The Wish

Prolog

Ich fühlte mich wie in einem Traum. Gleich würde ich aufwachen und über mich selbst lachen, denn Feen, Hexen und dergleichen gab es nicht in der Realität!!
Ich blinzelte ein paar Mal, doch als ich die Augen schließlich wieder weit öffnete, saß die alte Frau immer noch mir gegenüber auf der Couch, hielt eine dampfende Tasse Tee in den Händen und wiederholte gerade das, was sie mir vor ungefähr zwei Minuten schon einmal gesagt hatte.
„Du hast einen Wunsch frei. Wirklich. Das ist kein Scherz. Du hast mir geholfen, nun helfe ich Dir.“
„Entschuldigen Sie, wenn ich mich etwas dämlich anstelle, aber in der Welt in der ich lebe, gibt es so etwas wie „Wunscherfüllung“ oder „Hexerei“ nicht,“ sagte ich und lehnte mich in meinem Sessel zurück.
Ich hatte sie vor ungefähr zwei Stunden im Central Park aufgegabelt. Zu diesem Zeitpunkt war sie kaum noch in der Lage alleine zu gehen, da ihr die Kälte bereits tief in die alten Knochen gedrungen war.
Unter einiger Anstrengung hatte ich es geschafft, sie in meinen Wagen und zu mir nach Hause zu buxieren. Ein warmes Bad und einen Liter heißen Tee später hatte sie mir dieses lächerliche Angebot gemacht.
„Ich bin eine Fee und ich kann Dir jeden Wunsch erfüllen. Du hast einen frei.“
Ha! Wo gab es denn so etwas? Höchstwahrscheinlich hatte die Kälte noch mehr angegriffen als ihre müden Knochen und ich schüttelte erneut den Kopf.
„Versuch’ es,“ sagte sie und lächelte dabei geheimnisvoll „wenn nichts passiert, hast Du recht und ich nehme alles zurück was ich gesagt habe. Ich werde aus Deiner Tür spazieren und Du wirst mich nie wieder sehen.“
Ich konnte dieser Logik nicht wirklich widersprechen, auch wenn sich bei diesem Thema eigentlich Logik von selbst ausschloss. Aber gut. Einen Wunsch also.
Geld! Nein, das war zu profan. Wenn, dann sollte es schon etwas völlig ... unmögliches ... einzigartiges ... monumentales sein.
Sie könnte mich ja rein theoretisch zur Herrscherin der Welt machen und bei dem Gedanken mußte ich dann doch leise kichern. Ich tat hier tatsächlich so, als spräche die Frau vor mir die Wahrheit.
Mein Blick glitt über ein Poster, dass in einem schlichten Glasrahmen an der Wand hing. Ein Mitbringsel aus Paris, von dem Konzert eines amerikanischen Künstlers, der nie ein eigenes Album veröffentlicht hatte, aber eine geniale Stimme besaß und noch einiges mehr, dass ich aber sehr schlecht in Worten fassen konnte.
Ein Gedanke formte sich in meinem Kopf und für einen Moment hatte ich das Gefühl, dass ich diese Idee niemals würde aussprechen können. Das war doch nichts, was man sich wünschen sollte, wenn man schon einmal die Gelegenheit hatte und außerdem würde die alte Dame mich doch nur auslachen.
Ich öffnete den Mund und schloss ihn wieder.
„Nur heraus damit,“ schmunzelte die Frau und sah mich aufmerksam an.
„Ich ... ähm ... nun ... es ist mir etwas peinlich ... „
Die Frau hob amüsierte eine Augenbraue, sagte aber nichts.
„Ich möchte gerne Vanessa Gilles sein.“
Völliges Unverständnis erschien auf dem Gesicht der Frau.
„Sie ist ... seine Freundin ... ,“ ich deutete an ihr vorbei auf das Poster und so etwas wie Verstehen erschien in dem Gesicht der Frau.
„Oha, es hat also mit Liebe zu tun?“
„Uhm ... auch, ja.“
„Und wie lange möchtest Du Vanessa sein?“
„Ich ... weiß es nicht ... wenn es gut läuft ... für immer?“
„Und wenn es schlecht läuft? Vielleicht ist das Leben dieser Frau nicht das, was Du glaubst.“
„Ich weiß,“ ich starrte das Poster an. Wie konnte ein Leben an seiner Seite nicht schön sein? Andererseits hatte die Frau recht. Vielleicht war Vanessa ja krank und die Presse wußte von nichts. Was würde ich tun wenn ich mich demnächst in einem Krankenhaus oder in einem Sarg wieder fand?
Im selben Moment hielt ich erschrocken inne, versuchte mein Grinsen hinter meiner vorgehaltenen Hand zu verstecken und schallt mich innerlich einen Idioten. Was tat ich hier eigentlich? Niemand erfüllte Wünsche und schon gar keine, die so abgefahren waren wie meiner.
„Ich schlage vor,“ in die alte Frau kam Bewegung als sie die Tasse auf dem Tisch abstellte und die Hände dann auf ihre Knie stützte „wir bauen Dir einen Ausgang mit ein. Das sollte genügen.“
„Wie bitte?“ Jetzt war ich diejenige, die nur noch Bahnhof verstand.
„Ich biete Dir die Möglichkeit, wann immer Du es möchtest wieder Du selbst zu werden.“
„Das ... klingt doch gut ...“ Ich merkte, dass mich tatsächlich so eine Art unbändige Vorfreude ergriff und versuchte mich innerlich zu bremsen. Man konnte sich nicht auf etwas freuen, das sowieso nicht eintreffen würde.
„Nun gut. Wir machen es so ... ,“ sie stand auf und wanderte eine Weile tief in Gedanken versunken im Zimmer auf und ab „wenn Du zurück möchtest in Dein altes Leben dann sagst Du „Samilea“ und schon wirst Du wieder hier mit mir auf der Couch sitzen. Was hältst Du davon?“
„Ich glaube nicht, dass ich mir das merken kann,“ sagte ich ehrlich, doch die Frau lachte nur „Du wirst es wissen, glaub es mir.“
Ich zuckte mit den Schultern. „Also gut.“
„Bist Du bereit?“
„Ich denke schon.“
Jetzt passiert es gleich dachte ich gleich werde ich ihr schonend beibringen müssen, dass sie keine gute Fee ist.
Ein eigenartiges Kribbeln erfasste mich und irgendwie wurden die Konturen um mich herum plötzlich ganz verschwommen. Ich blinzelte und als das nichts nützte, kniff ich fest die Augen zusammen.
Als ich sie wieder öffnete, war mein Wohnzimmer verschwunden und ich blickte direkt in ein paar sehr faszinierende, mir bestens bekannte, dunkle Augen.

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