Kapitel 15
Wir fuhren lange, bis wir vor einer Gartenanlage hielten. Ein kleines Stückchen gingen wir zu fuß, bis ich, durch ein Blitzen abgelenkt, stehen blieb.
Durch die Bäume, die den Weg einengten, konnte ich ein Dach, in der typischen Pagodenform, erkennen. Ein riesiges Dach, und ich war sehr gespannt, welcher Palast sich darunter verbergen würde. Als wir um eine ecke bogen, erstarrte ich. Der Tempel stand mitten in einem See, durch zwei kunstvoll verzierte Brücken verbanden das Anwesen mit dem Park.
Über diese Holzbrücken betraten wir die Anlage. Das gesamte Gebäude stand auf hohen Holzsäulen, Im traditionellen Rot erstrahlten die Zierleisten, die das gesamte Dach umgaben.
Es waren drei Gebäude, zwei kleinere die ein großes umgaben, durch Korridore aus Bankirrhai-Holz verbunden.
Das Wasser floss in einer Art wilden Bach neben den wegen her und umspielte sanft die Holzmasten, auf den dieser Tempel erbaut war. Ich fühlte mich sofort heimisch.
Isis und der General standen bereits an dem kunstvoll verzierten Eingang und warteten auf uns.
Schweigend, den Moment voll und ganz Auskostend, betrat ich nach Takeo und Arai den Tempel.
Überall waren Schriftzeichen angebracht, alles glänzte und das Holz blitze fast in dem Licht, das durch die bunten Fenster viel.
Wir gingen zu einem geräumigen Innenhof, der in der Mitte des Anwesens lag. Dort war bereits ein Erdhügel aufgeschüttet worden, auf dem gerade ein Holzscheit bereitgelegt wurde.
Ein Mönch kam auf uns zu und nahm mir das Schwert ab, dann verneigte er sich vor mir und deutete mir an, ihm zu folgen.
Wie verließen den Platz und schritten in ein kleines Zimmer, am anderem Ende des Innenhofes.
Ich muss Wissen, wie ihr Schwert heißen soll, versuchte er mir in Englisch zu sagen. Seine Miene entspannte sich, als ich Japanisch antwortete.
JATO! Ich wähle den Namen des ersten Schwertes von Lord Takeo Otori.
Der Mönch nickte nur lächelnd.
Nun, ohne mein Schwert, ging ich zurück zu Takeo, Arai, dem General und Isis.
Na, alles erledigt?
Ja, der Name ist Ausgesucht und das Schwert ist weg.
Wir alle lachten, als wir auf den eigentlichen Schrein zugingen, der in der Mitte des Gebäudes lag. Isis zog mich kurz an sich.
Bist du bereit Erwachsen zu werden?
Jetzt oder nie! Ich weiß nur nicht, was nicht erwartet.
Erstmal eine Teezeremonie, dann das feierliche Zerteilen des Holzscheites und anschließend ein kleines, belangloses Abendessen im Hotel.
Mehr als drei Fragezeichen lagen in meiner Stimme als ich antwortete.
Belanglos?
Den passenden Kimono wirst du nachher bekommen. Bevor wir aber anfangen, müssen wir bei dir noch was ändern!
Sie zog einen streifen Seide aus ihrem Obi und kam damit auf mich zu.
du bekommst jetzt erstmal eine Frisur. Verkündete sie mir und deutete mir, mich zu knien.
Ich spürte nur noch wie sie mir an den Haaren sog und hielt mit dem Kopf, so gut es eben ging, dagegen.
Dann ließ sie mich zu den anderen zurück, bei denen sich ein Heiterkeitsausbruch breitmachte, als sie mich sahen.
Hey Isis gratuliere. Du hast aus ihm nun auch äußerlich, einen Krieger gemacht. Das sieht echt gut aus Nick.
Danke Lord Otori. Da erst hatte ich die Gelegenheit in einen Spiegel zu sehen. Meine Haare waren zu einem Zopf gebunden, der genau auf der hinteren Mitte meines Kopfes saß. Ich fand es lächerlich!
Aber Takeo, Arai und der General waren begeistert. Gemäßigt schritten wir wieder zurück zur Mitte des Gartens und knieten uns auf die dafür vorbestimmten Plätze. Ich saß zwischen Arai und dem General, die mir Aufmunternd zunickten und mich anlächelten.
Um uns herum begann sich der Sandplatz zu füllen. Eine bunte Menge farbiger Kimonos verschwamm vor meinen Augen.
Als eine Glocke schlug, stand Isis auf und schwebte nach vorne. Sofort verstummten die Gespräche um mich herum und es wurde sehr Still. Diese Stille war fast spürbar, nur Unterbrochen vom Rascheln der Blätter und dem Rauschen des Wassers im Hintergrund. Ich musterte Takeo und Arai, sie schienen Gefangen in diesem Augenblick, so dass sie sogar die Luft anhielten um diesen Zauber nicht zu zerstören.
Dann ergriff Isis das Wort, laut und klar drang ihre Stimme über den Platz.
