Manchmal wünschte ich, ich wäre unsichtbar. Nur einer von vielen. Unerreichbar für all jene, die hinter meinem Rücken mit dem Finger auf mich zeigen. Die mich Mörder nennen, obwohl das Gegenteil bewiesen ist.
Aber ich bin nicht irgendwer, kein Niemand der unsichtbar ist. Ich bin etwas besonderes, das wird mir zumindest eingeredet, von Menschen, die nur das Beste von mir wollen. Das beste von meinem Geld.
Seit ich wieder bei den Jungs bin, geht es mir besser, ich esse wieder, kann wieder schlafen, nur das Lächeln hab ich verlernt. An diesem Tag, an dem sich meine Welt änderte. Allein die Erinnerungen daran lassen mich weinen. Ich kam nach Hause, zurück vom Training und war sehr Hungrig.
Schatz, rief ich ich bin wieder da!
Es kam keine Antwort. Ich ging durch jeden Raum, suchte meine Frau.
Wir hatten vor 4 Wochen geheiratet, ich liebte sie sehr.
Nadine? rief ich, nun mehr in Panik, weil ich sie nicht fand.
Der letzte Raum, das Badezimmer. Schwungvoll wollte ich die Tür öffnen, aber die Tür war verschlossen.
Nadine! ich schrie, wollte wissen, was sie dort tat, warum sie nicht zu mir kam wie sonst immer. Schnell griff ich an mein Handy, wählte die einzige Nummer die mir einfiel, von dem einzigen Menschen, der immer zu mir gehalten hatte.
Richardson?
Kevin, ich bins Nick. Bitte komm vorbei, ich weiß nicht was mit Nadine ist. Sie hat sich im Bad eingeschlossen und redet nicht mit mir.
Tränen rannen meinen Wangen hinunter, alles in mir war in Panik.
Nick beruhig dich, ich bin gleich da. Versuch mit ihr zu reden!
Ich legte auf. Nadine? vorsichtig schlich ich zurück zur Badezimmertür und Lauschte.
Nadine, wenn du mir jetzt nicht antwortest, brech ich die Tür auf
Geschätzte 2 Sekunden später schlug mein gesamter Körper gegen die Tür, die sogleich aufbrach. Innerlich verfluchte ich die Tatsache, Sicherheitsschlösser verwendet zu haben. Dann aber fiel mein Blick auf die Badewanne.
Nun, zwei Jahre später, kann ich darüber reden. Sie hatte ihrem Leben ein Ende gemacht, hatte sich die Pulsadern Aufgeschnitten. Ich erinnere mich nur noch, dass ich Kevin die Tür aufgemacht habe. Mein Gehirn weigert sich die letzten Sequenzen abzuspielen. Ich weis nur, dass ich durch die Hölle ging.
Leute, die mich gar nicht Kannten, riefen mir MÖRDER!! hinterher. Noch heute zucke ich deswegen zusammen.
Kevin wich nicht von meiner Seite, mehr als einmal verhinderte er, das ich ebenfalls Selbstmord beging, das ich es ihr Nachmachte. Brian versuchte, mit all seinen Mitteln, alle Zeitungsschlagzeilen von mir Fern zu halten. Einige der Überschriften drangen dann doch zu mir durch.
BACKSTREET BOY NICK CARTER! EHEFRAU BEGING SELBSTMORD, WAR ER DRANN SCHULD?
Dies war noch eine der Harmloseren die ich zu Lesen bekam.
Auch Körperlich veränderte ich mich. Durch das ständige Weinen und Erbrechen wurde ich Schmaler, viel quasi in mir zusammen. Ich konnte nicht Schlafen, da ich Albträume durchlitt, in denen sie Auftauchte und mir die Schuld gab. Irgendwann machte mein Körper nicht mehr mit, ich brach zusammen.....
Im Krankenhaus erzählte ich schließlich Kevin alles, beschrieb die Albträume, und meine Gefühle. Ich werde nie vergessen, wie er reagierte. Er nahm mich in die Arme, nicht mal kurz, oder ohne Gefühl, sondern ließ mich nicht los! Er hielt mich die ganze Nacht hindurch fest, redete auf mich ein. In diesem Moment war es mir allerdings egal, ich wollte diese Welt nicht mehr, ich wollte ruhe, ich wollte Sterben.
Aber die Jungs gaben mich nicht auf. Sie wachten weiter an meinem Bett. Und mit einem Mal veränderte sich meine Meinung. Ich sah Baylee zu, wie er, an der Hand seines Vaters, in mein Zimmer kam. Er sah mich an, mit fragenden Augen.
Stimmt es das du nicht bei mir bleiben willst?
Die Antwort bin ich ihm bis heute schuldig, aber in diesem Moment begriff ich, wer leiden würde, wenn ich nicht mehr da war. Nicht die Presse, sondern die Jungs, die alles für mich tun würden.
Ich begann zu Kämpfen, um mein Recht, um mein Leben. Wir, als Gruppe, zogen Konsequenzen. Keine Interviews mehr, keine privaten Fragen.
Und die Fans zogen mit! Die ersten Wochen war ich dauernd auf irgendwelchen Fanseiten im Internet. Überall wurden neue Themen gegründet. Sprüche wie NICK DU BIST STARK, WIR GLAUBEN AN DICH, sogar ganze Briefe fand ich. Und mit jedem wuchs mein Mut zum durchhalten.
Und Heute? Wir machen immer noch Musik, die Jungs sind immer noch bei mir. Ich kann zwar noch nicht wieder Lachen, aber ich will nicht mehr Aufgeben. Immerhin hatte die ganze Sache, so bitter sie auch war, ein gutes. Sie hat mir eines klar Gemacht, wenn ich diese Jungs um mich habe, kann mich nichts so einfach aus der Bahn werfen!