Kapitel 5
Als ich, nach nur 10 Minuten Einweichzeit in der Dusche, nachgedacht hatte, war mir klar, das ich diese Frau überzeugen musste.
Das dies nicht mit dem üblichen mitteln, also lächeln und Flirten ging, war mir klar, aber wie dann? Da hieß es wohl nur, die beste Erziehung zeigen, immer Höflich und Folgsam, keine Widerworte, kurz all das, was meine Eltern vergeblich gesucht hatten.
Ich sprang aus der Dusche und zog mir den Trainings-Kimono an, schnappte mir im vorbeifliegen mein Schwert und stand 5 Minuten zu früh in der Halle.
Isis war noch nicht da, aber im Gedanken an ihr Gesicht und ihre Meinung, wenn sie mich Sitzend erwischen würde, blieb ich stehen und achtete nicht auf die Leute, die mich verwundert ansahen. Jetzt hieß alles nur Haltung bewahren.
Als Sie die Halle betrat, sah sie mich verwundert an, da ich ohne zu zögern mich vor ihr verneigte.
Gut Nick wir können dann, ich habe einen Trainingsplatz für dich gefunden.
Ich danke ihnen für die Mühe Herrin. Antwortete ich und ging ihr nach, immer mit mindestens drei Schritten Abstand, da es mir verboten war, näher an sie zu kommen.
Sie ging durch mehrere Korridore, bis wir vor einer Flügeltüre zum Stehen kamen. Eigentlich hätte ich die Türe öffnen wollen, aber mein Instinkt gebot mir, sie es tun zu lassen. Sie würde wohl sehr schlecht von mir denken, wenn ich durchblicken lies, das ich sie nicht für fähig hielt, diese Türe öffnen zu können.
Sie sah mich wieder verwundert an und neigte ihren hübschen Kopf ein wenig.
Du lernst schnell, was die Menschen von dir wollen Nick. Dann zeig mir mal, wie du mit dem Langschwert umgehst!
Ich wärmte mich erst auf, etwas was Takeo mir eingebläut hatte, und fing dann mit ein paar Übungen zum wieder-rein-kommen an, da ich mein Schwert lange nicht gebraucht hatte.
Isis sah sich das an und murmelte irgendwelche Worte.
Langsam bekam ich wieder das Gefühl für die Waffe zurück und meine Bewegungen wurden flüssiger, nachdrücklicher. Ich schien nicht mehr nur zu raten was ich tun musste. Ich vergaß völlig dass Isis mir zusah, dachte dass ich wieder zuhause war und mit Takeo trainierte.
Ich lies das Schwert in meine andere Hand gleiten und machte einen Salto, wobei ich mich mit der nun freien Hand abstütze, verführte Drehungen und Überschläge. Ich hatte vergessen, wo ich war, worum es ging, was für mich auf dem Spiel stand, alles was zählte, war die Waffe in meiner Hand, und ich wurde eins mit ihr.
Schwer Atmend beendete ich die Übungen und kam so wieder in der Realität an.
Erst jetzt bemerkte ich die verwunderten Blicke von Isis.
Mein Schwert wieder in sein Heft steckend verneigte ich mich. Dann richtete ich mich auf.
Bewegungen wie ich sie lange nicht gesehen habe, so kraftvoll und fließend. Jetzt verstehe ich Takeo!
Mehr sagte sie nicht.
Sie wies mich an, mich zu setzten und nahm meine Hände in ihre.
Dein Puls ist erstaunlich Ruhig, wie kommt das?
Mein Training war sehr anstrengend Herrin, ich bin nun daran gewöhnt und es macht mir fast nichts mehr aus.
Gut, du hast sehr feine Hände, was ist dein Beruf?
Ich bin Sänger! Warum sollte ich mich auch darüber schämen?
Sänger? Davon hat Takeo nichts erzählt, aber gut, wie erfolgreich?
Ich wusste nicht was diese Fragerei bewirken sollte, antwortete aber, das unsere Gruppe sehr erfolgreich sei.
In einer Gruppe? Wissen denn die anderen dass du hier bist?
Lord Otori schien es nicht für nötig, es ihnen zu sagen. Wir pausieren gerade.
Warum machst du nicht alleine Musik?
Ich habe ein Album herausgebracht, aber ohne die anderen hat es mir nicht so viel Spaß gemacht. Ich werde nun sehen, wann wir weiter machen.
Sie untersuchte weiter meine Arme und Hände, bis sie zu meinen Tatoos kam. Dort hielt sie inne und betrachtete es genau.
Ein Hai, der steht für Stärke, ich denke der passt zu dir. Der Koi, als mentales Gegengewicht, steht für Intelligenz. Nun auch das scheint zu passen.
Die Schriftzeichen sind auch für mich lesbar, auch sie scheinen zu stimmen. Hast du noch mehr?
Ich zeigte ihr die Tatoos auf meinem anderen Arm und beschreib ihr die anderen. Dann lies sie von mir ab und sah mir tief in die Augen. Ich erwiderte ihren Blick und sah sie an. Auch ihre Augen faszinierten mich.