Kapitel 1
Melissas p.o.v.
Ich konnte immer noch nicht fassen, dass Lisa mich tatsächlich hier her mit geschleppt hatte. Die Backstreet Boys ... ich meine ... gibt es etwas langweiligeres als mit fünf Männern, die so echt wirken wie künstliche Fingernägel eine Party zu feiern? Na ja, genau genommen hatte ich sie noch nicht zu Gesicht bekommen, aber zu wissen, dass ich alle meine Überzeugungen verriet nur weil ich hier war, machte es nicht wirklich besser.
Einzig und alleine meine Begeisterung für ihre Musik hatte mich hier her geführt. Ich hatte gehofft, dass sie etwas von ihrem Können zum Besten geben würden, dass ich mich in irgendeine Ecke verziehen, die Augen schließen und diesen fantastischen Stimmen lauschen könnte, die so wundervoll harmonisch zusammen passten und manchmal auch wieder nicht, was für mich wohl den größten Reiz daran aus machte.
Meine einsame Ecke hatte ich zwar gefunden, aber es tönten eben nicht ihre Stimmen aus dem überdimensionalen Lautsprecher auf dem ich hockte, sondern irgendetwas das sich nach einer Mischung aus Madonna und Celin Dion anhörte, was komischer Weise gar nicht mal so schlecht war.
Zum hundertsten Mal sah ich mich in dem überfüllten Raum um, um eventuell Lisas Gesicht zwischen den unzähligen Köpfen aus zu machen und ihr ohne Umschweife zu erklären, dass ich es vorzog hier zu verschwinden.
Doch auch dieses Mal hatte ich kein Glück. Missmutig zupfte ich an dem kleinen Namenschild herum, das knapp oberhalb meiner rechten Brust klebte. Eine absolut bescheuerte Idee. Welchem Idiot war das nur eingefallen?
Lisa hatte es natürlich ganz toll gefunden.
Es hat ein bißchen was von diesen Singlepartys, findest Du nicht? hatte sie strahlend erklärt und sich den ovalen Aufkleber an den Kragen ihrer Bluse geheftet.
Ich hatte nur mit einem undefinierbaren Gemurmel geantwortet, was sie geflissentlich überging. Sie hatte beschlossen, dass wir heute Abend jede Menge Spaß haben würden und alles andere ignorierte sie eben. Ich hatte nicht einmal protestiert, als sie auf einen weiteren Aufkleber in ihrer wunderschönen, geschwungenen Handschrift Melissa geschrieben und mir das Ding auf mein T-Shirt geklebt hatte.
Danach schnappte sie sich meine Hand und zog mich hinter sich her mitten in das Getümmel hinein. Nach fünf Minuten schwirrte mir bereits der Kopf von den vielen Namen, den Blicken, die grundsätzlich im Gesicht begannen und dann weiter zu den diversen Namensschildern wanderten und bei denen ich mich unglaublich unwohl fühlte. War das Sinn und Zweck dieser Schildchen? Man durfte dem Betroffenen ohne Gewissensbisse auf die Brust starren?
Ich lies Lisa irgendwann einfach stehen, organisierte mir eine Cola an der Bar und suchte mir dann genau dieses Plätzchen aus. Hier hatte ich nicht zu befürchten, dass mich irgendjemand an sprach, denn das Dröhnen der Box war dafür viel zu laut.
Ich genoss es, den Rhythmus durch meinen gesamten Körper fließen zu spüren und mich förmlich in der Musik zu befinden.
Musik ... ja, das war es, was mich hier her gezogen hatte und genau das, was mich jetzt an diesem Ort ab stieß. Hier ging es nicht um die Musik. Hier ging es um Eitelkeiten. Geschäftliche Deals wurden hier aus gemacht und man knüpfte Kontakte wie es so schön heißt.
Innerlich schüttelte ich den Kopf. War es tatsächlich möglich, dass es eine Zeit gegeben hatte, in der ich genau das hier angestrebt hatte? Zwei Jahre hatte ich in dem Business verbracht, geglaubt, dass ich dem Druck und den Erwartungen stand halten würde. Wie naiv ich doch gewesen war! Genau so wie auf dieser Party, ging es im wirklichen Leben nicht um die Musik war es nie gegangen. Es ging um den größtmöglichen Profit. Welcher Song verkaufte sich am besten? Was wollten die tauben Schäfchen vor den Radiogeräten hören? Was passte nicht in das tägliche Alltagseinerlei von Songs, die sich beim ersten Mal hören direkt in die Hirnrinde eingruben und dafür sorgten, das Platten gekauft wurden und der Rubel rollte?
Ich hatte versucht, meine Augen davor zu verschließen, hatte zu oft nachgegeben, wenn die Plattenfirma mir klar machte, dass der oder der Song nicht auf das Album passte, weil das eben kein Titel war, der der Masse gefallen würde, hatte alle Sinne und nicht zu letzt meine Intuition beiseite geschoben um Erfolg zu haben.
Und welchen Preis hatte ich dafür gezahlt? Meine damaligen Freunde waren verschwunden, ich hatte einen Schuldenberg, den ich kaum noch überblicken konnte und ein saftiges Drogenproblem, das ich aber mittlerweile wieder im Griff hatte. Manchmal .... in Momenten wie diesen ... da sehnte ich mich nach dem Koks. Ja, das mußte ich wohl oder übel zu geben. Man fühlte sich damit einfach nicht so unsicher und fehl am Platz. Man meinte, man könne alles schaffen wenn man nur hart genug arbeitete und lange genug wach blieb.
Wieder schweifte mein Blick über die Menge vor mir.
Ich bin ein Alien, schoss es mir durch den Kopf andersartig, krank, dass ich das hier nicht genießen kann.
Der Gedanke setzte sich fest und zog unermüdlich Kreise in meinem Gehirn. Ein Alien, ich bin ein Alien, ein Alien ...
Nicht nur meine innere Einstellung unterschied mich wohl von dem ganzen Rest in diesem Raum, sondern auch meine äußere Erscheinung.
Lisa hatte die Nase gerümpft, als sie mich zu Hause ab holte willst Du das wirklich anziehen? hatte sie entsetzt gefragt und nachdem ich einen Moment an meinen verblichenen Jeans und dem weißen T-Shirt auf dem in blutroter Schrift Freedom for Music prangte, herunter geblickt hatte, nickte ich.
Hättest Du nicht wenigstens etwas mit Deinen Haaren machen können? fragte sie weiter.
Nun gut, ich gebe zu ... himbeer-rot ist vielleicht nicht mehr so ganz angesagt in diesen Kreisen, aber was ging sie das an?
Entweder Du nimmst mich so mit oder ich bleibe zu Hause, hatte ich erwidert und halb gehofft, dass sie es sich tatsächlich anders überlegen würde.
Aber Lisa blieb hartnäckig wie immer, was ich manchmal zwar nicht ganz verstehen konnte, aber der Grund dafür war, dass ich immer noch mit ihr befreundet war. Sie tat zwar immer so, als ginge ihr alles was ich tat gegen den Strich, aber im Endeffekt akzeptierte sie mich genau so, wie ich war.
Für einen Moment fragte ich mich, welche dieser gut aussehenden Männer, die in Scharen an meinem Platz vorbei zogen ohne mich eines Blickes zu würdigen, wohl zu den Backstreet Boys gehörten.
