Kapitel 24

Kein Muskel zuckte in diesem Gesicht dass mir so viel bedeutete. Ich hatte Angst, Angst diesen Mann zu enttäuschen, Angst dass er mich verstoßen würde, Angst meine Familie zu verlieren.
Sein Blick suchte meinen, verschwand in meinen Augen und durchsuchte meine Gedanken.
„Warum?“ fragte er leise und hob meinen Kopf an, so dass ich ihn ansehen musste.
„Ich.. Brian er...... er hat einen Sohn bekommen, und ich... ich vermiss sie so.“ Stammelte ich und versuchte meinen Blick wieder zu senken.
„Nein, ich meine warum glaubst du dass du mir dies nicht sagen kannst?“ Unterbrach Takeo meine Bemühungen und sah mich verständnislos an.
„Ich dachte dass du mich nun bei dir haben willst. Ich wollte dich nicht enttäuschen.“
Takeo stand auf und kam näher. Fest packte er meine Schulter und schüttelte sie.
„So mein Sohn meint also mich zu Endtäuschen wenn er wieder in dass Land will dass so Lange seine Heimat war?“ Ich wäre enttäuscht wenn es nicht so wäre. Du musst noch viel lernen und ich werde nicht viel Zeit haben. Also ist es mir nur Recht, wenn du es alleine machst. Aber bevor du gehst, möchte ich dir noch etwas geben.“
Er ging auf das abgetrennte Schlafzimmer zu und winkte mich zu ihm. Leises Fauchen ließ ich innehalten und Denahi hole tief Luft. Takeo griff schnell in einen Schrak und erhob sich wieder. Ich konnte es kaum Glauben, er hatte einen kleinen, weißen Tiger auf dem Arm.

