Kapitel 10

Zwei Stunden nach der ersten Prüfung hatte ich immer noch keine Ahnung wie ich Abgeschnitten hatte. Ich verbrachte die Zeit in meinem Zimmer und versuchte mich mit Meditation zu beruhigen.
Mir schien es eine Ewigkeit, bis sich meine Tür langsam öffnete.
Takeo berührte sacht meine schultern und strich beruhigend über sie. Er versuchte, ein wenig ruhe in meinen zitterten Körper zu bringen. Es gelang ihn nicht, so das er sich neben mich setzte und sich mir Anschloss. Lange saßen wir da so nebeneinander. Meditierten und sprachen kein Wort. Aber wir verstanden uns besser, als jemals zuvor. Ohne ein Wort zu wechseln wurden wir uns einig, das, egal was da kommen würde, wir zusammenhalten würden!
Nach ein paar Minuten sprach er mich an.
„Was musstest du tun?“
„Lord Arai hat die erste Aufgabe ausgesucht! Die Wurfsterne, General Tai muss ihm gesagt haben, dass ich damit Schwierigkeiten gehabt habe. Isis war für den Zeremoniellen Teil der Prüfung zuständig. Ich musste eigentlich gar nichts machen. Sie hat mir nur in die Augen gesehen und von mir Verlangt an verschiedene Sachen zu denken. Als ob sie etwas gesucht hat, es war grausam. Ich wusste nicht, was sie von mir wollte und was sie Gesucht hat. General Tai hat mich mit dem Langschwert geprüft:“
„Du scheinst sehr viel Angst zu haben Nick. Deine Stimme zittert und du spielst mit deinen Fingern, streichst dir immer durch die Haare. Sag schon, was ist dort Vorgefallen?“
„Lord Arai hat mich, als alles vorbei war, zu Seite genommen. Er sagte, dass ich ein Niemand wäre, der es nicht wert sei, von ihm geprüft zu werden. Er sagte, dass er mich lieber töten würde, als mir die Adoption zu erlauben. Takeo? Ich glaube ihm!“
Er sah mich an und schluckte.
„Dass er es so sieht hatte ich nicht erwartet. Ich wusste dass er nicht begeistert sein würde, aber direkt so?“
„Momentan habe ich nur Sorgen wegen Isis. Was sie gesehen hat weis ich nicht. In allen anderen Teilen weis ich dass ich bestanden habe. Dort ist alles gut gegangen, aber bei ihr bin ich mir nicht sicher.“
„Wie lief es denn in der Prüfung von Arai?“
„Er verlangte dass ich die Wurfsterne durch die Ringe werfe und sie in der Wand hängen bleiben. Ich schaffte es im ersten Durchgang, drei Versuche waren erlaubt. Er versuchte mich auch abzulenken. Als ihm das nicht gelang hat er mich... vergessen wir das, es nutz niemanden was, wenn ich mich nun Aufrege!“
„Was ist geschehen? Du musst niemanden hier in Schutz nehmen oder Angst haben, das ich ihn Anspreche, ich will es nur wissen. Er hat Dinge von dir verlangt, die normalerweise nur in der Dritten und Letzten Prüfung gefragt werden. Er will dich nicht weiterlassen!“
„Er beleidigte mich. Sagte dass ich nur eine neue Familie haben wollte. Bei einem Satz bin ich fast Ausgerastet. Er sagte dass meine Mutter mich nicht erzogen hätte und ich meiner Familie nichts wert sei. Es hat mich selbst gewundert, dass ich nicht versagt habe.“
Ich fühlte wieder diese rasende Wut in mir aufsteigen, beruhigte mich aber schnell wieder. Es nutzte ja wirklich niemanden was wenn ich nun Ausrastete. Am wenigsten wir selbst.
Wenn ich erstmal der Adoptivsohn von Takeo wäre, würde das eh aufhören. Ich musste mich wieder auf meine Prüfungen konzentrieren.