Ich besaß tatsächlich zwei Alben von ihnen, was ich aber niemals öffentlich zu geben würde, hatte aber nie einen genaueren Blick auf die Covers verschwendet. Gesichter, Körper, waren nur Äußerlichkeiten, die nichts über die Qualität dahinter aussagten.
Auch wenn man z.B. von Kurt Cobain behauptete, dass er der Musik noch einen Tick mehr Realitätsnähe vermittelte, weil er diese verletzlichen Augen hatte, der man die Verzweiflung, die man auch in seinen Texten fand, förmlich ansah, so hatte ich darauf nie viel gegeben.
Wie kam es denn, dass man immer nur diese geleckten Typen auf MTV sah? Warum hatten Menschen, die eine überragende Stimme hatten, aber nicht das entsprechende Äußere, keine Chance in der Musikindustrie Fuß zu fassen?
Das war ein Gedanke, der mich unglaublich wütend machte.
Schnell versuchte ich mich davon ab zu lenken. Ich bin ein Alien ... ein Alien ...
Kapitel 2
A.J.s p.o.v.
... vielleicht sollten wir das in den nächsten Tagen in meinem Büro besprechen ... , sagte Jake gerade und ich sah, wie Kevin begeistert mit dem Kopf nickte.
Wunderbar! Ein weiterer Termin, zu dem ich nicht die geringste Lust verspürte. Hörte das denn niemals auf? Alles was ich wollte, war Musik zu machen. Warum konnte man uns nicht einfach das tun lassen, was wir am besten konnten und lies uns mit dem anderen Kram in Ruhe?
Manchmal hatte ich das Gefühl, dass es nur noch um das liebe Geld ging. Wie viele hervorragende Tracks hatten sie vom letzten Album gekickt? Bei wie vielen Songs hatten wir die Texte ändern müssen? Jive ärgerte es sicherlich immer noch, dass von I want it that way zwei verschiedene Versionen kursierten und sie es einfach nicht geschafft hatten, den ursprünglichen Text unter den Tisch fallen zu lassen.
Und jetzt auch noch diese Party. Alles was in der Musikbranche Rang und Namen hatte, war hier vertreten. Es galt neue Sponsoren zu finden, unser neues Album, das so gut wie fertig war zu promoten und nicht zu letzt ging es darum zu beweisen, dass die Backstreet Boys immer noch existierten.
Unendlich gelangweilt lies ich meinen Blick über die Menschen um mich herum schweifen. Die üblichen perfekten Gesichter lächelten mich an, die üblichen blonden Haare flogen durch eine kokette Handbewegung, die wohl meine Aufmerksamkeit erregen sollte, durch die Luft und das übliche unechte Gelächter drang an mein Ohr.
Widerlich war das Wort, dass dabei durch meinen Kopf schoss und zum wiederholten Male fragte ich mich, wie ich es so lange in diesem Geschäft hatte aushalten können. War jetzt der Zeitpunkt gekommen, etwas Eigenes zu machen? Nicht mehr auf alle anderen zu hören sondern nur noch auf mein Bauchgefühl?
Wie immer wenn ich bei diesem Gedanken angekommen war schüttelte ich innerlich den Kopf. Dazu hatte ich nicht den Mumm, das hatte ich schon lange erkannt. Trotzdem ... irgendwie hielt mich der Gedanke aufrecht.
Ich sah hinunter auf das Glas in meiner Hand. Zeit für etwas neues zu trinken. Ich schob mich durch die tanzenden, zuckenden Körper, versuchte dabei, jeglichen Körperkontakt zu vermeiden und erreichte unbehelligt die Bar.
Der Barkeeper sah mich freundlich lächelnd an und das Wort Jackie/Cola lag mir bereits auf der Zunge, während mein Mund die erste Hälfte davon verschluckte.
Eine Cola bitte, sagte ich und der Barkeeper antwortete kommt sofort.
Wenigstens das hatte ich hin bekommen. Etwas, auf das ich stolz sein konnte. Kein Alkohol mehr und das nun schon seit fast zwei Jahren. Nicht schlecht für jemanden, der eine Zeit lang ohne Alkohol im Blut keinen Schritt gemacht hatte.
Mit meinem frisch gefüllten Glas sah ich mich danach in dem großen Raum um. Das Licht war gedämpft, aber noch nicht schummrig genug, um dem ganzen den Hauch von etwas Verruchtem zu geben. Wenn es danach gehen würde, sollte es hier eigentlich komplett finster sein.
Für einen Moment hatte ich Probleme zu atmen. Alles war hier so eng und ich hatte das Gefühl, dass mich jeder anstarrte.
A.J. McLean von den Backstreet Boys, schienen sie sich zu zu flüstern hast Du gesehen? Er trink nur noch Cola. Es muß schlimm sein von Alkohol abhängig zu sein. Wie konnte ihm das denn nur passieren? Er hat doch alles. Klar, wenn er kein Geld hätte und keinen Job, keine großen Autos vor der Tür und nicht dieses riesige Haus, wenn die Frauen ihm nicht in Scharen hinter her rennen würden, dann könnten wir das verstehen. Aber so? Der Typ hat doch alles. Wie konnte er nur so undankbar sein?
Manchmal dachte ich tatsächlich, dass diese Stimmen recht hatten. Wie konnte ich nur so undankbar sein? Immerhin hatte ich das Privileg, Musik machen zu können. Vielleicht nicht immer so, wie ich mir das vorstellte, aber im Großen und Ganzen konnten wir mit dem Resultat und dem Erfolg zufrieden sein. Was vermisste ich also?
Mein Blick blieb bei einer Gestalt hängen, die zusammen gesunken im Schneidersitz auf einem der großen Lautsprecher saß und scheinbar Gedanken verloren im Takt der Musik mit dem Kopf wippte.
Irgendwie wirkte sie hier Fehl am Platz. Zum einen passte sie schon rein äußerlich nicht in diese ach so perfekte Glitzerwelt. Ihre Haare legten sich in widerspenstigen Locken um ihr Gesicht und dieses Rot lies ihr Gesicht noch ein wenig blasser erscheinen. Zudem hatte sie sich nicht die Mühe gemacht, ihre Garderobe dem Anlass an zu passen, was für mich Grund genug war, die ersten zaghaften Schritte auf sie zu zu machen.
Zum anderen wirkte sie so, als sei sie momentan ganz alleine in diesem Raum voller Menschen. Sie schien sich nicht von den Oberflächlichkeiten und Eifersüchteleinen beeindrucken zu lassen und man konnte ihr förmlich ansehen, wie weit sie sich von hier weg wünschte. Was tat sie also hier?
Als ich sie fast erreicht hatte, blicke sie auf und ihre Augen waren es wohl, die mich für einen Moment unschlüssig vor der Lautsprecherbox inne halten ließen. Sie waren so blau und klar wie ein strahlender Sommerhimmel und von langen, dunklen Wimpern umrahmt. Abschätzig musterte sie mich, so als wollte sie sagen was willst Du denn hier? Komm mir lieber nicht zu nahe.
Hallo, sagte ich und war mir bewusst, dass sie garantiert keine einzige Silbe verstanden hatte. Über die laute Musik hinweg konnte ich mich ja nicht einmal selbst hören. Ich versuchte vergeblich ihr kleines Namensschild zu entziffern und lies es schließlich bleiben. Namen waren doch sowieso nur Schall und Rauch.
