Den schmalen, dunklen Gang entlang tastet er sich an den feuchten, moosbewachsenen Wänden voran, langsam mit schlurfendem Schritt. Der Geruch von Moder hängt in der stickigen Luft und macht ihm das Atmen schwer. Geräusche erscheinen gedämpft, wie die Jahre, die im Fluge an ihm vorüber ziehen.. Noch immer zwingt er sich, dem Tunnel zu folgen, quält sich weiter, schon lange blind geworden. Eine Zeitlang hat er die Ratten gezählt, die zu seinen Füßen vorüberhuschen. Irgendwann hörte er wieder auf damit, da es ihm sinnlos erschien.
Sein vorheriges Leben ist nur noch ein schwacher Schatten, der immer mehr, gegen das allgegenwärtige Rauschen in seinem Gedächtnis, ver- blasst. Manchmal noch glaubt er Stimmen zu hören, von Menschen die er kannte. Andere Stimmen leiten ihn, flüstern vom Licht. Grausame Stimmen. Für ihn ist das Ende des Tunnels verloren, in der Vergangenheit begraben. Einmal wird er einen Luftzug verspüren, sein Schattenreich verlassen können, aber er wird es nicht mehr wollen. Angst wird die Reste seines Selbst in einem einzigen Auflodern zu Asche werden lassen. Immer in der Finsternis geborgen, verrinnen die Jahre. Er geht nicht mehr weiter. Zufrieden, umfangen von einer Kälte, die er nicht mehr wahrnimmt, legt sich ein kindliches Lächeln auf seine groben Züge. Tag für Tag dämmert er dahin. Zuletzt lauscht er den Wassertropfen, die von der Decke herab, auf einen nackten Stein zwischen seinen Füßen fallen. Noch einmal macht es Plitsch in seinem Kopf, dann ist nichts mehr. Leere, nur noch Leere.