Ich wusste nicht mehr, was ich fühlen sollte. Sie war weg, für immer.
Mein Sonnenschein, meine Inspiration, mein Zuhause, meine Welt. Sie hatte alles mitgenommen. Hatte mein Leben überhaupt einen Sinn?
Nachts schlief ich gar nicht, am Tag nur ein oder zwei Stunden. Immer nur dann, wenn mein Körper nicht mehr anders konnte. Dann sah ich immer ihre letzten paar Minuten vor meinem geistigen Auge. Ich sah, wie ihr Kopf in meine Arme sank und wie sie mich ein letztes Mal ansah. Wie sie ein letztes Mal "Ich liebe dich Nickolas" sagte und dann .... Ja .... dann starb.
Nur weil sie im Weg gewesen war. In dieser Bank, an diesem Schalter, vor dieser Pistole, vor diesem Typ. Diesem Typ der auch mir über den Weg gelaufen war, als ich draußen auf sie wartete.
Im Krankenhaus dann das Erwachen, und das Wissen, Sandy ist Tot. Nie wieder werde ich sie Berühren, nie wieder mit ihr Lachen, Weinen, nie wieder diese tiefe Liebe empfinden, die mich nun schon fünf Jahre gefangen hielt.
Brian und Kevin wichen nicht von meiner Seite. Auch Howie und AJ waren immer da. Aber ich fühlte mich trotzdem immer alleine. Die Jungs redeten mit mir, über Verluste und die Notwendigkeit, danach weiter zu machen. Doch ihre Worte drangen nicht zu mir durch.
Dann das nach Hause kommen. Dorthin wo mich jeder Winkel, jedes Bild, einfach alles an sie erinnerte. Und wieder diese schreckliche Gewissheit. Und die Frage, die immer in meinen Gedanken herum irrte. Was hat dein Leben noch für einen Sinn?
Nach drei Tagen Zuhause war ich das erste mal alleine. Ich ging zum Strand herunter, der auch für Sandy immer ein zweites Zuhause gewesen war.
Ziel und planlos lief ich durch den feinen Sand und sprach im Gedanken mit ihr. Fragte sie, wie es ihr ging und ob ich ihr folgen sollte.
Die Erinnerung an ihr Lächeln schlich sich in meine Gedanken. Ich zog meine Hosenbeine über die Knie und ging ein Stück ins Wasser. Es war eiskalt für die normalerweise so schönen verhältnisse Floridas. Oder ich empfand es einfach nur kalt, weil in mir alles zu Eis gefror.
Ich zog mein T-Shirt aus und lies es achtlos ins Wasser fallen. Barfuß schlenderte ich immer tiefer in die Wellen bis ich schließlich schwamm. Wie lange weis ich nicht mehr, aber plötzlich ging ich unter. Ein Wadenkrampf lies mich erstarren und meine Beine nicht mehr arbeiten. Um Hilfe schrie ich nicht, ich nahm es als Zeichen. Ich sollte ihr nach.
Ich spürte wie der Atemreflex einzusetzten versuchte, aber ich konnte ihn noch unterdrücken. Als geübter Taucher wusste ich was nun kommen würde.
Schaumbläschen in der Lunge, Tot durch Sauerstoffmangel im Gehirn nach zehn Minuten. Hallo mein Schatz ich komme.
Doch anstatt immer schwächer zu werden, schlug mein Herz mit voller Wucht weiter. Anstelle von Schwäche spürte ich die Stärke die dahinter steckte. Keuchend stieß ich durch die Oberfläche des Meeres und schwamm zurück zum Strand.
Anstatt mich an sich zu nehmen hatte mir das Meer gezeigt, so stark ist dieses Herz.
Stark genug, um weiter zu machen...........