Überraschender Weise antwortete sie mit einem kurzen hi, das ich ebenfalls nur von ihren Lippen ab lesen konnte, und hob dabei die Hand, die sie danach schnell wieder in ihrem Schoß verschwinden lies, so als ärgerte sie sich darüber, dass sie ein bisschen zu überschwänglich reagiert hatte.
Man hätte sie sicherlich nicht als klassische Schönheit beschrieben. Ihre Nase war ein wenig zu spitz und ihre Wangen zu rund, dafür waren ihre Lippen so wundervoll geschwungen, dass ich sie am liebsten sofort geküsst hätte. Unter ihrem T-Shirt zeichneten sich kleine, feste Brüste ab, die sich jedes andere Mädchen in diesem Raum sicherlich schon um mindestens zwei Körbchengrößen vergrößert hätte, aber sie passten einfach perfekt zu meinem Gegenüber.
In diesem Moment streckte sie die Beine aus und lies sie über die Kante der Box baumeln. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob sie sich auf eine möglichst schnelle Flucht vorbereitete oder sich einfach nur entspannter hin setzen wollte. Ich traute ihr beides zu.
Scheinbar hatte sie gefallen an unserer lautlosen Diskussion gefunden, denn sie zeigte auf sich und formte dann mit ihrem hübschen Mund ein einzelnes Wort, dass ich nicht gleich verstand. Es war mir wohl an zu sehen, denn sie lächelte und begann mit ihren Fingern die einzelnen Buchstaben zu formen M E L I S S A.
Ah ... das konnte ich auch A L E X.
Sie nickte und lächelte immer noch. Ob sie wußte wer ich war? O.k., war der Papst katholisch? Andererseits ... sie wirkte irgendwie nicht so ... nicht so ... mir fehlte das Wort. Wenn sie es wußte, so schien es ihr zumindest egal zu sein.
Ich blieb weiterhin unschlüssig vor ihr stehen. Was sagte man denn, wenn man keine Worte hatte?
Je länger diese Gesprächspause andauerte, desto unwohler fühlte ich mich. Ich sollte jetzt etwas geistreiches sagen, sie möglichst zum Lachen bringen, irgendetwas tun, um den Funken von Interesse in ihren Augen zum glühen zu bringen, irgendetwas um sie davon zu überzeugen, dass ich eigentlich ein ganz toller Typ war.
Stattdessen sah sie mich einfach nur mit diesen unglaublich blauen Augen an und schien sich dabei nicht im Geringsten unwohl zu fühlen.
Schließlich wurde ihr Lächeln breiter und sie sprang mit elegantem Schwung von dem Lautsprecher herunter. Sie trat auf mich zu, kam mir so nahe, dass ich schwach ihr Parfum wahr nehmen konnte, das mich sofort an eine blühende Sommerwiese erinnerte und flüsterte dann in mein Ohr ich bin ein Alien, hast Du das gewußt?
Sie sah mich herausfordernd an und so verrückt wie dieser Satz auch klingen mochte, so wußte ich doch sofort, was sie meinte. Also beugte ich mich vor, tauchte in diesen Duft nach Sommer, Frische und Unschuld ein und sagte das Erstbeste, das mir einfiel würdest Du mich bitte zu Deinem Planeten entführen?
Ich ahnte es mehr, als das ich es fühlte. Dieses unmerkliche Zusammenzucken, das versteifen ihres Körpers, so, als hätte ich gerade etwas vollkommen Unanständiges gesagt.
Ich sah sie fragend an und bemerkte ihre vor Missbilligung gerunzelte Stirn.
Oh nein ... sie meinte doch nicht etwa ... nein, daran hatte ich ganz bestimmt nicht gedacht! Also beugte ich mich erneut vor, spürte, wie sie sofort wieder erstarrte und sagte egal wohin, bring mich einfach nur weg von hier.
Als sich unsere Blicke erneut trafen, war das Stirnrunzeln verschwunden. Scheinbar hatte sie verstanden, dass das hier keines Falls ein Annäherungsversuch sein sollte sondern tatsächlich nur die Bitte, mich von dieser Tortur zu erlösen.
Warum bekommst Du so etwas eigentlich nicht alleine hin? fragte eine leise Stimme in meinem Kopf, aber da ich keine Antwort darauf wußte, schob ich sie bei Seite. Das war etwas, mit dem ich mich auch noch beschäftigen konnte, wenn ich später alleine und frustriert in meinem Hotelbett lag.
Für einen unendlichen Moment musterte sie mich, dann griff sie nach meiner Hand, sah sich noch einmal in dem Raum um, so, als suche sie jemanden, fand ihn aber wohl nicht und zog mich dann hinter sich her dem Ausgang entgegen.
Was auch immer jetzt kommen würde ... alles war besser als länger hier zu bleiben.
Kapitel 3
Melissas p.o.v.
Was auch immer mich dazu bewogen hatte, mit diesem seltsamen Typ die Party zu verlassen, war auf jeden Fall nicht rational zu erklären.
Irgendetwas hatte er an sich. Diese dunklen Augen, die so aussahen, als hätten sie schon zu viele schlimme Dinge in ihrem Leben gesehen, diese Lippen, die er nervös aufeinander gepresst hatte, als er plötzlich vor mir stand, das alles wirkte so unglaublich verletzlich und so, als fühle er sich nicht recht wohl in seinem Körper und an diesem Ort.
Das waren auf jeden Fall Gefühle, die ich nur zu gut nachvollziehen konnte. Wahrscheinlich war es das gewesen, was mich all meine Vorsicht vergessen und ihn hinter mir her zu meinem Auto schleifen lies.
Eigentlich war er nicht wirklich mein Typ. Die vielen Tatoos, das modische Shirt und die Jeans, auf der man ganz groß das Firmenschild von Calvin Kline erkennen konnte, passte so wunderbar in diese Welt, zu der ich nicht gehören wollte.
Ich gebe zu, ich wollte ihn mit meiner Alien-Geschichte provozieren. Normaler Weise hätte er sich auf dem Absatz umdrehen und verschwinden sollen. Doch er war geblieben und nachdem ich auf seine erste Entgegnung hin gedacht hatte, er suche nach einem Weg, mich möglichst schnell in sein Bett zu bekommen, so hatte ich den Eindruck nach seiner zweiten Entgegnung nicht mehr.
Er wirkte ähnlich verloren wie ich und ich hörte durchaus sein tiefes Aufatmen, als wir die Party schließlich durch den Hintereingang verlassen hatten.
Blieb die Frage, was ich jetzt mit ihm machen sollte. Ihn mit zu mir zu nehmen kam auf keinen Fall in Frage. Da mußte erst so einiges passieren, dass ich irgend jemandem den Weg zu meinem letzten Rückzugsort zeigte.
Für einen Moment musterte ich ihn von der Seite, bis er unvermittelte seinen Kopf drehte, sich unserer Blicke fanden und ich schnell wieder vor mir auf die Straße schaute.
Ich bin ein Alien, ich bin ein Alien ... begann es in meinem Kopf wieder zu kreisen.
