Kapitel 20

Isis empfing mich in meinem Zimmer und reichte mir einen Kimono. Er was Reinweiß, wie ihrer, nur hatte er am Rücken kein Wappen. Sie half mir hinein und band meine Haare wieder zu der Kriegerfrisur hoch, wie bei der Schwertweihe im Tempel.
„Ab heute wirst du ein Otori sein, wir werden nun zu deiner Taufe fahren.“ Erklärte sie mir kurz angebunden, als sie die letzte Schlaufe für den Obi band.
„Aber zuerst werden wir deinen Geist überzeugen, dass er zu dir gehört.“
„Wie willst du dass denn machen?“ fragte ich erstaunt. Die Bewegungen an meiner Hüfte hörten kurz auf, dann zogen sie stärker an mir.
„Nicht ich, DU wirst dass machen. Du wirst schon merken, wie du es anstellen kannst.“
Okay, mit dieser Antwort sollte ich also zufrieden sein. Allerdings verspürte ich keine Angst vor meinem Geist, er gehörte ja zu mir. Und ich hatte einen Vorteil zum letzten Mal, ich wusste von wo er kommen würde!
Denahi und Takeo waren bei uns, als Isis mich erneut in Trance gleiten ließ.

Ruhig wartete ich die Tiere ab, die wieder an mir vorbeizogen, danach drehte ich mich allerdings sofort um. Der Tiger war wieder da, lautlos zog er die Lefzen, als er Erkannte, das ich ihn bemerkt hatte.
„Hallo mein Freund.“ Sagte ich leise und bewegte mich selbstsicher auf ihn zu. Seine blauen Augen starrten mich an. Ich konnte die Kraft spüren, die er ausstrahlte und behielt einen gewissen Abstand zu ihm. Dann sprang er wieder, wieder konnte ich dass prächtige Spiel der Muskeln bewundern, wie sie sich im Fluge spannten und der große Körper die Luft durchschnitt.
Diesmal allerdings wich ich aus, so dass er neben mir zum stehen kam und mich ansah.
„So nicht mein Freund, einmal Schmerzen hat mir gereicht. Außerdem sollst du mich eigentlich stärker machen und nicht schwächen.“
Die riesige Katze legte ihren schönen Kopf schief und sah mich lange an. Ich hielt ihr meine Hand hin und sie kam näher. Von Kopf bis Fuß musterte sie mich und sprang mich an, so dass sie mir in die Augen sehen konnte.
Leise Fauchend machte sie mir begreifbar, dass ich still zu sein hatte.
Plötzlich geschah etwas seltsames, eine Stimme drang in meine Gedanken.
„Mich juckt es hinterm Ohr, ich hoffe dass das hier gleich vorbei ist und dieser Mensch geht.“
Nun völlig verwirrt sah ich in diese zwingenden Augen.
„Hey, ich bin zwar nicht bereit zu gehen, aber das Kratzen könnte ich übernehmen.“ Gesagt, getan. Meine Finger glitten hinter die Ohren des Tigers und ich wiederholte die Bewegungen, die Quincy, Kevins Katze immer zum Schnurren reizen.
Der Tiger sah mich verwundert an.
„Verstehst du mich?“
„Seltsamerweise jedes Wort, wieso, kann dass hier nicht jeder?“
„Nein, und normalerweise rede ich nicht mit Menschen.“
„Du kannst mir glauben, dass es bisher auch nicht üblich für mich war, mit Tigern zu sprechen.“
Wieder umrundete mich die Katze, doch ihre Bewegungen waren Freundlicher geworden. Dann rieb sich dass schwere Tier an meinen Beinen. Da er allerdings so groß war, dass er eher an meiner Hüfte rieb, brauchte ich einiges an Kraft, ohne dass Training wäre ich umgefallen. Die Lefzen des Tieres verzogen sich zu einem Lächeln.
„Und du möchtest jetzt mich als Geisterwesen beherschen?“
„Nein, ich kam her um einen Freund zu suchen.“ Erwiederte ich schlicht, wärend die große Katze wieder um mich schlich.
„Ich kann in dein Herz sehen, es ist frei von Machtgier und sehr gefühlvoll, so etwas findet man selten. Ich würde mich freuen, dein Geisterwesen zu sein.“
Ich nickte ihm zu und er kam zu mir. Dann verschwand er in mir!
Ich viel aus der Trance und sah direkt in Isis wartende Augen.

Kapitel 21