Kapitel 21
An Amys Todestag waren wir in Frankfurt, der Stadt in der alles begonnen hatte. Hier hatte ich A.J. kennen gelernt. Damals wollte ich alles hinter mir lassen und einfach nur vergessen. Jetzt war ich wieder hier, ein Jahr später und hatte meine ganze Vergangenheit vor der ich eigentlich geflohen war wieder aufgerollt.
Die Jungs ließen mich alle in Ruhe. Selbst A.J. der mir den ganzen Tag nicht von der Seite wich, verlor kein Wort.
Sie hatten das Konzert an dem Tag verschoben und würden es am nächsten Tag an dem sie eigentlich frei hatten nachholen. Ich hatte ihnen gesagt dass ich es so nicht wollte doch sie hatten darauf bestanden und ich konnte mich nicht dagegen wehren. Der Tag zog einfach so an mir vorbei und ich bekam nichts davon mit.
A.J. schlief längst als ich immer noch wach in seinen Armen lag. Irgendwann stand ich auf da die Ruhe im Zimmer für mich unerträglich laut im Kopf hämmerte. Leise stand ich auf, zog mir eine Jeans an und streifte mir einen viel zu großen Pullover von A.J. über. Ich schlich mich aus dem Zimmer und machte mich auf den Weg in die Lobby. Es war ruhig im Hotel. Welch wunder es war mitten in der Nacht.
Unten angekommen überlegte ich wohin und schlug schließlich den Weg zur Bar ein. Als ich mich näherte hörte ich leise das Klavier das dort stand. Ich ahnte etwas und mein Gefühl betrog mich nicht
Vorsichtig öffnete ich die Tür einen Spalt.
Die Stühle waren hoch gestellt und auch die Putzkollone war schon da gewesen. Die Bar war sauber und aufgeräumt, keine Menschenseele zu sehen.
Bis auf Kevin. Der saß alleine am Ende des Raumes und spielte eine Melodie auf dem Klavier die ich nicht kannte. Ich blieb unschlüssig in der Tür stehen, die Klinke in der Hand und überlegte ob ich eintreten oder ihn allein lassen sollte.
Er sah mich nicht an und hörte auch nicht auf zu spielen als er sagte: Komm ruhig rein, ich denke ein wenig Gesellschaft tut uns beiden gut.
Ich musste unwillkürlich ein wenig lächeln. Woher wusste er dass ich da war? Es war zum verrückt werden, ich konnte mich an keinen von ihnen heranschleichen ohne das sie mich nicht bemerkten. Er sah mich von der Seite an und lächelte mir aufmunternd zu.
Ich schloss die Tür hinter mir und ging langsam auf ihn zu. Er sah müde aus. Als ich fast bei ihm war hörte er auf zu spielen.
Er rückte ein Stück Komm her. Er deutete auf den Platz neben sich.
Ich ließ mich neben ihm nieder und legte meinen Kopf auf seine Schulter.
Eine Weile schwiegen wir und Kevin fing wieder an zu spielen.
Was ist das? fragte ich schließlich.
Ich hab keine Ahnung, ich hab es vor ein paar tagen irgendwo aufgeschnappt und seitdem geht mir die Melodie nicht mehr aus dem Kopf.
Ich finds schön.
Als er nach einer Weile wieder aufhörte zu spielen, legte er die Hände in den Schoß und ich fuhr langsam mit den Fingern über die Tasten.
Kannst Du spielen? fragte er.
Ja,
Ich hab Amy früher viel vorgespielt als sie noch ein Baby war. Sie hat es geliebt.
Du vermisst sie sehr, oder?
Ich seufzte und setzte mich wieder auf um ihn anzusehen: Sie war
. Ist meine Tochter, es vergeht kein Tag an dem ich nicht an sie denke.
Kevin sah mich liebevoll an und ich wusste dass er verstand.
Möchtest Du irgendwann wieder Kinder haben?
Irgendwann? ich lachte kurz auf Am liebsten sofort
5 Stück!
Kevin fing an zu lachen: Wow, reichen wir dir nicht? Da hast du ja noch was vor. Wenn Du noch 5 willst, solltest du dich ranhalten.
Ich kicherte: Sag das nicht mir.
Wem dann?
Ich legte immer noch lachend den Zeigefinger an mein Kinn und tat als würde ich kurz überlegen.
Hmm, ich weiß nicht.. wie wäre es mit A.J?
Kevin lachte wieder laut auf: Sorry Alex, aber mir A.J. mit nem Kind vorzustellen ist ungefähr so utopisch wie mir vorzustellen das unser Nicky eines Tages erwachsen wird.
Ich kicherte: Ok, 1:0 für Dich, Nick wird niemals erwachsen werden, aber es haben schon ganz andere Typen Kinder in die Welt gesetzt und alle Welt hat die Hände über dem Kopf zusammen geschlagen und dennoch ist was aus den Kindern geworden. Außerdem kann ich mir das schon vorstellen
Beim letzten Satz hörte ich wieder auf zu lachen und wurde ein wenig leiser. Kevin sah mich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen an.
Du liebst ihn sehr, oder?
So sehr das es schon fast weh tut.
Ist er es?
Ich nickte langsam, ich wusste was er wissen wollte. In manchen Situationen konnten einige Leute noch so verwirrende Fragen stellen, doch die Antwort wusste man immer.
Ja, ich denke schon
Ich denke A.J. ist mein&Mac226;Mr. Right langsam schaute ich auf und sah Kevin lange in die Augen. Sie hatten so ein gewisses glitzern als er mich in diesem Augenblick ansah. Er nahm meine Hand: Sag es ihm. Mit nichts machst Du ihn glücklicher.
Ich lächelte verlegen und sah zu Boden.
Glaub mir Alex, er hat und er wird niemals etwas oder jemanden so sehr lieben wie dich. Sag es ihm. Damit machst Du Bone zum glücklichsten Mann der Welt!
Ich wusste nicht so recht was ich sagen sollte, ich nahm ihn wortlos in den Arm und hielt ihn lange fest. Ich war ihm unglaublich dankbar. Nicht für das was er gesagt hat, aber dafür das er da war. Dafür das sie alle da waren. Dafür das sie mir in den letzten Monaten gezeigt hatten das dass Leben doch lebenswert war und eine Menge schöner dinge bereit hielt für die es sich zu Leben lohnte.
Ich liebte diese Jungs wahnsinnig und betete innerlich dass die Zeit mit ihnen niemals vergehen würde.
Kevin und ich redeten noch fast die ganze Nacht miteinander. Es tat unheimlich gut zu wissen das es Menschen gab auf die man sich wirklich verlassen konnte, Die immer für einen da waren wenn man sie brauchte, große Brüder die jeden hauen würden der einem an den Kragen will. Ich würde dafür kämpfen dass es so blieb. Auch wenn ich dafür eine Menge auf mich nehmen müsste. Ich hatte schon, weiß Gott, schlimmeres im Leben mitgemacht als diese 5 Jungs. Für nichts auf der Welt würde ich dieses Neugewonnene Glück wieder hergeben.
The End
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