Kapitel 3

Takeo blieb lange bei mir, bis er mich an einem Abend, inmitten der Unterrichtseinheiten, zur Seite nahm.
„Ich müsste mal dringend mit dir Reden!“
„Hab ich etwas falsch gemacht?“
„Nein, keine Panik, ich wollte dich nur etwas wichtiges Fragen.“
Ich schnappte mir ein Handtuch und legte es mir um den Hals, damit kaschierte ich auch geschickt meine Atmenlosigkeit. Nervös biss ich mir immer wieder auf die Lippen, ich konnte mir nicht vorstellen, was er von mir wollte.
„Ich wollte dir keine Angst machen, du musst nicht blass werden!“
Ich lachte auf, er war einfach unglaublich.
Als ich mich gesetzt hatte rückte er zu mir.
„Ich wollte fragen ob du deine Ausbildung in der nächsten Zeit ein wenig ausweiten möchtest. Das heißt nun nicht, dass du nicht Fleißig warst, sondern dass ich dir etwas mehr zumuten möchte. Du hast deine bisherigen Aufgaben wirklich zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt, ich will dir nur neue Aufgaben geben.“
Ich sah ihn verunsichert an und versuchte ein leichtes Nicken. Noch hatte er mir zwar nicht gesagt, was er von mir wollte, aber schlimm konnte es zumindest nicht mehr werden.
„Ich möchte dich fragen, ob du vielleicht mein offizieller Schüler werden möchtest! Das würde dann auch sämtliche zeremoniellen Handlungen beinhalten und die japanische Sprache in Wort und Schrift. Also nicht viel mehr als du nun auch schon freiwillig machst. Allerdings müsstest du für eine bestimmte Zeit mit nach Japan kommen und dich dort einer Zeremonie Unterziehen. Einer Schwertweihe, und einer anderen, zu der ich später dir noch etwas sagen muss.
Die Grundausbildung hast du ja nun schon fast überstanden, aber du musst die Prüfungen noch ablegen, ohne die du nicht weiter machen darfst. Auch deswegen musst du nach Japan, da ich die Prüfungen nicht alleine Abnehmen darf. Ich werde zwar dabei sein, aber einige andere auch. Nicht zu vergessen die anderen Schüler, die alles schon Wissen und gegen die du antreten musst. Sei dir bitte darüber klar, das die meisten im traditionellen Alter von 5 Jahren angefangen haben. Sie werden bestimmt besser sein als du.“
„Habe ich eine Chance gegen sie?“ mehr wollte ich gar nicht Wissen. Wenn Takeo meinte, das ich es könnte, durfte ich nicht Zweifeln.
Er sah mir in die Augen und schien irgendwas in ihnen zu suchen. Nach einer Weile lächelte er. „Du machst sie Fertig,“ war das einzige, was er noch zu mir sagte.

Ich packte meine Sachen. Meinem Manager hatte ich bescheid gesagt, das ich Urlaub machen würde, so musste ich niemanden mehr Rechenschaft ablegen.
Wehrend des Fluges ging Takeo mit mir noch einmal die Etikette durch, die ich einzuhalten hatte. Ab heute gab es kein „du“ mehr zwischen uns, sondern nur noch ein respektvolles „Lord Otori“
Auch würde er mich nicht mehr „Nick“ nennen, nun war ich ein junger Schüler und kaum Würdig genug, mich mit ihm zu unterhalten. Erst hatte ich Bedenken gehabt, aber er hatte mir schnell gesagt, dass sich nicht viel zwischen uns ändern würde. Wir würden uns nach wie vor gemeinsam zum Training sehen, welches er leiten würde, und auch so, wenn kein anderer in der nähe war, miteinander Reden.
Als wir landeten umarmte er mich und flüsterte mir noch mal`s Mut zu, dann gingen wir aus dem Flugzeug.
Was mich nun erwartete, übertraf doch alles was ich mir vorgestellt hatte.

Kapitel 4