Kapitel 4

Das erste was mir in die Augen sprang war eine Frau. Eine Frau in einem Gewand, so strahlend weiß, dass sie alles andere zu übertreffen schien. Ich spürte ihre Kraft und ihre Macht. Sie lächelte Takeo zu und im nächsten Moment war ich an sie herangetreten. Ich wurde gemustert, aber nicht nur von ihr, sondern von allen Seiten. Männer, meist fortgeschrittenen Alters, die ich noch nie gesehen hatte, begutachteten mich wie ein Stück Vieh. Ich kam mir entsetzlich dumm vor. Wie nur hatte ich glauben können, neben Takeo zu bestehen, seine Klasse zu erreichen. Sie, wie immer sie auch heißen sollte, schien meine Bedenken zu bemerken. Denn sie wandte sich erneut zu mir und musterte mich gründlich.
„Wie heißt du?“ Wollte sie Wissen und sah mich an. Ihre Augen waren fast Silbern, so ein helles Blau hatten sie.
„Mein Name ist Nick Carter!“ sagte ich im besten Japanisch und verneigte mich tief vor ihr. Sie lächelte mir zu und nickte.
Dann wandte sie sich an Takeo.
„Ist er es?“
Er nickte und die beiden entfernten sich ein Stück.
Mir wurde es immer unangenehmer, da ich an den Rüstungen der Männer erkannte, dass ich sie nicht ansprechen durfte. Also stand ich nur dumm rum, bis sich Takeo wohl wieder an mich erinnerte.
Die Frau zeigte mir an ihnen zu Folgen, doch um gehorsam zu wirken, wartete ich bis Takeo es mir sagte.
„Das ist Isis, eine der größten Priesterinnen und die Leiterin unserer Tempelstadt. Sie wird dir alles zeigen was du hier in Tokio wissen musst. Ich muss nun in eine Besprechung, wir werden uns später im Hotel wieder sehen.“
„Was Reden die da über mich?“
Was hätte ich „lästern“ gesagt, aber das fand Takeo dann vielleicht doch nicht so Witzig, dabei war es die einzig wirkliche Beschreibung, für das Kopf-zusammen-stecken, und das Mit-dem-Finger-auf-mich-zeigen.
„Sie sind halt neugierig, mach dir keine Gedanken. Und denk bitte drann, hier kein Englisch, diese Sprache existiert hier nicht!“
Mit diesen Worten lies er mich stehen und ging zu den Männer zurück, die mal wieder ihre Köpfe zusammensteckten, dann allerdings von ihm daran gehindert wurden.
Nervös biss ich mir auf die Lippen, als mich eine fremde Stimme herumfahren lies.
„Nicht so nervös Nick, es ist alles in Ordnung, ich Beiße nicht!“
„Tut mir leid, ich weis nur nicht so recht...“
„Was du nun tun sollst? Dich erstmal Ausruhen, der Flug war anstrengend genug. Takeo hat dir sicher bereits gesagt, das hier alle neugierig auf dich sind, also warum dann dieser Überraschte Ausdruck?“
„Lord Otori sagte mir nichts Herrin,“ meine Erziehung hatte nun doch dir Überraschung überwunden.
„Vor der Abreise waren wir zu sehr Beschäftigt, dass er nicht dazu kam.“
Sie sah mich einen Augenblick konzentriert an und ich hätte schwören können, dass ihr Blick sich veränderte. Sie musterte mich viel Freundlicher.
„Gut, dann wird er wohl noch zeit für dich finden!“
Mit diesen kurzen Worten ging sie los und ich musste mich beeeilen um mitzuhalten.
Wir kamen am Ausgang des Flughafens an und sie drehte sich dann doch noch mal zu mir um.
„Nick, wir werden nicht zur Tempelanlage fahren, du, als Fremder, darfst da nicht hin. Wir werden jetzt ins Hotelzimmer gehen, in dem du es dir Bequem machen kannst. Danach werden wir sehen, ob wir einen Übungsraum für dich finden, wo ich sehen kann, wie du mit den Waffen umgehst.“
„Ja Herrin!“
Ich verneigte mich erneut und hielt ihr die Tür zu einem wartenden Taxi auf. Diese Aktion verfolgte Isis mit einem milden lächeln.
Sie stieg ein und nannte dem Fahrer das Hotel. Keine fünf Minuten später waren wir da. Ich konnte jetzt erkennen dass der Clan viel Geld haben musste, das Hotel kannte ich nämlich schon. Hier hatten wir während der Japan-Tour immer gewohnt.
Ich lies es mir nicht nehmen, das Taxi zu bezahlen. Auf den Blick den mir die Priesterin zuwarf, antwortete ich:
„Ich habe noch nie Damen in meiner Anwesenheit bezahlen lassen. Bitte erlauben sie mir, nicht damit anzufangen!“
Endlich, ein befreites lächeln.
„Gut, ich sehe schon dass du Höflich bist. Aber du darfst mich eigentlich nicht Ansprechen. Aber lassen wir das, ich mag Menschen, die mich in ihre Seelen blicken lassen. Ruh dich nun ein wenig aus, wir treffen uns in einer halben Stunde in der Halle!“
Unschlüssig, wie ich mich in einer halben Stunde ausruhen sollte betrat ich mein Zimmer. Ich ging erstmal ins Bad und nahm eine Dusche.
Während das warme Wasser mir über den Körper rann, wusste ich nicht ob ich das schaffen würde. Wenn alle so wären, wie diese Priesterin, hätte ich verdammt schlechte Karten.

Kapitel 5