HIS BIG BLAME

„Ich bin Schuld an ihrem Tod! Ich weiß es. Es ist meine Schuld. Warum? Warum musste das alle passieren? Womit habe ich das verdient?“

Solche und ähnliche Gedanke schossen ihm ständig durch den Kopf. Und was das Schlimmste war, es war die Wahrheit. Wenn es auch nicht seine alleinige Schuld war, er trug eine große Mitschuld und das wusste er.
Aber er wollte sich keinem anvertrauen, mit keinem darüber sprechen. So kam es, dass er sich von seiner Umwelt und seinem Mitmenschen total abkapselte, was aber nur dazu führte, dass er sich noch zusätzlich fertig machte.
Vielleicht hätte er es geschafft das alles zu verarbeiten, wenn er sich jemand anvertraut, mit ihm über alles geredet hätte, doch er hatte es nicht getan und er würde nie darüber hinwegkommen.

„Wenn ich auf sie aufgepasst hätte, hätte dieses Arsch sie nicht...“

Du warst für mich der Sommer - Doch jetzt ist alles vorbei
Wir wurden grausam zerrissen - Nie wieder werden wir zusammen sein
Es war ne kalte nacht - Ohne dich - Ich hab dich sehr vermisst
Als ich die Klingel hört e- Wusste ich genau wer das ist..
Und da standest du vor mir - Deine Kleider waren zerrissen
Dein Make-up verschmiert - Hast dich sofort auf’s Bett geschmissen
Was ist los, was ist passiert- Wer hat dir das angetan?
Bitte rede mit mir - Sag was – Bitt e- Bitte guck mich an!!!
Und du schautest mich an - Mit kaputten, leeren Augen
Mir fehlten die Worte - Was ich sah konnte ich nicht glauben
Deine Schreie, deine Schmerzen - Keiner hat sie gehört
In einer einzigen Nacht wurde dein Leben zerstört

Nicht einmal denken konnte er dieses Wort, welches sich im Gegensatz zu dem, was es bedeutete, harmlos anhörte.
Manchmal dachte er, er könnte ihre Schreie, Schreie vor Angst und Schmerz, Schreie die so schrecklich waren als das man sie in Worte fassen könnte.
Dann zuckte er zusammen, schloss sich ein und lies seinen Gefühlen freien Lauf.

BITTE NICHT!!
Hat sie geschrien
Keiner hatte sie gehört
Ihr Herz wurde zertreten
Sie konnte sich nicht wehren


„Es ist alles meine Schuld. Sie war noch so jung. Sie hatte ihr Leben noch vor sich, sie ist gestorben, durch MICH.
Ich hatte Wichtigeres, was ist wichtiger als sie, zu tun, sie frass alles in sich hinein. Wenn ich bei ihr gewesen wäre, hätte sie alles, was geschehen ist verarbeiten können. Und ich, was habe ich getan? Ich habe sie im Stich gelassen, und das nur, weil wir gerade eine „ganz großen Deal“ an Land gezogen hatten. Für Geld, diese materielle, wertlose Zeug, habe ich sie, sie, die mein Leben war, im Stich gelassen. Das war ein unverzeihlicher Fehler, der größte meines Lebens.
Wenn ich das nicht getan hätte und ihr beigestanden hätte, würde sie noch leben, hätte keinen Selbstmordversuch gemacht und läge jetzt nicht in der Klinik, an lebenserhaltende Maschinen angeschlossen, die jetzt in wenigen Minuten abgeschaltet werden, weil es keine, nicht mehr die geringste Hoffnung gibt. Sie hat keine Chance, selbst wenn sie aufwachen würde, was unmöglich ist, wirklich unmöglich, es geht nicht mehr, würde ihr Gehirn für immer geschädigt sein, an mehr als einige wenige zurückliegende Stunden könnte sie sich nie wieder erinnern.
Ich habe ein Leben zerstört, als sie mich brauchte, war ich nicht bei ihr, jetzt ist es zu spät, das kann ich mir NIE verzeihen. Ich will nicht mehr leben, mit dieser Schuld kann ich nicht leben.“

BITTE NICHT!!!
Hat sie geschrien
Und es hallte durch die Nacht
In der dunkelsten Ecke
Wurde sie kaputt gemacht


Er ging in die Küche, er sah auf die Uhr, in 24 Minuten und 7 Sekunden würden sie die Maschinen abstellen, um Punkt 12 Uhr mittags.
Er wollte mit ihr sterben, ohne sie wollte er nicht mehr leben, konnte er nicht mehr leben.
Er öffnete eine Schublade, noch 23 Minuten und 27 Sekunden, prüfte die Messer, schließlich zog er eins hinaus, noch 22 Minuten und 16 Sekunden, nahm einen Zettel und einen Stift und schrieb auf den Zettel:

Sorry, ich kann und will nicht mehr
Ohne SIE kann ich nicht leben, ich will mit ihr gehen..
An alle, die mich trotz allem, was ich getan habe, noch mögen:
Es tut mir leid, aber es geht nicht anders. Ich hoffe ihr könnt das, auch wenn es vielleicht schwer ist, akzeptieren.
Mit dieser Schuld ist es für mich unmöglich weiterzuleben. Ich würde mir das Geschehene mein ganzes Leben lang vorwerfen.
Ich hoffe ihr versteht mich wenigstens ein bisschen.
Ich liebe euch!

Bitte sag mir, dass ich besser zu dir war als dieses Schwein
Denn als du mich gebraucht hast – war ich nicht bei dir


Er faltete den Brief zusammen, ging zurück ins Wohnzimmer, legte den Brief auf den Tisch, setzte sich in einen Sessel, wo er die Uhr gut im Blick hatte und wartete, sah die Sekunden und Minuten verrinnen. Fast genoss er die letzten Minuten seines Lebens, bald , es dauerte nicht mehr lange, dann würde er diese Welt hinter sich lassen, er würde sie wiedersehen, sie würden von Vorne anfangen, alles würde gut werden...

Komm zurück zu mir – Ach was red ich – Das ist beschissen
Ich kann nur zusehen wie’s dir schlecht geht
Mich plagt mein Gewissen

Er gab sich seinen Illusionen hin, vergaß aber nicht, auf die Uhr zu achten.

Ich bring ihn um, dieses Schwein.- Ich finde raus wer das ist
Ich will ihn leiden sehen, hängen sehen – Bis ihm schwindelig ist


Die letzten Minuten brachen an, er legte die Klinge auf sein Handgelenk, wartete...

Ich schneide ihm alles ab – Gott, wie kann ich nur so was denken
Ich würd alles tun um dir dein Leben zurückzuschenken

Die letzte Minute brach an, er lächelte, nun würde es nicht mehr lange dauern

Um dich abzulenken – Baby, ich kann einfach nicht mehr weiter
Ich weiß genau, ich werde deine Schmerzen niemals spüren...

(Liedstücke aus: Bitte Nicht: 3.Generation)


Die letzten Sekunden
Fünf, ...vier, ...drei, ...zwei, ...eins, ...null
Bei Null verstärkte er den Druck auf das Messer und zog es vom Handgelenk über seine Unterarm, genoss es fast. Die Schmerzen spürte er nicht einmal. Sofort strömte helles Blut hervor, rann über seinen Arm, sein Hemd auf den Sessel, wo es in das Polster einzog.
Er lehnte sich zurück.
Schon wurde ihm schummerig, er wusste, nur noch wenige Augenblicke, dann würde er wieder bei ihr sein, für einen Neuanfang.
Das waren seine letzten Gedanken bevor er das Bewusstsein verlor...


~The End~

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