Du bist also ein Alien, sagte er neben mir und für einen Moment dachte ich erschrocken, dass ich meine Gedanken laut vor mich hin gesprochen hatte, doch dann ging mir auf, dass er nur auf meinen Bemerkung von vorhin reagierte.
Du etwa nicht? fragte ich also zurück und warf ihm erneut einen Seitenblick zu.
Er lächelte nachdenklich ich glaube manchmal bin ich tatsächlich so etwas. Jemand, der nirgends hinein zu passen scheint.
Hatte er tatsächlich verstanden, was ich damit ausdrücken wollte? Konnte es sein, dass dieser fremde Mann neben mir wusste wie es war sich als Außenseiter zu fühlen?
Wie ein Alien siehst Du nicht aus, sagte ich also und hielt diesmal meinen Blick fest auf die Straße gerichtet.
Wieso nicht? Weil ich die Klamotten trage, die jeder trägt? Weil ich auf einer Party war, auf der sich ausschließlich bereits tote Gestalten herum treiben?
Uhm ... ja? Er hatte mir meine Oberflächlichkeit direkt unter die Nase gerieben und das ärgerte mich, während gleichzeitig der Respekt vor ihm in mir wuchs.
Ich dachte eigentlich, Du wärst anders, setzte er dem ganzen noch die Krone auf und ohne Vorwarnung hielt ich mit quitschenden Reifen mitten auf der Kreuzung an. Um mich herum hupte es wütend und ein paar Autofahrer bedachten mich mit hässlichen Schimpfworten, während sie sich um uns herum manövrierten.
Du denkst also, ich bin so wie alle anderen? fragte ich und kümmerte mich nicht darum, dass das Hupkonzert um uns herum lauter wurde.
Ich ... weiß nicht ... , er schien sichtlich irritiert und nervös angesichts der Situation in der wir uns befanden. Wenn wir Glück hatten würde es nicht lange dauern, bis die Cops auf den Plan traten und dann wurde es erst richtig lustig.
Ich dachte Du wärst anders, äffte ich ihn nach. Was hast Du denn dann damit sagen wollen?
Scheinbar regte sich sein Kampfwillen, denn er drehte sich etwas in seinem Sitz herum, so dass er mich direkt ansehen konnte ich wollte damit nur sagen, dass Du die Menschen genau so nach ihrem Äußeren beurteilst, wie die, die es sonst mit Dir tun. Du gehst davon aus, dass der Mensch den Du siehst, genau so in seinem Inneren ist. Das finde ich nicht gerade fair. Mehr wollte ich damit eigentlich gar nicht sagen.
Für einen Moment sah ich ihn noch an und spürte, wie meine Wut so schnell verrauchte wie sie aufgeflammt war. Er hatte ja recht verdammt.
O.k., es tut mir leid, sagte ich also schließlich. Ich erwartete ein triumphierendes Grinsen in seinem Gesicht zu finden, aber da war lediglich ein leises Lächeln.
Überhaupt kein Problem, entgegnete er schließlich aber könnten wir uns nun von der Kreuzung herunter bewegen?
Ich sah auf die Straße, so, als würde mir erst jetzt richtig bewußt, wo wir uns befanden und fing an zu kichern.
Klar, wie Du möchtest, ich legte den Gang ein und je weiter wir uns von der Kreuzung entfernten, um so mehr mußte ich lachen.
Schließlich hielt ich den Wagen erneut an, diesmal allerdings vorschriftsmäßig am Straßenrand, da ich vor lauter Lachtränen nichts mehr sehen konnte.
Alex hatte sich neben mir mit seinem Kopf auf das Armaturenbrett gelehnt und lachte ebenfalls so sehr, dass er sich den Bauch halten mußte.
Darf ... ich ... mich vorstellen? lachte ich und streckte ihm meine zitternde Hand entgegen ich bin ... Ally ... , erneut prustete ich los Ally das Alien. Alex ergriff meine Hand angenehm, lachte er und lies sich gegen die Rückenlehne fallen ich bin Rob ... .
Rob? langsam wurde ich wieder ernst wieso Rob?
Rob, die Abkürzung von Robinson Cruso, erklärte er und wischte sich die Lachtränen aus dem Gesicht.
Robinson Cruso?
Ja, alleine auf einer einsamen Insel. Ist das nicht ein wundervoller Gedanke? Er sah zu mir hinüber, jetzt wieder vollkommen ernst aber entspannt.
Ja, das ist er ... obwohl ... , meine Gedanken schweiften ab und endlich wußte ich, wo ich ihn hin bringen würde.
Was heißt obwohl? fragte er, während ich den Wagen startete.
Ich bringe Dich jetzt zu meiner Insel, verkündete ich allerdings ist die nicht einsam. Das meinte ich mit obwohl. Es gibt Inseln, die sind bewohnt und trotzdem fühlt man sich dort wohl.
Er sah so aus, als könne er sich das nicht vorstellen, aber er würde gleich sehen, dass das tatsächlich möglich war.
Kapitel 4
A.J.s p.o.v.
Während Melissa den Wagen durch die nächtlichen Straßen steuerte, suchte ich krampfhaft nach einem Gesprächsthema. Ich wollte unbedingt mehr über sie erfahren. Wo also ansetzen, ohne gleich zu indiskret zu sein? Ich konnte mir gut vorstellen, dass sie ihre Lebensgeschichte nicht jedem erzählte.
Also, wo anfangen? Das Naheliegenste, war wohl die Party.
Du stehst also auf die Backstreet Boys? fragte ich und war sehr gespannt auf ihre Antwort.
Nein, überhaupt nicht.
Innerlich schrumpfte ich zusammen. Warum wußte ich auch nicht so genau. Machte es mir so viel aus, wenn sie unsere Musik nicht mochte?
Ich liebe ihre Musik, aber die Typen sind mir egal.
Wie bitte?
Na ja ... , sie sah lächelnd zu mir hinüber ich gebe nichts auf Gesichter oder Personen. Wichtig ist doch nur die Musik ... Stimmen, Melodie und die Texte natürlich. Alles andere sollte nicht zählen.
Wen interessiert es, ob dieser A.J. oder wie der heißt, in einer Entzugsklinik war?
Sie hatte tatsächlich keine Ahnung ...
Ich meine, das war sicherlich nicht wirklich schön für ihn, aber was ihm das Ganze gebracht hat wird man erst auf dem neuen Album hören ... oder vielleicht auch erst, wenn er etwas Eigenes macht, wozu ich ihm dringend raten würde.
Tatsächlich?
Hast Du Dir die Stimme von dem Kerl mal angehört? fragte sie zurück.
Ja ... schon. Ist sie so besonders?
Oh ja, das ist sie. Weißt Du, es gibt so viele Stimmen ohne Charakter. Sie klingen zwar schön, sind mir aber zu glatt. Eine Stimme sollte Ausstrahlung haben, genau wie ein Gesicht. Wenn Du es so willst, ist dieser raue Unterton in seiner Stimme so etwas wie das Leuchten von hübschen Augen, oder die Sommersprossen auf einer Stupsnase.
Sommersprossen auf einer Stupsnase ... , ich lies mir jedes Wort auf der Zunge zergehen. So hatte es bisher noch niemand ausgedrückt und ich fragte mich, ob sie damit recht hatte.
