Kapitel 22

„Ich danke euch, Freunde und hohe Herrschafften der Otori. Ich danke euch für euer erscheinen zu einer besonderen Taufe. Takeo, Herrscher des Clans, hat einen Erben erwählt.“
Auf dem Platz herschte nun ein ohrenbetäubender Krach. Alle tuschelten durcheinander, übertönten sich mit rufen, es herrschte Caos.
Ein junger Mann, etwa in meinem Alter, trat vor Isis und verneigte sich.
„Herrin des Tempels, wir sind froh dass der Clan der Otori einen Nachfolger gefunden hat. Jedoch irritiert sind wir, auf wehn die Wahl viel. Der Clan soll von einem Unwürdigen geführt werden?“
„Natiaf, ein einfacher Soldat sollte nicht solche Reden schwingen. Wo ist deine Erziehung geblieben dass du es wagst die Herrin anzusprechen?“
Der General stellte sich vor mich und sah straffend auf den Mann hinab, der an den Stufen des Tempels stehen geblieben war.
„Ich wurde nach unseren Regeln erzogen. Was kann dieser Bastard vorweisen?“
„Ich weis wann ich still zu sein hab.“
Natiaf sah mich an und in seinen Augen schimmerte der von Arai bekannte Hass. Ich verstand nur nicht so ganz warum er es wagte den Mund auf zu machen. Er trug eine einfache Rüstung, ohne jedes Wahrzeichen, war also so weit unter mir, dass ich ihn eigentlich noch nicht einmal sehen dürfte. Nun musste ich also schon die Strenge eines Lord zeigen, sonst würde ich nie ruhe haben.
„Komm her Natiaf und geb mir dein Schwert!“
„Ich reiche meine Waffe keinem Unwürdigen.“
Okay, wie er wollte. Jato tanzte in meine Hand und beschrieb einen eleganten Bogen, wobei ich Natiaf das Schwert sauber aus der Hand schlug. Mit einem Satz hatte ich die Klinge aus der Luft gegriffen und Jato an seinen Hals gedrückt. Ein weiterer Zentimeter, und Natiaf wäre Kopflos. Er wusste um seine Lage und hielt Still, bis ich wieder vor ihm Stand. Kräftig drückte ich in seinen Nacken, so dass ihm nicht weiter übrig bleib, als sich zu verneigen. Und ich drückte Tief!
Aber dass reichte nicht, leider. Natiaf hatte mir keine Wahl gelassen, er musste entehrt werden, wenn ich als Heerscher irgendwann mal akzeptiert werden wollte. Es durfte immerhin niemand an mir zweifeln, wir hätten uns sonst wirklich alles sparen können.
„Halte dein Schwert vor dich, wenn du ein wenig deiner Ehre behalten willst Natiaf. Und beug dich nach vorne, du kennst die Gesetzte. Und du hast sie eindeutig gebrochen.“
In den Augen des Mannes, fast noch ein Kind, schimmerte Angst. Aber er wagte es nicht sich mir zu widersetzten. Er wusste genau was nun kommen würde, tot, wenn ich gnädig war sogar durch die Körpermitte. Er hatte wahrscheinlich keine Angst dass er sterben würde, er hatte nur Angst, dass es für ihn Unwürdig sein würde, also die Abtrennung des Halses.
Ich beugte mich vor Natiaf und sah ihn an. Er neigte seinen Kopf, doch ich konnte dass Zittern seines Körpers sehen, die Tränen, die ihm über die Wangen liefen, sehen.
Aber ich war kein Mörder. Ich stellte mich vor ihn, Jato in der Hand und schlug zu.
Sein Schwert zerbrach in tausend Teile, splitternd brach dass Metall und der Griff hielt dieser Probe auch nicht stand. Erstaunt sah Natiaf mich an und schluckte seine Tränen schnell hinunter. Ich deutete ihm Aufzustehen und schickte ihn davon. Er verstand sofort, gut, dass hatte gesessen. Takeo strahlte mich an.
“Ich wusste dass ich in deiner Erziehung nichts falsch gemacht habe.“

Nach diesem Zwischenfall kamen keine Einwände mehr. Isis konnte mit der Zeremonie weitermachen.
„Zu einem Lord gehört ein neuer Name. Genauso wie die alten Kleider nach einem harten Tag abgelegt werden, wird der gewöhnliche Name nach der Taufe abgelegt. Der Start in ein neues Leben beginnt nun und ich möchte dich bitten Nick, komm zu mir.“
Ich ging gehorsam nach vorne und sah sie an. Mehr als sonst wurde mir ihr Macht bewusst und dass sie eine Freundin für mich geworden war.
Lächelnd deutete sie mir an mich in Richtung der Menschen zu stellen und ließ sich von einem Mönch die Schale bringen, dessen Flamme nun in einem intensiven Rot erstrahlte.
„Liebe Freunde, das Geisterwesen wurde bestimmt und durch diese Flamme bestätigt. Ein neuer Name weist den weg in ein neues Leben. Nick, dein neuer Name wird hier dein einziger sein, niemand wird dich je wieder Nick Carter nennen. Bist du dir wirklich sicher dass du dies möchtest?“
„Ich bin mir sicher ein Mitglied dieses Clans zu sein, ich war nie etwas anderes!“
„Dein Name ist an deinem Geisterwesen angelehnt, er unterstreicht die Stärke deines Begleiters, gleichzeitig betont er dein Wesen.“
Sie ging ein Stück nach vorn, näher an die Menge, die nun aufmerksam lauschte. Aus den Augenwinkeln sah ich Denahi und Takeo, sowie Arai, die sich hinter mir zu einem Halbkreis Aufstellten.
„Oh ihr Götter, hört mich an. Hier steht jemand, der in die Reihen des Clans aufgenommen werden möchte. Sein Name soll nun verkündet werden.“
Atemlose Stille verbreitete sich über dem Platz und ich hätte schwören können, dass sogar der Wind für diesen Moment inne hielt.
„Sein Name wird Lord Sheitan Otori sein.“
Ein lauter Applaus, vor wie hinter mir, sagte mir dass ich es wohl überstanden hatte. Verschiedene Männer, allesamt nun unter meinem Stand, kamen auf mich zu und beglücktwünschten mich zu meiner neues Familie, hießen mich willkommen. Viele gingen auch zu Takeo, beglückwünschten ihn zu seiner Wahl, machten Witze, dass er ja nun bald in den Ruhestand gehen könnte. Der ganze Platz hatte sich in eine wogene Masse verwandelt, in der man keinen Punkt fixieren konnte. Alle stürmten, oder schlichen, hin zur Tempeltreppe, auf der ich stand.
Männer, die mich vor zwei Tagen noch belächelt hatten, klopften mir auf die Schulter, sprachen mir nut zu und lächelten. Ich war glücklich wie schon lange nicht mehr, ich hatte eine neue Familie gefunden, und was für eine!

Kapitel 23