Takeo strich mir sanft über den Rücken und drückte aufmunternd meine Schulter.
„Du machst das schon. Es wird bald vorbei sein. Ich weis das Arai schwierig ist, besonders für dich. Aber er wird auch, nach einiger Zeit, sehen dass du anders bist. Lass ihm die Zeit, vergiss nie das ich dich ausgesucht habe, und behandle ihn immer und unter allen umständen mit dem größtem Respekt. Irgendwann wird er einsehen, dass er sich geirrt hat. Dann wirst du einen guten Freund in ihm bekommen!“
„Ich fürchte nur dass er es nie einsehen wird. Ich scheine für ihn nur ein minderwertiges Insekt zu sein. Wie habe ich so viel Hass verdient? Er hat mich schon am Flughafen so angesehen, das ich dachte er köpft mich sobald wir alleine sind.“
„Auch dieser Mann hatte mal ein Herz Nick, vergiss das nie. Es ist etwas Schreckliches geschehen, das er nicht vergessen kann. Gib ihm einfach Zeit festzustellen dass du anders bist.“
„Dass ich anders bin sieht er Takeo, ich denke dass es gegen mich geht, weil ich kein Japaner bin.“
„Was es genau ist, will ich dir nicht sagen, deine Herkunft ist es nicht. Zumindest nicht direkt!“
Er verneigte sich, als Zeichen dass die Unterhaltung beendet war.
Nach etwa 5 weiteren Minuten stille hörte ich Schritte auf dem Flur. Sie kamen rasch näher. Mein Atem beschleunigte sich und mein Herz raste. Leise betend wartete ich dass die Tür aufging, was sie auch gleich tat.
„Nick? Komm bitte in den Trainingsraum. Arai und der General warten.“
Zitternd stand ich auf und verneigte mich vor Isis. Sie lächelte nachsichtig und sah mich beruhigend an.
„Nur nicht nervös werden, es will dich niemand fressen!“
Doch Arai, dachte ich, aber hütete mich davor es laut auszusprechen. Ich sammelte den Rest von Würde, der mir geblieben war, ein und straffte die Schultern, als ich mein Zimmer verließ.
Das Geräusch umdrehender Schlüssel verriet mir, das Takeo mitkam. Dieses Wissen machte mich ruhiger, als alle anderen Übungen es hätten tun können.
Als ich den Trainingsraum betrat warteten die Herren in einem Halbkreis sitzend auf dem Boden. Ich verneigte mich und nahm meinen Platz zwischen Isis und Arai ein. Äußerlich die ruhe selbst, legte ich meine Hände in den Schoss und wartete, ohne das ich irgendeinen Ansah.
In mir brodelten meine Gefühle über. Angst, Wut, Scharm dass ich mich so hatte reizen lassen, und vor allem die lähmende Panik versagt zu haben, raubten mir die Luft.
Was tät ich, wenn ich versagt haben sollte? Wenn Arai mich absichtlich durchfallen lassen würde?
Ich hatte das Gefühl Stunden so dagesessen zu haben, als der General mich ansprach.
„Nick? Deine Prüfung war sehr gut, wir alle,“ dabei sah er Arai sehr scharf an, „haben keine Fehler entdecken können. Du hast mit der Besten Note bestanden!“
Wer nun ganz genau hingehört hatte, bemerkte das laute Krachen des Kontinentes, der mir in diesem Augenblick vom Herzen viel.
Takeo lächelte nur und beglückwünschte mir, indem er mir, sehr zur Verwunderung Lord Arais, die Hand reichte. Isis nahm mich kurzerhand in die Arme und flüsterte etwas in der Richtung „Hab ja gleich gesagt, das du keine Angst haben musst“ und der General meinte nur, das ich mich hüten sollte, ihn nochmals zu besiegen. Er wäre das von einem Schüler nicht gewohnt, ich sollte ihm Zeit geben.

Kapitel 11