Aber was war dann mit Brian? Brian hatte eine saubere, klare Engelsstimme. Was hatte sie daran aus zu setzen? War sie nicht gut genug? Fehlte es ihr an Charakter?
Kevin z.B., fuhr sie fort sollte mehr eigene Parts bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass er viel mehr mit seiner Stimme machen könnte, als leise im Hintergrund herum zu brummeln.
Herum zu brummeln? ich war perplex.
Herum zu brummeln, bestätigte sie grinsend.
Nicks Stimme hat auch seinen ganz eigenen Reiz, fuhr sie fort, ohne das ich mit bekommen hätte, das sie Luft geholt hatte und sein Soloalbum fand ich gar nicht mal so schlecht. Obwohl ich immer noch das Gefühl hatte, er bremst sich etwas oder wird gebremst, aber das ist natürlich nur meine ganz eigene bescheidene Meinung.
Sehr bescheiden, sagte ich ironisch, was sie zum lachen brachte.
Ja, manchmal bin ich größenwahnsinnig, störe Dich einfach nicht weiter daran.
Ich werde es mir merken, lachte ich leise und war dabei unglaublich fasziniert von dem was sie sagte. Jetzt mußte ich es dann aber doch wissen und Brian?
Sie überlegte einen Moment. Brian ... hm ... Brians Stimme hat so etwas Sauberes ... Klares ... Positives. Es ist auch eine Art Ausstrahlung, die ich zwar sehr wohl sehe, die mir aber nicht wirklich gefällt. Ich mag seine Stimme irgendwie, aber mir fehlt der Hauch des ... uhm ... Verruchten ... Bösen ... ach, es ist einfach schwer zu erklären.
Ich denke, ich verstehe was Du sagen willst, gab ich zurück und wußte tatsächlich was sie meinte. Brian war eben wie seine Stimme: geradlinig, offen, ehrlich, umgänglich, sehr religiös ... vielleicht fehlte ihm manchmal der Hang zur dunklen Seite.
Bleibt noch Howie, sagte ich.
Hm ... ich mag keine hohen Stimmen bei Männern. Ehrlich gesagt fällt mir manchmal gar nicht auf, dass er da ist. Er hat sicherlich Talent, aber auch nicht das, was ich an einer Stimme mag.
Und trotzdem hörst Du es Dir an, stellte ich fest.
Oh ja. Manchmal denke ich, dass sie nur zusammen so perfekt sind. Irgendwie ... na ja ... sie scheinen Teil eines Ganzen zu sein. Das eine kann nicht ohne das andere.
Sie zuckte mit den Schultern so als wollte sie sagen, dass sie keine Worte hatte um aus zu drücken was sie eigentlich wirklich sagen wollte.
Das heißt also, Du hörst Musik, hast aber keine Ahnung von den Menschen, die dahinter stecken? fragte ich weiter.
So würde ich das nicht sagen. Ich denke die Musik verrät so Einiges. Aber im Grunde ist es mir tatsächlich egal ob es ein weißer oder schwarzer ist, ob er dick oder dünn, hässlich oder hübsch oder was auch immer ist. Deshalb verstehe ich auch nicht so ganz, was für ein Hype um Eminem z.B. gemacht wurde. Ist es so wichtig, dass er ein Weißer ist, der Musik macht, die bisher nur den Schwarzen vorbehalten war?
Es war eben etwas völlig Neues, gab ich zu bedenken.
Na und? Das ist doch der Sinn von Musik, oder? Immer wieder neue Gefilde erreichen, etwas Neues schaffen.
Da könntest Du recht haben.
Ich sah sie mit neuem Respekt von der Seite an. Im Musikbusiness würde sie sicherlich nicht lange bestehen, aber ihre Einstellung sollte jeden Künstler von innen wärmen. Zumindest hatte sie das bei mir geschafft.
Wie Sommersprossen auf einer Stupsnase ich lächelte in mich hinein. Wann hatte das letzte Mal jemand so etwas schönes über meine Stimme gesagt?
Wie bist Du denn auf die Party gekommen? fragte ich weiter, während wir die Innenstadt verließen und immer weiter in die dunklen Außenbezirke abtauchten.
Eine Freundin hat mich mit geschleppt, entgegnete sie. Lisa ist so etwas wie eine Talentsucherin. Sie arbeitet bei BMG und hatte eine Einladung aber keine Begleitung. So kam ich also zu dem zweifelhaften Vergnügen. Und Du?
Ich schluckte. Was sagte ich nun?
Ich ... bin mit einem aus der Band befreundet, log ich und fühlte mich unglaublich mies dabei. Ich weiß nicht, warum ich ihr nicht einfach die Wahrheit sagte. Oder vielleicht doch. Eigentlich gab es sogar mehrere Gründe.
Zum Einen hätte sie mir höchstwahrscheinlich nicht geglaubt und mich hier an Ort und Stelle aus dem Wagen geworfen, zum Anderen machte sie auf mich den Eindruck, als wollte sie mit niemandem aus dem Musikgeschäft zu tun haben und da stand ich ja nun leider mit beiden Beinen drin.
Der wichtigste Grund von allen war aber leider sehr egoistisch und banal. Es gefiel mir, dass mich nach langer Zeit endlich wieder jemand als normalen Menschen behandelte. Sie sah in mir einen, vielleicht nicht ganz durchschnittlichen, Typen, aber auf keine Fall einen Superstar, dem man nach dem Mund redete, wenn man überhaupt noch einen Ton heraus brachte.
Lange würde ich meine Identität natürlich nicht verheimlichen können, das war mir auch klar und so würde ich diese Nacht eben genießen so lange sie andauerte.
Mit einem aus der Band? hakte sie nach und warf mir einen misstrauischen Blick zu.
Ja, der Gitarrist ist ein guter Freund von mir und ich dachte, ich könnte vielleicht mal in das Business hinein schnuppern. Ich bin nämlich ... ,
... Musiker, vollendete sie meinen Satz wie jeder zweite Einwohner in L.A., setzte sie noch hinzu und ihre Gesichtszüge wurden weicher.
Verwandte Seelen?
Was machst Du denn so wenn Du gerade eine Alien-Pause einlegst? fragte ich und sie lachte leise.
Ich arbeite ganz profan in einem Buchladen.
Wieso profan?
Na ja, ist nicht wirklich ein Job bei dem man viel verdient oder sich einen großen Namen machen kann, gab sie zurück aber ... , sie hob den Zeigefinger ich liebe meine Job und er hat etwas ... nun ja ... würdevolles.
Was ein Musiker nicht hat?
So würde ich das nicht sagen. Aber man kann in diesem Geschäft sehr schnell seine Würde verlieren.
Bevor ich noch etwas sagen konnte hielten wir plötzlich an. Die Straße sah aus wie tausend andere und ich hatte keinen blassen Schimmer, was wir ausgerechnet hier wollten.
Was machen wir denn hier? fragte ich also. Sie zog den Zündschlüssel aus dem Schloß und lehnte sich in ihrem Sitz zurück.
Da drüben ... , sie zeigte mit dem Finger an meiner Nase vorbei auf eine unscheinbare Holztür ist mein Club. Also nicht mein Club ... aber irgendwie ... ach Du wirst schon sehen. Mit diesen Worten öffnete sie die Autotür.