Das Tier tat mir leid, es musste noch sehr Jung sein, vielleicht nur einige Monate. Und schon getrennt von den Eltern, von allem was es kannte. Takeo hatte mit dem Tiger zu Kämpfen, die Katze hasste diesen Mann, der sie so hart festhielt und versuchte ihn zu Kratzen oder zu Beißen.
„Lass ihn runter.“ Sagte ich leise und ruhig, gebot mit einer Handbewegung Denahi hinaus zu gehen.
Takeo ließ die kleine Katze hinunter, die sich sofort wild Fauchend in eine Ecke drängte.
„Vater, lass uns bitte alleine.“
Sein Nicken bekam ich nicht mit, nur dieses zitternde und fauchende Fellknäul in der Ecke war nun wichtig.
„Ist gut, ich tu dir nicht weh“
Ein Fauchen erklang und die kleine Katze zeigte ihr, noch so zierliches, Raubtiergebiss.
„Ich seh schon, du bist ein ganz mutiger Kämpfer, nun komm schon her, ich tu dir nicht weh.“
Durch die Stille des Raumes konnte ich die Angst des Tieres spüren und sie ließ mich nicht Kalt. Alleine meinetwegen musste sie diese Angst ertragen und es tat mir sehr weh, dies zu Wissen. Ich stellte mir vor wie es sein musste, noch so Jung von seiner Familie getrennt zu werden und musste schlucken.
„So viel Angst mein Engel, was haben sie nur mit dir gemacht...“ dies sollte keine Frage sein, ich konnte es mir denken.
Doch ich hörte eine Stimme, der Tiger redete mit mir.
„Sie haben mich einfach genommen, es war so wie immer, ich sollte doch nur untersucht werden, da kam dieser Mann und gab den Pflegern Geld, dann nahm er mich mit. Wo ist Mama?“
„Sie ist noch im Zoo, sie wird da bleiben.“
„Und warum bin ich hier?“ die Angst meiner kleinen Tigerin war verschwunden und hatte der natürlichen Neugier platzgemacht.
„Du bist hier weil es die Regeln meines Clans verlangen, du sollst bei mir bleiben.“
„Können alle Menschen mit mir reden?“
„Nein,“ lachte ich auf und pachte mir die Kleine, die nun schnuppernd an mir hochkrabbelte, wobei sie ihre Krallen nicht einsetzte.
„Also hab ich Glück gehabt mit dir!“
„Das kann man so sagen. Wie heißt du denn?“
„Was die Menschen zu mir gesagt haben, habe ich nie Verstanden, meine Mutter nannte mich Sitara.“
„Okay Sitara, ich werde jetzt meine Koffer packen gehen und werde dich in mein Zimmer mitnehmen. Möchtest du Laufen oder soll ich dich tragen?“
Die kleinen Pfoten, die sich nun an mir hocharbeiteten waren Antwort genug und ich nahm sie hoch, achtete aber darauf dass sie es bequem hatte. Dann ging ich aus der Tür und prallte fast mit Takeo und Denahi zusammen. Sitara fing sofort an zu Fauchen und sträubte alle Haare im Nacken.
„Ganz ruhig Mädchen, alles okay, nur keine Panik. Ich passe schon auf.“
Ich packte sie im Nacken und drückte sie ein wenig an mich.
„Und mit den Krallen passt du bitte auf, ich mag es nicht wenn die mich Pieksen.“
Die Antwort war eine kleine Zunge die meine Hand ableckte und ein kleines Köpfchen, dass sich an mir rieb.
„Denahi? Ich werde nun Packen, sie bitte zu, dass alles dafür bereit ist.“
Ich wandte mich Takeo zu.
„Vater, ich bin sehr erleichtert dass du mich gehen lassen willst. Ich danke dir dass du bemerkt hast wie viel diese Jungs mir bedeuten.“
Ich verneigte mich zum Abschied und ging in mein Zimmer zurück, wo ich Sitara erstmal auf den Boden setzte. Ihrer Übersicht beraubt fing sie zu Protestieren an, ein zartes Mauzen, was mich fast zum Lachen reizte. Ich setzte sie aufs Bett, und begann meine Sachen zu Ordnen.
Denahi kam an ihr vorbei und lächelte.
„Du bist aber eine Hübsche Maus, komm doch mal her Kleine.“
Dann allerdings zog er seine Finger schnell aus dem Gefahrenberreich. Sitara war noch nicht bereit ihn zu mögen oder hatte noch Angst vor Fremden, sie zielte mit ihren Krallen direkt auf seine Finger und sie war schnell.
„Sitara.“ Ich wurde ein wenig lauter und sah sie strafend an. Es genügte um sie dazu zu bringen, sich zu Unterwerfen.
„Dies ist der Mann der dich Füttern wird, also benimm dich.“ Ich wandte mich Denahi zu und deutete ihm, sie zu berühren.
„Keine Angst Mädchen, er wird dir nichts tun.“
Es war interessant es zu sehen. Diese kleine Raubkatze, nicht viel größer als eine normale Katze, lag auf dem Bett und beobachtete Denahi, der sich jedoch nicht traute, ihren Kopf zu berühren.
Keine zwei Minuten später allerdings ertönte ein monotones Schnurren vom Bett und ich durfte meine Arbeit, dass Packen, alleine erledigen.
Ein zögerndes Klopfen ließ Denahi zur Tür rennen und diese öffnen. Davor stand, mit seltsamer, entschuldigender Geste, Takeo.
„Sheitan, wie weit bist du mit dem Tiger?“
„Sie liegt hier entspannt auf dem Bett. Wieso?“
„Ein Würdeträger des Clans hat da noch ein Geschenk für dich... es ääh. Ähnelt dem was du von mir bekommen hast.“
Ich kam zur Tür und fand meine böse Vorahnung bestätigt. Ein älterer Mann stand da, mit einem Käfig hinter sich, aus dem ein leises Fauchen drang. Der Mann lachte mich an, verneigte sich und ging.
Sitara, durch das Fauchen aufmerksam geworden, kam zu mir heran und schaute auf den Gang.
Vorsichtig nährte ich mich dem Käfig und murmelte beruhigende Worte. Das Fauchen ließ nach und erwartungsvolle Stille trat ein.
„Ist deins.“ Sagte Takeo, als er sich mit drei Schritten rückwärts in Sicherheit brachte.
Auch Denahi versuchte erst gar nicht in die nähe der Kiste zu kommen.
Ich schritt auf sie zu und zog den Vorhang, der die Sicht nach innen Verdeckte, mit einem Schwung zur Seite.

Kapitel 25