Er ging langsam und gebeugt die Straße hinunter, als träge er schwer an einer unsichtbaren Last.
So, wie er vom fahlen Licht des Mondes geleitet wurde, hatte er die Tage verloren. Ein Schemen, nur eine flüchtige Erscheinung, von der niemand später mit Sicherheit würde sagen können, er hätte ihn gesehen.

Nun lief zum wiederholten Mal das selbe Lied, leise im Hintergrund. Es war schon spät und Deus, der Barmann, spülte mit professioneller Langeweile die Gläser, die er auf das Abtropfblech stellte. Er hielt den Kopf leicht geneigt, als würde er der Musik zuhören. Seine letzten zwei Gäste saßen an der Bar. Mit trübem Blick starrten sie in ihre Gläser, auf deren Grund das Vergessen bernsteinfarben leuchtete und nach Whisky roch.

Ein Lufthauch, von der sich kurz öffnenden Tür, kündigte den Alten an. Er setzte sich an die gegenüberliegende Seite der Bar, vor ein wohl gefülltes Glas, das auf ihn zu warten schien. Der Barmann nickte ihm kaum merklich zu.
Tränen liefen unaufhörlich über sein Gesicht, flossen aus stark geröteten Augen, tropften auf das blank polierte Holz des Tresens. Etwas mußte ihn in seinen Grundfesten erschüttert haben. Immer wieder erschauerte er und sein Kinn bebte in unbekanntem Schmerz.

In den letzten Minuten hatte es begonnen. Er begann sich deutlich besser zu fühlen, nicht wissend warum, aber mit einem Gefühl großer Erleichterung. Sein Blick war nicht mehr auf das Glas vor ihm fixiert, sondern schweifte hinüber, auf die andere Seite der Bar, wo ein volles Glas stand, das auf irgendjemanden zu warten schien.
Der Alte war gegangen, unbemerkt.
Plötzlich wußte er nicht mehr, warum er da war, warum er überhaupt hierher kam. Auch in den anderen Mann war das Leben zurückgekehrt und gemeinsam verließen sie die Bar, seltsam schwerelos und froh, diesen Ort verlassen zu können.

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