Ein Club? fragte ich ungläubig. Dafür waren wir jetzt durch die ganze Stadt gefahren? Sie hielt inne, die Autotür immer noch in der Hand und ihr Blick wanderte zurück zu der Holztür.
Nicht irgendein Club ... oder eigentlich ... na ja ... eine Bar wenn Du es so willst, entgegnete sie willkommen im Starlight, meinem Wohnzimmer, meinem Beichtstuhl und nicht zu letzt meinem zweiten zu Hause.
Kapitel 5
Melissas p.o.v.
Als wir ausstiegen sah Alex immer noch etwas verwirrt aus. Wäre es mir nicht so wichtig gewesen, was er vom Starlight hielt, hätte ich wohl gelacht, aber so war ich unbestreitbar nervös.
Es ging mir immer so wenn ich jemanden mit hier her brachte, wobei ich zugeben mußte, dass das noch nicht oft vorgekommen war. Im Grunde war es ganz einfach: Entweder man liebte oder man hasste es.
Zielstrebig ging ich auf die Eingangstür zu, in der sich eine kleine Luke ungefähr in Augenhöhe befand. Ich drückte den Klingelknopf und wartete dann einige Sekunden bis sich die Luke mit einem Ruck öffnete und ich in Lucas vertraute Augen mit den buschigen Brauen sah.
Melissa, ich glaube es ja nicht, rief er aus und riss gleich darauf mit Schwung die Tür auf.
Komm zu Papa, lachte er und breite die Arme aus.
Hallo Luca. Ist viel zu lange her, was? lächelte ich und verschwand förmlich zwischen seinen muskulösen Armen und seiner unglaublich breiten Brust.
Als er mich widerstrebend los lies deutete ich auf Alex, der neben mir stand und wohl immer noch nicht wußte, was er von dem Ganzen halten sollte.
Das ist Alex, stellte ich ihn vor und das ist Luca.
Die beiden schüttelten sich die Hand, wobei Luca versuchte möglichst düster aus zu sehen, immerhin hatte er den Türsteherjob nicht umsonst. Doch mir konnte er nichts vormachen. Seine Menschenkenntnis war legendär und man sah ihm schon jetzt an, dass er Alex mochte.
Allerdings konnte er es auch heute nicht lassen, meinen persönlichen Aufpasser zu spielen.
Wenn Du dem Mädchen hier das Herz brichst, reiße ich Dir Deines mit Vergnügen heraus, hast Du mich verstanden?
Klar und deutlich, nickte Alex ernst und ich verbiss mir ein Grinsen.
Gut, da das ja jetzt geklärt ist ... herzlich willkommen! Mit einer einladenden Geste deutete Luca hinter sich auf einen roten Samtvorhang und während wir darauf zu gingen, schloss er hinter uns die Tür.
Ist er immer so? flüsterte Alex neben mir und jetzt mußte ich dann doch lachen.
Er hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht mich vor allem Bösen zu beschützen. Ich gönne ihm den Spaß.
Spaß? Aha.
Ich warf ihm noch einen belustigten Seitenblick zu und tauchte dann durch den Vorhang hindurch.
Dahinter führten einige Stufe abwärts.
Bringst Du mich eigentlich direkt in die Hölle? fragte Alex.
Wenn schon, dann in den Himmel, gab ich zurück und hörte Alex hinter mir schmunzeln. Gut. Er fühlte sich wohl und das, obwohl wir uns immer noch im recht kühlen Treppenhaus befanden.
Am Treppenabsatz gingen mehrere Türen ab und ich wandte mich nach links.
Hat sich hier eigentlich schon einmal jemand verlaufen? fragte Alex weiter während wir einen spärlich erleuchteten Flur entlang gingen und ich überlegte ernsthaft, ob ein Knebel nicht angebracht gewesen wäre.
Am Ende des Ganges befand sich ein weiterer Vorhang und dahinter war bereits leise Musik zu hören.
Ich schob den Vorhang beiseite und sofort begann mein Herz höher zu schlagen. Ich befürchte es ist schwierig zu erklären, was in mir vorgeht wenn ich das Starlight betrete.
Es hat etwas von Heimkehr, so, als sei man jahrelang unterwegs gewesen und sieht nach langer Zeit wieder vertraute Dinge. Normalerweise blieb ich diesem Ort nie länger als drei bis vier Tage fern und trotzdem hatte ich jedes Mal wieder das gleiche Gefühl.
Geborgenheit, Vertrautheit, Zuflucht und Versteckt. Das alles verkörperte dieser Raum für mich. Ich hatte dieses Gefühl nur noch bei mir zu Hause und trotzdem war es dort noch einmal etwas ganz anderes. Bei einem anderen Menschen hatte ich dieses Gefühl schon gar nicht gefunden.
Es waren noch nicht viele Leute da, aber Alessandro saß bereits auf der Bühne, spielte auf seiner Gitarre und hauchte mit seiner wundervoll warmen Stimme irgendetwas spanisches in das Mikrofon.
Alex war hinter mir stehen geblieben und sah sich mit großen Augen um.
Ich versuchte zu sehen, was er wohl sah.
Ein Raum mit niedriger Holzdecke, an der sich ein einsamer Deckenventilator träge drehte, auf der rechten Seite eine lange Theke aus Stein, der dunkel glänzte wie Schiefer aber unverwüstlich wie Granit war, davor ein paar Barhocker, von denen keiner aussah wie der andere, kleine, viereckige Tische in der Mitte des Raumes auf denen Teelichter in blauen und roten Windlichtern flackerten.
Auf der linken Seite befand sich eine Art Empore, durch drei Stufen zu erreichen standen an der Wand bunt zusammen gewürfelte Sofas, davor niedrige Tische auf denen ebenfalls Kerzen brannten, darum herum verteilt lagen dicke, bunte Kissen auf dem Boden, die angeblich Billys Frau eigenhändig genäht hatte.
Die Stirnseite des Raumes nahm eine kleine Bühne ein. Nichts wirklich anspruchsvolles, aber mit einer kleinen Lichtorgel und jeder Menge Instrumente ausgestattet.
Das war am Anfang der Grund, warum ich hier her gekommen war, inzwischen war es so viel mehr und doch nicht wirklich etwas Greifbares.
Das ist ... , Alex schien nach dem richtigen Wort zu suchen ... fantastisch, sagte er schließlich und mir fiel dabei ein Stein vom Herzen.
Ein spitzer Schrei lies uns herum fahren und mit wehenden Haaren und ausgebreiteten, fleischigen Armen stürzte Teresa auf uns zu.
Meli ... oh mein Gott ... Meli ist hier, rief sie und drückte mich gleich darauf an ihren wogenden Busen.
Beruhigend tätschelte ich ihr den Rücken alles klar Teresa, alles in Ordnung ... bitte ... Du erwürgst mich.
Oh entschuldige, piepste sie und lies mich sofort los.
Darf ich vorstellen, das ist Teresa, sagte ich zu Alex und fand seinen entsetzten Blick einfach göttlich Teresa, das ist Alex.
Schön Dich kennen zu lernen, rief sie, wieder ganz aus dem Häuschen und drückte nun Alex an ihre Brust.
Mein Lachen versteckte ich prustend in meiner Hand und hüstelte danach kurz um mich wieder zu fangen.
