Kapitel 18

Isis sah noch ein paar Male nach mir, bis ich endlich Aufstehen durfte. Ich erkannte sofort, dass es besser wäre Liegen zu bleiben, denn meine Beine knickten mir weg wie Streichhölzer und vor meinen Augen begannen Sterne zu Tanzen. Als ich die entsprechende Bemerkung machte, wollte Isis nur Wissen wie diese Sterne Aussahen und lachte los.
Nach mehreren Schritten konnte sie mich loslassen und ich Stolperte mehr schlecht als recht durch mein Zimmer.
„Suchst du etwas?“ kam von Takeo, der in diesem Augenblick durch die Tür kam und verwundert meinen Kampf mit meinem Körper beobachtete.
„Ja, mein Gleichgewicht!“ jammerte ich zurück und musste mich auch direkt an der Wand des Wohnbereiches festhalten, damit ich nicht schon wieder unfreiwillig auf dem Boden lag.
Den restlichen Tag sollte ich zur Entspannung nutzen, eine Tatsache, über die ich sehr Froh war.
Ich eierte zu einer Gartenanlage und ließ meine nackten Füße in das Wasser des Sees baumeln. Versonnen betrachtete ich die Wasseroberfläche und ließ meine Gedanken kreisen. Ich hatte etwas sehr Machtvolles miterlebt. Darüber musste ich erstmal nachdenken.
Isis hatte Gesagt, dass mein Tier noch zu stark für mich sei, es hätte meinen Körper wieder Verlassen. Daher wären auch die Schmerzen gekommen.
Um mich vom Grübeln abzuhalten sah ich mich um. Am anderen Ende des Sees liefen zwei Geishas herum, die kicherten und dauernd ein kleines Mädchen schubsten, die der einen den Sonnenschirm festhielt. Dadurch kam die kleine aber aus dem Schritt und stolperte. Was zur Folge hatte, das die, deren Schirm gehalten wurde, einen Augenblick der Sonne ausgesetzt wurde.
Das arme Mädchen wurde immer wieder von den beiden Geishas in die Mangel genommen.
Als sie zu mir kamen, rief ich die Kleine auf Japanisch an.
„Hey du, komm mal bitte her.“
Zögernd sah sie mich an, wagte es aber nicht, sich mir zu widersetzten.
„Ha Herr?“ Scheu senkte sie die Augen.
„Holst du mir bitte eine Portion Nudeln von dem Verkäufer da? Du möchtest doch bestimmt dir ein Paar Yen verdienen.“
Die beiden Geishas lachten und eine kam auf mich zu.
„Herr, bitte beachten sie diese Göre nicht, ich werde ihnen holen was sie wünschen.“
„Wie ist ihr Name?“ fragte ich und sah ihr in die Augen.
„Hatumi Herr!“
„Sieh Hatumi, ich möchte die Kleine schicken, da du so schön bist und dich jeder um ein Foto bitten wird. Ich möchte meine Nudeln aber noch heiß essen, also wird sie,“ ich deutete auf dass Mädchen, das erstaunt hinter mir stand, „mir diese sicher schneller bringen können als du.“
Damit gab ich der kleinen das Geld und sie rannte los, und dabei fast Lord Arai über den Haufen, der in diesem Augenblick hinzukam.
Er lächelte hinter dem Mädchen her und ließ sich neben mir ins Gras fallen, wobei er die Geishas zu ignorieren schien.
„Alles wieder in Ordnung mit dir?“ fragte er und sah auf die Seefläche hinaus, wo einige Schwäne ihre bahnen zogen. Ein Kranich suchte in der Mitte des Sees nach Fischen.
„Noch ein wenig Wacklich auf den Beinen, sonnst ist alles okay,“ gab ich zurück und Beobachtete das Mädchen, dass in diesem Moment bei dem Verkäufer angekommen war. Die Geishas standen immer noch um uns und versuchten sich bemerkbar zu machen.
„Hatumi? Welchen Namen hat dieses Mädchen?“
„Sie heißt Nami, Herr.“
In diesem Augenblick kam Nami mit den Nudeln zurück, die sie mir auch sofort mit dem Wechselgeld reichte. Es fehlte nichts, also war sie Ehrlich.
„Ich danke dir, kleine Nami. Und hier,“ ich reichte ihr ein paar Münzen, „ist deine Belohnung dafür, dass so ein schönes Kind wie du einem Mann einen Gefallen getan hat.“
„Ich bin nicht schön Herr, das werde ich nie sein.“
„Wer sagt denn so was?“ gespielt entsetzt zog ich die Augenbraun hoch.
„Hatumi-San.“
„Dass kommt aber nur daher, weil Hatumi-San selber so schön ist, und ständig von schönen Frauen umgeben ist, so dass sie ein schönes Mädchen gar nicht mehr erkennt.“
Die Kleine lächelte befreit und auch Hatumi lachte auf.
„Herr? Ich möchte sie nur ungern stören, aber wir müssen nun weiter.“
„Dann möchte ich euch nicht Aufhalten!“
Die drei verabschiedeten sich und ich konnte gerade noch erkennen, wie Hatumi die kleine Nami fragte, wie viel Geld sie denn bekommen hätte.

Arai sah mich an und deutete wieder auf die Oberfläche des sich bewegenden Wassers.
„Sieh dahin, es beruhigt die Nerven und Gedanken.“ Sagte er und setzte sich ein stück näher an mich heran.
„Einen machtvollen Gefährten haben die Götter für dich ausgesucht. Ich drücke dir die Daumen, dass du es auch eines Tages beherrschen kannst.“
Erstaunt sah ich zu ihm Herüber, wusste nicht was ich davon halten sollte.
Er bemerkte meinen Blick, erwiderte ihn lange und ruhig, beruhigte meine Gedanken.
„Du siehst sehr besorgt aus, was ist passiert?“
„Ich war für mein Tier nicht stark genug.“ Gab ich zu und starrte auf den See.
In meinem Kopf rotierten die Gedanken, war ich Takeo nach dieser offensichtlichen Enttäuschung noch stark genug? Genügte ich seinen Anforderungen an seinen Nachfolger?
Arai schien zu Wissen was sich in mir Abspielte, er sah mich aufmerksam an und neigte seinen Kopf ein wenig zur Seite, als er mich Ansprach.
„Vergiss nie dass Takeo dich erwählt hat! Dieses Wissen ist dein höchstes Gut. Du bist nicht Irgendwer und glaube nicht, dass Takeo je daran Zweifeln wird. An dir zu Zweifeln würde bedeuten, dass er an sich selbst Zweifelt. Dies ist etwas was du nie Erleben wirst!“
Er legte mir seine Hand auf die Schulter und riss ein wenig an ihr, als wollte er mich Wachschütteln.
„Takeo hat damals, in dieser Strasse in Kalifornien, irgendetwas in dir Gesehen, etwas was tief in dir Steckt. Dieses Etwas ist immer noch da Nick, auch wenn du an einer Aufgabe gescheitert bist, nimm sie wieder ins Visier, mach weiter und lass dich nicht Aufhalten. Niemand wird hier schlecht von dir Denken, wenn du etwas erst beim zweiten Anlauf schaffst. Aber jeder wird über dich lachen, wenn du Aufgibst.“
Während dieser kleinen Rede war mein Kampfgeist wieder erwacht. In meinen Augen blitze es wieder und ich war voller Tatendrang, es nochmals mit meinem Geist aufzunehmen, nur mit einem Unterschied, diesmal würde ich Gewinnen!

Kapitel 19