Verehrte Freunde, danke dass ihr so schnell kommen konntet. Willkommen zu einer Zeremonie, die den Start eines neuen Kriegers ermöglicht. Unter uns sitzt nun ein junger Mann, einer, für den heute ein neues Leben beginnt. Ihr werdet ihn ansehen und euch wundern, aber er hat sich im Kampf, in seinen Prüfungen aber, vor allem, Menschlich bewährt. Also erbitte ich den Segen der Götter, gleichzeitig mit eurer Toleranz. Nick, kommst du bitte nach vorne?
Zitternd gehorchte ich, stand auf und ging von Takeos Blick begleitet zu Isis. Bei ihr angekommen drohten meine Knie endgültig nachzugeben und meine Hände waren Schweißnass. Ich verneigte mich, bis sie mir erlaubte Aufzustehen. Sie wies mich an, mich neben sie zu stellen und erst jetzt hörte ich das Stimmgewirr, das sich auf dem Platz eingestellt hatte.
Wer nicht bei meinem Namen schon gemerkt hatte, was Isis mit wundern gemeint hatte, wusste nun bescheid. An meinem Äußeren konnte nun ja wirklich jeder erkennen, das ich kein Japaner war.
Mir wurde schlecht vor Angst und ich schloss nervös die Augen, bis ich Isis Hände auf meinen Schultern spürte. Sie hatte sich hinter mich gestellt, so dass ihre Kraft mich einhüllte. Neues Selbstvertrauen strömte in mich.
Ich war nicht irgendwer.
Ich war erwählt worden, hatte mich nicht angeboten.
Irgendetwas hatte Takeo in mir gesehen, etwas Besonderes. Und ich war fest entschlossen diesen Leuten genau das zu zeigen!
Mit einem Ruck öffnete ich die Augen. Meine Schultern durch drückend sah ich in die Menge, versuchte nur zu Takeo und Arai zu sehen, was mir zusätzliche Sicherheit gab. Isis lächelte mir zu und wieder herrschte Stille, als sie das Word ergriff.
Ein Schwert ist der Anfang eines Kriegers. Ohne wird er in der Schlacht scheitern. Nick, dass Schwert, welches du gleich bekommst, ist das Idealziel deines Trainings. Es ist Stark, Schnell, Tödlich. Es ist ein Freund, ein wertvoller Verbündeter. Gleichzeitig ist es Sanft, Hilfsbereit und gibt nach, wenn die Zeit gekommen ist. Und da jeder Freund einen Namen braucht, führen wir heute diese Zeremonie durch.
Bei diesen Worten kam der Mönch, der mir das Schwert abgenommen hatte, in die Mitte des Greises. Er gab Isis einen kleinen Zettel, dann ging er zügig zu dem Kantholz zurück.
Isis lächelte als sie sich den Zettel durchlas und gab kurz ihre formelle Körperhaltung auf.
Er wird sich freuen. Sagte sie mir ins Ohr und strich beruhigend über meinen Rücken.
Der Mönch hob das Schwert mit beiden Händen über seinen Kopf und zog die Klinge aus der Scheide. Dann nahm er kurz maß und unter einem gezielten, kräftigem Schlag, zersprang das Holz in zwei Teile.
Stille herrschte über dem Platz als der Mönch Isis zuerst die Holzteile brachte.
Fühl mal, sagte sie leise und ich ließ meine Finger sanft über die Schnittstelle gleiten. Verwundert hielt ich inne und sah sie an. Meine Finger konnten keine Splitter ausfindig machen, vollkommen glatt war die Klinge durch das Holz geglitten.
Nun brachte uns der Mönch das Schwert, das Isis, genau wie die Holzteile, eingehend Musterte.
Von einem eingehenden Blick begleitet zogen ihre Finger über die Klinge, suchten nach Einkerbungen oder Rissen in dem glattem Stahl.
Das Schwert hat seine Prüfung bestanden! rief Isis aus und übergab mir die Waffe.
Ich sah Takeo und Arai lächeln, Takeo sah sehr Erleichtert aus, Arai drehte sich zu mir um und reckte seinen Daumen in die Höhe. Diese Geste hatte ich nicht von ihm erwartet.
Möchtest du den Namen sagen?
Ich schüttelte nur stumm und heftig den Kopf, was die Menge vor mir mit einem Auflachen quittierte. Aber um meiner Stimme wieder zu trauen, war ich zu nervös.
Ihr Götter, hört mich an. Soeben wurde ein neues Schwert Geweiht, die Klinge heißt von nun an Jato!
Takeo riss den Mund auf und schluckte dann ein paar Mal lehr. Er konnte es nicht fassen.
Arai, als mein Patona, kam zu mir nach Vorne. Er zog meinen Kopf an sich und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Isis lächelte und beglückwünschte mich.
Einige der Männer kamen auf mich zu und so langsam dämmerte es mir, dass ich dass schlimmste überstanden hatte. Ein Mann sprach mich mit leidlichem englisch an, ob ich etwas verstanden hätte, als ich auf Japanisch bejahte, verschluckte er sich.