Teresa ist so etwas wie ein zu groß geratenes sechsjähriges Kleinkind, obwohl sie sogar etwas älter als ich sein könnte. Es gibt nicht viel, was sie ruhig werden lässt. Um genau zu sein eigentlich nur zwei Dinge.
Zum einen: Wenn man ein Problem hat, hört sie sich alles bis zum Schluß ganz ruhig und mit größtem Interesse an, danach folgt irgendein Spruch, der womöglich noch nicht einmal etwas mit der Sache zu tun hat, dann beugt sie sich herüber, gibt einem einen schmatzenden Kuß auf die Wange und die Welt ist plötzlich nicht mehr ganz so schwarz.
Zum anderen: Gib ihr ein Mikrofon und Du wirst die wahre Teresa kennen lernen. Ihr Stimme klingt nach Zimtschokolade, ihre Augen hat sie dabei grundsätzlich geschlossen und sie hält das Mikro mit beiden Händen ganz fest. Ich glaube, in dem Moment in dem sie da oben steht ist sie der glücklichste Mensch auf der ganzen weiten Welt.
Doch das alles wußte Alex natürlich nicht. Mittlerweile hatte Teresa ihn auch los gelassen und er strich sich geistesabwesend das Hemd glatt. Er wirkte etwas geschockt und ich beschloss, dass er erst einmal genug Überraschungen gehabt hatte.
Wir setzen uns da rüber, sagte ich zu Alex und nickte Teresa noch einmal zu. Sie verschwand glücklich strahlend in den hinteren Teil des Clubs
Ich buxierte Alex auf eines der Sofas auf der Empore und setzte mich neben ihn auf eines der Kissen. Ich zog meine Jacke aus, blickte mich kurz zur Theke um und rief Billy zu zwei Cola Alter, aber Dalli.
Er antwortete auf seine gewohnt herzliche Art Du kleines Miststück siehst doch, dass ich hier alle Hände voll zu tun habe.
Mit einem breiten Grinsen kam er schließlich mit zwei Gläsern in der Hand an unseren Tisch und ich stand auf um ihn zu umarmen.
Hey Billy mein Schatz. Es tut so gut Dich zu sehen.
Gleichfalls mein Sternlein, antwortete er, löste sich von mir, stellte dann die beiden Gläser, aus denen kein einziger Tropfen fehlte auf den Tisch und streckte Alex die Hand entgegen.
Hallo, ich bin Billy. Mir gehört der Laden hier ... also wenn Du Dich hier ordentlich benimmst, werden wir die besten Freunde.
Alex schüttelte seine Hand und nickte nur.
He Billy, geh gefälligst netter mit meinen Freunden um, grinste ich.
Ich wollte nur gleich von Anfang an Klarheit schaffen, gab er zurück und wirkte dabei wie ein Schuljunge, der beim Abschreiben erwischt worden war.
Doch gleich darauf leuchtete wieder das schelmisches Grinsen in seinem Gesicht auf. Er zwinkerte mir zu und wandte sich dann wieder seiner Theke zu.
Ich sah auf Alex hinunter. Ob er wohl schon bereute sich mir angeschlossen zu haben? Er wirkte auf jeden Fall als überlegte er, wie er am schnellsten von diesem Planeten herunter kam.
Tja, manchmal sollte man wohl vorsichtig sein mit dem was man sich wünscht.
Kapitel 6
A.J.s p.o.v.
Ich hätte niemals in dieses verdammte Auto einsteigen dürfen. Ich hätte doch gleich merken sollen, das mit der etwas nicht stimmt.
Wie komme ich überhaupt dazu einfach weg zu gehen ohne irgendjemandem Bescheid zu sagen? Ich bin ... also ... wer ist denn das jetzt schon wieder? HILFE!
Ich sah einen jungen Mann von vielleicht 18 Jahren auf uns zu kommen. Auf den ersten Blick wirkte er ganz normal, bis er sich ein wenig zur Seite drehte um diesem Billy irgendetwas zu zu rufen und ich dabei sehen konnte, dass sein rechter Arm verkrüppelt war.
Ich wollte mir lieber nicht vorstellen welche Neurose dieser Kerl hier auslebte und überlegte das erste Mal ernsthaft mich auf die Toilette zu verziehen um zu sehen, ob es dort ein Fenster gab aus dem ich abhauen konnte.
Doch da hatte er unseren Tisch bereits erreicht. Seine grauen Augen strahlten hinter seiner Nickelbrille und ich hätte schwören können, dass er dabei mit den Ohren wackelte.
Hallo Meli begrüßte er Melissa und sie strahlte dabei wie ein Weihnachtsbaum. Ich konnte nicht anders, als sie an zu starren. Wenn es so etwas wie das perfekte Glück gab so wirkte sie, als hätte sie es hier gefunden.
Sie stand auf und umarmte den Jungen. Dann lächelte sie mich an.
Alex, das hier ist Taylor. Taylor, das ist Alex.
Nett Dich kennen zu lernen, sagte er und wirkte dabei so überaus freundlich und normal, dass ich mich etwas entspannte.
Hallo Taylor, sagte ich also brav und ergriff seine ausgestreckte linke Hand, was gar nicht so einfach war. Wann gibt man jemandem schon einmal die linke Hand?
Möchtest Du Dich zu uns setzen? fragte Melissa ihn, doch er schüttelte den Kopf.
Wir haben doch heute unsere Premiere. Ich bin etwas nervös und will hinten noch ein wenig proben.
Oh richtig. Gott, das hätte ich ja fast vergessen. Viel Glück, sie hob die Hände und kreuzte Ring- und Mittelfinger.
Danke. Wir werden es gebrauchen können, doch sein Lächeln sah nicht so aus, als ob er das ernst meinte. Er nickte mir noch einmal zu und verschwand dann Richtung Bühne und gleich darauf aus meinem Blickfeld.
Wie geht es Dir? fragte Melissa unvermittelt und ich wußte im ersten Moment nicht, was ich sagen sollte. Die Wahrheit? Diplomatie?
Also ... uhm ... es ist ... , ich wedelte mit der Hand in der Luft herum und wußte dabei ganz genau, dass ich mich gleich zum Idioten machen würde sehr surreal.
Surreal? sie wirkte weder geschockt, noch amüsiert und auch nicht wütend. Sie lächelte surreal ist ein seeeehr schönes Wort hierfür.
Findest Du? irgendwie klang meine Stimme zu hoch. Ihr Lächeln wurde breiter immerhin bist Du noch hier und nicht schreiend davon gerannt. Das heißt, dass Du tatsächlich irgendwie hier herein passen könntest.
Ich? Hier hinein passen? In diese ... nein ... durchatmen und unvoreingenommen ran gehen.
Ist denn hier schon einmal jemand schreiend davon gerannt? Um etwas zu tun zu haben nahm ich mein Glas und nahm zwei vorsichtige Schlucke.
Das passiert ständig, sagte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung und ich verschluckte mich beinahe. Dann sah ich ihr Gesicht und erwiderte ihr breites Grinsen. O.k.. Eins zu Null für sie.
Nein, natürlich nicht. Sagen wir mal ... von 10 bleiben 5. Also ich meine ... setzen sich tatsächlich irgendwo hin. Aber die, die sich hinsetzen bleiben für immer.
Bei den letzten Worten wurde ihre Stimme weicher und für einen flüchtigen, ebenfalls surrealen Moment wünschte ich mir, sie würde über mich mit dieser Stimme sprechen.
