Hotels, um ein bisschen in der Menge seiner Fans zu baden.
Und wie sich das für einen guten Tag gehörte, freute er sich tatsächlich darauf und sah dies nicht nur als lästige Pflichtübung, wie es ihm wahrscheinlich in ein paar Wochen vorkommen würde, wenn er sich von der Tour und dem ganzen Drumherum ausgelaugt und müde fühlte.
Sein Blick wanderte im Spiegel ein Stückchen weiter und erfasste die massige Gestalt seines Bodyguards. Er lehnte an der Fahrstuhlwand, hatte den Kopf zur Seite gedreht und die Augen in seinem schwarzen Gesicht starr auf die geschlossenen Fahrstuhltüren gerichtet. Seine Arme baumelten entspannt herab und alles in allem wirkte er so, als würde er jeden Moment im Stehen einschlafen. Doch das würde sich ändern, sobald sie hinaus ins Voyer traten.
Er kannte Marcus nun schon eine gefühlte Ewigkeit. Er war sein Freund, Verbündeter und oftmals auch die letzte Rettungsleine, wenn er wieder einmal drohte in die bodenlose Schwärze seines Selbst zu stürzen. Alleine dafür war er ihm für immer und ewig dankbar. Und auch wenn sein Bodyguard meist nicht viel mehr zu tun hatte als ein bisschen böse und möglichst abschreckend auszusehen, den Fans dabei behilflich zu sein, sich gemeinsam mit Alex ablichten zu lassen und ab und zu ein paar lästige Mitmenschen fern zu halten, so fühlte er sich doch in seiner Nähe immer sicher.
„Bereit Buddy?“ fragte er nun und drehte sich ebenfalls in Richtung Fahrstuhltüren.
„Bereit wenn du es bist,“ nickte Marcus.
„Dann wollen wir doch mal sehen, dass du für dein viel zu fürstliches Gehalt auch etwas zu tun bekommst,“ grinste Alex.
„Pfh ... fürstliches Gehalt,“ schnaubte Marcus, während der Fahrstuhl mit einem sanften Ruck zum Stehen kam und gleich darauf die Türen lautlos auseinander glitten.
Hintereinander traten sie hinaus in einen langen Gang, der zu ihrer Linken zu einer Anzahl von Bars und Restaurants führte und zu ihrer Rechten in der luftigen, lichtdurchfluteten Lobby endete. Wie immer ging Marcus einige Schritte voraus. Sein Körper war nun angespannt, seine Augen suchten wachsam das riesige Voyer ab und sollte er dort irgendetwas Ungewöhnliches entdecken, würde er dafür sorgen, dass Alex damit nicht behelligt wurde.
Doch heute schien alles ganz normal zu sein. Eben ein guter Tag.
Drei Stufen trennten den Gang von der weitläufigen Lobby. Eine breite Glasfront gewährte den Blick auf eine im Sonnenschein glitzernde, gut befahrene Straße in mitten der City, cremefarbene Polstergarnituren, riesige Farne und Schilfgras in edlen Holzkübeln verliehen dem hohen Raum einen Hauch von Gediegenheit und im hinteren Teil dominierte ein breiter, dunkel getäfelter Empfangstresen das Bild.
Als Alex hinter Marcus die Stufen hinunter schritt, sah er bereits die erste Gruppe Mädchen, die bei seinem unerwarteten Anblick in unübersehbare Hektik ausbrachen. Sie sprangen aus den Polstern der Sitzgruppe auf, ein Kichern und aufgeregtes Geflüster setzte augenblicklich ein und sein Lächeln wurde breiter. Mal sehen, was ihn heute erwartete.
Keine drei Meter weiter sprach ihn der erste - natürlich weibliche - Fan an. Mitglieder einer Boygroup hatten selten männliche Anhänger, was Alex nicht weiter störte.
„Hallo AJ,“ grinste sie und war damit, was den allgemeinen Fanlevel betraf, noch auf der untersten Stufe angesiedelt. Sie fing weder hysterisch an zu kreischen, noch brach sie in Tränen aus oder warf sich ihm an den Hals und versuchte ihn dabei zu erdrücken. So weit so gut.
Noch während er sie umarmte und ein raues „Hey Sweety,“ hauchte, hatte ihn die aufgeregt durcheinander schwatzende Gruppe Mädchen erreicht.
Während Marcus ein wenig in den Hintergrund trat um das Geschehen mit etwas Abstand zu betrachten und den Überblick nicht zu verlieren, folgte das übliche Begrüßungsritual: Umarmen, Lächeln, Smalltalk und Komplimente erhalten und zurückgeben.