Das ist keine schlechte Quote, gab ich zu und nahm einen erneuten Schluck von meiner Cola.
Wie bist Du hier her gekommen? fragte ich weiter und merkte, dass ich brennend an der Antwort interessiert war.
Über Luca. Ich kenne ihn schon seit einer halben Ewigkeit. Er wurde auch von irgendjemandem hier her gebracht und so weiter und so weiter. Es hält sich die Legende, dabei beugte sie sich vertraulich nach vorne und stützte ihre Ellenbogen auf dem niedrigen Tisch auf dass Billy die Bar aufgemacht hat und dann im Nachtleben von L.A. nach den richtigen Gästen gesucht hat. Aber er fand dort niemanden, der hier herein gepasst hätte und so hat er Menschen von der Straße mit genommen.
Das kann ich mir allerdings lebhaft vorstellen, sagte ich mehr zu mir selbst und sie lachte.
Glaub mir, in spätestens einer Stunde gibt es keinen Ort an dem Du lieber sein möchtest.
In einer Stunde? Was ist in einer Stunde?
Warte es ab, antwortete sie nur geheimnisvoll und macht es sich auf ihrem Kissen wieder gemütlich.
Also noch eine Stunde mit Riesenbaby und dem durchgeknallten Barbesitzer. Das sollte ich hin bekommen.
Ich konnte am Ende nicht glauben, wie schnell diese Stunde vergangen war. Melissa und ich hatten uns angeregt unterhalten. Hauptsächlich über den Club. Sie zeigte mir noch ein paar andere Freunde von sich, aber keiner kam mehr an unseren Tisch.
Sie schien jeden einzelnen Gast zu kennen. So erfuhr ich z.B. dass die schüchterne Kelly und der Amateurboxer Mike einmal ein Paar gewesen waren, sich jetzt aber aus dem Weg gingen und keiner wußte wieso, sie erzählte, dass der lange Norton göttlich Posaune spielte, riet mir Amanda mit den streichholzkurzen Haaren nicht auf ihre Haustiere an zu sprechen und Wilma bei Gelegenheit zu sagen, dass sie durchaus das Zeug zu einer der Walküren in Wagners Oper hatte, auch wenn sie spindeldürr und nicht größer als 1,50 Meter war.
Irgendwann schwirrte mir der Kopf von so vielen Namen und Geschichten, aber ich merkte zu meiner Überraschung, dass ich mich schon lange nicht mehr so gut amüsiert hatte.
Der Club füllte sich nach und nach mit Leuten, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Trotzdem blieb das Gefühl, als befänden wir uns in irgendeinem Wohnzimmer während über allem eine gespannte Stimmung hing.
Schließlich trat Billy auf die Bühne und ich war sehr gespannt darauf, was ihm nun wieder über die Lippen kommen würde.
Also gut Freunde, ihr wisst warum wir alle heute Abend hier sind, oder?
Lautes Rufen und Geklatsche antworte ihm, was mich dazu veranlasste, ein wenig auf dem Sofa nach vorne zu rutschen.
Sie haben eine Weile an ihrem Auftritt gefeilt und ich kann Euch sagen, dass ihr die erste Probe ganz sicher nicht miterleben wolltet. Doch jetzt ... sind sie hier im Starlight. Also, heißt sie herzlich WILLKOMMEN!!
Er beeilte sich von der Bühne herunter zu kommen und nach einander traten, begleitet vom lauten Applaus der Gäste, einige Musiker in das Licht der Scheinwerfer,.
Ich staunte nicht schlecht, als ich Taylor am Schlagzeug entdeckte. Er hielt den rechten Stick sehr geschickt in seinem deformierten Stumpf und wirkte unsagbar nervös.
Den Gitarrist hatte ich heute noch nicht gesehen. Er trug einen langen Pferdeschwanz, einen buschigen Schnurrbart und hätte er noch Cowboystiefel und einen Hut getragen, wäre er in jeden Westernschuppen ohne Probleme hinein gekommen.
Am Keyboard stand eine zierliche Frau, die ich bei genauerem Hinsehen auf ca. 70 Jahre schätzte, doch sie strahlte die Energie eines Hochleistungssportler kurz vor dem 100 Meter Sprint aus und ich fühlte mich wieder, als sei ich irgendwie nicht ganz hier, sondern betrachtete einen sehr realistischen Traum aus der Vogelperspektive.
Die beiden Mädels an der Gitarre und am Bass sahen hingegen sehr normal aus. Sie waren schlank und hoch gewachsen, hatten einen fast identischen, modischen Fransenschnitt und ihre wohlgeformten Hinterteile steckten in hautengen Jeans. Warum fiel mir das eigentlich so sehr auf?
Die größte Überraschung kam allerdings zum Schluß. Der Applaus wurde noch einmal etwas lauter als das Riesenbaby ... Verzeihung ... Teresa die Bühne betrat. In der Hand ein Mikrofon, ein verschüchtertes Lächeln auf den Lippen und in einem rosa Kleid mit Puffärmeln.
Ich blickte mich schnell zu Melissa um, aber sie starrte verzückt auf die Bühne und schien mich komplett vergessen zu haben.
Ich schaute auf meine Uhr. Die Stunde war vorbei. Zeit zu gehen. Doch ich blieb wie festgewachsen sitzen und sah dabei zu, wie Taylor seine Sticks gegeneinander schlug um den Takt an zu geben und dann öffnete Teresa den Mund.
Zu erst wollte ich nicht glauben, dass sie tatsächlich live und vor meinen Augen sang. Diese Stimme ... sie legte sich wie Honig über den Raum, kroch in jede Ritze und erfüllte sie mit einem hellen Licht. Mit offenem Mund starrte ich sie an.
Sie hatte die Augen geschlossen und beide Hände fest um das Mikrofon geklammert, trotzdem hatte ich noch niemals so etwas schönes gehört.
Die Melodie war recht einfach, doch nichts, was ich vorher schon einmal irgendwo gehört hatte. Vielleicht tatsächlich selbst komponiert?
In ungefähr der Hälfte des Stücks veränderte sich der Rhythmus fast unmerklich. Von einer sanft gehauchten Balade wurde es zu einem Mid-Tempo-Stück, deren jetzt schon komplizierteren Passagen Teresa ohne Mühe folgte.
Schließlich wurde das Schlagzeug immer lauter, was zwar objektiv vielleicht nicht ganz passte, aber genau in diesem Moment einfach so sein mußte.
Auf Taylors Stirn standen Schweißperlen, aber sein Blick war entrückt und ein seliges Lächeln lag die ganze Zeit auf seinem Gesicht.
Er war wirklich gut! Er wechselte von einem Rhythmus in den nächsten, nutzte die ganze Bandbreite seines Schlagzeugs und die Menge jubelte mit jeder Sekunde lauter.
Schließlich hielt es Melissa nicht mehr auf ihrem Platz. Sie sprang auf, packte meine Hand und zog mich hinter sich her in Richtung Bühne. Wir quetschten uns zwischen einigen Gästen hindurch, bis wir schließlich direkt vor der Bühne standen und ich brüllte mir am Ende vor lauter Begeisterung genau so die Seele aus dem Leib wie sie.
Gott. Ich liebte es!