„Das neue Album ist klasse!“
„Vielen Dank.“
„Ich habe Eure Show in Chicago gesehen, der absolute Wahnsinn!“
„Das freut mich.“
„Ich bin sooo aufgeregt.“
„Aber das musst du doch nicht.“
Und dazwischen immer wieder für die Fotos lächeln, Autogramme schreiben, unzähligen Fangeschichten lauschen und nach und nach in diese warme Wattewolke aus Sympathie und Liebe eintauchen.
Ja, ein wirklich guter, guter, guter Tag!
Vielleicht hätte er sich gleich wundern sollen, als er aus den Augenwinkeln einen jungen Mann wahrnahm, der sich von dem Empfangstresen her der aufgekratzten Menge aus Popstar und aufgeregten Mädchen näherte. Zu seinen verwaschenen Jeans trug er ein ebenfalls verwaschenes Shirt, das wahrscheinlich irgendwann einmal blau gewesen war, seine mausbraunen Haare waren etwas zu lang und fielen ihm wirr in die Stirn, doch sein Gang war aufrecht und zielgerichtet, als er mit langen Schritten auf ihre Gruppe zusteuerte. Doch gerade als sich in Alex ein seltsames Gefühl von Unbehagen breit machen wollte, wurde er von einem weiteren Mädchen abgelenkt, das ihre Gruppe in diesem Moment etwas verspätet erreichte, und ihr Anblick ließ ihn erst einmal alles andere um sich herum vergessen.
Sie war alleine, was erst einmal ungewöhnlich anmutete, da es schien, dass diese Mädchen immer mindestens zu zweit oder in Grüppchen an ihn heran traten. Desweiteren war sie um einiges älter und erwachsener als die kichernden Teenies, die ihn umringten. Anfang zwanzig schätzte er, zierlich, mit ansprechenden Kurven an den richtigen Stellen, dunklem, langen Haar und einem Lächeln zum Dahinschmelzen. Jetzt war es ganz klar und offiziell: Dies war ein überaus guter Tag!
„Hi,“ sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen.
Mann, sie wusste ganz eindeutig, wie sie seine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Dieses leicht verschüchtert wirkende Lächeln, die tiefen schokoladenbraunen Augen, die seinen Blick nun festhielten als er ihre Hand ergriff, und diese vollen, verführerischen Lippen, zwischen denen ein paar makellos weiße Zähne hervor blitzten.
„Ebenfalls hi,“ begrüßte er sie mit seinem schönsten Zahnpastalächeln.
„Uhm ... ehrlich gesagt weiß ich jetzt gar nicht mehr, was ich sagen wollte,“ lächelte sie verlegen und senkte gleich darauf den Blick.
„Wie wäre es für den Anfang mit deinem Namen?“ war er ihr behilflich, während er von einem anderen Mädchen einen Filzschreiber entgegen nahm und seine Unterschrift auf ein riesiges Foto mit seinem Konterfei kritzelte.
„Sally,“ strahlte die Schönheit.
„Angenehm, AJ,“ gab er lächelnd zurück und benutzt dabei absichtlich die Abkürzung seines Namens. Fan war immer noch Fan und nur Menschen, die ihm wirklich nahe standen durften ihn Alex nennen.
„Stell dir vor, das wusste ich schon,“ schmunzelte sie.
„Ich dachte nur ... so der Form halber ...,“ grinste er. „Und?“ fuhr er fort, nachdem er sich mit einem weitern Fan hatte fotografieren lassen. „Wirst du dir die Show heute Abend ansehen?“
„Natürlich, das will ich auf keinen Fall ... ,“ setzte sie an, doch dann verstummte sie mitten im Satz, den Mund noch für das nächste Wort geöffnet. Ihre großen Augen wurden noch ein wenig größer, ihr Gesicht verlor im Bruchteil von einer Sekunde jegliche Farbe und jeder einzelne ihrer Muskeln schien sich augenblicklich anzuspannen.
Noch bevor seine Sinne das Wort Gefahr überhaupt erfasst hatten, brannten sich ihre nächsten Worte laut und schrill in sein Hirn ein.
„RUNTER!!“ brüllte sie, noch während sie sich mit einer ungeheuren Kraft nach vorne katapultierte und direkt auf ihn zugeschossen kam.
In dem Moment, als ihre Körper schmerzhaft aufeinander prallten, hörte er den Knall. Es war ein alles durchdringender, hässlicher Laut, der ein schmerzhaftes Echo in seinen Eingeweiden zu finden schien und dem er keine eindeutige Richtung zuordnen konnte. Doch irgendwie war er sich sicher, dass der junge Mann etwas damit zu tun hatte.
In der gleichen Sekunde brach das absolute Chaos um ihn herum aus. Die Mädchen fingen hysterisch an zu kreischen, Arme, Beine und die dazugehörigen Körper wirbelten scheinbar ziellos um ihn herum und nahmen ihm für einen Moment die Sicht. Noch im Fallen hörte er plötzlich Marcus’ entsetzten, lauten Schrei und das war wohl das, was sein Herz endgültig vor Angst explodieren ließ.
Mit einem erstickten Laut schlug er auf dem Boden auf, sein Steißbein und sein Hinterkopf machten dabei schmerzhafte Bekanntschaft mit dem harten Marmorboden, während das Mädchen weich auf ihm landete und ihm dabei ihren Ellenbogen in die Rippen rammte. Er wollte schreien, doch es befand sich leider nicht mehr genug Luft in seinen Lungen, so dass lediglich ein heiseres Stöhnen über seine Lippen kam.
Er fühlte sich unglaublich desorientiert und benommen, sein ganzer Körper schien in schmerzhaften Flammen zu stehen und mit einem Schlag wurde ihm klar, was dieser Knall zu bedeuten hatte.
Jemand hatte auf ihn geschossen!
Irgendein verdammtes Arschloch hatte tatsächlich eine Waffe auf ihn gerichtet und abgedrückt!
Langsam lichtete sich der Nebel in seinem Gehirn. Er hörte hektisches Fußgetrappel, ganz in der Nähe sah er ein Mädchen, das sich wimmernd hinter einen Blumenkübel duckte und die Arme zitternd um den Kopf geschlungen hatte, irgendwo vor ihm, außerhalb seines Sichtfeldes, meinte er so etwas wie Kampflärm zu hören: Fäuste, die auf unnachgiebiges Fleisch trafen, Schreie und Stöhnen und dazwischen Marcus’ wütende Bass-Stimme die „komm’ her du Wichser“ brüllte.
Jetzt erst wurde ihm bewusst, dass das Mädchen – wie hieß sie noch gleich? Sally? – immer noch auf ihm lag und sich nicht rührte.
Unter einiger Kraftanstrengung brachte er seinen malträtierten Körper dazu, sich auf die Ellenbogen hinauf zu stemmen, einen Arm um das Mädchen zu schlingen und sich mit ihr herum zu rollen. Im letzten Moment schaffte er es ihren Kopf aufzufangen, der ohne erkennbaren Widerstand zur Seite kippte und drohte, auf dem harten Boden aufzuschlagen.
Sein Herz hämmerte wie verrückt in seinem Brustkorb, alles in ihm drängte danach aufzuspringen und sich in Sicherheit zu bringen und er hatte ganz gewiss noch nie in seinem Leben eine derartige Todesangst verspürt.
Trotzdem handelte ein Teil seines Verstandes unglaublich rational und berechnend. Seine Augen untersuchten flüchtig den Teil seines Körpers, den er sehen konnte, doch so wie es aussah, war er Gott sei Dank unversehrt geblieben. Zumindest bildete er sich ein, dass er es wohl spüren müsste, wenn ihn die Kugel getroffen hätte.
Unter hektischem Blinzeln erfasste er das gesamte Voyer, das auf den ersten Blick wie ausgestorben wirkte. Bis auf den breiten Rücken von Marcus natürlich, der sich keine zehn Meter von ihm entfernt befand. Alex konnte nicht erkennen was da genau vor sich ging. Er sah ein paar dünne Beine, die unter Marcus hervor schauten und jetzt hektisch zu strampeln begannen, als sich der schwarze Hüne mit seinem gesamten Gewicht auf die Brust des Angreifers sinken ließ. Alex sah noch, wie Marcus die Faust zum Schlag erhob, doch sein Blick wurde wieder von dem Mädchen in seinen Armen angezogen, das sich immer noch nicht gerührt hatte.
„Hey,“ flüsterte er, während er versuchte, sie so gut wie möglich mit seinem Körper – vor was oder wem auch immer - zu schützen. „Alles in Ordnung?“
Sie antwortete nicht und ihm wurde es mulmig.
„Hey Sally. Kannst du mich hören?“ versuchte er es noch einmal, während er sich dicht über sie beugte und das blasse Gesicht mit den geschlossenen Augenlidern musterte.
Keine Reaktion.
Er zog seinen rechten Arm unter ihr hervor, um ihr einige Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen und ihre Wange zu berühren, doch mitten in der Bewegung hielt er inne.
Ungläubig und mit weit aufgerissenen Augen starrte er auf seine Hand. Blut! So unglaublich viel Blut. Augenblicklich wurde ihm speiübel und unbändiges Entsetzen grub sich tief in seine Eingeweide.
„Sally?“ fragte er noch einmal mit zitternder Stimme, dann packte ihn etwas an der Schulter und riss ihn mit ungeheurer Kraft nach hinten. Zu Tode erschrocken schrie er auf und schlug wie wild um sich.
„Ruhig Mann,“ hörte er Marcus brüllen, während er ihn unter den Armen packte, mühelos in die Höhe und damit von Sally fort riss und einfach in Richtung Gang mit den Fahrstühlen zerrte.
„Nein ... ich muß ... ,“ versuchte es Alex, während seine Augen an der reglosen Gestalt des Mädchens festklebten, die nun einsam und verlassen in der Lobby lag, totenbleich aussah und um deren Körper sich ganz langsam eine riesige Blutlache ausbreitete.
„Ich weiß Alex,“ hörte er Marcus’ beruhigende Stimme in seinem Rücken. „Die Polizei und Krankenwagen sind bereits unterwegs. Aber mein Job ist deine Sicherheit. Verstanden?“
„Nein!“ wehrte Alex ab und versuchte sich aus dem unnachgiebigen Griff seines Bodyguards zu befreien, doch gegen diesen zwei Mal zwei Meter Hünen hatte er keine Chance.
„Sie vernünftig, verdammt noch mal,“ schnauzte dieser, packte ihn an den Schultern, wirbelte ihn ohne Umschweife herum und schob ihn vor sich her die Treppenstufen hinauf und direkt auf die Fahrstühle zu.
„Sie hat mir das Leben gerettet, kapierst du das nicht?“ begehrte Alex auf, während er versuchte, über die Schulter seines Freundes hinweg einen Blick auf die Gestalt am Boden zu erhaschen, doch da wurde er bereits rückwärts in die Fahrstuhlkabine gedrängt und gleich darauf schlossen sich die Türen hinter ihnen.
„Bist du verletzte?“ fragte Marcus sofort besorgt, während seine breiten Pranken auf Alex’ Schultern lagen und er jeden Quadratzentimeter seines Körpers mit den Augen abtastete.
Erbost holte Alex tief Luft und sah zu seinem Bodyguard auf. Er war ein freier Mann, verdammt noch mal, und er wollte jetzt sofort zu Sally und sehen, wie es ihr ging, ob sie noch atmete, ob sie schwer verletzt war oder ob sie ...
Der Anblick seines Freundes ließ ihn allerdings inne halten. Marcus’ sonst so dunkle Haut wirkte aschfahl, dafür hatten seine Augen einen wilden Glanz angenommen und sein gesamter Körper schien unter Hochspannung zu stehen.
„Nein ... ich ... was ... ?“ stammelte Alex.
„Ich habe keine Ahnung Mann,“ entgegnete Marcus kopfschüttelnd. „Irgend so ein verdammter Wichser hat ne Knarre gezogen und auf dich angelegt. Ich hab es leider zu spät gesehen. Wäre dieses Mädchen nicht gewesen ... ganz ehrlich, das war ganz schön knapp. Aber sowas von!“
Alex fühlte, wie seine Knie weich wurden, sein Mund austrocknete und sein Herzschlag erneut davon galoppierte. Sein Körper sank kraftlos gegen die Fahrstuhlwand, während das ganze Ausmaß des Geschehens zum ersten Mal wirklich in seinem Bewusstsein ankam.
Er hätte heute sterben sollen.
Dieser Gedanke zauberte ihm augenblicklich eine unangenehme Gänsehaut über den gesamten Körper. Seine Engeweide zogen sich schmerzhaft zusammen und in seinem Kopf hallte dieser Satz immer und immer wieder: Du hättest heute sterben sollen. Du hättest heute sterben sollen. Du hättest ...
Stattdessen hatte er aber, nur mit sehr viel Glück und durch die Geistesgegenwart eines ihm vollkommen fremden Mädchens, überlebt.
So viel also zu dem guten Tag.

Kapitel 2